Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 f.llU'11 , Er ehen- :iben lederrigett. tes t bcn Land ck int;t in Weqnat*. j rben, i und § in h bcv iesem gatr, t mit e bcv t An An (»g>- gliche leurn füniman Vcveinigcm Annachtitm) Jahr ljahv t)ten, n b - t zu liefen vv» larcv jahrc "ngei UN -5 Die Verkündigung des Propheten büttl Jahre r»73 ist in ■ Erfüllung gegangen, wenn auch erst nach Verlauf von etwa 57 Jahren. Da zog die Herrlichkeit des Ewigen wieder in den neuen Tempel ein, und bas neue Gottesreich erstand wieder auf dem Boden Palästinas zur Begründung der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit für die Welt. So war nach vielen schweren Jahren wehevollen und wehereichen Krieges, der erschütternden Zerstörung des ersten Tempels und der Babylonischen Gefangenschaft für Juda und die Welt neues Heil und. neuer Segen erblüht. Und auch nach dem gegenwärtigen Weltkriege dürfen wir für die Völker und für Juda neues Heil und neuen Segen erwarten, neues Heil und neuen Segen durch die Förderung von Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Der fürchterlich blutige Krieg führt es doch aller Welt fühlbar vor Augen und ans Herz, wie notwendig diese Tugenden für den Frieden und das Gedeihen der Völker sind, wie sehr sie überall zur Geltung kommen müssen, damit allem Barbarismus Tür und Tor verschlossen bleibe. Ja, wenn man jetzt w ä h r e n b des großen Krieges sogar Forderungen i m Namen der Menschlichkeit aufstellt zur Verhütung von unnötigen Grausamkeiten, so müssen diese Forderungen ebenso und in noch weit erhöhtem Maße im Frieden zur Geltung gebracht und die Völker und ihre Regierungen an ihre Erfüllung gewöhnt und dazu, wenn nötig, gezwungen werden. Wenn beispielsweile die I u d e n, die sich selbst wegen ihrer Minderh ei t inpolitischer und sozialer Hinsicht gar nicht zu helfen vermögen, irgendwo in einem Lande benachteiligt, unterdrückt, grausamst behandelt und verfolgt werden, so muß dieses Land von den anderen Staaten im Namen der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit ernstlich verwarnt und zur Raison verwiesen werden — selbst mit der D r o h u n g des Abbruchs der friedlichen Beziehungen. Bedrückung, Knechtung, Verfolgung dürfen in keinem Staate geduldet werden. Das war doch die größte Sünde Europas in den letzten Jahrzehnten, daß es Rußland gewähren ließ, w i e und w a s es tat. Der fürchterliche Krieg ist trotzdem gekommen. Wenn aber dieser schon früher gekommen wäre im Namen der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit — wegen der Pogrome und des grausamen Systems gegen die russischen Juden, und zwar ein Krieg aller wahrhaften Kulturstaaten in gemeinsamer Verbindung gegen Rußland, so wäre er zum Heile der Welt weit schneller beendet worden als der jetzige Weltkrieg. Wahrscheinlich wäre er überhaupt nicht geführt worden und Rußland hätte sich schon einer ernsten Drohung von seiten der anderen Staaten gefügt. Wäre das nicht eine höchste sittliche Tat der Welt gewesen? — Nun aber, nach diesem großen Weltlriege, muß es doch endlich dazu kommen, daß die Völker nicht mehr wegen materieller Angelegenheiten in Zwietracht miteinander geraten, daß sie vielmehr nur die Tugenden der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit schützen und für ihre Förderung eintreten. Dann wird „das neue Gottesveich" auf Erden zum Heile der Welt begründet werden. Drei Flieger jüdischen Liutes. Von L. Fränkcl. underte, Aberhunderte haben im Verlaufe des furchtbaren kriegerischen Ringens, in dem wir seit über 2% Jahren noch mittendrin stehen, einen wahrhaft unvergleichlichen Heldenmut an den Tag gelegt, und keine Schicht unseres Volkes itand dabei zurück. Wenn jedoch von übelwollender oder gar gehässiger, feindlicher Seite dabei den jüdischen Deutschen — io sollte man in allen ähnlichen Fällen eher sagen als „deutsche ottbeti" — mit Zweifeln und Verdacht man etwas am Zeug '‘4 üüf ihren prozentmäßig überflicken wollte, so ließe sich einp.^ --en Zweigen der heutigen starken Anteil an den gefährliche. eben zu diesen Zumilitärischen Praxis Hinweisen, soweit °-übung des Fluglaß fanden. So traten sie denn auch in die Au-. -n glänzend. Wesens ein und bewährten sich da vielfach gerade). -»niale Ja, ist denn das ein Wunder? Ist denn nicht der g^ Mann, den völlig unbeeinflußte Fachleute heute auf der ööi)u der Erfolge nach ganzer Ueberzeugung als „den Vater der Flugtechnik" aller Welt verkünde», jüdischen Blutes? Zum 20. Todestag dieses kühnen Pioniers moderner Tatkraft, am 9. August 1916, wurde in zahlreichen Tages- und Unterhaltnngsblättern unter der Stichmarke der soeben gebrauchten Charakteristik oder ähnlichen das Gedächtnis des unglücklichen Erfinders geehrt. So hieß es z. B. in der 184. Morgenbeilage des „Wiesbadener Tagesblattes" ,Dor Roman' 1916 nach jener rühmlichen Ueberschrist: „Tie auch die kühnsten Hoffnungen weit überragende Entwicklung, welche die Flugzeugtechnik seit ihrem verhältnismäßig kurzen Bestehen durchmachte unb die im Kriege abgelegten Zeugnisse der außerordentlichen Verwendungsfähigkeit unserer Flugmaschinen lassen heute die Arbeiten, die der deutsche Pionier d e r F l u g z e u g k u n st Otto Lilienthal mit Einsatz seines Wissens und selbst seines Lebens unternahm, in doppelt hellem Licht erscheinen. Und wenn heute die deutschen Flieger wesentlichen Anteil haben an unseren Kriegserfolgen, so gebührt L i l i e n t h a l in Erinnerung an den Tag seines opferwilligen Todes, der sich am 9. August zum 20. Male fährt, um so tiefer empfundener ehrenvoller Dank." Und das als gediegenste neueste Fachschrift anerkannte Buch des Jenaer Universitätsprofessors Dr. Felix Auerbach „Die Physik im Kriege" schreibt (3. Auflage 1916) S. 160: „Der Pionier der Fliegerkunst ist bekanntlich, wenn man von dem seit Jahrtausenden seligen Ikaros absieht, der Deutsche Lilienthal gewesen: er hat seine Gleitflugversuche mit dem Tode gebüßt." Aehnlich lauten die Urteile und authentischen Feststellungen aller maßgeblichen Fachschriftsteller und Sonderhandbücher. Gewiß darf daher auch vor einem engeren Kreise seiner Glaubensgenossen für seinen Nachruhm eine Lanze gebrochen werden. War er doch nicht nur zeitlich der erste praktische Flugtechniker, sondern überhaupt ein geniales Erfindertalent auf den verschiedensten Gebieten. Schon als kleiner Junge zeigte der am 23. Mai 1848 zu Anklam Geborene außerordentliche Geschicklichkeit der Hand und großes Zeichentalent. Hier soll nur von seinen Arbeiten der Flugtechnik die Rede sein. Bei seinen Flugzeugunternehmungen, die er nach mehrjährigen theoretischen Arbeiten im Jahre 1879 praktisch begann, war Lilienthal in seiner Liebenswürdigkeit und Mitteilsamkeit stets bereit, „Wißbegierigen und oft nur zu Neugierigen seine Ideen und Experimente vorzuführeu. Fast zu sehr! AlS er mit großen Kosten nahe Lichterfelde für die Flugversuche eine 15 Meter hohe Anhöhe hatte aufschütteu lassen und von der Spitze des Hügels die bekannten Gleitflüge ausführte, da wurde dieser Platz ein Wallfahrtsort für die schaulustigen Berliner. Jetzt ist der Berg von der nahen Lichterfelder Brauerei mit Anlagen geschmückt und eine Tafel geigt die Bedeutung des Platzes an". Die wirklich fast leichtsinnig zu nennende Furchtlosigkeit, mit der Lilienthal jene Gleitflugversuche in immer ausgedehnterem unb schwierigerem Stile fortsetzte, führte schließlich zu dem bekannten verhängnisvollen Absturz bei Rhinvw, der am 9. August 1896 dem Leben und Streben dieses unerschrockenen siegreichen Schrittmachers, ja eigentlichen Urhebers der Fliegerkunst im 49. Jahre leider ein. allzu frühes Ende bereitete. Wer die Einzelheiten lesen will, schlage etwa im Buche „Ter Maschinenflug, seine bisherige Entwickelung und seine Aussichten" oder im Umriß in dem prächtig illustrierten Heft