Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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schen Unkundigen das Beten in der Landessprache. Die ersten j Berichte über die Judengemeinde in Augsburg stammen aus dem Jahre 1212; die älteste jüdische Urkunde ist 1356 datiert. Unter den Rabbinern begegnen wir einigen hervorragenden Männern; der berühmteste ist R. Meir Ben Baruch aus Rothenburg, der eine'Zeitlang auch in Augsburg tätig war. Sehr entehrend war die Form des Judeneides, die eine Zeitlang in Augsburg üblich war. Bemerkenswert ist, daß der Uebergang eines Christen zum Judentum mit dem Tode bestraft wurde. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der seltensten Judennamen, S. 40 ff. Aus der neueren Geschichte ist zu erwähnen, daß nach langer, gezwungener Entfernung der Juden drei reichen Familien (Bankiers) das Wohnrecht in Augsburg gewährt wurde; der reichste darunter ist wohl Arnold Seligmann, der später den Titel eines Freiherrn v. Eichtal erhielt. Ein Genreindeausschuß wurde erst 1861 gewählt. Ueber die Augsburger Synode 1871 finden sich S.59ff. wichtige Mitteilungen. .Eine Reihe von Notizen wird über den hochgelehrten Rabbiner Dr. Heinrich Kroß gegeben, von besten Arbeiten und von dessen Tode auch in unserer Zeitung die Rede war. Der jetzige erste Vorsteher, Herr Juftizrat Ludwig Bauer, bekleidet sein Amt seit 1888. Der Neubau der Synagoge, über die in dem vorstehenden Aufsatz ausführlich behandelt wird (die frühere stammte aus dem Jahre 1863), war bereits 1900 beschlossen. Die Gemeinde zählt bei 1200 Seelen 376 Zensiten. Die lehrreiche Schrift, der die vorstehenden Notizen entnommen sind, schließt mit folgendem Satze: „Möge die neue Synagoge auf der Halderstraße — das ist unser inniger Wunsch — für die Gemeinde werden: ein Haus des Segens und des Friedens, der Andacht und der Erhebung, eine Pflegestätte frommer, religiöserGesinnung, eine Quelle der Belehrung und des Trostes, eine Pflanzenstätte lautersten Patriotismus und echter unverfälschter Menschenliebe!" Außer der obenerwähnten Festschrift ist mir, unmittelbar vor der Drucklegung dieses Artikels, ein Heftchen zugegangen: „Reden bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Augsburg am 4. April 1917." Es enthält ein Gedicht von Martin Cramer, ferner die Ansprachen der Architekten Lömpel und Landauer, die Begrüßungsrede des Herrn Justizrats Ludwig Bauer, des Oberbürgermeisters Geh. Hofrat v. Wolfram und endlich die Ansprachen des Herrn Rabbiners Dr. Grünseld vor des Hauses Pforten, beim Entzünden der ewigen Lampe, dessen gediegene Festpredigt, sein Weihegebet und endlich das Gebet für König und Vaterland. Alle Ansprachen und Reden machen einen erhebenden, des wichtigen Ereignisses würdigen Eindruck. ^giiLe^/f Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Golds ch m i d t. (II. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Caß mich doch, Tante Phine! Liebe Tante!" „Ich dank dir, mein Tochter." Jetzt kann sie wieder sprechen. Sie wehrt eisrig. „Du bist en goldnes Kind." Hörst du, Günther? Ein goldnes Kind, nicht immer nur eine Tante! „Aber ich kann gar keine Pantoffeln an de Füße leiden, wahrhaftig nich, ich"— „Es stehen aber noch welch von Vater drin, Tante." „Na, da hol se", sagte sie, und schon fliege ich hin und her nnd ziehe sie ihr an. Ihr Gesichtsausdruck wird immer wohliger und behaglicher: „Die halten wirllich sehr schön warm", sagte sie im zärtlichen Ton. Und mir ist unsäglich gerührt zumute. Wenn jetzt Günther nicht da wäre, würde ich mich jetzt an sie Tankuscheln und einmal still bei ihr weinen. Er geht auch bald, verabschiedete sich kurz und ausdruckslos von Tante Phine, von mir — schade, daß er sich gerade vor ihr so unliebenswürdig gibt. Sein hübsches, junges Gesicht ist entstellt von dem mürrischen Ausdruck darin. Tante ist auch nicht freundlich zu ihm, und all das quält mich. Daß gerade die beiden Menschen sich nicht mögen, gleich von vornherein sich nicht mögen. Ich bringe ihn nur bis zur Tür, um Tante nicht allein zu lassen. Dann setze ich mich zu ihr aufs Sofa. „Gefüllt es dir bei mir, Tante Phine?" Sie wiegt bewundernd den Kopf hin und her. „Hier kennen Fürsten und Grafen und Könige ein und ans gehen, braucht's auch nich scheener zu sein." Ich lache auf und umfasse sie zärtlich: „So hoch will ich gar nicht hinaus. Ich bin schon zufrieden, wenn es meiner lieben Tante bei mir gefällt und meinen Freunden." Und auf einmal gibt sie sich einen Rnck und sitzt so gerade, daß mein Arm von ihren Schultern leise zurückfällt: „Den jungen Goj da mußte dir nich ins Haus kommen lassen, Kind, das schickt sich nicht." Mein Arm bleibt hinter ihrem Rücken schlaff auf dem Sofa liegen, ich rühre mich nicht, bin sprachlos vor Schreck über diesen Ausfall. Auf einmal raffe ich mich auf. „Es schickt sich nicht? Erlaube, Tante, aber da möchte ich doch bemerken" — Heue Synagoge Augsburg: Ranzel mit heiliger Lade. Architekten: Dipl.-J»g. Fritz Landauer u. Tr. Heinrich Lömpel, München. »0 jgi