Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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auch alle übrigen städtischell Gebäude trugen dieses unseren Glaubensgenossen ehrende Zeichen. Der Verstorbene, der ein Alter von nahezu 76 Jahren erreichte, hat im öffentlichen, politischen, namentlich kommunal-politischen, Leben von Mainz lange Zeit eine hervorragende Rolle gespielt. Schon in jungen Jahren betätigte sich der Verewigte Politisch, und zwar stets im freiheitlichen, demokratischliberalen Sinne. Als Lassalle seine politische Agitation entwickelte und in den 60er Jahren hier eine Versammlung abhielh da gehörte Mayer als Schriftführer zu deren Präsidium. Die Handschrift einer dort beschlossenen, von Lassalle geschriebenen Resolution hat Mayer getreulich in seinem Besitz bewahrt. Als Mitbegründer der demokratischen Partei bewirkte er, das; die politischen Gegensätze Zwischen Sozialdemokratie und Liberalismus sich nicht so schroff entwickelten, und ihm verdankt die erstere Richtung die Gleichberechtigung auf politischem Gebiete. Der Verstorbene gehörte seit 1884 dem Stadtverordnetenkollegium an. Am 5. Juli 1911 wurde er zum unbesoldeten Beigeordneten gewählt. Seine Beisetzung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung. Es beteiligten sich an ihr die Spitzen der Mainzer Behörden, der Vorsitzende der Großherzoglichen Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Dr. B a m b e r g e r, fast sämtliche Stadtverordnete, Landtagsabgeordnete und viele andere. Rabbiner Prof. Dr. Salfeld pries den-Heimgegangenen als einen edlen, hilfreichen und guten Menschen, der dien größten Teil seiner Kraft in den Dienst des Gemeinwohls gestellt habe. Der Trauer der Stadt um den Heimgegangenen verlieh Oberbürgermerster Dr. Göttelmann m kurzer, tiefe^greifender und formvollendeter Weise Ausdruck. T^er Dahingeschiedene habe der Stadt während eines langen Lebens in uneigennützigster, opferfreudiger Weise seine hervorragende Arbeitskraft erfolgreich geweiht. Sein Andenken bleibe hier unvergessen und hochgeehrt. Im Namen der Stadt legte dessen Oberhaupt einen prächtigen Kranz an der Bahre nieder. Im Namen des Stadtverordnetenkollegiums gedachte der Aelteste der Körperschaft, Herr Stadtrat Schäfer, des Verschiedenen und erwähnte die ersprießliche Tätigkeit des Verstorbenen als Stadtverordneter. Im Auftrag des Provinzialausschusses der Provinz Rheinhessen sprach Herr Geh. Kommerzienrat Gastell. Am Abend war in der Stadtverordneten-- sitzung der Platz des Heimgegangenen mit einem Flor umgeben, auch hier widmete der Vorsitzende dem- Geschiedenen einen warmen Nachruf. Sfi Stuttgart, 4. Mai. Z u m Gedächtnis au D r. P a u l Hausmeister, dem als Wirtschafts-, Verkehrs- und Kommunalrechtler durch Zahlreiche Publikationen schon vielversprechend hervorgetretenen jungen Gelehrten, der kurz nach seiner Einberufung am 1. Mai 1916 als Soldat gestorben ist, veröffentlicht der „S ch w ä b i s ch e Merkur" am 29. April d. I. eine ehrende Würdigung, der wir folgendes entnehmen: „Das Weltwirtschaftliche Archiv" (Verlag von Gustav Fischer, Jena) hat pietätvoll mit der Veröffentlichung von Arbeiten ans P. Hs. ninrmer rastender Feder begonnen. Eine bemerkenswerte Studie „Zur schweizerischen Kriegs Wirtschaft" leitet der Herausgeber Bernhard Harms (der hervorragende Nationalökonom und Soziologe in Kiel) selbst ein mit einem warmen Nachruf auf „den hochgeschätzten Mitarbeiter, dessen reiche Geistesgaben Wissenschaft und Praxis zu großen Erwartungen berechtigte!!". Vorliegend beschränkt sich P. H. auf die großen Richtlinien. Die eindringliche Schilderung soll demnächst in einem Heft der „Kriegswirtschaftlichen Untersuchungen aus dem Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Universität Kiel" erscheinen. Die hier vorliegende Studie ist wie fast alle Arbeiten Hausmeisters ausgezeichnet durch wisienschaftliche Tiefe und dialektische Schärfe, welche letztere ihrem Verfasser in Wort und Schrift in ganz hervorragendem Maße eigen war. Dem Sohn des reichen verstorbenen, angesehenen Stuttgarter Bankiers Emil H. lagen finanzwissenschaftliche Studien nahe. Der Wirtschaftshistoriker, der den Einfluß des Weltkrieges auf die Neutralen in zusammenhängender kritischer Würdigung demnächst zu erörtern haben wird, wird auch an dieser Arbeit, soweit sie auch insbesondere Geldzirkulationen und Staatshaushalt, Notgesetzgebung, Wirtschaft im Innern und Verkehr sowie die Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen in der Schweiz während des Krieges behandelt, nicht Vorbeigehen können. Auch sie wird dazu beitragen, das Andenken des jungen Forschers zu erhalten, der auch wegen seiner menschlichen Eigenschaften sich attseitige Sympathie erworben hat. Wie der „Schwäbische Merkur" hört, soll zur Ehrung des Andenkens des allzufrüh abbernfenen jungen Gelehrten auf eine Anregung der Jnstitutsleitung sein Bildnis in den Räumen des Institutes für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Universität Kiel einen würdigen Platz erhalten. Holland. z. Den Haag, im April. Das hiesige Jüdische Kvrrespondcnzbureau berichtet: Am 25. März fand in London ein Meeting statt, das gegen die Verletzung des englischen Asylrechtes protestierte. Israel Zangwilb richtete folgendes Schreiben an die Versammlung: „Ich begrüße Ihre Versammlung mit ihrem Vorsitzenden (Lord Sheffield). Noch mehr begrüße ich England, das noch solche Verteidiger der englischen Freiheit besitzt wie Lord Sheffield und Josef King. Der letzte Beschluß wegen des Rechtes der Deportation, der mit vollem Ernst durch einen studierten Richter ausgesprochen wurde, ist beinahe unglaublich. Der Richter sagt selbst, daß man nicht das Recht hat, einen Fremden in ein beliebiges Land zu expedieren; dennoch habt ihr das Recht, ihn auf ein Schiff zu bringen, das von einem Hafen nach einen! bestiunnten Land geht. Seit dein Tage, wo Porzia ihr berühmtes Urteil über Shylok fällte, ward in einem Urteilsspruche kein solches Spiel mit Worten getrieben. Porzia war aber ein Amateur im Rechtsprechen von jener Art, welche sich scheut, die Grundlagen des Gesetzes zu vernichten. Was beabsichtigen aber die Männer, welche ihre besten Jahre dem Studium des Gesetzes weihten? Was für einen Beschluß faßten sie? Mit der Frage, um die es sich hier in Wahrheit handelt, hat die jüdische Empfindung nichts zu tun. Die Frage des Afhlrechtes ist eine englische Frage. An den Engländern ist es, zu sagen, daß sie nicht wollen, daß ihr bester geistiger Besitz - - ein Besitz, der sie Hunderte von Jahren der Entwicklung kostete - - in einer Zeit der Panik dem Winde preisgegeben werde. Das sind die größten Verluste des Krieges. Und nicht achtend darauf, daß England erwartet, daß alle ihre Pflicht erfüllen müssen, sind nur wenige auf der Bildfläche erschienen — bei der Frage, das wahre England zu retten. Die russische Revolution wird eine glorreiche Wirkung ausüben und England helfen, seine verlorenen Freiheiten zurückzugewinnen." — Lord Sheffield führte aus: „Diese Versammlung zur Verteidigung des Asylrechtes wurde einberufen kurz bevor in Rußland ein Ereignis eintrat, das alles in Schatten stellte. England war alliiert mit der alten russischen Regierung. Es hatte nicht die Möglichkeit, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands zu mengen. Jetzt ist alles ganz anders. Heute besteht ein inniges Bündnis zwischen den Völkern der beiden Länder. Tie Negierung ist jetzt in Rußland das Volk selbst, das eine konstitutionierende Versammlung einberufen wird. Ich muß euch, russische Bürger, indes warnen: handelt nicht voreilig! Gehet langsam! Viel Zeit muß verfließen, bevor das Volk die große Sache der Freiheit und Selbstverwaltung begreift. Ihr müßt langsam gehen, denn auf dein Wege gibt es viele Störungen. Erwirket wahre Freiheiten, eine freie Presse, Redefreiheit, Freiheit der Religionen und der nationalen Bestrebungen der Völker, welche das russische Imperium bilden. Ich hoffe, daß ihr das alles erreichen werdet. -- Bezüglich des Asylrechtes fordern wir, daß für diejenigen, welche das Asyl in England, das bis heute respektiert wurde, suchen, zwei Möglichkeiten geschaffen werden: Tiejenigen, welche sich der englischen Armee anschließen, sollen das Recht haben, sofort englische Bürger zu werden. Wer aber nicht will, soll das Recht haben, in sein Land zu fahren. Ich bin sehr dagegen, daß inan die Tore des freien England schließt. Ich sage: es ist ein großes Unrecht, einen Menschen -- und insbesondere einen politischen Flüchtling, der nach England kam, um Schutz vor seinen Unterdrückern zu finden - zu zwingen, in ein Land zu fahren, wohin er nicht mag. Ich bin der Ansicht, daß England nach den internationalen Bestimmungen nicht das geringste Recht hatte, ein neutrales Schiff anzuhalten und vier Menschen herabzuholen, welche hier im Lande abgeurteilt werden sollen. In einer Note, die England an Amerika sandte, wurde mein Standpunkt offiziell bestätigt. Das Asylrecht nniß erhalten bleiben." — Nach Redeführungen von Sylvia Pankhurst, B. Adams und anderen wurde eine Resolution angenommen, welche der Freude über den Sieg der Revolution Ausdruck gibt und an alle Freiheitsfrennde appelliertfür die Erhaltung des Asylrechts zu kämpfen. Kaien. z. Lodz, 4. Mai. Wie das hiesige jiddische „Volksblatt" meldet, ist Senator Stone, der Vorsitzende der Kommission, für auswärtige Angelegenheiten im -muerikanischeu Senat, ein ans Odessa gebttrti'ger Jude. Sein Vater Jizchok Steinreich ist vor wenigen