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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-25 · Heft 21 (25.5.1917) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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Laut allen Feinden ruf ich ins Gesicht: Wer mir zu Helsen kommt, gilt mir als Christ, Christlicher hundertfach als wilde Feinde, Die meine Schätze, meine Lande rauben. Nicht am Bekenntnis — an den Taten nur Wird Recht und Geist der Religion erkannt." Nur in der Judenfrage konnte sich der König, der jeden Bürger seines Staates nach seiner Fasson selig werden lassen wollte, zu keiner duldsamen Auffassung aufschwingen- # Ueber die Evakuierung der Juden a u s P a l ä - stina hat Reichstagsabgeordneter Dr. Cohn (Nordhausen) folgende Anfrage im Reichstag eingebracht: Ende März 1917 hat Djemal Pascha, der türkische Oberbefehlshaber der Sinaifront, angeordnet, die jüdische Bevölkerung, darunter deutsche, österreichische, ungarische und bulgarische Staatsangehörige, aus Jaffa und aus den vor Jaffa gelegenen Ackerbaukolonien und Fruchtpslanzungen wegschaffen zu lassen. Militärische Rücksichten wurden als Grund der Maßregel angegeben; der deutsche Generalstabschief. Djemals Paschas hatte sich aber -daPn ausgesprochen, daß foilche Rücksichten die Räumung jener Wohnstätten nicht gebieten. Nach den hier eingegangenen Berichten sind unter den Augen der türkischen Behörden gegen die ausgetriebene Bevölkerung Gewalttaten und Plünderungen verübt, viele Flüchtlinge getötet worden. Für die Beförderung und die Ernährung der Vertriebenen haben nach jenen Berichten die türkischen Behörden nicht gesorgt. Kennt der Herr Reichskanzler diesen Sachverhalt? Ist er bereit, aus die osmanische Regierung in solcher Weise einzuwirken, daß ‘ so weit es noch möglich ist — in Palästina die Wiederholung der armenischen Greuel mit Sicherheit ausgeschlossen wird? Schriftliche Antwort reicht mir aus. Auf dieselbe Angelegenheit, die ungemein betrübend ist, bezieht sich folgende berichtigende und einigermaßen beruhigende Auslassung des Hilfsvereins der Deutschen Juden: Zu den in letzter Zeit durch die Auslandspresse verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in Palästina erhält der Hilssverein der deutschen Juden in Berlin von einem seiner Vertreter in Palästina das nachstehende Telegramm: Der Bezirk Jaffa ist von der ganzen Bevölkerung aus militärischen Gründen geräumt worden, wobei jedoch der landwirtschafttreibenden Bevölkerung der Verbleib gestattet wurde. Aus der Stadt Jaffa selbst mußten die Bewohner, darunter auch etwa 7 0 0 0 Juden, auswandern, die zunächst in der 18 Kilometer nördlich gelegenen Kolonie Petach Tikwah Aufnahme fanden und von dort aus allmählich wektergezogen sind. Da die Leute bei dem Mangel an Transportmitteln nur wenig von ihrer Habe mitnehmen konnten, und da vereinzelt Ausschreitungen vorgekommen sind, herrscht unter ihnen begreifliche Not, die hohe Anforderungen au die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonien und Organisationen stellt. Der türkische Oberkommandierende Djemal Pascha hat zu Helsen gesucht, indem er mehrere tausend Pfund als Darlehen gab. Er hat auch auf Ansuchen die Durchführung der Räumung wegen des Passahfestes um zwei Tage verschoben. Da die Leute teilweise zu Fuß gehen und im Freien übernachten mußten, sind infolge Erschöpfung, Seuchen und Unglücksfällen vereinzelte Todesfälle — vier Fälle sind bisher bekanntgeworden — vorgekommen. Weitere übertriebene Nachrichten sind unrichtig. Die Räumung Jerusalems ist nicht nngeordnet worden. Leopold tzarotu. Bon Justizrat Hugo Sonnenseld. 23. März 1847 in Bromberg als Sohn geachteter Eltern geboren, genoß er neben gewissenhafter religiöser Erziehung seine wissenschaftliche Ausbildung auf dem dortigen Gymnasium, bis er es als Primaner im April 1863 mit dem Zeugnis verließ, daß er stets zu den besseren Schülern des Gymnasiums gehört habe. Schon 1869 verlor er seine Mutter, die aus seine Gemütsbildung einen dauernden Einfluß ausgeübt hatte. Mit einer Wärme, wie sie den Erinnerungen aus der seligen Kiniderzeit eigen ist, erzählte er gern aus dem elterlichen Haufe seiner Mutter von den weihevollen Sederabenden, von der Pflege der Musik; mit Stolz schilderte er das geselllige Leben in dem in weiten Kreisen geschätzten großelterlichen Hause Wolfs in Bromberg, wo Religion und Kunst und Nächstenliebe in einheitlicher Harmonie das erwärmende Feuer bildeten.; Am 1. Mai 1863 trat er als Lehrling in das Geschäft Gebrüder Simon in Berlin ein, das sich inzwischen zum Welthaus entwickelt hat, dessen Mitinhaber der bekannte James Simon, der Ehrendoktor der Berliner Universität/ist. Sechs Jahre gehörte Jacobi dem Personal der Firma Gebrüder Simon an, als ihm seine ausgezeichneten, längst dahingeschiedenen Prinzipale eröffneten, es sei die Tuchfirma M. Hiller käuflich zu erwerben. Sie wüßten zwar, daß er keine hinreichenden Mittel besäße, um dies Geschäft zu kaufen und zu führen, er solle es aber doch tun; für die finanzielle Seite würden sie selbst sorgen, sie wollten ihm für Fleiß, Tüchtigkeit und Treue Anerkennung bezeugen. So wurde der 22jährige junge Mann Inhaber eines geachteten, wenn auch noch kleineren Geschäfts. Die verewigten Brüder Simon hatten sich in ihm nicht getäuscht, denn er wandelte die Firma. M. Hiller Nachf. zum Welthause um, dessen Kunde zu sein, sich In- und Ausland bemühte. i So konnte er getrost 1875 in den Ehestand treten. Er fand in Cäcilie MoÄer ein Mädchen, das mit äußeren Vorzügen ein reiches Seelenleben, ein tiefes Gemüt vereinigte, das die Liebe zu Musik und Literatur, die Treue züm Judentum, die Schlichtheit des Wesens mit ihm teilte. Sie blieb bis an sein Lebensende sein Stolz, sein Frieden, der Mittelpunkt eintzr reichen, aber nie ausartenden Geselligkeit, eine ausgezeichnete Mutter dreier Kinder, die unter Leitung solch vortrefflicher Eltern Frohsinn und sittlichen Ernst, deS Lebens Sonnenschein und Pflichten erfolgreich kennenlernten und sich zu eigen machten. Leopold Jacobi sorgte aber nicht nur für sich und seine Familie. Er wollte kein „Baum in der Wüste" sein; er strebte danach, seine reichen Geistesschätze in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, und leicht fand er die Anerkennung der ausgezeichnetsten Männer des öffentlichen Lebens. Gern verkehrten in seinem Hause Virchow, Langerhans, Traeger, Ludwig und Isidor Löwe und viele andere, die noch heute die Zierde des Berliner Bürgertums bilden. Ihm war die Erfüllung des Wortes Jeremias: „Trachtet nach dem Heil der Stadt, wohin ihr kommt", heiliger Ernst. So widmete er einen großen Teil seiner Zeit der Verwaltung der Stadt Berlin. Als ein Führer unter den Stadtverordneten Berlins betätigte er sich unermüdlich aus allen Gebieten, auf denen kaufmännische Erfahrungen von Nutzen sind. Unbestechlich trat er seinen besten Freunden mit Nachdruck entgegen!, wenn er ihre Ansichten als irrig erkannt hatte. Dabei wirkte er nicht durch blendende Rednergaben, sondern durch die Wucht seinerschmucklos vorgetragenen Gründe. Die zwingende Folgerichtigkeit seiner Gedanken errang diesen den Sieg. Wie kaum ein zweiter beherrschte er die deutsche Literatur nach Geist und i

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