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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-11 · Heft 19 (11.5.1917) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 19 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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nnhistvrijche Behandlung des Problems nur Unruhe erweckt und unser Wissen nicht fördert trotz aller geistvollen und scharfsinnigen Untersuchungen. Das ist eine wichtige Boraussetzung für das Verständnis des Kampfes, den nun einmal diese beiden Geistesmächte, Judentum üNd Christentum, von jeher miteinander geführt haben. Die stärkere Partei hat unleugbar oft genug ihre Ueberlegenheit geltend gemacht. Weit über den Ausgang des Mittelalters hinaus ist in der Behandlung der Juden ein bewußt oder unbewußt empfundenes Ideal des christlichen Staates verfolgt worden, bis es insbesondere im westlichen und mittleren Europa seit dem Aufklärungszeitalter durch wesentlich andere Auffassung vom Staate wenigstens dem Gesetze nach allmählich abgelöst wurde. Unter diesen Einflüsien ist naturgemäß auch die Leistungsfähigkeit in der Geistesgeschichte bestimmt worden. Nach dem nationalen Untergang hat in Palästina das Judentum sich unter mancherlei Kämpfen noch längere Zeit behauptet, in feinen Akademien noch hervorragende Schöpfungen aufzuweisen, bis der Schwerpunkt seines kulturellen Daseins nach Babylon verlegt wird Und durch lange Jahrhunderte von Bestand geblieben ist. Mischna und Talmud sind die monumentalen Werke, die im palästinensisch-babylonischen Zeitalter entstanden sind und auf lange hinaus das gesamte Denken des Judentums befruchtet haben. Sie sind das eigenartigste Erzeugnis des jüdischen Geistes jener Epoche, gleichviel bewundert und befehdet, beifällig ausgenommen und ernstlich gehaßt. Unzweifelhaft ist, daß unsere religiöse Entwicklung, durch sie hindurchgegangen, durch sie erhellt wird, wenn auch Mißverständnisse nicht gefehlt haben und Einengungen durch sie zu erklären sind und akademische Erörterungen auf die Praxis angewandt wurden. Als wissenschaftliche Werke aber werden sie immer Beachtung beanspruchen, weil sie in enzyklopädischer Weise eine Uebersicht über das gesamte Wissen ihrer Zeit zu geben vermögen, und weil sie durch mehr als ein Jahrtausend die kulturellen Grundlagen der Juden gewesen und sie zum Denken als hervorragendes Bildungsmittel erzogen haben. Ten Wegen der Kultur folgen instinktiv, wie vom Schicksal dazu bestimmt, die Juden. Diese Verschiebung ist gegeben durch das Auftreten des Islams, der ebenfalls grundlegende Elemente des Judentums in sich ausgenommen hat. Mit seinem Vordringen nach der pyrenäischen Halbinsel, mit dem kulturellen Aufstieg seiner politischen Schöpfungen beginnt die eigentliche Blütezeit des Judentums in Spanien, die sich nicht bloß in rein religiösen Studien des Talmuds auslebt, sondern auch auf den Gebieten der allgemeinen Wissenschaften, insbesondere aber in der Dichtung, in der Sprachwissenschaft, in der philosophischen Darstellung unsterbliche Werke hervorgebracht hat. Es war ein merkwürdiges Verhängnis Spaniens, daß es seiner ausgezeichneten jüdischen Bevölkerung sich in demselben Augenblick beraubt hat, als in der Weltgeschichte neue Aspekte sich eröffnetcn. Tie Entdeckung Amerikas, die zeitlich in die Episode der Vertreibung der Juden fällt, ist eine der großartigsten Ironien der Geschichte, ein Beweis, daß der Stoß, ins Herz Israels geplant, schließlich dem eigenen Lande galt. Nach den verschiedensten Ländern Europas verlieren sich zwar die spanischen Juden, die Treue aber haben sie heimischer Sprache mit edlem Stolz vornehmlich in der Türkei bewahrt. Aber auch nach den Niederlanden führen bedeutsame Spuren, nach all den Landen, in denen inan persönliche und religiöse Freiheit nicht ausschließlich in den engen Grenzen der kirchlichen Denkweise eingeschnürt hatte. Freilich war Europa inzwischen von gewaltigen Erschütterungen heimgesucht worden, das wissenschaftliche Weltbild hatte sich geändert, an der Pforte des Katholizismus rüttelte die Reformation, die berufen war, in Gemeinschaft mit dem Umschwünge des äußeren Lebens, mit der Umwälzung der Geisteswissmfchaften ein «sützs Zeitalter herbeizuführen.. Freilich konnte sie sich nicht durchsetzen oh»e schwere Kämpfe, die im Gefolge der religiösen SpaltuttA auftraken. Ebensowenig Me die Juden berührt wurden Volk der Veränderung des Vvrstellüttgskreises der Menschheit, wie sie die wissenschaftliche Umgestäktüng des Denkens ertragen kvMten, ohne es an ihren religiösen Formen und Wahrheiten zu verspüren, ebensowenig freilich öffnete« sich ihnen die Pforten 6 Ärgerlicher und staatsbürgerlicher Freiheit. Es ist überaus fe> merkenswert, daß darin selbst die protestantischen Länderkeine AenöerUng ekntreten ließen. Sie erkannten noch nicht, die Dankesschuld, die sie dem Judentum zuzugestehekk hatten.. Erst dem ausgehenden achtzehnten Jahrhundert war eR Vorbehalten, den Wandel vorzubereiten, der unbedingt gebvtem war. Mit dem Aufklärungszeitalker, mit dem Unabhängigkeitskriege Nordamerikas, mit dem Ueberspringen freiheitlicher Gedanken aus Frankreich nach West- und Mitteleuropa bahnt sich langsam die innere und äußere Umgestaltung des Judentums an. Man darf wohl sagen, daß die Ereignisse in Deutschland typisch geworden sind. Die Emanzipation, die in alten Kulturländern notwendig wurde, ist von Mendelssohn vorbereitet und möglich gemacht worden. Die Erziehung hat derr Juden den Eintritt in die deutsche Kultur gestattet, hat ihnew die deutsche Sprache in edlem Gewände wiedergegebsn, Hab ihnen Heimat und Vaterland, das ihnen selbst in der Engeteuer war, wiedergeschenkt. Sv fand sie die gesetzliche Gleich-- stellung im Grunde wohlvorbereikei, und sie dankten es dmv Vaterlande durch die freudige Teilnahme an den Freiheitskriegen. Aber noch langer Kämpfe hat es bedurft, ehe sie der wirklichen Freiheit sich erfreuen und all ihre Gaben dem Dienst der Gesamtheit auf allen Gebieten menschlicher Weisheit und Kunst widmen dursten. Es wäre ein Glück, wenn jeder kleinliche Zug, gegen uns gerichtet, mit dem Ausbruch des großen Krieges aufgehört hätte. Wenn es den deutschen Inden - wir nehmen sie wiederum als Beispiel — gelungen ist, sich« durchzusetzen, so danken sie das nicht zuletzt der grundlegenden! Arbeit, die die Wissenschaft des Judentums seit dem erstnn Drittel des neunzehnten Jahrhunderts aufzuweisen hat. Wenigen Außenstehenden war das Judentum bis dahin hinreichend bekannt. Die genialen Forscher, die das Judentum am Anfang seiner neuen Bahn besaß, haben der staunenden Welt der Wissenschaft und der Politik das überraschende BW entworfen von dem Wert und der Bedeutung und der Leistung des Judentums. Hand in Hand mit der Umgestaltung semer Lebensformen mußte der Wandel in seinem Erziehungsu«d> Unterrichtswesen, mußte die Reform des Gottesdienstes gehen, die freilich ihre Berechtigung erst nach gewaltigen Zusammenstößen mit den Anhängern des überlieferungsstarren Judentums erweisen konnte. Da kam nach dem deutsch-französischen Kriege der große Rückschlag, der uns,sin unseren Rechten aufs schwerste bedrohte. Es kamen schwere Zeiten der Prüfung über das Judentum, die es glücklich überwunden: ein Zeugnis der Kraft, die ihm noch immer selbst unter veränderten Zeitläuften innewohnt. Ter Selbstbesinnung folgte die Konsolidierung, die Erkenntnis, daß nur ein selbstbewußtes Geschlecht den Ausgaben seiner Zeit und seines Wesens gerecht werden könne. Die Verbände, die heute das deutsche Judentum in allen seinen Teilen umfassen, haben in Segen gewirkt, und es steht zu hoffen, daß sie wie im kriegerische» Ernst, so im kommenden Frieden den künftigen Kämpfen gewachsen sein werden. Inzwischen ist die Welt in das Zeitalter sozialer Arbeit eingetreten, das soziale Gewissen hat sie ausgerüttelt. Wir sind darin nicht zurückgeblieben. Das Ostjudenproblem war längst vor dem Kriege in seiner ganzen Größe uns vor die Seele getreten, hatte ein großzügiges Hilfswerk an zahlreichen Stellen der Erde bedingt. Das Ziel war einst für de» es au vdgle front im B vierte uiigeh bisher bei de beider iein - der A> kann vorhe und f« hat, f Wut r nrank Volke »ach k autwo itarrie keinem pchten re mit kaum dein st Mng für sie

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