Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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vorurteilslosen Psalmenleser die gelegentlichen Zornausbrüche, die dem heiligen Sänger und seiner Nation von grausamen, verfolgungssüchtigen und ungerechten Feinden erpreßt wurden, begreiflich machen. In einem angehängten „Wegweiser in den Psalter" verteilen die Herausgeber die Psalmen auf die verschiedenen Tageszeiten, Feste, Heilslehren und menschlichen Schicksale. Das Buch ist für israelitische Leser nicht geeignet. Charlottenburg. Dr. Grünthal. — Jüdisch deutsche Text e. Lesebuch zur Einführung in Denken, Leben und Sprache der osteuropäischen Juden. Bon J>. Dr. Hermann L. Strack, Professor der Theologie in Berlin, Geheimer- Konsistormlrat. Leipzig, I. C. Hinrichssche Buchhandlung, 1917. Seinem freudig begrüßten „Jüdischen Wörterbuch" hat Geheimrat Strack „Jüdischdeutsche Texte" folgen lasten. Es sind auf die Kriegszeit bezügliche, wertvolle Aussätze jüdischer Zeitungen und drei köstliche Erzählungen von Asch, Perez und Jeuschsohn, sämtlich in deutscher Transkription und durch Anmerkungen erläutert. Die Auswahl ist gut gelungen und läßt in der Tat Denken, Leben und Sprache der osteuropäischen Juden aufs beste erkennen. Ein jeder Leser wird dem unermüdlick)en Herausgeber dafür dankbar sein. Für eine neue Auflage wäre der Titel „Jüdische Texte" zu empfehlen. War es doch ein wesentlicher Fortschritt des Wörterbuches, daß es als „jüdisches" und nicht als jüdischdeutsches oder gar jiddisches bezeichnet wurde. Ferner müßten die hebräischen Worte m jüdisch-litauischer oder jüdisch-polnischer, aber nicht in sephardischer Aussprache, die Strack mit philologischer Genauigkeit anwendet, wiedergegeben werden. Ist letztere nicht zu entbehren, so gehört sie in die Anmerkung. Transkriptionen wie sak S. 9, maarab S. 10, erek, rob S. 11, nedaboth S. 14, zeker S. 22, ereb jom Ha-kadosch S. 24, jirath kabod S. 31, lekattechillah S. 32, rabs keber, gannabim S. 34, mekaschschesah S. 39, taklith S. 50 sind mitten in jüdischen Texten unmöglich. Die schöne Ausstattung und der sorgfältige Druck sind wiederum besonders hervorzuheben. S. 41 lies schuck (Markt, Gasse) statt schokk (das Wort fehlt übrigens im Wörterbuch) und S. 43 obada (in Stracks Transkription) statt ubada. M o r i tz St er n. — Ei n j üd i s ch - P o l n i s ch - r u s s i s ch e s I u b i l ä u m. Bon Abraham Grünberg. (Der große Progrom von Siedlce im Jahre 1906.) Diese kleine Broschüre eines jungen russischen Juden, der als politischer Flüchtling seit Kriegsbeginn in Prag lebt, führt uns mit packender Anschaulichkeit eines der so viel besprochenen und doch selten richtig gekannten ergreifenden Schauspiele, einen russischen Militärprogrom, vor. Die kleine polnische Provinzstadt Siedlce, die der Schauplatz ist, ersteht in diesen Schilderungen lebendig vor uns. Ich will die politischen, zum Teil recht temperamentvoll polemischen Randbemerkungen, an denen das Büchlein reich ist, deren Gültigkeit und Beweiskraft wir ja aber doch nicht aus eigener Anschauung, sondern nur wieder nach anderen Aussagen und Berichten prüfen können, beiseite lassen und nur das Menschliche der Auszeichnungen hervorheben. Mancherlei gibt es da, das an unser Innerstes rühren muß und diese Memoiren zu einem interessanten, ja wertvollen Dokument machen. Die Augenblicke z. B., da der Erzähler am Morgen des furchtbaren Tages mit klarer Todesgewißheit hinter seiner verschlossenen Tür steht und zu atmen vergißt, von der Stimme eines Kosaken aus dem Schlaf gerissen, der außen am Türdrücker zerrt. Es stellt sich dann freilich heraus, daß es Rettung ist: Der Bursche einer Ossizierssrau, die, -eine revolutionäre Polin, indes ihr Mann „Tie Aufständischen", die Zitternden in ihren Verstecken und Löchern blutig „bekämpft", die jüdischen Hausbewohner in ihrer Wohnung mit Gefahr der eigenen Sicherheit, ja des Lebens, verbergen und retten will. Es sollen das, wie Grünberg behauptet, dort viele Polen, deren Wohnungen durch die in die Fenster gestellten Kruzifixe vor der Soldateska geschützt waren, in der aufopferndsten Weise getan haben. Bemerkenswert ist es übrigens, zu hören, daß die Todesfurcht niemals den russischen Juden dahin brachte oder bringen könnte, eine solche Schutzmaßnahme zur Täuschung der Mordbanden auch in seinen Fenstern anzubringen. Wie weit religiöse Scheu und wie weit Stolz hierbei mitwirkt, kann ich nicht entscheiden. Wie weit aber Ehr- und Gemeinsamkeitsgesühl im Osten unter unfern Glaubensbrüdern noch wach ist, zeigt ein kleiner Vorfall, den Grünberg ganz absichtslos, wie es scheint, berichtet und der in der schlichten Wahrhaftigkeit der Darstellung doppelt wirkt: Die Offiziersdame, die ihn, den Intellektuellen (einen Studenten), in den Salon führt, spricht dabei mit Verachtung von den „seig" und angstvoll, wirmnernd und betend im verborgensten Winkel des entlegenen Zimmers verkrochen, aneinander gedrückten unglücklichen anderen. Da will er sogleich Weggehen, ganz selbstverständlich, ist es ihm, draußen lieber der Meute sich in die Hände zu liefern,, als sich beschützen zu lasten, wo man — nicht ihn! — aber die Seinen, die unteren Schichten der Seinen, verachtet. Es beleidigt ihn, wenn man ihn ausnimmt, von diesen unterscheidet. Könnten wir von diesem Bericht nicht lernen, wir Westler, die wir ja auch Zuflucht und Almosen gewähren, nicht selten mit Geringschätzung, die wir nur zurückhalten, aber berechtigt glauben, ohne die Lage dieser Gehetzten (uns in manchem Ueberlegenen) zu berücksichtigen, oft überhaupt nur zu kennen. Oskar Baum. Mcheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Festschrift. Adolf Schwarz zum 70. Geburtstag 15. Juli 1916. Gewidmet von Freunden und Schülern. Unter Mitwirkung von B. Ap-towitzer. Herausgegeben von Samuel Krauß. Berlin und Wien, R. Löwit Verlag 1917. Schürer des Weltbrandes. Eduards unselige Erben. Reue Folge von Moritz Loeb. Haas Grabherr, Verlag, Augsburg. Deutsche Kriegsziele im Westen. Von Prof. Adolf Stoll. Mit einer handgezeichneten Skizze. Cassel 1917, Pillardy u. Augustin. Albert Wolfs. Ein Gedenkblatt von Dr. Moritz Stern. Berlin 1917. Rudolf Hans Bartsch: Er. Ein Buch der Andacht. Leipzig, Verlag L. Staackmann. 1915. Ohne Götter. Von Richard Otto Frankfurter. Grethlein u. Co. G. m. b. H. in Leipzig. Die bunte Reihe. Roman von Fritz Mauthner. Kronen-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. Neue Jüdische Monatshefte. Verlag der Neuen jüdischen Monatshefte, Berlin-München. 1. Jahrgang. 10. Februar 1917. Heft 9. N. 0. Halbmonatsausgabe des Korrespondenzblattes der Nachrichtenstelle für den Orient. III. Jahrgang. Nummer 10. Ausgegeben am 22. Februar 1917. Licht in der Finsternis. Ein Judenroman aus Polen von Eliza Orzeszko. Deutsch von A. v. Guttry. Georg Müller, Verlag. München. 1916. Zweite Auflage. Adam. Drama in einem Vorspiel und vier Akten. Von Arno Nadel. Leipzig, im Jnselverlag. 1917. Publications of the American Jewish Historical Society. Number 25. Published by the Society. 1917. Abraham Grünberg (derzeit Prag). Ein jüdisch-polnisch-russisches Jubiläum. (Der große Pogrom von Siedlce im Jahre 1906.) Prag, Ende Oktober 1916. Druck der „Grafia" Prag 1959. II. Selbstverlag. Bestellungen durch die Verlagsbuchhandlung Jakob B. Brandeis, Prag, Zeltnergaste. N. O. Halbmonatsausgabe des Korrespondenzblattes der Nachrichtenstelle für den Orient. III. Jahrgang. Nr. 11. Ausgegeben am 6. März 1917. Einzelnummer 50 Pfennig. Die Germanen in Europa. Von Otto Hauser. Dresden, Heimat unh Welt Verlag. Jüdische Volkskich, Biala. Bericht für 13monatige Tätigkeit 1915/16 (jüdisch-deutsch). Neue jüdische Monatshefte. 1. Jahrgang, Heft 11. 10. März 1917. Verlag der Neuen jüdischen Monatshefte, Berlm/München. Hebräische Amulette mit magischen Zahlenquadraten. Von Dr. W. Ahrens in Rostock. 1916. Verlag von Louis Lamm, Berlin. Der Mischnatraktat Sotah. Einleitung, Textausgabe, Uebersetzung und Erklärung des Traktats von Prof. Hans Bahr und Dr. L. A. Rosenthal, Rabbiner. Erster Teil: Einleitung in den Traktat Sotah. (Schriften zur Beleuchtung der Lehrweise und Entwicklung des Talmuds). Berlin O 2,-Verlag von Louis Lamm. 1916.