Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 238 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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238 ' ■; ..: ■%;" fast 800 000 Mark, die nach München, weniger nach Augsburg gingen. Die Kultusgemeinde verabschiedete sich mit einer besonderen Feier im Anschluß an den Sabbatgottesdienst des 31. März von ihrem bisherigen Gotteshaus in der Wintergasse, das ihr 60 Jahre eine Stätte der Erbauung gewesen. Distriktsrabbiner Dr. Grünfeld hielt dabei eine historische Abschiedspredigt. Endlich am Vormittag des 4. April wurde der Neubau, dessen glückliche Verschmelzung maurisch-byzantinischer Formen mit Augsburger neuzeitlichem Stil allgemein bewundert wurde, feierlich seiner religiösen Bestimmung übergeben. : : i i : * i Der Eröffnung?- und Einweihungsakt fand im Trausaal statt. Dazu versammelten sich die Vertreter der staatlichen, städtischen, militärischen und PHJ geistlichen Behör- -"** den als Ehrengäste nebst anderen Persönlichkeiten: der Regierungs-, der Oberlandesgerichts-, der Eisenbahnpräsident, die beiden Bürgermeister und die Vorstände der Gemeindekollegien, der stellvertretende Divisionskommandeur, der Benediktinerabt, Dr. P. Glogger, der protestantische Dekan Detzer mit Pfarrer Anthes, die Rabbiner Professor Dr. C. Werner (München) und Dr. Freudenthäl (Nürnberg) usw. Nach einem Prolog, den die Tochter des Synagogenkommissars Dann sprach, wurden die Schlüssel den zwei preisgekrönten verliehen ihrer Freude Architekten hätten ein Werk ° geschaffen, das die Israelitische Gemeinde mit Stolz erfülle, der Stadt zur Ehre, den Erbauern zum Ruhm gereiche. Auch der Verwaltung und dem Ausschuß der Gemeinde gebühre Dank. Unter der reichgesegneten Regierung König Ludwigs HI. könnten die Staatsbürger aller Konfessionen ihre Kräfte frei entfalten; möge der Landesvater, der mit vorbildlicher deutscher Treue den Staatsbürgern voranleuchte, bald in den Stand gesetzt sein, die Saat seiner segensreichen Tätigkeit in Frieden zu genießen. Der Redner übergab nun die Schlüssel dem Oberbürgermeister Geheimen Hofrat v. Wolfram, welcher versicherte, der Neubau solle unter dem Schutze der Stadt wohl geborgen sein. Dann gab letzterer j Ordensauszeichnungen für den Vorsitzenden der Gemeinde,! den Rabbiner, den aussichtführeyden Architekten und den meistbeteiligten Maurer bekannt. Hierauf erfolgte der feierliche Einzug der Ehrengäste in die Synagoge. Beim Festgottesdienst, den Bezirksrabbiner Dr. Grünfeld abhielt, machte der Tempel, im Anblick seiner strahlenden Beleuchtung, mit der Goldmosaik auf grünem Untergründe, allseits tiefen Eindruck, und man darf getrost das Schlußwort eines berufenen Beurteilers unterschreiben, wenn er frei nach Schiller sagt: das Werk, wie es heute vollendet vor uns steht, lobt seine Meister! Grundriß der neuen Synagoge in Augsburg. Bauleitern überreicht. Sie über die vollbrachte Arbeit und ihrer Wehmut über das Verlassen der mehrjährigen Arbeitsstätte Ausdruck. Darauf übergaben sie die Schlüssel dem Vorsitzenden der Gemeinde, Justizrat Bauer, der auf den konfessionellen Frieden hinwies, wie er in Augsburg Katholiken, Protestanten und Juden vereine. Ferner hob er rühmend hervor, wie die Mitglieder der Gemeinde mit seltener Opferwilligkeit alle Lasten auf sich genommen und ohne jeden fremden Zuschuß das Werk vollendeten. Er dankte den Behörden und wies darauf hin, daß die Frage des Neubaues zwar seit Jahrzehnten die Gemeinde beschäftigt, man aber gewartet habe, bis als Vorbedingungen die finanzielle Grundlage und ein schöner Bauplatz gesichert waren, der Stadt Augsburg ein würdiges monumentales Werk zu verschaffen. Unter den durch der: Krieg bedingten denkbar schwierigsten Verhältnissen seien die Arbeiten zum Abschluß gebracht worden, und die Nachtrag d. Red.: Zur Festfeicr sollte eine großzügige Geschichte erscheinen; die Schwere der Zeit und die anderweitige Beschäftigung des tüchtigen Rabbiners Dr. Grünfeld haben es nur zu einer kleinen Schrift kommen lassen, die trotz der Anspruchslosigkeit ihres Titels durch einfachen Stil und durch reiche Belehrung ungemein wohltuend wirkt'). Sie ist in zwei Telle geteilt: 1. Die alte Gemeinde, 2. Die neue Gemeinde. Der in der Abhandlung vorkommenden Einzelheiten sind so viele, daß es unmöglich ist. an dieser Stelle einen erschöpfenden Auszug zu geben. Ich begnüge mich daher mit der Hervorhebung einiger weniger Daten: Trotz mancher Verfolgungen und schwerer Bedrückungen war die Lage der Juden in Augsburg eine leidliche; im dreizehnten Jahrhundert waren manche Juden Bürger. Jehuda Hachassid in Regensburg empfahl für die des Hebräih „Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg." Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Augsburg am 4. April 1917. Verfaßt von Dr. Richard Grünfeld, Distriktsrabbincr. Buch- und Kunstdruckerci I. Z. Hemmer, Augsburg.