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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-04 · Heft 18 (4.5.1917) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 18 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
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willige unb tüchtige Hilfskräfte, die mit Eifer und verständnisvollem Eingehen auf kneine Vorschläge an ihre Aufgabe gingen. Von gleichem Erfolg begleitet waren Vorbereitung und! Durchführung der Verpflegung. Dank der Erlaubnis, die erforderlichen Vorräte aus der Heimat zu beschaffen, und mit Hilfe heimischer Verbände und Freunde, von denen die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, der Rabbinerverband, die Hardenberg-Loge und die Gesellschaft i der Brüder zu Frankfurt a. O. und der immer treu bleibende i dortige Kreis Persönlicher Wohltäter genannt seien, konnte ich j die nötigen Ritualien, insbesondere Wein, ungesäuerte Brote,! Wurst und Pflanzenfett, rechtzeitig beschaffen und durch großes Entgegenkommen des Herrn Eisenbahnpräsidentcn Martini! zu Mainz auf schnellstem Wege an ihren Bestimmungsort j bringen. Auch einer hochherzigen Spende, die durch Vermitt-! lang des Herrn Justizrats Breslauer (Berlin), Vorstandsmitgliedes des Verbandes der Deutschen Juden, mir zuging, sei! hier dankend gedacht. Die religionsgesetzliche Herstellung von vier Mahlzeiten ging in den zur Verfügung gestellten fahrbaren Feldküchen glatt vonstatten. Drei Köche, eine Köchin, fünf Arbeitsfrauen j teilten sich unter Aufsicht eines vertrauenswürdigen Kameraden j in diese Arbeit, und hierbei wäre nur noch zu erwähnen, daß; auch ein eigener Backbetrieb zur Herstellung von Kartoffelkuchen angegliedert war. Alle Mahlzeiten brachten ein warmes Gericht, bestehend aus Fleisch mit Kartoffeln und reichlicher Gemüse- oder Backobstzulage. Dazu kam beim Mittag Wurst, der erwähnte Kuchen, als Bierersatz schwarzer Kaffee und am zweiten Tage Zigarren und Zigaretten. Tie zur Bewirtung erforderlichen Tische und Bänke lieferte eine Militäreisenbahnbauabteilung. Die Gottesdienste verliefen würdig und brachten den Kameraden religiöse Befriedigung. Wie immer, hatte sich eine Reihe von Soldaten zum Vorbeterdienst zur Verfügung gestellt, und die gesanglichen Teile der Andacht mit ihren allgeinein bekannten Weisen ertönten in starkem.und freudigem Chore. Tie Sederfeiern nahmen ihren ordnungsgemäßen Verlauf. Damit alle Kameraden dem Vortrag der Haggadah folgen konnten, hatte ich meinen Platz zwischen Saal und Glashalle gewählt. In meiner Nachbarschaft oder aber, wo ein jeder Platz finden konnte, saßen die erschienenen Offiziere, Aerzte und Beamten. Ein jugendlicher Feldgrauer trug den ihm gebührenden Abschnitt vor und so ging alles nach Sitte und Vorschrift, nur eines fehlte auf der Sederschüssel: es war nicht möglich gewesen, bitteres Kraut aufzutreiben! Aber über diesen Mangel glitten alle beruhigt hinweg und der naheliegende Scherz, daß jeder in den letzten Jahren reichlich davon genossen hätte, wurde vielfach gehört. Auch diesen Teil der Andacht belebte der Gesang . der Kameraden, Psalmen und Lieder mit ihren vertraute» Melodien und das gemeinsame Tischgebet waren die Höhepunkte. Ans allgemeinen Wunsch ließ ich zur Erinnerung photographische Aufnahmen Herstellen, die hoffentlich allen Erschienenen in nicht zu ferner Friedeuszeit ein Beleg bleiben werden von der Kraft religiösen Zusammenschlusses. Wir schlossen die Feier, nachdem ein jeder Teilnehmer noch geistige Zehrung in Gestalt der schönen Feldbibel des Verbandes und jüdischer Zeitungen erhalten hatte, mit einem dreifachen Hurra auf Seine Majestät den Kaiser. Aus der Mitte der Kameraden wurden den Bemühungen der Heimat und dem Gelingen der zweitägigen Feier anerkennende Worte gewidmet. Glicht unerwähnt bleibe zum Schluß, daß meine Anregung, freiwillige Gaben zur Unterstützung von Kriegsblinden zu spenden, auf fruchtbaren Boden fiel. Nicht minder bereitwillig erinächtigten mich die Kameraden, den eingegangenen Betrag in Kriegsanleihe anzulegen. Lin Kurimlpjrl mit hjndermllen Humoreske von M. P u 1 ver in an n (Smlusr.) j atürlich hatte Uscher tu seinem Innern auch keine andere Empfindung, doch durfte er es beileibe dem kleinen Melle nicht merken lassen, daß er recht habe: daher sprach er verdrießlich: „Laß mich schon in Ruhe mit der ganzen Geschichte. Lohn'! Nein, Strafe verdienst dit, daß du Gott ins Handwerk pfuschen willst. — Er hat dich und mich als Marschallik geschaffen, und du willst durchaus ein „moralischer" Mensch werden! - Du siehst doch selbst, was dabei heranskommt. Wärest du bei deinem Handwerk geblieben, so wäre in Leiser Bäckers Halls keine solche Berstörung gekommen; wir hätten den Eh offen nicht weggegrault und hätten dabei schönes Geld verdient; dir hättest wenigstens Zeit gehabt, dir das Schnupftuch um die Ohren zu -binden und den Rockkragen aufznstellen; dll hättest dich nicht erkältet und brauchtest nicht drei Wochen im Bette zu liegen. Zur Hochzeit mit Nachme Blinker wäre es doch Empfang de^ Mittagessens.

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