Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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«MSWWWW WMMMWWVWW^WMMMWW^^^^^^WWW^W^W^W!' j die Staatsregierurig bei den Kommunalwahlen andere Bedingungen angeordnet hat. — Als Syndikus der Gemeinde führt Justizrat L i l i e n t h a l aus: Wenn sich auf der Liste einige ältere Materien befänden, so habe deren langsame Behandlung ihren Grrrnd in der Schwierigkeit des Stoffes, wie z. B. bei den Satzungen der Baukommission oder bei der Einführung der Seelsorge. In der Wahlrechtsfrage bedauere der Borstarrd ebenfalls den Beschluß des Ministers, der übrigens auch für die evangelischen Kirchengemeinden eine Aenderung des Wahlrechts nicht zugelassen habe. Die Neuvrdnng der Ständevermietung könne er nicht für so dringend halten, daß diese noch ganz ungeklärte Frage während der Kriegszeit gelöst werden müsse, in der wichtigere Arbeiten vorliegen. — Herr P i neu s betont, daß gerade an dieser Frage weite Kreise in der Gemeinde das größte Interesse hätten. Herr Professor Dr.'Türk bittet, die bei Beginn des Krieges ausgesetzte Beratung verschiedener Vorfragen für die Revision des Gemeindestatuts, wieder aufzunehmen, worauf Herr Syndikus Lilienthal erwiderte, daß die Angelegenheit bei der Versammlung ruhe. Rach einigen Ausführungen des Herrn Professors Tr. K a l i s ch e r und Professors Tr. Türk wird beschlossen, die Angelegenheit wieder zu behandeln. — Für die Rechnungsabschlüsse des Reichenheimschen Waisenhauses und des Ständevermietungsbureaus, über welche die Herren Emil Eohn und Siegfried Sachs eingehende Referate erstatten, wird Entlastung erteilt; der Abschluß der Hauptverwaltung soll zunächst im Bureau ausgelegt werden. Hierauf werden mehrere Wahlen vorgenommen. - Subventionen erhalten: Der Vorstand Jüdischer Jugendvereine 500 Mark, die Hilfskasse für Israelitische Kantoren und Kultusbeamte 000 Mark, das Asyl für kranke mittellose Israeliten in Meran 150 Mark, die Subvention für die Jüdische Vereinigung in Tempelhof wird vom 1. April an auf 1220 Mark erhöht, dem Religionsverein- Gesundbrunnen der bisherige Betrag von 8700 Mark auf ein Jahr verlängert, als Zuschuß für die Kosten der Ausrüstung der' Feldrabbiner erhält der Verband der deutschen Juden 1121,61 Mark. — Bor Schluß der Sitzung erfolgt die V e r p f l i ch t u n g des zum stellvertretenden Vorstandsmitglied gewählten Herrn Hugo Blankenburg durch den Vorsitzenden der Versammlung. Herr Tr. Minden würdigte die jahrelange Mitarbeit Blankenburgs an den Aufgaben der Repräsentantenversammlung und wies auf die besonderen Aufgaben hin, die ihm aus der Leitung des Friedhofsdezernats erwachsen werden. Als Mitglied des Vorstandes der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands gilt es mitzuwirken für die Ehre und Einheit des Deutschtunis und des Judentums, die jetzt von dunklen Mächten bedroht ist. Wir alle wissen und empfinden, daß wir Deutsche sind und alle Frageil, die hier an uns gelangen, zu lösen haben auf dem Boden der Vaterlandsliebe und der deutschen Kultur. -- Nach etwa dreistündiger Dauer wurde die öffentliche Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen. E. M. Berlin, 15. Mai. Das K u r a t v r i u m der L e h r a n - st alt für die Wissenschaft de s Indent u m s hielt in der Aula des Anstaltsgebändes in der Artilleriestraße seine diesjährige Generalversammlung unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden, Geheimrats Professor Dr. Albert Masse, ab. Tie Aula schmückte ein Bild des verstorbenen ersten Vorsitzenden des Kuratoriums Geheimer Justizrat Dr. Herman Veit Simon, das von der Tochter des Verstorbenen nach dem im Familienbesitz befindlichen Originalporträt von Mar Liebermann kopiert nnb der Lehranstalt geschenkt wurde. Worin empfundene Gedcnkworte für die verstorbenen Mitglieder des Kuratoriums Siegfried Brünn, den Begründer des Hermtum-Eohen-Lehrstuhles, Prof. Dr. Martin Philipp so n und Dr. Eduard Sachs leiteten die Verhandlungen ein. In einer gemeinsamen Trauerfeier soll nach Beendigung des Krieges das Andenken der während des Krieges gestorbenen Kuratoren und der aus dem Felde der Ehre gefallenen Hörer geehrt werden. Alls dem Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß die Zahl der Hörer iin Sommersemester 25. im Wintersemester 24 betragen hat. Sämtliche Hörer hatten das Zeugnis der Reife. Von der Gesamtzahl voll 49 stammten 82 aus Deutschland. 11 ans Oesterreich-Ungarn, 4 ans Palästina illld 2 aus Rmnäuien. Die Zahl der Hospitanten betrug iin Sommersemester 23, im Wintersemester 22. Die wirtschaftlich? Lage der Anstatt ist befriedigend, der Rechnungsabschluß schließt in Einnahme und Allsgabe mit 115 195,81 Mark ab. Das Hauptvermögen der Allstalt wuchs von 1300 603,59 Mark auf 1 349 082,49 Mark: von der Bauschllld konnten wiederum 4700 Mark abgetragen werden. Die Zahl der Mitglieder ist seit Ausbruch des Krieges erheblich Zurückgegangen. Die Zuwendungen des Jahres 1916 betragen für den Eisernen Fonds 8120 Mark; für laufende Allsgaben gingen 17 388 Mark ein, -darunter die 12 000 Mark betragende Jahressubvention der Berliner Jüdischen Gemeinde. Für die Stipendienkasse, aus der elf Hörer Beihilfen erhielten, gingell 3650 Mark ein; aus der David Herzogschen Freitisch-Stiftung wurde acht Hörern freier Mittagstisch gewährt, wofür 3219 Mark ausgegeben wurden. Ein Teil des Ueberschusses aus den zugunsten des Stipendienfonds veranstalteten Montagsvorlesungen wurde für die vom Kriege Betroffenen bestimmt. — Nachdem die Entlastung ausgesprochen war, wurden unter lebhafter Zustimmung aller Anwesenden die Kuratoren Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen und Geheimer Justizrat Professor Dr. Albert Mosse zll Ehrenmitgliedern gewählt. Das Kuratorium wurde durch Zuwahl der Herren Direktor Dr. Adler (Frankfurt a. M.) irnd Professor Dr. Schur (Berlin) ergänzt. W. Posen, 11. Mai. Der Verein junger Kaufleute hielt seine Jahresversammlung'ab, die der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat H a m bürget, mit einer Ansprache erösfnete, in der er des Ablebens des langjährigen Kurators des Vereins, Geheimen Kommerzienrats Herz, sowie des gleichfalls durch den Tod abberufeneu Vorstandsmitgliedes, Kaufmann B le ist ein , gedachte und die großen Verdienste der beiden Herren llm die Förderung der Vereinsbestrebungen eingehend würdigte. Weiter gedachte er der gestorbenen irnd besonders der auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitglieder. Die Versammlungsteilnehmer hatten sich während des Nachrufs voll ihren Plätzen erhoben. — Bei der Vorstandswahl wurden die ausscheidenden Mitglieder: Kaufmann Sally Oelsner, Kaufmann Brandt und Stradtrat K r o n t h a l wiedergewählt; für den verstorbenen Kaufmann Bleistein wurde der Kaufmann Heinrich P e i s e r neugewählt. An Stelle des verstorbenen Geheimrats Herz wurde der Geheimrat N. Kantorowicz zum Kurator des Vereins gewühlt. — Breslau, 11. Mai. Das Leopold- und Emma B r i e g e r s ch e Vermächtnis von 100 000 Mark, das die genannten in Neiße verstorbenen Eheleute, wie seinerzeit berichtet, der Breslauer Synagogengemeinde überwiesen hatten, hat nunmehr die landesherrliche Genehmigung unterm 9. Februar erhalten. Die m° svrüngliche Absicht der Stifter, das Vermächtnis zur Erhaltung einer israelitischen Nervenheilanstalt in Deutschland zu verwenden, konnte nicht zur Ausführung kommen, da eine öffentliche derartige Anstalt, so sehr sie auch einem dringenden Bedürfnis entspricht, nicht besteht, anderseits das Kapital zur Errichtuna einer derartigen Anstalt nicht ausreicht. Es muß daher zur Erfüllung eines in zweiter Linie amüsierten Wunsches der Stifter, das Kapital unter Blinden- und Taubstummenanstalten zu verteilen, geschritten werden. Die Ge meindebehörden haben nun beschlossen, den Betrag in vier gleichen hinten zu 25 000 Mark an vier Anstalten zu vergeben, und zwar der Israelitischen Krankenpflegungsanstalt in Breslau zur Errichtung einer Station für Nervenkranke: ferner der Israelitischen Blindenanstalt in Berlin-Steglitz, der Israelitischen Taubstummenanstalt in Berlin-Weisiensee und dem Altersheim des Hilfsvereins für israeliti sche Taubstumme in Berlin-Niederschünhausen unter Abzug der an teiligen Erbschaftssteuer von je 1250 Mark und Zurechnung der ausgelaufenen Zinsen. — Aachen, 11. Mai. Die vom hiesigen Rabbiner Dr. Jan lnvor kurzem gegebene Anregung, daß die jüdischen Viehhändler neben dem Viebbandel der Landwirtschaft sich widmen mögen, beginnt bereite erfreuliche Erfolge aufzuweisen, da verschiedene solche Viehhändler aut den Erwerb von Wiesen- und Weideland zwecks Einrichtung von Milchwirtschaft bedacht sind. Insbesondere zeigen die gegenwärtig noch iin Kriegsdienste stehenden lebhaftes Interesse dafür: Auch sind Verhandlungen wegen Ankaufs eines großen Landgutes in der Nähe eurer Stadt, wo mehrere Familien eine Kolonie bilden könnten, im Gange. Wenn das Vorgeben tm Regierungsbezirke Aachen in anderen Gegenden Deutschlands Nachahmung finden wird, wozu Aussicht vorhanden ist, dürfte dem Vorwurf, daß die Inden der Beschäftigung mit der Landwirtschaft abgeneigt fiitb, die Spitze abgebrochen werden. M. Harnbura, 11. Mai. Die Jüdische Gemeinde, und insbesondere das liberale Judentum, ist durch ein tragisches Geschick eines ihrer angesehensten und tätigsten Mitglieder beraubt worden. Herr A. L e v i n , Inhaber des bekannten hiesigen gleichnamigen