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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-04 · Heft 18 (4.5.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 18 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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An Frau K 0 m m e r z i e n r a t B a u m hat der König das nachstehende Telegramm gerichtet: „Mit aufrichtigem Bedauern erfüllt mich die Nachricht vom Hinscheiden Ihres Gatten, dessen ersprießliche Tätigkeit als Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime" ich stets mit Interesse verfolgt habe. Von Herzen spreche ich Ihnen meine wärmste Anteilnahme an Ihrem schmerzlichen Verluste aus." Aehnliche Telegramme sind von dem Großherzog von Hessen, dem König von Württemberg, dem Großherzog von Baden eingetroffen. Der preußische Handelsminister Dr. Shdow hat nachstehende Drahtung an die Gesellschaft gesandt: „Schmerzlich überrascht durch die Nachricht von dem Tode des Kommerzienrats Baum, spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid zum Verlust Ihres Herrn Vorsitzenden aus, dessen unermüdlicher und hingebender Energie die in wenigen Jahren durcbgeführte Schaffung eines ausgedehnten Netzes mustergültiger, dem Wohl weiter Kreise der Kaufmannschaft dienender Erholungsheime und ihre ständige Vermehrung in erster Linie zu danken ist. Sein Werk wird sein Andenken wachbehalten. Möge es sich weiter segensreich entfalten." — Herr Kommerzienrat Fehr-Fach, Präsident der Handelskammer Wiesbaden und stellvertretender Vorsitzender der „Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime", hat zur Erinnerung an deren verstorbenen Begründer Kommerzienrat Baum bei der Gesellschaft eine Stiftung von 10 000 Mark errichtet. In dem bei Wiesbaden gelegenen Kaiser-Wilhelm-Heim der Gesellschaft wird das Andenken an Kommerzienrat Baum außerdem durch eine von Frau Kommerzienrat Fehr-Flach errichtete Zimmerstiftung dauernd wachgehalten werden. — Karlsruhe u B., 27. April. Nach dem „Verordnungsblatt des G r 0 ß h e r z 0 g 1 i ch e n Lberrats d e r I s r a e l i t e n i n Baden" hat das badische Kultusministerium eine Vorstellung des Oberrats vom 16. November 1916 dem Reichskanzler übermittelt, worin die Nachteil igm Folgen der durch die Verfügung des preußischen Kriegsministeriums veranlaßten Maßnahmen betreffend die Zählung der israelitischon Heeresangehörigen! darge-legt waren. Der Reichskanzler hatte hierauf den Staatsminister benachrichtigt, daß er die Vorstellung des Oberrats dem Kriegsminister habe zugehen lassen, der übrigens die beteiligten Stellen nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht habe, daß die Erhebungen über die jüdischen Heeresangehörigen nur zur Widerleg ring von Angriffen ungeordnet worden seien und die jetzige Stellung der Israeliten im Heere in keiner Weise beeinträchtigen dürften. In einem zweiten Schreiben zu Anfang d.J. hat dann der Reichskanzler mitgete-itt, -daß er bk nach den Ausführungen des Oberrats in israelitischen Kreisen entstandene Verstimmung über die Sondernntersuchung der israelitischen Militär- Personen aufrichtig beklage und sich freue, zur Kenntnis bringen zu können, daß nach den von ihm an zuständiger militärischer Stelle veranlaßten Ermittelungen die bezügliche Maßnahme einer Etappeninspektion auf einer den Absichten des Kriegsministeriums nicht entsprechenden Auslegung der kriegsministeriellen Anordnung vom 11. Oktober 1916 beruhe. Lsnrmsrk. Kopenhagen, im April. Das Akti 0 nst 0 m i t e e der Z i 0 nistischen O r g a n i s n t i 0 n erläßt folgenden Aufruf: Gesinnungsgenossen! Die russische Revolution hat den Inden Rußlands die Freiheit gegeben. Die Fesseln, welche den größten Teil llnseres Volkes gebunden hielten, sind gefallen. In tiefer Bewegung grüßen wir unsere befreiten Brüder. Wir alle haben ihre Schmerzen mitempsunden, ihre Enttäuschungen mitgefühlt. Ihr Kampf war unser Kampf. Ihr Ringen um Freiheit entfachte zur Flamme den Freiheitsdrang des jüdischen Volkes, der seinen kraftvollen Ausdruck in der zionistischen Bewegung gefunden hat. Starker Hoffnung voll sehen wir der Zukunft entgegen, in der es unseren Brüdern in Rußland möglich sein wird, in Freiheit an der nationalen Erneuerung des jüdischen Volkes mitzllarbeiten. Hierfür ist uns Bürgschaft die Haltung des russischen Judentums in den letzten Jahrzehnten und die Entwicklung, die die jüdische Freiheitsbewegung jetzt schon in Rußland genommen hat. In den Ruf der Völker Rußlands nach Freiheit klang hell und freudig die Stimme der russischen Juden. Es gab kein Zögern und kein Bedenken. Die Juden Rußlands haben ihre nationalen Forderungen aufgestellt in vollem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Stunde. Die russischen Juden waren stets die treuesten, die tätigsten, die hingebendsten Zionisten. Unsere Belvegnng verdankt ihnen Unschätzbares. Ein von seinen Fesseln befreites, seiner nationalen Aufgaben belvußtes russisches Judentum gibt unserer Bewegung neue und ungeahnte Kraft zur Verwirklichung unseres uralten Zionsideals. Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation. Marburg. Gestrrrrich-Angsrn. R. F. Wien, 27. April. Das k. n. k. Krieg,sulilnsteriuiil hat mit Erlaß Abt. 12 Nr. 130. 008/16 ungeordnet, daß der strenggläubigen jüdischen Mannschaft, ^vo es nur irgend möglich ist, rituelle Kost verabreicht lverde. Wenn dennoch Fülle Vorkommen, daß diese Kost aus irgendwelchen Gründen unbedingt nicht geboten werden kann, lvnrden die israelitischen Militärseelsorger angewiesen, die religiösen Bedenken durch den Hinweis ans die Schwere der Zeit zu zerstreuen. Ter Leiter der israelitischen Militürseelsorae in Wien, Feldrabbiner Dr. Arnold F r a n k f u r t e r, hat in dem befohlenen Sinne an die jüdischen Soldaten, die ins Feld ziehen, folgende Ansprache gerichtet: „Ihr kib mm im Begriff, ins Feld zu ziehen, zu kämpfen für das Heil unseres teuren Vaterlandes, für den Ruhm unseres geliebten obersten Kriegsberru. Da rufe ich euch zu, lvie einst der Priester dem kampfbereiten Israel: „Sch'ma Jisrvel . . .: al jerach l'wawchem al tir'u . . . Höret, Israeliten! Es zage nicht euer Herz, fürchtet euch nicht: der Eloige, euer Gott, geleitet euch!" (Deut. XX. 3—4.’) Ich weis; es. euch quält der Gedanke: Wie kann Gott mit uns sein, lvenn lvir nicht mit Gott sind? Wie kann der Segen des Herrn uns geleiten, wenn wir uns seines Segens unwürdig erweisen? Und doch, ich wiederhole euch: Zaget nicht, fürchtet euch nicht! Kameraden, wir sind so glücklich, ein Vaterland unser nennen zll dürfen, das bestrebt ist, allen Bekenntnissen gleiche Rechte angedeihen zu lassen, das auch für unsere religiösen - Bedürsnisse verständnisvoll sorgt. Bekundet nicht auch die erst jüngst evslossene Verfügung, daß den jüdischen Soldaten, wo es möglich ist, rituelle Kost verabreicht lverde, Rücksichtnahme ans unser Bekenntnis? Wahrlich, dieses Entgegenkommen verpflichtet jeden jüdischen Soldaten zu innigem, aufrichtigem Dank gegen unseren obersten Kriegsherrn und gegen die von seinem erhabenen Geiste beseelte Heeresverloaltung! Sicherlich, die Durchführung dieser Verordnung lvird da und dort auf nnüberloiudliche Hindernisse stoßen: es loird nicht immer möglich lein, Pie uns heiligen Speisegesetze zu beobachten. Was dann? Sollt ihr euch kasteien, euch durch Hunger entkräften? Nein, Soldaten, das lvüre sündhaft! Denn uns Inden gilt als höchstes Gebot, tut Sinne des Schriftwortes zu leben: „W'uischmartenr mäud l'nafschaußechem. - Achtet ans eure Gesundheit!" (Deut. IV, 16.) Und verfolgen nicht alle Gebote unserer Thora das Ziel, das Leben zu fördern, lvie es im dritten Buche Mos es Kap. IN, Vers 6 heißt: .Usch'martem es; chnkanßai w'es; mischpoiai ascher ja'ße außvm hvodom wochaj bohem am Adonaj ... Beobachtet meine Satzungen und Gebote, es betätige sie jeder, ans daß er sich durch sie erhalte, ich bin der Ewige!" Und lvie erst, lvenn die Erhaltung der Gesundheit im Interesse des Vaterlandes und des allerhöchsten Dienstes gelegen ist! Solltet ihr darum das eine oder das andere Gebot zu übertreten genötigt sein, dann wisset, der Talmud lehrt: „. . - Annes; rachmono Potreh. (Traktat Baba Kama, Fol. 29b.) - Die Religion selbst befreit von der Erfüllung ihrer Gebote, wenn die unbedingte Notwendigkeit es erheischt." Und kann es für Soldaten eine zwingendere Notwendigkeit geben, als in dieser schweren Zeit dem gefährdeten Vaterlande mit allen Kräften zu dienen? Soldaten, ich sage euch, es gibt kein heiligeres Gebot,als „Kidusch ha schein", dem Judentum Ehre zu machen. Und wer entehrte mehr das' Judentum als derjenige, der den Verdacht erweckt, daß er die Religion bloß zum Vorwand nimmt, sich dem Dienst zu entziehen? Sündhaft wäre nur, die religiösen Satzungen ans falscher Schani, aus Gleichgültigkeit, aus Bequemlichkeit zu übertreten. Fasse jeder von eircl) in dieser ernsten Stunde den heiligen Vorsatz, und jeder spreche mit den; Patriarchen Jakob: W D I

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