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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-27 · Heft 17 (27.4.1917) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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PT )at lle in. 'n er. neijne elt, Es otrt uß lnd irt, tes sie tte, ins nch aen nes gen ha, ieroelrng enn and iaft >en- .- - 21»:'. - ecke verkrochen finden mit 'n Schmöker in de Hand. Wenn sc sich nur von de Arbeit drücken können. Nischt tun und den lieben Gott de Tage abstehlen und recht gut leben, immer Vergnügungen." Auf einmal streckte sich das versteckt zusammengeduckte Menschenhäufchen am Fenster wie in einem trotzigen Entschluß. „Ich kann ja Rosa wieder 'reinrufen", klang es nicht ganz logisch vom Fenster her in Tantes ungemein flüssige Rede. Vergebens hatte ich schon mehrmals versucht, ein paar vermittelnde Worte einzuwerfen. Aber Paulas Entschluß lähmte sie einen Augenblick. Als sie zornig ausrief: „Ohßer! du bleibst bei deine Arbeit!", >var sie schon entschlüpft, und dann hielt ich Tantes liebe Hände fest. Sie durfte nicht hinaus, so schwer ihr das Stillsitzen wurde. Ihr Aerger tat mir leid, und ich weiß nicht, wie es kam, mir war es, als müsse ich auch die beiden unbotmäßigen Faulpelze schützen; „bleib', Tantchen, ärgere dich nicht. Ich werde mal mit den Mädchen reden, wenn es dir recht ist." „Ja, Kind tu's", sagte sie eifrig und warm, „vielleicht hör'n se bei dir eher. So denken se: De Großmutter zankt je doch immer." Ich fragte aber nicht: „Tante, haben sie vielleicht nicht so ganz unrecht?" Tante erzählte mir unter vielem Seufzen und Stöhnen all ihre Sorgen. Die beiden undankbaren jungen Dinger haben ja gar keine Ahnung, was das Schicksal der alten Frau, die sich nach reichlich geleisteter Liebesarbeit an den eigenen Kindern nun längst ihrer wohlverdienten Altersruhe freuen können müßte, mit diesen späten Erziehungs- und Versorgungsmühen noch aufgepackt hat. Besonders die letzteren drücken sie qualvoll nieder: „Ich muß doch meine Schuldigkeit tun. Ich muß doch vor ihren seligen Vater und mein gutes Kind, das selige Zerlinchen, bestehen können. Weiß ich denn, »vie lange ich noch lebe? Sieh mal, Kind, da Hab ich einen Brief von Roschmin von den Lehrer dort, en sehr bekoweter Mann. Seine Frau, nebbich, 'ne Schlemihlte, hat sich verliebt in den Mießnek: dafor darf se nu zeitlebens als Ehassente in Roschmin sitzen — hat sogar 'ne hochfeine Mischpoche. Also, der weiß von e Fellhändler in Grindeln. En kleiner Ort, meinste? Was tu ich mit den großen Ort, wenn ich kein Brot habe? Der Mann soll gut sein." — Und Tante erhebt sich schwerfällig, schließt ihren Sekretär umständlich auf und holt einen Packen Briefe heraus^ Die lieben Faulpelze draußen haben es gut, die Stube mit dem gefürchteten Packen Wäsche ist jetzt von innen verschlossen. Tante hat gewichtig die Brille mrfgesetzt und geht die einzelnen Fälle mit »nir durch. Ich bin starr, »vie viele sie an der Hand hat. Sie scheint immerzu in Tätigkeit zu sein. „Kind, wie fleißig de bist, und »vie schön de stopfst", sagt sie mitten drin zärtlich, da ich »nir eins von den Wäschestücken hergenommen habe, und dann leise wie vor sich hin: „'s is 'ne Neweire." „Was denn, Tante?" „Nu, nischt. Wir reden jetzt von die z»vei Mädchen." Ihr Kopf schnickt nach der Tür hin, und »vieder nimmt sie gewichtig einen Brief her. Jetzt haben es die Faulpelze beinahe zu gut, denn sie wandeln sich unmerklich vom tiefsten Schwarz zürn lichtesten Rosa. Tante empfiehlt mir ihre Enkelinnen so warm und überzeugend, als sei ich ein säumiger Freier, den sie anseuern »volle. „Und ich sage mir: warum soll er se nich nehmen? Was kann er noch wollen? Se is en ansehnlich Mädchen, se is bekowet erzogen, se kann reden wie e Buch, und 's is doch bar Geld, keine großen Schmus, wo nachher nischt derhinter is. Wenn er da »virklich eigentlich 5000 mehr verlangt" — „Ach, Tante, da ließe sich wohl schon Helsen. Aber wozu denn das alles? Die Mädchen sind doch noch so jung?" (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Von Heimat und Glauben. Kriegsbetrachtungen von Großherzogl. Rabbiner Dr. Bruno Italiener in Darmstadt, zurzeit Feldrabbiner beim Oberkommando der 7. Armee. H. C. Schlapp, Hofbuchhandlung, Darmstadt, 1916. Die Betrachtungen Italieners sind darum so besonders schön, weil sie jüdisch und deutsch sind, weil sie den innigen unlösbaren Zusammenhang zwischen Deutschtum und Judentum deutlich darstellen. Auf eine unter ihnen, die ursprünglich in den „Süddeutschen Monatsheften" stand, ist schon früher in diesen Blättern hingewiesen worden. Auch alle übrigen waren schon gedruckt, teils in der „Kriegszeitung der 7. Armee", teils in den „Sabbatgedanken für jüdische Soldaten"; mehrere Predigten sind darunter, die meist im Felde gehalten worden sind. Zur Charakteristik der sinnigen Betrachtungsnrt und der schönen Ausdrncksweise mögen zwei Stellen dienen; die eine findet sich in dem Aussatz „Das deutsche Lied" und lautet folgendermaßen: „Alls eimnal setzt die Orgel ein, und die hohen, weiten Räume des Gotteshauses — der französischen Kirche — durchbrausen die Klänge des alten frommen deutschen Liedes: Harre, meine Seele, harre des Herrn, Alles ihm befehle, hilft Er doch so gern! Wir waren in dem Augenblick alle in der Heimat, waren nicht evangelisch, nicht katholisch, nicht jüdisch; wir waren alle nur deutsch. Wir fühlten, das war nicht ein Lied, das zufällig in dein einen Lazarett erklang: das ist das Lied, das überall erklingt aus dem großen, weiten Kampfplatz, wo unsere braven deutschen Jungen auf dem Schmerzenslager liegen. Das ist das Lied, das überall in deutschen Herzen klingt, im Schützengraben, im Gefecht, in der Heimat: das Lied der Kraft, das Lied der Geduld, die aus dem Glauben stammt, das deutsche Lied!" Die zweite Stelle findet sich in einer Neujahrsbetrachtung und hat folgenden Wortlaut: „Lassen wir die Kameraden in unserer Haltung ihnen gegenüber erkennen, daß wir uns der tiefen Verantwortung und heiligen Verpflichtung, Juden zu sein, völlig bewußt sind. Zeigen wir durch vornehme Zurückhaltung, die sich in gleicher Weise fern hält von kriecherischem Aufdrängen wie von vernunstlosem Abschließen, zeigen wir durch die Würde und den Takt, zeigen wir durch die reine Menschlichkeit, die wir betätigen, was es heißt, ein wahrer Jude sein, und lassen wir durch die Treue, mit der wir an unserem angestammten Glauben hängen, sie ahnen, daß wir nur deshalb so gute und treue Deutsche sein können, weil wir so gute und treue Juden sind. Dann wird vielleicht einmal eine Zeit kommen, und wenn wir sie nicht erleben, dann werden sie unsere Kinder oder Kindeskinder erleben, da nicht wie jetzt zwischen einzelnen Christen und einzelnen Juden, sondern den Christen unb den Juden eine Freundschaft sich bilden wird, wie sie Zwischen dem mächtigen Königssohn Jonathan und David, dern einfachen Hirten, sich entspann, wird vielleicht einmal die Zeit kommen, da der Jude den Christen wegen seines Verhaltens so nennen darf, wie David den Jonathan nennen durste: Mein Bruder!" L. G. — D i e P s a l m e n. Herausgegeben von E. A. W i tz (Oberlin) und G. M. L ö w e m Bad Nassau (Lahn) 1916, Verlag der Zentralstelle zur Verbreitung guter deutscher Literatur. Weil die Herausgeber überzeugt waren, daß viele Menschen sich nach der Himmelskost des Psalters sehnen, haben sie eine neue Psalmenübersetzung veröffentlicht, die in flüssiger Prosa gehalten ist und trotz möglichst engen Anschlusses an Luther dem modernen Sprachempfinden und einer fortgeschrittenen Auslegungsweise gerecht zu werden sucht. In beit Fußnoten werden einige kurze Erläuterungen zum Text gegeben. Einleitend rechtfertigen die Herausheber mit etwas salbungsvollen Worten die mannigfachen Kürzungen, die nicht wenige Psalmen unter ihrer Hand erfahren haben. Tie sogenannten „Rachepsalmen", an denen, wie sie glaubten, der empfindsame Leser Anstoß nehmen könnte, verfielen einer kräftigen Zensur und mußten sich arge Verstümmelungen gefallen lassen. Man könnte sich bei diesem Verfahren schließlich beruhigen, da es sich nur um ein Andachtsbüchlein handelt, nicht um eine wissenschaftliche Leistung. Aber die frömmelnde Art, mit der die Herausgeber den Mantel der neutestamentlichen Liebe über die alttestamentlichen „Fluchergüsse" breiten zu müssen glaubten, wirkt recht peinlich. Gerade das gegenwärtige Weltgeschehn dürfte jedem verständigen, i

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