Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1917)
- Date
- 1917-05-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Kriegsjahren ihrem Erwerb entzogenen Soldaten zurückkehren. Die Ansprache schloß mit einer Mahnung zu energischer Propaganda, um dem Verein die nötigen Mittel zu verschaffen. Die Gesellschaft beklagt den Heimgang vieler Mitglieder, wre Geheimer Sanitätsrat Dr. Levy, Eduard Cassirer, Stadtverordneter Ai. Salinger, Willibald Loelventhal, Jnstizrat Ignaz Eohn und anderer. Bei der Besprechung des Berichtes wurde von einem Mitgliede angeregt, bei der Ausnahl der Lehrlinge höhere Anforderungen an die Schulbildung der Knaben zu stellen und die Tätigkeit auf Inländer oder eventuell aus die verbündeten Ausländer zu beschränken. Bon anderer Seite wurde dagegen geltend gemacht, daß häufig schlechte Schüler im Berufe dasselbe leisten wie gute Schüler und daß gerade im gegenwärtigen Moment die Verpflichtung besteht, sich auch der ausländischen Juden anzunehmen. Die Juden des Ostens seien der Jungbrunnen für die deutsche Judenheit. Unter ihnen wird besonders das Handwerk geübt und geschätzt. Es wird beschlossen, die Beratung dieser Frage für eine interne Sitzung zurückzustellen, nachdem die Majorität der Anwesenden sich gegen eine Ausschließung der Ausländer ausgesprochen hat. - Der Kassenbericht, der in Einnahme und Ausgabe mit 11 4->l Mark balanciert, lvird genehmigt. Bei den am Schluß der Sitzung vorgenommcuen Ersatzwahlen werden die Mitglieder Kommerziellrat S i g m u n d P i n c u 8 zürn Schatzmeister, W i l - h e l m A s ch e r zum .Kontrolleur, David F e i l ch e n f e l d zum Inspektor und als Beisitzer die Herren Glasermeister Felir Salvm o n i s , Tapeziermeister L o u i s Wolfs, Tischlermeister I a m e s Ba u m gewählt. Hamburg, 27. April. Der B e r e i u z u r G e s u n d h eitspflege s ch lv a ch e r i s r a e l i t i s ch e r S\ i n b e r (Kinder Hospiz) hielt seine Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn L. Al a 1 h i a - son ab. Der Vorsitzende betonte bei Erstattung des Jahresberichts, daß der Verein trotz des Fehlens eines eigenen Hospizes, das bekanntlich schon bei Beginn des Krieges geschlossen werden mußte, auch im lxwflosseneil Jahr die ihm zur Verfügung stehenden Mittel zugunsten der jüdischen Jugend verlvandte. Tie vom Arzt als besonders schwach bezeichneten Kinder wurden llach Osterode, Segeberg und anderen Kurplätzen gesandt, während die übrigen erholungsbedürftigen in der Tagesserienkolonie in Fuhlsbüttel Ansnahme fanden. Ungefähr 200 Kinder verbrachten ihre Ferien in dieser Kolonie. Weiter hat der Verein größere Mittel zur Verfügung gestellt, damit auch die unbemittelten Kinder an der Sponung in den Schulen teilnehrnen könnten. Auch für den j orthopädischen Turnunterricht in den Schulen wurde wie früher > Sorge getragen. Die Zinsen des Fonds für den Neubau wurden dein Neubaukonto zngeschlagen, das leider noch nicht die Höhe erreicht hat, die zur Errichtung eines neuen Hospizes erforderlich ist. Besonders envähnenswert ist noch, daß auf Anregung einer hiesigen sich besonders für den Verein interessierenden Dame im Februar über 40 schwächliche Kinder nach Holland gesandt wurden, die dort an verschiedenen Plätzen in rituell lebenden jüdischen Familien lintergebracht und ausgezeichnet gepflegt wurden. Der hiesige Bankier Ludwig Mainz und seine Schwester, Frau Aron Hirsch lBerlin), haben zu Ehren ihres Vaters für den Verein eine Moses - Michael - Mainz - und - Frau - Dorothea - geb. - Qppenheim- Stistung im Betrage von 0000 Mark begründet, deren Kapital nebst Zinsen für den Neubau eines Hospizes verwendet werden sollen. Das Legate- und Gescheutekonto des Vereins erhöht sich dadurch ans ION 500 Mark. Nach der Jahresrechnung vereinnahulte der Verein im verflossenen Jahr an Mitgliedsbeiträgen 3726 Mart und an einmaligell Beiträgen 327 Mark. Unter den Ausgabell steht all erster Stelle das Schulsrühstückskollto mit 1*70 Mark, ferner Zuschuß zur Tagesferienkolonie mit 1000 Mark. Weitere Ausgaben waren: Auswärtige Kolonie mit 589 Mark unb für Turnen, Bandagen und Zahnpflege 430 Mark. Die mit einem Saldo von 3*0 Mart abschließende Abrechnung wurde als richtig anerkannt lind genehmigt. Die Versammlung beschloß, aus bem Vermögen des Vereins 35 000 Mark Kriegsanleihe zu zeichnen. Magdeburg, 27. April. In der letzten Sitzung des Vereins für jüdische Geschichte imb Literatur gedachte der Vorsitzende Justizrat Ghovke des in den Nllhestaud getretenen Vorstandsmitgliedes Dr. M. Spanier und würdigte dessen Verdienste um die Hebung. des Vereins. Dann hielt Kantor de Haas einen Vortrag über die E u t lv i ck l li n g der S y n a g o g e n nl ll s i k. Er wies iutcIj, daß im Tempel zu Jerusalem bereits die Musik gepflegt wurde. Für die talumdische Zeit (bis 500) lnit Beginn der Diaspora sei dev s-sgenanute Sprechgesang vorherrschend, wie er llns heute noch m den Psalmodrerl begegnet. Für die hebräische Poesie jener Zeit, die schon eine höhere tonmalerische Ausführung gebot, seien griechische und arabische Einflüsse festzustellen. Im Mittelalter, als die religiösen Festdichtungen sich lnehrten, fanden viele abgeschlossene Melodien ihren Weg rn die Synagoge. Diese C-esänge waren zum Teil von bcu Vorbetern selbst komponiert. Weit größer war der Einfluß fr-enlder lveltticher Musik, besonders auch alter katholischer Kirchenlieder. In Italien hob Salomo de Rosst --- im Zeitalter Palestrinas lobend — durch musikalisch wertvolle Kompositionen den Shnagogengesang. Tie große Umwandlung und Umgestaltung der Shnagogenmusik ging aber voll Deutschland in der Zeit Mendelssohns aus. Von den größten Meistern jelier Zeit beeinflußt, schufen Snlzer, Wemtraub, Deutsch, Naumburg und Lewcmdowski, unvergängliche Kunstwerke. Auch in neuester Zeit sind bedeutende musikalische Werke entstanden. Birnbaum (Königsberg) (früher hier irr Magdeburg tätig), Kirschncr (München), Heule (Hamburg) haben wertvolle Kompositionen geschasfen. Bor allen: sei das bedeutende Werk von Rose (Hannover) zu erwähnen. ~ Düsseldorf, 27. April. Der Z e n t r a l v e re in denk s ch e r S t a a t s b ü r g e r j ü d i sch e n G l a u b e n s veranstaltete hier vor kurzem eine öffentliche Versammlung. Der Vo-r sitz ende der Ortsgruppe, Herr Oskar M a n e s , gedachte der fünfzehn Vereinsmitglicder, die ans dem Schlachtfelde gefallen sind. Der Vorsitzende des Gesamtvereins und zugleich des Verbandes der Deutschen Juden, Jnstizrat Dr. Horwitz (Berlin), sprach über die Zukunft der deutschell Juden auf Grund der Erfahrungen während der Kriegszeit. Die bitrd) das Reichsgesetz von 1869 gewährte Gleichberechtigung sei nicht durchgeführt worden. Während des Krieges hätten die preußischen VerwältlUlgsbehörden, insbesondere iin Bereich des Kultusministeriums, ihren Standpunkt nicht geändert. Biet gerechter seien die oberstell Reichsbehörden, namentlich das Reichskanzleramt. Vor allem aber hielte die Heeresverwaltung nicht mehr grundsätzlich all der früheren Zurücksetzung der Jllden fest. Der Redner verwies auf die Schaffung einer jüdischen Feldseelsorge, auf die. 1200 bis 1500 jüdischeil Reserveoffiziere, auf die 130 jüdischen Inhaber von Eisernen Krelizen erster lind die vielen Tausende von solchen zloeiter Klasse. Vor allem sprach er denl gegenwärtigen Kriegsinillister v. Stein den tiefelnpflludeue.n Dank der deutschen Jllden ans für die Gerechtigkeit, die dieser große Führer unseres Volkes auch bcn jüdischen Mitbürgern gegenüber walten lasse. Den schweren Ausgabell und Sorgen der Zukunft dürfe mau mit glltclll Gelvissen zuversichtlich elltgegeuschanen. P. L. Köln, 27. April. Jll einigen Woche»l wird die städtische israelitische Schute ihr neues, schönes Heim in der Lützowslraße beziehen. Wenn die Stadt Kötll scholl seit Jahren wahrhaft vorbildliche Parität übte, indem sie die städtische jüdische Schule zll einem großen, vierzehnktassigen 'Schulorganismus ausbante, so dürfte Köln auch jetzt loieder in ganz Delltschland die erste Stadt sein, die einer so reich gegliederten jüdischell' Schule ein ihrer Größe entsprechendes, allen llellzeittichell Anforderungen gerecht werdendes Gebäude errichtet hat. lieber Einzelheiten soll ein demnächst erscheinender Artikel berichten. Infolge des Krieges hat sich der Einzug in das neue Schulgebäude verzögert. Zliiläehst hatte unmittelbar llach ihrer Vollendung die Schule als Lazarett gedient. Nun. sollten in einem Teile des Schulgebäudes Klassen eines angrenzenden städtischen Lozeulns, dessen Neubau loährend des Krieges »licht ansgeführt lv erden konnte, lintergebracht lverden. Daß dies vermieden lvurde, daß in dem Widerstreit der Pflichten, in den die städtische Verwaltung Geraten war, die Entscheidung zugunsten der israelitischen Schule fiel, ist dun tatkräftigeil Eingreifen der maßgebenden Persönlichkeiten, der Jüdischen Gemeinde zll verdanken. Besonderes Verdienst hat sich in dieser Angelegenheit der Rabbiner Dr. Frank als Mitglied der städtischen Schlildeputation erworben, der sich wieder einmal, wir schon oft, ale warmer, überzeugter Freund der jüdischen Volksschule gezeigt hat. Dies brachte auch das dankbare Lehrerkollegium in einem an Herrn Rabbiner Dr. Frank gerichteten Schreiben zum Allsdruck. Vor allein wurde in denl Schreiben betont, daß es um die jüdische Volksschule ganz anders stände, luern sich für deren Bedeutung imb Bedürfnis bei der Mehrzahl gerade der.Rabbiner ein gleiches Verständnis zeigte. In Anerkennung seines Wirkens lvurde Herr Dr. Frallk gebeten, der Schule sein Bild zu verehren, damit es dort an bevorzugter Stelle