Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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UVWMMWWMMWWWMWMWMMMWMWW r Vorstandes jüdischer Religionslehrer Ostpreußens, des Vereins ehemaliger Zöglinge und Erzieher des Waisenhauses, des Vorstandes der! Synagogengemeinde Königsberg, der Pensionskasse jüdischer Religionslehrer Ostpreußens und der Kant-Loge des U. O. B. B. Sämtliche Deputationen feierten das Jubelpaar unter Ueberreichung von Adressen und wertvollen Ehrengaben in anerkennenden Worten, welche in dem Wunsche ausklangen, das Jubelpaar noch recht lange an der Stätte seiner segensreichen Wirksamkeit zu sehen. Der Jubilar, sichtlich ergriffen, dankte jedem einzeln für die dargebrachte Ehrung. Auch von zahlreichen Freunden aus der Stadt, der Provinz und dem Reiche waren Glückwünsche und Blumengrüße in großer Zahl eingegangen. Bon größeren Verbänden gratulierten der Deutsch- Israelitische Gemeindebund, der Verband jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche und der Königsbergcr Lehrerverein. 22. Posen, 4. Mai. Vor kurzem verstarb hier im Alter von 66 Jahren die Witwe des vor Jahresfrist ihr im Tode vorangeaangenen Großkaufmanns Marcus Badt, Frau Fanny Badt geb. Schwersenz. Alle Tugenden eines Bioderweibes int wahren Sinne des Wortes hat die Dahingeschiedene in sich vereinigt. Von umfassender allgemeiner und jüdischer Bildung, streng in ihren Pflichten gegen Gott und sich selbst, dabei sanftmütig und bescheiden, war sie ihren Kindern eine vorbildliche Mutier und Erzieherin, und kannte sie keine größere Lebensfreude, als von den ihr beschiedenen Gütern ohne Geräusch mit vollen Händen zu spenden, wo es galt, Not und Elend unter den Neben men scheu zu lindern. Bei der Trauerfei.er, zu der auch der als Feldwebelleutnan't im Felde stehende Sohn herbeigeeilt war, zeichnete einer ihrer sechs Schw reger söh ne, lex Sekretär der Posen er S ynn go gengemei n de Hei mann I a c o b s o h n , in treffenden Worten ein Bi>ld der Verklärten rrnd gab namens der Hinterbliebenen deren Trauer um den herben Verlust beredten Ausdruck. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Tr. Fr e i m a v. n den Trauernden Worte des Trostes zu. W. Posen, 4. Mai. Die Israelitische Waisen-Knabenanstalt, hier, hat das 80. Jahr ihres Bestehens vollendet. Die Direktion hat, ihren erprobten Grundsätzen getreu, auch in dem vergangenen dritten Kriegsjahr die Pflichte:: und 'Aufgaben, wie sie der Anstalt satznngsgemäß gestellt sind, frei vor: jeder Engherzigkeit durchzusühren sich bestrebt, wenn auch Aeuderuugeu und Erneuerungen sowie weitgehende Verbesserungen mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse für eine ruhigere Zeit Zurückgestellt werden mußten. Trotz gewissenhafter Sparsalnkeit sind einzelne Titel des 'Ausgabenetats stark überschritten lworden. Es findet dies seine Erklärungen in der allgemeinerl Steigerlmg aller Lebensbedürfnisse und Wirtschaftsgegenstälide. Die Schlvierigkeiteu der Wirtschastsführnug, haben sich im vergangenen Jahre noch bedeutend vermehrt und verstärkt. Dem wohlwollenden Entgegenkommen des Städtischen Lebe::smittetamtes ist es zu danken, loeiul es der Verwaltung gelang, ihrer harrenden 'Ausgabe gerecht zu werden. Zu Beginn des Jahres waren in der Obhut des Waisenhauses 19 Knaben; davon besuchten 14 die Schube, 5 befandensich in der Berufsbildung. 17 wurden von der Anstalt vollständig unterhalte, 2 waren auswärts in der Ausbildung und erhielten ebenfalls vollständigen Unterhalt; 2 in der Berufsbildung stehende Zöglinge wurden im Laufe des Jahres zum Militärdienst einberufen. Von den Schülern trat p Ostern des Jahres Nur einer in die Lehre. — : - Neu ausgenommen wurde im Lause des Jahres ein Knabe, so daß am Schlüsse des Jahres 18 Zöglinge vorhanden lvaren, von welchen 14 die Schule besuchten und 4 im Hause unterhalten wurden. Sämtliche Schüler lvnrden zu Ostern des Jahres in die nächsthöhere Klasse versetzt. Einer größeren Zahl der Schüler war auch in diesem Jahr wieder Freischule gewährt worden. - Auch die körperliche Entwicklung der Knaben schreitet trotz der Kriegsernährung tu rechtem Maße fort. Der Gesundheitszustand lvar im abgelaufeneu Jahre ein recht günstiger. — Im Kampfe für das Vaterland starben die Zöglinge Martin Goldstaub aus Berlin, Ludwig Türk aus Alleustein; Hugo Grützner aus Posen und 'Arthur Rach um aus Cnesen. - - Mehrere andere Zöglinge mußten schwer beschädigt aus dem Heeresverbande entlassen werden. - - Tie Einnahmen betrugen 67 763 Vkark. die Gesamtausgaben '17 268,60 Mark, so daß ein Ueberschuß der laufenden Einnahmen von 465,60 Mark verblieb. - lieber 520 Mitglieder sowie mehrere Gemeinden und Vereine [teueru dem Waisenhause bei. Jarotschin (Prov. Posen), 4. Atai. 'Am heutigen Tage konnte Lehrer Lauser auf eine 40jährige Amtstätigkeit am hiesigen Orte zurückblicken. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer an der jüdischen Volksschule — die seit Kriegsbegirm mit der 7klassigen evangelischen Schube vereint ist —, als Religion sichrer an-dn-chöheren Knaben- und Mädchenschule und Lehrer an der staatlichen Fortbildungsschule hat er sich auch vielfach in seiner Gemeinde ehrenamtlich betätigt und sich m seltenem Maße die Liebe und Achtung seiner Gemeindemitglieder, seiner Amtsgenossen und Schüler erworben. Möge es chm vergönnt sein, noch recht lange segensreich zu wirken. dl. Hamburg, 4. Mai. Die weit über Hamburgs Marlern bekannte hiesige Metall-Engros'- und Exportfirma A. Auerbach konnte nur' 25. April aus, eine 25jährige Geschäftstätigkeit zurückblicken. Die Inhaber der Firma, die Herren A. und I. Auerbach, sind die Söhne respektive Brüder des verstorbenen und des jetzigen Rabbiners von Hälberstadt Tr. Auerbach und haben es durch rastloses Streben verstanden, ihr Geschäft von den. kleinsten Anfängen zu einen: der bedeutendsten in der Metallbranche emporzuhringen. Trotz des ausgedehnten Geschäftsbetriebes haben, die Inhaber doch noch die Zeit erübrigt, sich mit gemeinnützigen jüdischen Angelegenheiten zu. beschäftigen., so ist z. B. der älteste der Brüder, Herr A. Auerbach, bereits seit Jahren in: Delegiertenkollegium des Deutsch-Jfraelitifchen Synagogenverbandes tätig, zu dessen eifrigsten und pflicht-getreuesten Mitgliedern er zählt; ferner ist er Vorsitzender der Verwaltung der Alten und Neuen „Klaus" sowie stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Hamburg-Altona des Verbandes der Säbbatfreunde. Auch den großen Ausgaben, die der Krieg an uns alle und insbesondere an unsere Glaubensgenossen stellt, hat Herr Auerbach sein besonderes Interesse zugewandt, indem er neben seiner in Gemeinschaft mit seinem Brurder im stillen wirkenden Tätigkeit der Kriegshilfe auch in diesem Jahre sich wieder an die Spitze eines Komitees stellte, das die rituelle Verpflegung der Kri-egsg.efang.enen int IX. Armeekorps zum Passahfeste übermahin; für welchen Zweck auch die Gem>eindebehörden einen namhaften Beitrag bewilligten. Vor: der allgenieinen Wliebheit, deren sich die Fiauneninhaber auch in nichtjüd'i-schen Kreisen zu. erfreuen haben, legten, die überaus zahlreichen Ovationen., welche ihnen .am Ehrentag zuteil wurden, ein. beredtes Zeugnis ab. Unter denen, die ihre Glückwünsche teils persönlich, teils «itf schriftlichen: Wege darbrachten, befanden sich auch Vertreter unserer Großbanken, wie die Norddeutsche Bank in Hamburg, die Dresdner Bank (Filiale Hamburg), Di s conto - G e s e l I s ch ast in Berlin usw. Ferner hatte die hiesige weltbekannte Baukfivma Joh. B e r e n b e r g - G o s le r u. Co. (deren Mitinhaber Mitglied des Hamburger Senats ist und sich augenblicklich in der Zivil Verwaltung Belgiens befindet) ein in, überaus herzlichen Ausdrücken abgefaßtes Glückwunschschreiben, gesandt. 22 Nürnberg, 4. Mai. Eine sehr schöne Esther-Megilloh in scingearbeiteter Silberrolle aus den: 17. Jahrhundert hat Herr Kommerzienrat Sigmmü> S ch w a r z e n b e r g e r in Fürth für die Sammlung dentschi-jüdischer Altertünler des „Gernmnrscheir Nationalmuseums" in Nürnberg gestiftet und damit die noch kleine Sammlung nur ein wertvolles Stück bereichert. Da die Direktion des Museums diese Abteilung der große:: vaterländischen Anstalt gern weiter ausbauen würde, wäre es sehr erwünscht, wenn das hochherzige Beispiel des genannten Stifters Nachahmung fände. In vielen Familien sind noch mancherlei Gegenstände vorhanden, die jetzt unbeachtet umherstehen oder hinter Schloß und Riegel für die Allgemeinheit keinen Nutzen stiften, für die erwähnte Sammlung aber sehr wertvoll sein könnten. Möge man sich darum entschließen, diese Sachen dein Museum zu überweisen, wo sie der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden und so einen edlen Zweck erfüllen können. Wo Schenkung ausgeschlossen ist, könnten einzelne Sachen Kultusgegenstände, Bücher, Schriftstücke u. a. — auch käuflich erworben werden und wolle man sich deshalb an Direktor I. Seifensieder, Nürnberg, Obere Turnstraße, wenden. Sehr willkommen wäre auch zu Ankäufen die Neberweisung vvn Geldspenden oder die Anmeldung von Jahresbeiträgen. L. Mainz, 4. Mai. Ein altes jüdisches Gebet lautet: Gepriesen sei der Herr, der die Zeiten ändert. Und nicht nur in Rußland. Vor der Zinne des ehemals Kurfürstlichen Schlosses Mainz, aus dm: dereinst ein Erzbischof, Kurfürst und Kanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, ein Dekret zur Einpferchung der Juden in die Ghettos erließ, weht heute die Fahne auf Halbwast zur trauernden Verkündung, daß die Stadt einen Inden, einen ihrer besten Bürger, den Kommerzienrat Martin Moritz M a y e r verloren habe: i