Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MMMWWWW -' 224 ——— " „Flugzerrge" von Oberleutnant Paul Neumann in „Velhagen u. Klassings 60-Psennig-Volksbüchern" nach. Letzterer, der unter den Vorkämpfern Lilienthal in Deutschland vor den Franzosen Mouillard und den Engländer Phillips an die Spitze rückt, sagt u. a.: „Stolz dürfen wir auf die Arbeiten und Versuche unseres Landsmannes Otto Lilienthal sein. Unvergessen wird er uns und unseren spätesten Nachkommen als der Mann bleiben, der sein Leben der großen Idee als erster zum Opfer gebracht hat." Wenn freilich darauf P. Neumann weiterhin bemerkt, es erscheine „als nicht durchaus berechtigt und der geschichtlichen Wahrheit nicht entsprechend, Otto Lilienthal auf Grund seiner Untersuchungen als den alleinigen Vater der heutigen Flugtechnik hinzustellen", so geht es doch nicht an, diese Ansicht dadurch zu unterstützen, „daß Lilienthals Streben nach der Verwirklichung eines Apparats mit schlagenden Flügeln zielte, einer Maschmenart also, die zu irgendwie brauchbaren Ergebnissen bisher noch nicht zu führen vermochte", oder durch den Hinweis, wie außerordentlich ähnlich das Flächenprofil ist, welches der englische Ingenieur Phillips sich 1891 für die neuerdings besonders geschätzte Nieuport-Kürve patentieren ließ. Das erstere bekundet eben die Großartigkeit seiner Erwägungen, das zweite das durchweg Richtige seiner Konstruktionen. Indem wir hier auf die charakteristischen Flugversuche Lilienthals nach Aufnahmen von Ottomar Anschütz Hinweisen, legen wir auf seine Zugehörigkeit zuin Judentum um deswillen Wert, weil so wenig oder gar nichts von dieser Tatsache da verlautet, wo seinen Bekenntnisbrüdern Leistungskraft auf diesem Felde abgestritten werden soll. Ein Künstler wie Otto Lilienthal und ebenso eine wahrhaft geniale Natur war Benno B e r n e i s, und ein Flieger ist er in diesem furchtbaren Weltkriege im Dienste seines deutschen Vaterlandes geworden, dem er vor Mitte August 1916 sein junges Dasein hingegeben hat. Am 18. August veröffentlichte sein Oberst Blanc aus dem Felde in bayerischen Zeitungen folgende Todesanzeige: „Aus dem Felde der Ehre siel der Kgl. Leutnant der Reserve Benno Berneis der I. Trainabteilung, kommandiert zu einer Feldfliegcrabteilung. Das Andenken an diesen ausgezeichneten Offizier, der mit hervorragender Opserfrendigkeit sein Leben eingesetzt hat, wird in der Abteilung unauslöschlich sein." Dieser junge Maler, der den Tod ans dein Schlachtfeld als bayerischer Lffizicrsfliegcr gefunden, entstammte einer angesehenen Nürnberger Familie. Seit 1907 spielte er in der Berliner Sezession eine große Rolle als expressionistischer Maler. Neben Mar Liebermann, Lesser Ury und Kleineren in der Reichshauptstadt, Benno Becker in München verkörpert Berneis den lebendigen Beweis für die untrügliche Widerlegung der Lüge, im heutigen Judentum, zumal Deutschlands, stecke keinerlei Anlage, Drang und Hingabe zur bildenden Kunst erfolgreichen großzügigen Stils. Während Benno Berneis nur gleichsam im Nebenamt Flieger geworden war und den Zeitgenossen doch trotz seines Heldentodes wesentlich als hochbegabter, selbständiger und zielklarer Künstler, der zu strahlendem Aufstieg bestimmt gewesen, fortleben dürfte, liegt der Ruhm Wilhelm Frankls ausschließlich im Bezirk sieghafter Aeronautik. Er ist, geboren am 20. Dezember 1893 zu Hamburg, ein Bruder des Inhabers des bekannten Frankfurter Assekuranzgeschästs C. u. F. Frankl. Wilhelm Frankl besuchte die Realschule zu Frankfurt a. M. Bei Ausbruch des Krieges 1914 meldete sich der damals Neunzehnjährige, der, im Besitz des Flugzeugführer- Patents, seine Pilotenprüfung in Johannisthal bei Berlin abgelegt, sofort als Kriegsfreiwilliger. Den vortrefflichen Fokker- Kampfflieger teilte man im Oktober 1914 als Flugzeugführer einer Feldabteilung zu. Erstmals öffentlich erwähnt wurde Frankl im Tagesbericht vom 6. Mai vorigen Jahres, Ivo es heißt: „Südlich von Warneton hat Vizefeldwebel Frankl am 4. Mai einen englischen Doppeldecker abgeschossen und damit sein viertes feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. Seine Majestät der Kaiser hat seiner Anerkennung für die Leistung des tüchtigen Fliegers durch die Beförderung zum Offizier Ausdruck verliehen." Am 8. August meldete der amtliche Bericht, daß Leutnant Frankl vorgestern bei Beaumetz seine» sechsten Gegner außer Gefecht gesetzt hat. Zwei Tage später erwähnte der Tagesbericht Luftkämpfe, deren Einzelheiten einige Tage darauf veröffentlicht wurden und Frankl als Sieger über mindestens den siebenren Gegner hinstellten. Am 13. August wurde seine höchste Auszeichnung bekannt, indem der Kaiser ihm den Orden Pour le morite verlieh. Und als am 26. November „Das Illustrierte Blatt" in seiner zweiten Heimatstadt Frankfurt a. M. (122. Kriegsnummer) als großes ganzseitiges Titelbild eine Sonderaufnahme mit der Unterschrift Leutnant Wilhelm Frankl brachte, da stand stolz als Relativsatz dahinter: „der bisher 16 feindliche Flugzeuge abgeschossen hat und damit nach Bölckes Tod unser erfolgreichster Flieger ist". Nach einem längeren Heimatkommandv kehrte er Anfang April 1917 an die Front zurück. Am 6. April setzte er drei Gegner außer Gefecht und erhöhte damit die Zahl seiner Siege auf 17. Zwei Tage später traf ihn selbst die tödliche Kugel. „Die Fliegertruppe wird auch diesen Helden nie vergessen", heißt es im amtlichen Nachruf des Deutschen LufttruPPen-Oberkonimandos, der bekanntgab, daß Frankl am 8. April 1917 den Heldentod gestorben ist. Darf man es angesichts der vielfältigen antisemitischen und verwandten offenen und versteckten hämischen Anwürfe und Zweifel wider Tapferkeit, vaterländischen Opfermut und kriegerische Kühnheit der deutschen Juden diesen irgendwie verdenken, wenn sie gerade musterhafte und unvergleichliche Taten ihrer Glaubensgenossen auf dem gefährlichste» Felde, im Fliegen, mit freudigster Genugtuung buchen? Jüdische Lnrgsljterstur. Bon L v u i s L a in m (Berlin). Krieg hat eine fast unermeßliche Sturmflut von Jmr Literaturerzeugnissen hervorgerufen und es. ist ganz selbstverständlich, daß sich darunter eine entsprechende Anzahl von Schriften über Inden und Judentum befindet. Bald nach Kriegsausbruch habe ich verschiedenen jüdischen Organisationen geraten, diese Dinge, die erfahrungsgemäß später nicht mehr erhältlich sind, zu sammeln. Aber ich hatte geringen Erfolg. Eine angesehene Organisation gründete wohl eine Kommission, der anzugehören ich die Ehre habe, aber es kmn bisher noch nicht einmal eine Sitzung zustande. Andere, wie zum Beispiel die Jüdische Gemeinde Berlin, gaben mir überhaupt nicht einmal eine Antwort. Deshalb entschloß ich mich, wenigstens Verzeichnisse der mir bekanntgewordenen jüdische» Druckerzeugnisse, die sich auf den Krieg beziehen, herauszugeben. Zwei davon sind schon erschienen, das dritte derzeit in Bearbeitung. Ich finde es im höchsten Grade bedauerlich, das; sich bisher in Deutschland noch keine jüdische Stelle gefunden hat, die sorgsam sammelt und hütet, was die Stunde hervorgebracht hat. Der Mangel wird sich einmal sehr fühlbar machen. Viele Dinge lassen sich schon heute nicht mehr beschaffen, andere jetzt nur sehr schwer. Daß das Ausland darüber anders denkt, wird man aus nachstehendem ersehen. Ich darf auch bemerken, daß mich ein angesehenes Institut in Amerika mit der Besorgung der jüdischen Kriegsliteratur betraut hatte. Dieses Institut erhielt auch, solange eine Verbindung nach Amerika bestand, in beispielloser Vollkommenheil %