Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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237 Metalle und Steine. Grau, sattes Grün, Violett herrschen vor, dazu gesellen sich braun-violetter Marmor an der Estrade der Ostseite, hart blitzendes Schwarz der Marmorsäulen!, welche die Frauenemporen tragen, flimmerndes Gold, in den Mosaiken funkelndes Messing. Sogar die Beizung des Gestühls lehnt sich dem ausgeglichenen Ton an. Die Sitze im Schiff wie auf den Emporen geben sämtlich den Blick auf den Altarausbau der Ostwand frei. Zunächst ungehemmt nach oben schweifend, erkennt er die stattlichen Raummaße; lenkt er sich aber vom Tvtaleindruck auf die Einzelerscheinungen, so packt ihn die Ostwand mit dem heiligen Schrein. In mosaikgeschmückter Nische, vertieft in die Rückwand, thront hier die Bundeslade. Violett-bräunlicher Marmor ümrahmt den dunklen Samtvorhang: über goldgestickten Löwen schwebt die Krone des Gesetzes. Bewußte Steigerung durch eine reizvolle Treppe mit durchbrochener Marmorbrüstung erhebt die Predigtkanzel über bekunden die mannigfachen Nebenräume,RabbinerundKantorzimmcr, die Stiegcnhüuser, die Repräscntativnsrüumlichkeiten im Verwaltuugs- und Schulhaus und im Beamtengebäude die wohlbedachte Hingabe und fachliche Fähigkeit der Architekten Landauer und Lömpel für gleichmäßige Rücksicht auf Gesamtwirkung und liebevolle Einzelgestaltung. Erinnert der äußere Aufbau mit dem freilich steileren Südgiebel und der darüber zur Hohe strebenden Kuppel den vergleichenden Betrachter an das Pantheon in Rom, so anderseits der geschickte Ausweg zwischen dem gegebenen Terrain und der rituell geforderten Gebäuderichtung die Münchener Besucher aus Kennerkreisen an Theodor Fischers Erlöserkirche in der dortigen Vorstadt Schwabing. Wie daselbst uralte Anforderungen des christlichen Kirchenbaues moderner Geist erfüllt, so bedeutet nämlich die neue Augsburger Synagoge eine ähnliche Vermählung von Ver- | I! W. Bf B Bl Irl «IW 1 fw, w «TIP n Irn/Er liü Sil üS ms! i iifefü SK»® ■ -- i Neue Synagoge zu Augsburg: ^auptansicht.' Architekten: Dipl.-Jng. Fritz Landauer und Tr.Heinrich Lömpel (Biünchen). den Vvrbetertisch. Zwei stolze Pfeiler flankieren die Wand, siebenarmige Leuchter, von Flügelgreifen gehalten, bekrönen sie. Unter dem Bogen der Ostwand in eingedrückten Gewölben fanden, der Chor und die in Form und Farbe dem Grundton angepaßte überaus klangschöne Orgel (aus der Anstalt Kaulen, Augsburg) ihre Stelle. Vier gleiche Giebel bekrönen nach den Himmelsrichtungen die Wände; darüber ragt mächtig und doch nicht lastend die kupfergedeckte Kuppel ins Blaue. So gewährt der quadratische Zentralbau mit diesem sich öffnenden weiten Kuppelrund das Gefühl umfriedender Ruhe. Von künstlerischen Allegorien seien genannt an den Emporebrüstungen die bunt modellierten Schilderzeichen, welche die zwölf Stämme versinnbildlichen, und vier reichvergoldete Reliefs mit Symbolen in hebräischen Lettern, zu deuten als die Gesetzgebung, das heilige Feuer, die vier Kronen und der Frieden: wie viele andere Plastiken des Baues Arbeit des Bildhauers Rasch in München. Die Werktagsshnagoge, von G. G. Klemm (München) ausgemalt, und der Trausaal mit edler Jnnenarchitektonik hängen im Südosten als stattlicher Anbau am Tempel. Wie sie gangenheit und Gegenwart für das israelitische Kultgebäude. So schreiben wir denn einem feinsinnigen nichtjüdischen Kritiker des herrlichen Gotteshauses, Dr. Georg Jakob Wolf, sein einer ausführlichen Schilderung eingeschobenes Gesamtlob nach, „trotz der gebotenen orientalischen Anklänge sei doch etwas sehr Selbständiges geschaffen: ein Bau des 20. Jahrhunderts, der für diegei stige und ethische Richtung desdeutschen Judentums unserer Zeit einen vorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darstellt. Lömpel und Landauer haben damit etwas Vorbildliches geschaffen, und die Augsburger Kultusgemeinde, die in weitblickender Opferfreudigkeit und in verständnisvollem Eingehen auf Absichten und Vorschläge der Architekten die Mittel zu dem schönen Bau zur Verfügung stellte, kann zu dem gelungenen Werk, um das natürlich auch hochgemuter Stistersinn sich verdient machte, ebenso beglückwünscht werden wie die beiden Baukünstler selbst." Der Kostenaufwand dieses Schmuckkästchens unter den in den letzten Jahrzehnten erbauten deutschen Synagogen betrug