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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-27 · Heft 17 (27.4.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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karrrlpondrnzm und Aachrichten. Deutschland. Berlin, 24. April. Der Aufruf des Vereins „Landaufenthalt für Stadtkinder", dessen Protektorin bekanntlich Ihre Majestät die Kaiserin ist, ist von einer großen Anzahl von Verbänden und t Vereinen unterschrieben, unter denen sich auch der Deutsch-Israelitische Gemeindebund befindet. Der vom Verein herausgegebene Fragebogen kennt jedoch nur die beiden christlichen Bekenntnisse, lediglich unter der Rubrik „Bemerkungen" findet sich die bescheidene Anfrage, ob Kinder anderer Religionsbekenntnisse ausgenommen werden sollen. Dieses bedauerliche Versehen wird hoffentlich die jüdischen Gemeinden in den ländlichen Bezirken nicht abhalten, einer möglichst großen Zahl armer jüdischer Stadtkinder die Wohltat einer ausreichenden Ernährung und gesunden Landluft zuteil werden zu lassen. Verschiedene jüdische Organisationen, wie die Kriegshilfskommisstonen der großen Gemeinden, die Berliner Hauptstelle für Berufsberatung der deutschen Juden,. und andere Verbände haben sich an die Rabbiner, Lehrer, und Vorstände der jüdischen Kleingemeinden in ländlichen Bezirken mit der Bitte gewendet, jüdische Familien namhaft zu machen, welche Stadtkinder für die Dauer der Sommermonate bei sich aufnehmen würden. Auch die Vertrauenspersonen des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland sollen um Aufschluß gebeten werden, ob und wieviel Kinder in den betreffenden Bezirken Aufnahme finden können. Besonders wird darauf gerechnet, daß die Mitglieder des Jüdischen Frauenbundes die Beaufsichtigung der Stadtkinder übernehmen, da es bei der dünneren Verteilung der jüdischen Bevölkerung in den Landbezirken nicht innner möglich sein wird, jeder Gruppe Kinder einen Lehrer oder eine Lehrerin dauernd beizugeben, wie das von den anderen Konfessionen geplant wird. Die Frage eines Ersatzunterrichts soll noch geklärt werden. Hoffentlich gelingt es den vereinten Bemühungen der verschiedenen Kreise, viele unserer blassen Großstadtkinder aufs Land zu bringen. Die Berührung unserer Stadtkinder mit dem jüdischen Leben in den Kleingemeinden wird den Kindern einen vollkommen neuen Jnteressenkreis erschließen und kann dadurch für die Zukunft des deutschen Judentums eine Bedeutung erhalten, die die Not des Tages überdauert. E. M. Berlin, 24. Atprii'l. Am ver,a,anlgienen Freitag fand in d)r Synagoge Fasanenstraße vor dem Abendgottesdienst die Amtseinführung des neuen G-emeinderaMners Dr. I u I i u s Galliner stcM. Der neue Rabbiner wurde von MitMedern. des Vorstandes der Rep'räsenitau'teniv'ersiammllung und Amtsg? nossen zur heiligen Lade ge-- leitet. Nachdem der Shnagogenchor Lewandowskis „Wie schön sind deine Zelte" vorgetragen, nahm als Mitglied des Gemeindevorstandes Justizrat Bernhard Breslauer das Wort. Er führte aus, daß das Amt des Rabbinors keine mystisch,en Unterlagen' hat mi:i> seinem Träger keine gehmmmisvollen- Kräfte verleiht. Der Rabbiner wird Vicht durch sein Aimit eine Person,lchöe'i-t. vielmehr ist -es 'erst seine Persönlichkeit, die ihn zum Lehrer und Führer macht. Der Jugend die erhabenen Lehren unserer Religion nahe zu bringen und so ins Herz zu pflanzen, daß sie ihr für das ganze Leben eine Richtschnur geben, ist -eines der' größten Ziele für den Lehrer in Israel. Auch in der Gernoindie soll der Rabbiner Lehrer, und Führer sein mb Gerechtigkeit üben gegen rechts und links, oben Uind unten. Das bott der Kanzel gesprochene Wort genügt nicht allein, er muß dem einzelnen näher treten. Die Se e lsorge des moder nen In de nr u.ms> h at nichts z-u tun mit dem sonst damit verknüpften Begriff. Sie besteht in dar Einwirkung des Rabbiners.aus das Gemüt seiner Geme'inL'enritWieder, sie nruß sich besonders auf diie Kranken und a>nf die Verwundeten erst-vecken, die aus rnjancherlai Gründen seinen' Zuspruch herbei sehnen. Will der Rabbiner sein Amt ganz ersiassen, so muh er zmn Ochrier.und Fühirar in Israel werden, indenr er sich der Wissenschaft und dem öfsentlichen Leben widmet-. Der- Welt nmß das Resultat seines Forschens erschlossen werden, das sich nicht nur auf die Wissenschaft des Judentums beschränken darf. Es gilt für ihn, teilzunehmen an der öffentlichen Wohlfahrtspflege und mitzuarbeiten an der j Verbesserung unserer Verhältnisse. — Dr. Galliner erwiderte mit I Dankesworten für das durch seine Wahl ihrnentgegengebrachte Vertrauen. Das Vertrauen -auf Gott und der Rückblick auf sein bisheriges Wirken geben ihm die Kraft für. sein hohes Amt. Seit zwei Jahrzehnten gehöre sein Herz der Jugend m dieser Gemeinde. Ihren Geist der Geschichte unserer Vorfahren öffnen und sie mit den Werken unserer Reliigionsphilosoph-en betannit zu machen, sei d-ie Ausgabe feines Lebens gewesen. Er betrachte als feine besonders wichtige Aufgabe, als Rabbiner eine ständige Verbindung zltvischen Schule und Gotteshaus zu schaffen. In diesem Si-nne zu leben und zu lehren solle bk Aufgabe seines Lebens sein. Nach diesen Ansprachen wurde der mm Rabbiner von seinen Anrtsgenosserr zur Rabbinerbauk geführt, d>ann leitete ein üenes Ehorlied pn Freiitaga-bend'gottesdi-onst über. g/S Berlin, 24. April. Am 22. d. M.. vormittags 11 Uhr. fand im zweiten Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde. Rosenstraße 2—4, die G e n e r a l v e r s a m m l u n g des H i l f s v e r e i n s für di e j ü-d i scheu T a u b st u m m e n in Deutschland E. B. statt. Im Jahre 1903 begründet, hat er sich aus kleinen Anfängen heraus in der kurzen Zeit seines Bestehens zu einem achtungsvollen Faktor auf dem Gebiete der Wohltätigkeit entwickelt. Zahlreich sind die Unterstützungen, die er jüdischen Taubstummen im gesamten Deutschen Reiche im -Falle von Not und Krankheit gewährt hat und weiterhin gewährt. Besonderen Segen aber hat er durch sein Altersheim für jüdische Taubstummen zu Berlin-Niederschönhausen. Kaiserin- Augusta-Straße 37. gestiftet, das gegenwärtig 28 Insassen beherbergt und für 60 Pfleglinge Platz bietet. Das im Jahre 1912 bezogene eigene Anstaltsgebäude mit seinen gesunden, Hellen und luftiaen Räumen und dem großen, schönen Garten bietet den un-glücklichen Schützlingen einen Aufenthalt, in dein sie einen ruhigen, von Not und Sorgen freien Lebensabend vollbringen können. Jnfola? der Notlage, in die der Krieg den Verein gebracht hat. mußten zahlreiche dringende Aufnahmeaesuche abgelehnt werden. Es wäre daher zu wünschen, daß edle Menschenfreunde diesem schönen Werke jüdischer Wohltätigkeit ihre Unterstützung stets in reichen! Maße zuteil werden ließen. Leider hat der Vorstand innerhalb des letzten Jahres vier seiner Vvrstandsrni t gli ed er durch den Tod verloren. Die Herren Moriü Treitel, Geheimrat Potsdammer. Rabbiner Tr. Estbelbacher und Siegfried Sachs sind in die Ewigkeit eingegangen. Bei den heute nach der schnell erledigten Tagesordnung vollzogenen Neuwahlen wurden Herr Oscar Tieß wieder- und die Herren Rabbiner Dr. B e r a m a tu und David Loew e n st e i n in den Vorstand neu gewählt. & & Berlin, 24. Avril. Das „bekannte" antisemitisch" Wochenblatt ,,Die Wahrheit" schreibt unter der Spitzmarke ..Dos indische Osterfest": Bon den verschiedensten Seiten wird uns die Veröffentlichung der Reichszuckerstelle betr. „Zucker zum Verbrauch am jüdischen Osterfest 1917" mit entsprechenden Bemerkungen zugesandt. Es wird darauf hingewiesen, daß das Entgegenkommen der Reichszuckerstelle aeaenüber Anforderungen von Zucker zum jüdischen Osterfest unwillkürlich dazu auffordert, Veraleiche anzustellen mit der Zuckerverteilung zu dem vergangenen Weihnachtsfest. Damals hat man nichts von dergleichen Sondervublikationen gehört. ..Tie Wahrheit" mag sich beruhigen. Jede jüdische Haushaltung, die rituell heraestellten Zucker beanspruchte, hatte sich selbstverständlich schriftlich zu verpflichten, nach Empfang des Osterzuckers die der empfangenen Menge entsprechenden Abschnitte der ihr für die allgemeine Versorgung zustehenden Zuckerkarten dem Synagogenvorstand auf Aufforderung einzureichen. Diese Verpflrchtungserklärungen wurden dem Kommunalverband eingereicht. Eine Mehrbelieferung mit Zucker fand durch diese Regelung Mithin nicht statt, es fand nur ein Ersatz des gewöhnlichen Zuckers durch rituell zubereiteten Zucker statt. Es wäre der „Wahrheit" sicher sehr leicht gewesen, sich über die tatsächlichen Verhältnisse zu informieren, bevor sie „unwillkürliche Vergleiche" anzustellen beliebte. %%% Berlin, 24. April. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Leutnant Richard Wolfsohn, Sohn des Herrn Moriß Wolfsohn und Inhaber der Firma Moritz Wolfsohn u. fax; Unter* offizier Siegfried E z a p s k i, Ländsturmmann Walter M i ch n e l i s. 81. Jahrgang Nr. 17 Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Bettung deß Judentums kerlln. 27. April 1917 l

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