Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 256 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 256 —— Dagegen ist es erfreulich, in der Zeitschrift „Die Wirklichkeit", herausgegeben vom Grafen Bothmer, Heft 3, S. 25, einen Artikel zu lesen, in dem die Verdienste der Hochfinanz um die Gewährleistung unserer finanziellen Mobilmachung gerühmt werden. In derselben Zeitschrift, Heft 5, steht ein Aufsatz „Die Kunst der Eroberer", aus dem wir mit freudiger Zustimmung folgende Auslassung wiedergeben: „Wir erlebten es, daß Geistliche der verschiedenen Konfessionen im Felde friedlich ihr Quartier teilten und sich als gute Freunde gegenseitig halfen. Diese Bindung durch den Krieg sei das Symbol für unser Volk, und jeder trete mannhaft ein gegen alle Elemente, die das Trennende betonen. Um Deutschlands Frieden willen fordern wir konfessionellen Frieden und g e g e n s e i t i g e G e r e ch t i g k e i t. Das ist ein langer und mühseliger Weg. Aber -er muß zu Ende gegangen werden wie so mancher andere auch, wenn unser Staat wachsen soll an innerer und äußerer Macht." * Im Anschluß all unsere früheren Mitteilungen über die Evakuierung Palästinas bringen wir an dieser Stelle folgenden Aufruf: „Unter dem Zwange unerbittlicher Tatsachen haben Tausende unserer Brüder und Schwestern in Palästina ihr in jahrzehntelanger Arbeit geschaffenes Heim verlassen müssen. Jaffa ist evakuiert. Fast die ganze jüdische Bevölkerung hat die Stadt verlassen müssen, deren stolzer Aufschwung ein llnzerstörbares Zeugnis jüdischer Schaffenskraft geworden ist. Iris den jüdischen Kolonien ist nur ein Teil der jüdischen Bevölkerung zurückgeblieben. Heimlos in der Heimat, dem Flüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben, verlangt die jüdische Bevölkerung, die fast drei Jahre lang unverzagt ausgeharrt hat, unseren Beistand. Juden! In dieser Zeit nurß das gesamte Judentum beweisen, daß es die Pioniere unserer Wiedergeburt im Lande unserer Väter nicht verlassen wird. Kinder und Frauen, Alte und Kranke harren unserer Hilfe. Eine große, schnelle, umfassende Hilfsaktion tut not. An das gesamte Judentum treten wir mit der eindringlichen Forderung heran: Helft! Helft schnell! Helft mit Liebe! Das Judentum wird seine Pflicht tun. Das Hilfswerk für Palästina verlangt eure Tat." Hilfswerk für Palästina. Marburg. Spenden sind zu richten an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W 15, Postscheckkonto 4192. Die „Jüdische Rundschau", das in Berlin erscheinende Organ der zionistischen Bewegung, erhält über die Lage der jüdischen Bevölkerung in dem von den Räumungsmaßnahmen betroffenen palästinensischen Bezirk Jaffa nachstehenden telegraphischen Eigenbericht aus Jerusalem von Mitte Mai: Auf Grund besonderer Berechtigung bleiben in Jaffa zurück gegen 30 Juden, unter denen 12 Wächter für das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw, wo alles bis jetzt unversehrt ist und Gärten gepflegt werden. Laut Verordnung durften in den jüdischen Kolonien die Ackerbauer nüt Familien, die Pflanzungsbesitzer ohne Familienangehörige Zurückbleiben, jedoch wurde die Verordnung ohne Strenge angewendet, so daß die meisten Kolonieeinwohner auf Grund landwirtschaftlicher Beschäftigung Aufenthalts recht erlangen konnten. Nur etwa 600 Personen mußten die Kolonien verlassen. Von den 8000 bis 9000 jüdischen Einwohnern Jaffas, welche Jaffa verlassen mußten, befinden sich über 3000 in Untergallläa, über 1000 in Petach-Tikwah, 1000 in Kfarsaba, der Nest verstreut über judaische Kolonien in Samaria, Obergaliläa und in Städten. Bei dem zunächst nach Petach-Tikwah gerichteten Auszug aus Jaffa halfen jüdische Wagen aus Galiläa; die Wagenfahrt war infolge des gegenwärtigen Futterpreises sehr kostspielig; bei der späteren Weiterreise aus Petach-Tikwah standen Wagen nicht zur Verfügung, da Pferde requiriert lvaren. Bahnzüge aber waren tun* mit großen Schwierigkeiten nach tagelangem Warten auf der Station unter freiem Himmel und bei unzureichender Verpflegung erreichbar. Die geschilderten Beschwerden des Weges verursachten Erkrankungen und einige Todesfälle. Die Evakuierung untergrub die wirtschaftliche Existenz der meisten Betroffenen, erschütterte das Kolvnisationswerk, zerstörte die allgemeinen Institutionen. Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind unzureichend für die Flüchtlinge, unter denen Not und Krankheit herrschen. Erforderlich ist die Einrichtung umfangreicher Notstandsarbeiten. nur arbeitsfähige Flüchtlinge nicht zu Atmosenenrpfängern herabzu mindern. Die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten können cntvgenutzt werden durch Darlehen an Gesellschaften und Private, ferner durch Ameliorationsarbeiten auf den Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds; Errichtung von Lehmhütten und Zelten ist ebenfalls notwendig. Rationelle Flüchtlingsfürsorge beansprucht wenigstens 12 000 Francs täglich. Für die Erhaltung der Pflanzungen sind für die nächsten fünf Monate bis zur Ernte außerdem 250 000 Francs notwendig. Eine Evakuierllng Jerusalems ist nicht erfolgt. * Aus Rußland stellen wir aus verschiedenen Zeitungen nachfolgende Berichte zusammen. Wir sind nicht in der Lage, die einzelnen Notizen zu prüfen, und haben nicht nötig, große Kommentare dazu zu geben: Die „R u s s k i j a W j e d o m o st i" vom 28. April 1917 tadeln den empörenden Vandalismus der Zarenregierung in Ostpreußen imö Galizien und fahren fort: „Nicht geringer war der ungünstige bindruck der provozierenden Politik der Negierung den Juden gegenüber, die zu Hunderten und zu Tausenden verschickt, ohne Gerichtsspruch hingerichtet, ertränkt und beraubt wurden." Auf dem gegenwärtig tagenden Kongreß von Delegierten der Feld Heere hatte General Skalon ein Rundschreiben erlassen, in dem es-hieß er habe aus amtlicher englischer Quelle die Nachricht erhalten, in Kopenhagen sei eine G e h e i m v e r s a m m l u n g russische i Juden.abgehalten worden. Die Teilnehmer hätten beschlossen, iuid) Rußland zurückzukehren, um im Heere eine Agitation gegen den Krieg mit Deutschland zn treiben. Sämtliche Teilnehmer seien Deutschenfreunde. Die übrigen Delegierten des Feldheeres brandmarkten dar Rundschreiben als einen Versuch, die verschiedenen Nationalitäten Rußlands gegeneinander cmfzuhetzen. Der Arbeiter- und Soldatenrnt hat denn auch bereits die Absetzung Skalons und der weiteren Schuldigen sonne eine Untersuchung der ganzen Angelegenheit verfügt. Judenverfolgungen. Stockholm, 19. Mai. (Priv.-Tel.) Die Petersburger Tete graphenagentur meldet aus Kischinew: Banditen drangen iu das Haueines gewissen, an der Front befindlichen Adam Grünberg ein, ermvr beten dessen Frau und zwei kleine Kinder und die Dienstboten. Tn Leichen wurden verstümmelt. Ter Kreiskomrnissar weigerte M Schritte zur Verhaftung der Mörder zu unternehmen. Diese wurder von Milizen ins Gefängnis gebracht, befanden sich jedoch bereits nn nächsten Tage wieder auf freiem Fuß. Die jüdische Bevölkerung. dn mit Massakers bedroht wurde, beginnt fluchtartig die Dörfer zu verlassen. Nach einer Meldung aus Jassy vom 10. Mai eröfsneten dir rumänischen Antisemiten unter Führung des Professors Jorga einer Feldzug gegen die Juden. Diesen wurde verboten, sich der eigener Sprache zu bedienen. * Folgende sehr eigentümliche Nachricht verbreitet dir „Nationalzeitung": Jüdische Regimenter i n A m er i k a. Wie der „New Jork Herald" meldet, besteht bei gewissen ameri kanischen Regierungsstellen die Absicht, eigene jüdische Formativnu unter Gegen Zionist Lliinr ßetrag stellun Zi „Dan In rwch | 5lädti hande die P Tüder hier c die b Auer! bolnij entleg sich n die 8 Tun a sende lizien tr'nnli als i vünd lente ihre sich b der i Mänr r nutzer Fram perfül Tchm mitte) Turder geinei polnij Dri v eines seine •Vx'vc; leine chiru Iüdi Berli erach nach! ein I über verdc facfjn deni sich l die k I steboi Wich die I «tut rend pron