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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-11 · Heft 19 (11.5.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 19 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 19 Allgemeine Berlin, II. Mai 1917 eitung desAudenlums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse! Diese Zeitung erscheint wöchentlich. \ A bonnements«pre^ s; durch den Buchi Handel oder die Post (in Berlin nn& vor- I orten durch unsere venriebsstellen) bezogen f vierteljährlich SM. — Postscheckkonto S24. yegründet von Rabbiner Vr. Ludwig PHUippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Kuäolk üilosse, verlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-4-, zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. Probleme jüdischer Geschichte. Von Stadtrabbiner Dr. jlNLJUür. Behrens (Göttingen). — Die Woche. — Ter Prophet Iecheskel und das neue Gottesreich. Von Rabbiner Dr. Fried mann in Lublinitz. — Drei Flieger jüdischen Blutes. Von L. Frankel. — Jüdische Kriegsliteratur. Von Louis Lamm (Berlin). — Jüdischer Bolksverein. Von Nathan Cohn (Charlottenburg). — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von An na Goldschmidt. — Büchereinlaus. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsberg i. Pr., Posen, Jarotschin, Hamburg, Nürnberg. Mainz, Stuttgart, Den Haag, Lodz. — Von Nah und Fern. Probleme Milcher Geschichte. Avn Stndtrabbiner Dr. B e h r c n s (Güttingen). „Wer den Dichter will verstehn, Muß in Dichters Lande gehn" lautet ein altes, wohlbekanntes Wort, das feinsinnig Poesie und Geschichte verknüpft und einander zugesellt. Wie der Dichter Verständnis heischt für die verborgenen Schätze seiner Schöpfung, sv heischt alle Gemeinschaftsentwickelnng ein tiefgehendes Eindringen in die Linien ihres Laufes, so erschließt sie sich der gelehrten Darstellung nlir l'ei liebevollem Sichversenken in den Gegenstand der Fvrichung. Hoch hinaus verästeln sich in die Jahrtausende die Wurzeln der Geschichte des Judentums: bis zu ihren Urgründen müssen Kultur und Geistesmacht verfolgt werden, um die Gegenwart zu begreifen, mit die Probleme zu erkennen, die ihre Spur bezeichnen und begleiten. Diese Probleme jüdischer Geschichte einmal in kurzen Umrissen aufzuzeigen, dürfte das Interesse an dein unvergleichlichen Schicksal Israels und an seinen Leistungen erhöhen. Diese Ausführungen beanspruchen nur den Wert einer schlichten Skizze und wollen den Gegenstand keineswegs in gelehrten Ausführungen erschöpfen. Die Erscheinung Israels in der Geschichte ist seit jeher ein dedeutendes Problem der Forschung gewesen. Mußten doch alle jüngeren Religionen mit ihm sich auseinandersetzen und dem natürlichen Gebot gehorchen, seinem Wachsen und Werden Beachtung zu widmen. Seitdem die Steine zu reden beginnen, seitdem die stummen Zeugen der Vergangenheit unter den glänzenden Ergebnissen der Wissenschaft des letzten Jahrhunderts Leben gewonnen haben, sehen wir, wie israelitisches Volkstum inmitten der großartigen Kultur seiner Umgebung ward, wie sein Heimatland schon im hohen Altertum der Schnittpunkt inmitten anderer Staaten gewesen ist. So konnte es nicht von der Außenwelt künstlich sich abschließen, nicht den Gedanken den Zutritt verwehren, die auf sein Wesen und 'einen Ideengehalt einströmten. In seiner Gesetzgebung einpfing es eine schimmernde Wehr, einen ehernen Panzer, in seinen prophetischen Lehrmeistern geniale Führer und Berater, in seinen Weisheitkündern schöpferische Denker. Der Bibel- und Babel-Streit hat aufs neue nur bewiesen, daß Israel selbständig blieb in der Aufnahme und Verarbeitung fremder Anschauungen in seinen eigenen Vorstellungskreis, wie er in der einzigartigen Tat Israels vorliegt, in der Bibel, die Gemüt und Geist zu allen Zeiten gleich mächtig beschäftigt und beherrscht hat. Sie ward ihm die Grundlage sittlicher Kraft, die Heimat des Geistes, die alle Stürme, alle Erschütterung nationalen Lebens siegreich überdauert hat. Die gewaltigsten Weisen und Klänge erwuchsen seltsam genug auf dem Untergründe nationalen Unglücks und nahenden Unheils, sie weckten den Genius der Propheten und die herzergreifenden Lieder seiner religiösen Dichter. Aus dem Bestände des Volkes verschwand ein gewaltiger Bruchteil mit den zehn Stämmen, dessen Geschichte im Dunkel sich verliert, und es blieb nur ein Rest, der auf babylonischer Erde eine neue Gemeinde bildet, um das theokratische Ideal in der Heimat zu begründen, das ein unbekannter Prophet durch die Macht seiner Rede angeregt haben mochte. In harten Kümpfen hat der neue Staat, sofern dieses neue Gebilde diesen Namen verdient, sich zu behaupten versucht. In Wirklichkeit war die nationale Kraft schon gebrochen bei seiner Wiedererrichtung, war die politische Selbständigkeit nur ein kurzer Traum, je mehr er seine Kraft nach innen verlegte, nach der Entwickelung der sittlich-religiösen Kräfte. Erst in den Makkabäerzeiten flammt das nationale Element zu neuer Stärke und Schärfe auf, erhebt sich zu ungeahnter Höhe in der Entscheidungsstunde der Syrerherrschaft, um dann in der kurzen Epoche der makkabäischen Selbständigkeit sich abzuschwächen unter dem niederbeugenden Eindruck der innern Streite.' Gewiß bewegen sie sich um nationale Fragen, werden aber vielfach überwuchert von den großen inlieren Gegensätzen, die mehr geistigen Wesens sind, mehr um das pharisäische und sadduzäische Prinzip des Judentums sich abspielen. Darin verzehren sich seine politischen Kräfte, die vor der Römermacht vollends zusammenbrechen. Wie immer man den Ausgang dieses Ringens betrachtet, wie immer man die Tapferkeit der jüdischen Helden bewundert, die Geschichte muß bekennen, daß sie die Unfähigkeit des jüdischen Volkes bewiesen hat, staatenbildend zu wirken. In den Ausklang des jüdisch-nationalen Lebens ragen die Anfänge des Christentlims hinein, einer weltgeschichtlichen Bewegung..und Erscheinung, deren Urgründe gerade in unseren Tagen wieder eingehend untersucht und zum Gegenstände interessanter Forschung in jüdischen und christlichen Kreisen gemacht werden. Eine so bedeutsame und entscheidende Entwickelung, die ihren vornehmlichen wenn auch nicht ausschließlichen Ausgang aus dem Judentum genommen hat, muß naturgemäß die Religion Israels bei aller gelehrten Prüfung in Rechnung stellen. Die ernste Wissenschaft wird ihre Aufgabe zu stellen wissen lind sich ebensosehr von Befangenheit und Vorurteil freihalten wie von jenem Dilettantismus, der sv gut er gemeint ist, durch ersichtlich

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