Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Tm Bankhauses, ist am Dienstagnachmittag, als er mit seiner Gemahlin von einem Spaziergange sich auf dem Heimwege befand, von einem Straßenbahnwagen überfahren worden und bald darauf im Krankenhause den erlittenen Verletzungen erlegen. Der Verstorbene, welcher nur ein Alter von 50 Jahren erreichte. Zählte, obgleich aus einer streng orthodoxen Familie stammend, zu den eifrigsten Förderern der Bestrebungen des liberalen Judentums. Seit mehr als einem Jahrzehnt war er im Repräsentantenkollegium des Tempelverbandes als Schriftführer tätig und gehörte dem Vorstand der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum an, wo er sich insbesondere die Förderung der Jugendgruppe sehr angelegen sein ließ. Und während des Krieges war er namentlich in der K orn - m i s s i o n für das W o h l s a h r t s w e s e n der Deutsch- Israelitischen Gemeinde tätig, wie er sich auch sonst den Lieibeswerken innerhalb unserer Gemeinde widmete, soweit ihm seine ausgedehnte Berufstätigkeit hierfür die nötige Zeit ließ. In diesen seinen Bestrebungen wurde er von seiner Gemahlin aufs beste unterstützt. Welcher allgemeinen Beliebtheit sich der Verstorbene in unserer Gemeinde erfreute, davon legte die am Donnerstag stattgefundene Beisetzung ein beredtes Zeugnis ab. In der weiten Halle des Krematoriums hatte sich eine so große Trauergemeinde eingefunden, daß sich die großen Räume als viel zu klein für die große Zahl der Leidtragenden erwiesen. In der Trauergemeinde bemerkten wir u. a. neben den Angehörigen der Berufskreise die Herren Jakob Alexander (M. d. B.), Alfred L e v h und Heinrich Levy als Vertreter des Gemeindevorstandes sowie den Vorsitzenden des Tempelverbandes Herrn Jos. L i p p m ü n n , den Vorsitzenden der Verwaltung der Reuen Dammtorsynagoge Herrn Martin F r ä n k e l usw. Eingeleitet wurde die Trauerfeier durch den Solovortrag des Largo von Händel. Nachdem dann der Tempelchor einen Choral gesungen und der geistliche Beamte der Neuen Beerdigungsgesellschast Herr Ignaz Mandl das Einleitungsgebet gesprochen hatte, ergriff Herr Rabbiner und Prediger Dr. Leimd ö r f e r das Wort zur Trauerrede. Anknüpfend an den Bibelvers: „Siehe, ich fand sein Herz treu vor mir", entwarf der Redner in ergreifender Weise ein getreues Lebensbild des Verstorbenen, der es durch rastlose Tätigkeit verstanden, sich aus kleinsten Anfängen ]u einer angesehenen Stellung in seinem Berufe emporzuarbeiten und in seinen Mußestunden trotz der angestrengten Berufstätigkeit neben der Pflege der schönen Künste dennoch Zeit fand, sich der Verwaltung der gemeinnützigen Institutionen und den humanitären Bestrebungen innerhalb unserer Gemeinde zu widmen. Sein Andenken werde innerhalb unserer Gemeinde stets in Ehren fortleben. Im Namen der Henrh-Jones-Loge, zu deren eifrigsten Mitgliedern der Verstorbene zählte, widmete dann noch der Präsident der Loge Herr Salo Unna dem so plötzlich aus dem Leben geschiedenen Logenbruder einige Worte des Dankes für seine rastlose Tätigkeit. Nach Gebet und Segen des Geistlichen und Chorgesang sank der vollständig mit Blumen bedeckte Sarg unter den Klängen des Harmoniums in die Tiefe. &&& Magdeburg, 11. Mai. Ter S y n a g o g e n g e m e i n d e - verband der P r o v i n z S a ch s e n versendet soeben den Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1916/17. Wir entnehmen demselben folgende Angaben: Der Gemeindetag fand am 28. Mai in Magdeburg statt. Auch die Arbeiten des verflossenen Jahres standen stark unter dem Einfluß des Weltkrieges. Noch immer müsse der Verband es leider als feine Hauptaufgabe betrachten, für die religiösen Bedürfnisse unfern' Soldaten sowie für die der jüdischen Kriegsgefangenen zu sorgen. Nahezu, 160,0 Mark hat er für diesen Zweck ausgeben und dadurch trotz dankbar anzuerkennender allseitiger Opferwilligkeit den Etat um mehrere hundert Mark überschreiten müssen. Wärmster' Tank wird den Herren Rabbinern und Lehrern der Provinz für ihre -unermüdliche, hingebende Tätigkeit ausgesprochen. Für die ostpreußischen Patengemeinden Ehdttnhnen und Stallupönen hat der Verband im verflossenen Jahre wieder 1700 Mark aufgebracht; über die derzeitigen Verhältnisse in den beiden Gemeinden erhielt der Verband vom Verband der Shnagogengemeinden Ostpreußens im März d. I. ausführliche Berichte. Wegen Mangels an verfügbaren Nabbinatskandidaten mußte der Verband zu den hohen Feiertagen in der Entsendung von Predigern in die kleinen Gemeinden sich gegenfrüher eine Einschränkung auserlegen. In Bitterfeld amtierte als Prediger und Vorbeter.ein junger garnisondienstfähiger Lehrer, Herr Dannenberg aus Kassel, zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde. Der Gottesdienst, an dem auch eine größere Anzahl Kriegsgefangener teibnahm, verlief nach den zugegangenen Berichten in erhebendster und würdigster Weise. Den Gemeinden Eisleben und Schönebeck war der Verband bei Erlangung von Hilfsvorbetern zu den hohen Feiertagen behilflich. Der Wanderregilionsunterricht hat im ganzen ohne wesentliche Störungen stattgefunden. Nur in einigen wenigen Fällen hat infolge der -allgemeinen Kälteferien eine Unterbrechung auch dieses Unterrichts erfolgen müssen. Der Wanderreligionsunterricht wird in folgenden Gemeinden erteilt: Delitzsch, Bitterfeld, Eilenburg, Gardelegen, Merseburg, Naumburg, Sangerhausen, Staßfurt, Zeitz. Außerdem gewährte der Verband der Gemeinde Derenburg-Wernigerode, woselbst zwei Knaben unterrichtet werden, einen Zuschuß zu den Kosten des Unterrichts. Der diesjährige Gemeindetag findet am 13. d. M. statt. Der Bericht enthält das Protokoll des vorjährigen Gemeindetages sowie ausführliche Mitteilungen der Herren Rabbiner Dr. A u c r - b a ch (Halberstadt), Dr. Lange (Magdeburg), Dr. Salzburger (Erfurt), des Kultusbeamten Luft (Eisleben) und des Lehrers Regensburger (Aschersleben) über thre seolsorgerische Tätigkeit. Der Kassenbericht lautet: Einnahmen 8334,27 Mark, Ausgaben 5595,72 Mark: Bestand 2738,55 Mark. Vorsitzender des Verbandes ist Herr G. Hey n e in a n n in Magdeburg. 15. Mai. Der von der Generalversammlung des Jüdischen Frauenbundes genehmigte Landesverband jüdischer Frauenvereine hielt am 30. v. M. hier seine erste Versammlung ab. Die Tagung, 31t der von 20 Städten Bayerns Vertreterinnen entsandt worden waren, wurde am Abend vorher durch einen Vortrag von Fräulein Bertha P a p P e n h e i m eingeleitet; sie sprach in fesselndster Weise über Zwecke und Ziele des Jüdischen Frauenbundes. Am nächsten Tag folgten die Beratungen. Die Gründe zur Schaffung des Verbandes, der den Namen Bayrischer Landesverband des Jüdischen Frauenbundes erhielt, wurden klargelegt; über die bereits geleistete Arbeit und Vertretung der zur Vertretung beim Ministerium ausgestellten ersten Vorsitzenden Frau Klara Oppenheimer (München) wurde berichtet. Fragen der Fürsorge, der Landessammlungen-, der Beteiligung an den Kriegsamtsstellen für die Frauenarbeit im Kriege wurden vom Standpunkt der staatlichen und städtischen Interessen aus besprochen. Ein Antrag, sich mit einem Protest gegen einen ungedruckten Paragraphen des Roten Kreuzes mit antisemitischer Tendenz an das Zentralkomitee zu wenden, kam zur Verhandlung und lvurde angenommen. Vorher sollte noch ein persönlicher Versuch eines Ausgleiches gemacht werden, zu dem sich eine seit 40 Jahren dem Vorstand des Zweigvereins vom Roten Kreuz angehörende Dame erbot. Die Setzungen wurden besprochen, angenommen und festgelegt, ein Vorstand und ein Beirat aufgestellt. Als erste Vorsitzende lvurde Frau. Klara O p p e n h e i m e r (München) genehmigt, als Geschäftsstelle Frau Jsabella Heim (Nürnberg) bestimmt, als Schriftleitung Frau Elise Hopf (Nürnberg). Grstrrrkich-Angsm. z. Wien, 11. Mai. Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien veranstaltete am 27. v. M. im türkischen Tempel einen Festgottesdienst anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans M e h m e d V. GHazi. Das herrliche Gotteshaus, eine der Sehenswürdigkeiten Wiens, war strahlend hell beleuchtet und von einer großen andächtigen Menge gefüllt. Zur Feier hatten sich als Ehrengäste eingefunden: in Vertretung des türkischen Botschafters der Botschaftsrat Dr. Rechad Blacque-Bei, der ottomanische Militärbevollmächtigte im k. u. k. Hauptquartier, General Pertew-Pascha mit seinem Gefolge, die Botschaftssekretäre Fouad-Bei und Tewfik-Bei, Botschaftsimam Mohammed Redfar-Efendi, der kaiserliche ottomanische Generalkonsul Dr. Hüsny-Bei, der Präsident der ottomanischen Kriegsfürsorge Mouheb- Pascha sowie zahlreiche ottomanische Offiziere. Ferner in Vertretung des Militärkommandos General Doktorowitsch, in Vertretung des Präsidialbureaus des k. u. k. Kriegsministeriums Major Jsmet-Bei Djinw, in Vertretung des Polizeipräsidenten Polizeibezirksleiter Polizeirat Dr. Brandhuber v. Etschfeld, türkischer Justizrat Dr. August Libitzky, in Vertretung des Magistratsdirektors Dr. Nüchtern Magistratsrat Dr. Loderer, Direktor Dr. Agimann, Kultusvorsteher Dr. Jacob Deutsch, Vorsteher Dr. Kapralik sowie zahlreiche Festgäste. j i l t \ \