Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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■---'—- 4 —- Jahren in Odessa gestorben, während seine Mutter noch jetzt i.n | Nordrußland lebt. Nach Absolvierung eines Qdessaer Gymnastums! hat vor etwa 30 Jahren der 18jährige S t e i n r e i ch - S t o n e; Rußland verlassen müssen, um seine Universitütsstudien fortzusetzen. j ytacfj Absolvierung einer Hochschule für Bodenkultur ließ er sich in > Amerika naturalisieren und änderte seinen Namen in Stone um. Zehn Jahre später nahm er an den Verhandlungen zunr Abschluß eines amerikanisch-deutschen Handelsvertrages in Berlin teil. Dorthin hatte er auch damals seine Eltern berufen, die er reichlich unterstützte. In der Zwischenzeit hatte er durch Hausieren, Unterricht u. dgl. sich sortgebracht, bis er nach Beendigung seiner Studien als Tarinnsvektor im Handelsininisterium ankam. Roosevelt berief ihn 1907 in die Kommission zum Abschluß von Handelsverträgen, mit der er auch nach Berlin kam. Hier soll er sich in einer Unterhaltung mit Kaiser Wilhelm freimütig zur jüdischen Nation bekannt haben. In Berlin hat er auch für Kautskys „Neue Zeit" mehrere Aufsätze über die Entwicklung I der amerikanischen Eisenbahnen geschrieben. Sehr bedeutend sind ferne Studien zur Arbeiterversicherung. Von Mh und Ferm — In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Artilleriestraße 14, liest Herr Tr. I. Freund im Sommersemester vom 9. Mai ab jeden Mittwoch, abends 8 Uhr, über das Thema „Tie Behandlung der Jndenfrage in der deutschen Literatur des 19. Jahrj Hunderts und ihre Rückwirkung ans die Gesetzgebung und Politik in j Preußen". Tie Vorlesung ist öffentlich und unentgeltlich. — | Durch Verfügung des Reichskanzlers vom 4. April 1916 ist! die Verarbeitung von 40 Zentnern Fleisch pro Monat für rituell lebende Heeresangehörige gestattet lvorden. Ans dieser Fleischmenge werden durch einen'' Hamburger Fabrikanten Konserven für die „Freie Vereinigung" hergestellt. Tie Qualität der Konserven wird allgemein als gut anerkannt. Zn der Verfügung des Reichskanzlers! sind noch folgende Ausführungsbestimungen erlassen: Tie Konserven-! lieferuug loird aus die Heeresangehörigen beschränkt, die ein! Rabbinatsattest darüber beibringen, daß sie vor dem Kriege bereits! rituell gelebt haben. Jeder Soldat kann nur ein Höchstguantum von! fünf Konserven pro Woche bekommen. Ter Genuß dieser Ausnahlne-! bestinlmuug loird ans die Leute im Felde und in den Garnisonen,! in welchen eine koschere Beköstigung nicht zu bewerkstelligen ist, be-! schränkt. Auf Grund einer Eingabe des Verbandes der Sabbat-! freunde, Abteilung „Vaterländischer Hilfsdienst", Berlin Ts 24,; Oranienburger Straße 65, hat das Rcichspostmnt die Oberpostj direktionen angewiesen, hilfsdienstpslichtige Israeliten, die durch Rabbinatszeugnis den Nachweis erbringen, daß sie den Sabbat bisher durch Werke!nstellnng geheiligt haben, soloeit die Verhältnisse es gestatten, am Sabbat vom Dienste zu befreien und zum Allsgleich am Soilntag oder zu anderer Zeit entsprechend mehr zum Tienste heranzliziehell. Auch sollen Beschästiaungsgesuche solcher jüdischen Bewerber, wenn sie sollst geeignet sind, nicht lvegen des Wunsches der Tienstbefreiung am Sabbat zurückgewiesen werden. Ter bulgarische Geueralkonslil in Berlin, Kommerzienrat I. Mandelb a u in, lvurde von der Stadt Sofia im Hinblick ans seine Verdienste um das Königreich Bulgarien und dessen Hauptstadt zu ihrem Ehrenbürger ernannt. - Direktor S. H a m burger in Eharlottenburg, der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Rohpappenfabrikanten, ist vom Reichskanzler zum Mitglied des Beirates des Neichskommissars für Uebergangswirtschaft ernannt worden. Tas Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten: Dtadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Geheimer Sanikätsrat Tr. Edel in Eharlottenburg, der Leiter der Finanzabteilnng der Zentraleinkanfsaesellschafk Mar S e ck e l, die langjährige Leiterin des Tr. H. Neumannscheu Kinderhauses, Frau Klara Birnbaum. - Tem Professor Tr. Wechselmann wurde die Noke-Krenz-Medaille verliehen. Gefreiter Leopold Keller m a n n, Sohn des Ehordirigenten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Herrn Albert Kellermann, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. — Das Ehepaar Michael Kahn und Frau Hedwig, geb. Gloganer, begehen am 15. Mai d. I. ihre Silberhochzeit. Die Eheleute sind seit 24 Jahren als Hausverwalter bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin im zweiten Verwaltungsgebäude angestellt. Ans Gnesen wird uns geschrieben: Das 26jährige Amtsjubiläum und gleichzeitig das seltene Jubiläum einer 25jährigen ununterbrochenen Berufstätigkeit an demselben Orte beging Herr- Lehrer Hirschberg an der hiesigen israelitischen Volksschule. Eine Borstandsabordnung des Lehrervereins überbrachte die Glückwünsche des Vereins und das übliche Diplom. Auch seitens der Gemeinde wurden dem Jubilar in vielfacher Weise Ehrungen zuteil. — In Hindenburg verschied nach kurzer Krankheit Rechtsanwalt Tr. Map W a ch s n c r. Er war seit 1915 Mitglied der Repräsentantenversammlung und bekundete für alle Gemeindeangelegenheiteu cin sehr reges Interesse. Aus Leipzig wird berichtet: Am 3. April dieses Jahres starb hier im 70. Lebensjahre Tr. Moritz Chamizer, ein vorzüglicher Philolog und hebräischer Bibliograph, aber ebenso ausgezeichnet in seinen Charaktereigenschaften als Mensch und als Jude. Tr. Ehanstzer stainmte aus Mohilelv am Dnjepr. - Air den Folgen eines Schlaganfalls starb Herr.Adolf Beck in Chemnitz, der sich in weitesten Kreisen allgemeiner Wertschätzung erfreute. Er lvar u. a. Vorstandsmitglied der Israelitischen Religwnsgememde, Vorstandsmitglied der Kriegsleder-Akteingesellschast, Präsident der Gruppe Sachsen des Reichsverbandes deutscher Häute- und Fellhändler. —- Ter Hamburger Rechtsanwalt Tr. Max Cohen, stellvertretender Vorsitzender der Teutsch-Jsraelitischen Gemeinde, Mitglied der Bürgerschaft usw., beging seinen 75. Geburtstag. — Ter Mitinhaber der Firma Gebr. Salomon (Hannover), Arthur Salomo n, der Vorsitzende des Verbandes für Ein- und Ausfuhr von Lumpen E. V., ist vom Reichskanzler zum Mitglied dos Beirats des Reichskommissars für Uebergangswirtschaft ernannt worden. — Dem Fabrikbesitzer Herrn Gustav Fränkel in Hildesheim wurde das Berdienstkreuz für Kriegstzilfe verliehen. Im 72. Lebensjahre verschied in Aachen Herr Eduard M e h e r, Inhaber des Krouenordens 4. Klasse und der Roten-Kreuz-Medaille. - Herr Lehrer W u n s ch in Sandhausen b. Heidelberg, der das dortige Vereinslazarett von der Gründung bis zur Auflösung verwaltet hat, wurde mit dem Badischen Kriegshilfekreuz ausgezeichnet. - Herr Lehrer Mar Grünfeld in Baden-Baden ist in Anerkennung seiner Verdienste als Mikitärseelsorger mit dem Kriegshilfskrenz ausgezeichnet lvorden. Ter Rabbiner Tr. Emanuel Schwarz, Prediger der Tempelgemeinde zu Prag, erhielt den Titel Professor. - In Böhmen befinden sich insgesamt 140 000 Kriegsflüchtlinge. Hiervon sind mehr als die Hälfte, zirka 80 000, Inden: au zweiter Stelle stehen die Italiener: 17 000; dann kommen die Polen: 15 000, und die Ruthenen: 12 000. Ter Rest verteilt sich auf Kroaten, Slowenen, Rumänen und Deutsche. - -- Im 72. Lebensjahre verschied in Wien Herr Salo Cohn, Knltusvorsteher und Präsident der Ehewra Kadischa. Er lvar ein großzügiger Philanthrop; vor einigen Jahren spendete er der Ehewra Kadischa 100 000 Kronen. - Tas galizische Judentum hat lvieder einen großen Verlust erlitten. In Wien starb tut Alter von 59 Jahren der Oberrabbiner von Tarnow, R. Abrahaln S ch n u r. der sich durch große talmudische Gelehrsamkeit, hervorragendes Rednertalent und allgemeines Wissen auszeichnete. Ter Verblichene lvurde nach Tarnow übergeführt und dort zur letzten Ruhe bestattet. - Tie Rabbiner von Livorno, Mailand, Verona, Florenz und Rom fordern ihre Kollegen zur Bildung eines Verbandes der Rabbiner Italiens auf. Zweck des Verbandes soll die Wiederbelebung des jüdischen Lebens in Italien, btic Verbreitung der indischen Wissenschaft, Literatur und Sprache, die Reform des Religionsunterrichts sein. --- Demnächst beginnt in Moskau unter der Redaktion der bekannten Schriftsteller I. Grünbaum. 5. Rosenfeld, Tr. Eljaschew und Benzion Katz eine große politische Tageszeitung in jiddischer Sprache zu erscheinen. Einer der Führer der jüdischen Kaufmannschaft in Moskau, Herr I. I. R ab i o n o w i t s ch, stellte der Redaktion ein Kapital von 100 006 Rubel zur Verfügung. - In Kielv lvurde zum erstenmal ein Jude in die Stadtverwaltung gewählt. Das jüdische Zentralhilfskomitee in St. Petersburg hat beschlossen, einen Kongreß aller iüdischen Bürger des russischen Reiches für die nächste Zeit nach St. Petersburg einzuberufen. - - Ter Kopenhagener Zeitung „Politiken" wird aus London gemeldet: Aus New Port wird telegraphiert: Eine Abordnung, die 1 500 000 amerikanische Juden vertritt, bat den Präsidenten Wilson, mit den Alliierten ein Abkommen über eine jüdische Republik in Palästina zu treffen. _ _ Verantwortlicher Redakteur: Albert Kah in Berlin-Pankow, Flvrastraße 58. Verantwortlich-für den Anzeigenteil: Max Junae. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofsc.