Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und guter Wille sind unverkennbar. Assing, der mit seinen Gedichten ganz entgegengesetzt verfährt nnd jedes Sprechen darüber lieber vermeidet, ist ein wenig zurückhaltend neben ihm und sitzt oft schweigsam dabei, wenn wir uns aufs lebendigste mit ihm unterhalten, ist ihm aber darum nicht weniger geneigt." In demselben Briefe gibt sie eine Kunde von Wihls Berichten über Heine. Dem Brief liegt ein langes Gedicht Wihls bei: „Napoleons Schwert", eine sehr merkwürdige Anknüpfung an den Schmied Meland. Die drei letzten Strophen des Gedichts lauten: Ein Kaiser Halls geschwungen Mit seiner starken Faust, Es ist durchs Mark gedrungen, Wie der Sturmwind Halls gesaust. Doch wer es hat getragen So lang' in Glanz und Ruhm Gleich eineni Held der Sagen Aus grauem Altertum, Liegt auf einem kleinen Eiland, Bom Weltenmeer beweint. Unsterblich wie ein Heiland Im Grabe eingeschreint. Endlich wird in dein Briefe der Rosa Maria vorn 11. Januar 1839 Wihls rührende Treue gegen Gutzkow erivähnt; in demselben Briefe rvird aber sein lautes und vordringliches Wesen und seine jüdische Betonung dauernd hervorgehoben. Auch in dem Briefe vom 4. September 1838 iverden die Bemühungen Wihls betont, um Gutzkow zu größerer Schonung zu veranlassen, und das „Literarische Zahrbnch" erroühnt, das Wihl herausgab. Zu den jüdischen jungen Männern, die in dem Assingschcn oause verkehrten, gehörte sodann auch ein anderer Schriftüeller, ein deutscher Dichter jüdischen Glaubens, Karl Beck, lieber ihn heißt cs am 4. September 1838: „Auch Ka»l Beck ijnt uns besucht und war mehrmals bei uns. Dieser erscheint iit ganz anderer Weise (es war zuletzt von Ernst Willkomm die Rede). Er ist ein Ungar aus Pest, ein kleiner, wohlgebauter Rensch von 21 Jahren, mit geistreichem, bedeutendem Gesicht von etwas scharfen Zügen und lebhaften Augen. Noch Student, was zu merken ist, einsilbig, blöde in größerer Gesellschaft, aber gesprächig und freier, wenn ihm diese nicht imponiert. Auch er ging nach Helgoland, aber nur uni das Meer zu sehen, und >4ieb dort bei Willkomm nur einen Tag, was freilich zu kurze .seit ist und nur genügt, sich von der Seekrankheit zu erholen. Zch glaube, als Dichter wird er von Kühne sehr überschätzt; mir scheint er noch nicht so bedeutend, als er vielleicht werden lann, wenn er alles in sich geordnet hat." Zu den jüdischen Bekannten der Rosa Maria gehörte sodann auch Rahel de Castro, die auch mit Varnhagen, besonders mit Ludmilla Assing, bekannt war, auch mit Zunz und seiner Gattin vertrauten Umgang pflegte. Mir liegen minderte von Briefen dieser schreiblustigen Dame, teils an darnhagen, teils an Ludmilla, teils an Leopold und Adelheid Zunz gerichtet, vor: Briefe, von denen vielleicht in anderem Zusammenhang gehandelt werden soll. Zum Schluß mag ein Mann jüdischen Ursprungs erwählt voerdeN, der als christlicher Theologe eine außerordentliche Bedeutung erlangte, nämlich der Theologe N e a n d e r. Auch über ihn ist in unseren Briefen vielerlei zu finden. Noander gehörte als Jüngling dem Chamisso-Varnhagenschen Kreise in Berlin an, wurde von Varnhagen seiner Schwester empfohlen, ging mit seinen Schwestern häufig nach Hamburg, machte dort durch seine Predigten großes Aussehen. Rosa Maria berichtet gern über diesen eigenartigen Mann und über das trauliche Leben, das er mit den Seinigen führte. Im Anschluß an die bisher erwähnten Stellen, die sich hauptsächlich auf literarische Persönlichkeiten bezogen, sei zweier anderer Erwähnung getan, die von Rahel herrühren und es meist mit ihr zu tun haben. Die eine braucht nur kurz angedeutet zu werden, da sie gedruckt ist, und zwar in deni bekannten Buche: „Rahel, ein Buch des Andenkens", Bd. I, S. 82 ff. Dort wird ein Brief Rahels an ihren Bruder M. Theodor Robert (Breslau, 8. August 1794) abgedruckt, der hauptsächlich von einer Reife handelt, die sie von Berlin nach Breslau machte. Er beginnt mit einer höchst ausführlichen, bis ins einzelne gehenden Schilderung eines unerträglichen Reisegesellschafters, der mit einer fast naturalistischen Kunst dargestellt wird. Der Name dieses nnangenehmen Patrons wird nicht genannt, wie so oft in dem genannten Werke, wo die Menschen bisweilen nur mit Buchstaben, aber mit falschen, bezeichnet wurden. In dem von mir benutzten Handexemplar Varnhagens in der Königlichen Bibliothek wird zu dieser Stelle folgendes bemerkt: „Josef Haltern, geboren in Altona 1739, ein jüdischer Gelehrter, der in Berlin auf einem kaufmännischen Kontor Beschäftigung fand und nebenbei Gedichte der besten deutschen Dichter ins Französische übersetzte, auch mehreres von Mendelssohn." Offenbart sich an dieser Stelle ein gewisses Unbehagen Rahels nicht etwa gegen Juden im allgemeinen, sondern gegen einen einzelnen, nicht besonders ansprechenden Vertreter dieser Gemeinschaft, so tritt ihr Standpunkt, der der Zugehörigkeit zum Judentum oder jedenfalls der, daß sie sich nach ihrer Taufe nicht scheut, sich als Jüdin zu bekennen, sich der Juden anzunehmen, in folgender Ausführung hervor, zu deren Erklärung nur weniges zu bemerken ist. Varnhagen hat in dem schon eben genannten durchschossenen Handexemplar der Briese seiner Gattin unter den zahllosen eingefügten Briefen, die er einer zweiten Auflage hinzufügen wollte, auch einen einer Madame Liman 1816 mitgeteilt, in dem die Worte Vorkommen: „Der Hofrat Dr. Wolfs sing in meiner Gesellschaft zu seiner Frau so an: „Hast du schon gehört von der Varnhagen? Sie! hat zu Marianne Saling gesagt, ich kann nicht mehr beständig l mit dir umgehen, weil du eine Jüdin bist." Da sagte ich:! „Hören Sie einmal, wer das gesagt hat, ist ein infamer Lügner. Alles hätten Sie Rahel nachsagen können, es wäre mir gleichgültig gewesen und nicht des Widersprechens wert, aber gerade dieses ist so dumm und weicht von den Grundsätzen Rahels ab, daß ich nicht schweigen kann." Nebenbei ist es aber auch lächerlich für den, der Rahel kennt. Tu mußt dich aber auch nicht darüber ärgern noch wundern, denn die Juden haben seit der Aufführung von „Unser Verkehr" hier nichts anderes im Kopf als Risches in allen Formen." Daraus antwortete Rahel am 30. März 1816: „Wisse, daß ich in Frankfurt ausschließlich und täglich Hertzens sehe, auf eine solche Weise, daß ich glaube, die andere Partei würde das sagen, was jetzt die Juden anfingen. (Sie hatte den Brief von Frau Liman zu Hertzens mitgenommen und mit Marianne Saling darauf, obgleich sie immer bisher „Sie" zu ihr gesagt, das „Du" eingesührt.) Diese Anekdote ist mir eine Lehre dafür, daß man tun kann, was nur das Gewissen gutheißt, da einem gerade das Gegenteil nachgesagt wird von dem, was man tut ... . Noch eins, was mir erst jetzt einsällt: Ich war die einzige und erste, die die 15jährige Adelheid Hertz mit aus den Kasinoball aus eigenem Antrieb contra Risches und wider Otterstedts Meinung mitnahm, wo sie sehr schön war und unter den vornehmen Herrschaften viel tanzte. Otterstedt hatte mir heftig abgeredet und hielt es für ein großes Wagestück und fürchtete, es könnte ihm bei den vornehmen Frankfurtern zum Vorwurf angerechnet werden." Die hier genannte Adelheid Hertz ist die Tochter der einen der schönen Salomonschen Schwestern und heiratete später den m *i I!• I :! :■:]!) i. . I ■ i