Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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" - ' ’ ' -■ .'_v OQK AÜeS, was irgendwie erreichbar war. Daß in London mehrere Indische Bibliophilen Sammlungen angelegt haben, weiß ich ebenfalls ans sicherer Quelle. Auch in Dänemark befindet sich eine Zentralstelle, die neben der allgemeinen auch die jüdische Kriegsliteratur erwirbt. Aber alle diese Länder werden übertrofsen von Holland, das freilich auch sonst in jüdisch-kultureller Beziehung die erste Stufe einnimmt. Seit Hunderten von Jahren gedeihen in diesem Lande die jüdischen Privatbibliotheken. In einer Zeit, als die deutschen Juden bäum mehr als ihren Namen in deutschen Schristzeichen zu schreiben verstanden, wurden Streitschriften holländischer Juden in der Sprache ihrer früheren und späteren Heimat (Spanisch und Holländisch) gedruckt, und es ist keine Seltenheit, in wissenschaftlichen Zeitschriften des 17. und 18. Jahrhunderts auf jüdische Mitarbeiter zu stoßen. In der Gegenwart haben sich um Sigmund Seeligmann in Amsterdam, dessen jüdische Bücherei zu den bedeutendsten gehört, die sich im Privatbesitz befindet, eine Reihe von Jünger geschart, wie sie Deutschland leider nicht aufweisen kann. Die bibliographischen Kenntnisse Seeligmanns, Hillesums (der Leiter der RosenHaliana), da Silva Rosas (Bibliothekar des Portugiesischen Israelitischen Seminars) sind einfach staunenerregend. Aber sie sind nicht die einzigen. Da ist ein ganzer Kreis, bei dem eine gediegene Kenntnis der jüdischen Literatur anzutreffen ist. Es war mir immer ein Hochgenuß, mit diesen Leuten beisammen sein zu können, und ich habe zweifellos bei meinem häufigen Aufenthalt in diesem Lande viel gelernt. Ein Teil dieser Bücherfreunde hat sich nun zusammengefnnden und vom 15. bis 20. April d. I. in der Bibliothek des Portugiesischen Israelitischen Seminars am Jonas Daniel Meijerplein.hder Platz ist nach einem berühmten Amsterdamer Juden benannt) auf Veranlassung und zugunsten der Jüdischen Kriegshilfe (Hulpcomite voor de Joodsche Oorlogsskachtoffers) eine Ausstellung jüdischer Kriegsliteratur veranstaltet, die außerordentlich originell genannt werden darf. Wer den stimmungsvollen Bibliotheksranm mit seinen reichen Schätzen je betreten hat, wird ihn nie mehr vergessen. Welche Kostbarkeiten lagern da: Handschriften von Spinoza, Uriel Accosta, Menasseh den Jisrael, Urkunden längst vergangener Tage. Porträts berühmter Inden aller Länder und aller Zeiten. Jüdische Zeitungen vom Jahre 1670 in spanischer und jüdisch-deutscher Schrift, Einblattdrucke von der größten Seltenheit und viele sonstige Dinge, über die zu plaudern verführerisch wäre. In solcher Umgebung sind die Kriegsschristen systematisch geordnet, dem Beschauer dargeboten worden. Von dem Umfang der Ausstellung kann man sich eine ungefähre Vorstellung machen, wenn gesagt wird, daß der darüber gedruckte Katalog, den mein Freund I. S. da Silva Rosa in bekannter präziser Form besorgt hat, über 500 Nummern aufzählt; dabei war in der Ausstellung anscheinend noch nicht alles Existierende vertreten, denn ich vermisse im Katalog noch mancherlei, z. B. die Predigtsammlung „Aus großer Zeit", von Jelski, „Soldatengedanken" Nr. 3 bis 8, mehrere Kriegsbilder usw. Den Katalog zu studieren, ist eine lehrreiche Sache. Da fällt zunächst auf: In der Kriegsliteratur alter Zeiten fehlt Deutschland fast ganz, in der Kriegsliteratur der Gegenwart aber überragt es alle anderen Länder um ein Erhebliches. Die Kriegsliteratur ans vergangenen Zeiten ist in diesem Katalog wohl überhaupt zum ersten Male zusammengestellt. Das älteste Stück (Nr. 465) ist vom Jahre 1630. Naturgemäß sind fast alle älteren Piecen Kriegsgebete, erst vom Jahre 1809 ab haben sie einen politischen Charakter. (Nr. 459 bis 461 locken in oderland tot den llrijgsdienst toegelaten. Joodsch Corps.) Die übrige Einteilung des Katalogs besteht aus: I. ^Igemeene Beschonwingen; II. Speziale Beschonwingen (Abhandlungen): Amerika, Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich, Palästina, Polen, Rumänien, Rußland; 111. Oorlogsgebeden (Kriegsgebete): Deutschland, England, Frankreich, Italien, Holland, Oesterreich; IV. Oocksdienstige Opwekklngen en Predikaties (Reden und Predigten); V. Krijgsgevangene (diese Abteilung ist die unvollkommenste); VI. Maatregelen door den Oorlogstoestand geboda (durch den Kriegszustand hervorgerufene Maßregeln): Amerika, Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Oesterreich, Palästina, Skandinavien, Schweiz; VII. Platon, Portrotton (Bilder, Postkarten usw.); VIII. Varia. Ich muß mir leider versagen, auf die Einzelheiten einzugehen. Interessenten können den Katalog durch den Kassierer des genannten Hilfskomitees, Herrn D. E. Sioni, Reguliersgracht 2 in Amsterdam, gegen Einsendung von 0,75 Fr. beziehen; ich bin auch selber zur Besorgung bereit, da es sich um eine Wohltätigkeitssache handelt. Nur darf ich nicht schließen, ohne die beiden Abhandlungen, die dem Katalog vorgedruckt sind, zu erwähnen. Ter Sekretär des Hilfskomitees Alfred Polak leitet den Katalog mit einer hübschen Arbeit: „Vau Joodsch Lijden en joodsch Mede-lijden" (Vom jüdischen Leid und jüdischen Mitleid) ein und im Anschluß daran befindet sich ein Aufsatz von I. S. da Silva Rosa: „Jots over de gevolgen van den Wereldoorlog voor de Joden" (lieber die Folgen des Weltkrieges für die Juden). Diese prächtige Studie des gelehrten Verfassers verdient in deutscher Sprache übersetzt zri werden. Einige Druckfehler sind gewiß auf die rasche Herstellung zurückzuführen. Bei Nr. 345 (23) muß es D e u t s ch statt Dutsch, bei 386 (8) Braun statt Braun heißen (Professor Dr. Braun (Breslau) muß sich die Verunstaltung seines Namens s e h r o st gefallen lassen). Bei Nr. 343 Golus von Hirszenberg steht „lec 1914". Dabei ruht mein Freund Hirszenberg leider seit mehr als acht Jahren in palästinensischer Erde. Ich gestehe: zu meinein Stolz gesellt sich Neid auf Holland. Könnte Deutschland so etwas nicht auch? Nüdilcher Volksverem. Bon Nathan 6 oha (Chartvttenbnrgl iederholt habe ich in dieser Zeitung über die segensreiche Wirksamkeit des Jüdischen Volksvereins berichtet. Damals handelte es sich um die Tätigkeit vor Kriegsbeginn. Seit Kriegsbeginn aber hat sich der Volksverein auch als KriegswohlfahrtssteUe in ganz hervorragender Weise betätigt. Zum erstenmal seit seinem Bestehen hat der Verein vor einigen Monaten einen Bericht über seine Wirksamkeit herausgegeben. Dieser Bericht zerfällt in zwei Teile: 1. Aus der Geschichte des Jüdischen Volksvereins. 2. Bericht über die Zeit vom 1. August 1914 bis I. August 1916. Die schrecklichen Judenverfolgungen, die im Jahre 1904 in Rußland stattfanden, trieben Hunderttausende unserer Glaubensgenossen in das Ausland, und fast alle nahmen ihren Weg über Berlin. Diesen unglücklichen Heiinatlosen während der Dauer ihres hiesigen Aufenthaltes eine Unterkunft zu gewähren, gab den ersten Anstoß zur Gründung des Vereins, der sich immer mehr zum Segen für diese bedauernswerten Glaubensgenossen gestaltete. Es wurde ihnen nicht nur Obdach und Verpflegung gewährt, sondern auch in jeder anderen Weise versucht, ihr trauriges Los zu erleichtern. Allein im Jahre 1906 wandten sich nicht weniger als 21 000 Ausländer an die Hilfsstelle des Vereins. Unter großen Mühen und Opfern wurde es im Jahre 1908 ermöglicht, 30 Betten für die Zwecke des Vereins zur Verfügung zu stellen: