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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-04 · Heft 18 (4.5.1917) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 18 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 Biblivthekskommifsion. Es ist für Berlin ein Verlust, daß eine so hervorragende Kraft derHauptstadt entgeht; aber man muß es mit großer Freude begrüßen, daß ein in seinem Fache so hervorragender Forscher Anerkennung findet und die höchste Würde erlangt, die einem Gelehrten zuteil werden kann. Leider sind wir nicht in der Lage, diesen kurzen Notizen ein Bild des Gelehrten hinzuzusügen. Unsere herzlichsten Glückwünsche begleiten ihn auf dieser neuen Staffel seines Lebensganges. L. G. flron mm krrliyn, GenerslmulrkArrktor, Krokellor, Kitter. Lin vergessener jüdischer Komponist. Zu seinem ioo. Geburtstage. Von König!. Musikdirektor A. Friedman» (Berlin). <^jt Holland gab es wenige Tondichter, die von ihrer H Jugend an bis zum letzten Lebensjahre so fruchtbar für die Musik gearbeitet hätten wie Berlitz n, dessen zahlreiche Werke ihm in der Reihe der Musikklassiker eine würdige Stelle eingeräumt haben. Da Berliyn aber auch für die Synagoge Gesänge geschaffen hat, so sei chm in diesem Blatte anläßlich seines hundertjährigen Geburtstages folgendes Gedenkblatt gewidmet. Aron Wolfs Berliyn wurde am 2. Mai 1817 in Amsterdam geboren und war das einzige Kind des Wolfs I. Berliyn, bekannt als leidenschaftlicher Bewunderer der Musik, der als Dilettant eine Anzahl Lieder komponiert hatte. Das musikalische Genie des Knaben zeigte sich schon in frühester Jugend, und daher bestrebte sein Vater sich, die Keime, welche er bei seinem -ohne entdeckte, frühzeitig zu entwickeln. Er selbst lehrte chn die Anfangsgründe der Musik. Später wurde er der Leitung des Bernhard Koch« anvertrant. Unter der Obhut dieses bedeutenden Musikers machte Berliyn in kurzer Zeit große Fortschritte. Ganz aus eigenem Antriebe komponierte er Musikstücke für Klavier und Violine, die von seinem außergewöhnlichen Talent zeugten. Im Orchester des Französischen Theaters zu Amsterdam engagiert, trug ihm dessen Chef aus, neue Musik zu zwei französischen Dichtungen zu komponieren, die Berliyn meisterhaft vvllführte. 1836 reiste Berliyn nach Deutschland, um den großen Tonsetzer Louis Spohr kennenzulernen und bei ihm seine Musikstudien sortzusetzen. Berliyn erhielt von Spohr nicht nur die nötigen Anweisungen in den musikalischen Disziplinen, sondern er wurde von ihm auch in die Musikwelt eingeführt; bei einer musikalischen Soiree in Kassel dirigierte Spohr Berliyns Ouvertüren. In einem Briefe an Berliyn gab Spohr seiner Begeisterung über die in den Ouvertüren vorkommenden effektvollen Sätze Ausdruck, -eine in den Jahren 1836 bis 1842 komponierten Opern, Ballette, Melodramen, Ouvertüren, Klavierstücke widmetet den Virtuosen Ferdinand David, Kalliwoda, Spohr, Reißinger, 4-\7 Aron wolff Berliyn, Generalmusikdirektor, Professor, Kitter.* Mendelssohn-BartholdY, Meyerbeer und Liszt. Alle ebcngenannten Tonmeister nahmen die Widmung an und rühmten Berliyns „klasiische und populäre Schreibart". Berliyn erhielt von König Wilhelm II. der Niederlande die hochehrende Einladung, in einem Konzert am königlichen Hofe zu Haag seine besten Werke auszusühren. Am 22. Februar 1843 fand das angekündigte Konzert in dem prächtigen gotischen Saale des königlichen Palastes in Gegenwart der ganzen königlichen Familie und der gesamten Diplomatie unter der Direktion des Komponisten statt. Die Majestäten beglückwünschten Berliyn zu seinem Erolg- Alle Anwesenden waren begeistert, und um noch diese genußreiche Soiree würdig zu beschließen, wurden ihm am Ende derselben durch den Adjutanten des Königs die Insignien des Eichenkronenordens übergeben, wobei sich der König erhob. Kurze Zeit nachher erhielt Berliyn von dem König von Belgien für seine große Kantate die Große Goldene Medaille für Verdienste. Ter Ruhm Berliyns als Komponist war weit verbreitet. Sein im Jahre 1846 in Paris veranstaltetes Konzert fand begeisterten Beifall. Die hervorragenden Meister der Musik, wie Halovy, Auber, Spontini, die dein. Konzerte beiwohnten, drückten in schmeichelhaften Worten ihre Zufriedenheit, sowohl was Berliyns Kompositionen als auch was sein Talent zum Dirigieren anbelangte, aus. Er ividmete mehreren gekrönten Häuptern, wie Kaiser Ferdinand von Oesterreich, König Christian von Dänemark, König Otto von Griechenland, seine Tonschöpfungen, deren Widmungen sie annahmen. Von König Christian erhielt Berliyn für die Zusendung einer Symphonie einen wertvollen Diamantring und vom König von Belgien, Leopold 11., für die Zusendung musikalischer Kompositionen eine Brillantnadel. Das große musikalische Genie Berliyns war auch der religiösen Musik zugewandt. So komponierte er das Oratorium „Moses auf Nebo" und eine Festkantate für das Israelitische Waisenhaus in Amsterdam, welche im dortigen Deutschen Theater ausgeführt wurde. Ueber das Oratorium „Moses auf Nebo" schrieb Hector Berlioz eigenhändig auf die Partitur: „Mit großem Vergnügen habe ich diese Partitur durchgesehen. Dieselbe scheint in einer Weise und in einem festen und sauberen Stile geschrieben, welche nur selten in Kompositionen dieser Art angetroffen werden." In den Jahren 1840 bis 1855 verfaßte Berliyn verschiedene Kantaten, welche unter seiner Leitung bei Einweihungen der Synagogen in Weesp, Haag, Arnheim und Amsterdam gesungen wurden. Von Berliyn ist auch die historische Fantasie „Saul und David" in Musik für großes Orchester gesetzt worden. Unter Berliyns religiösen Gesängen verdient den ersten Rang sein Psalm G unter dem Titel: „Vollständige Herausgabe aller Psalmen, nach dem Metrum des Hebräischen, deutsch, französisch, niederländisch und lateinisch in Musik gesetzt." Hier zeigt Berliyn, daß er dem religiösen Text Gesang und Harmonie zu verleihen versteht, und daß er sich mit der Philosophie der Tonkunst beschäftigt. Er hat auch die Synagoge mit wertvollen Gesängen bereichert. So sind

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