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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-27 · Heft 17 (27.4.1917) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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üümmmmm. 196 —— »WPW .': i gelegenheiten des Judentums, insbesondere für die Religionslehrer und Kultusbeamten der Gemeinden mit -segensreichem Erfolge zu wirken. Es ist Las hohe Verdienst -des in hiesiger Gemeinde unvergeßlichen seligen Rabbiners Dr. Bamberger, die hervorragende Arbeitskraft in unserem Jubilar einst erkannt zu haben. Zur Mitarbeit an den. -Aufgaben des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens herangezogen, hat er fast ein Vierteljahrhundert ehrenamtlich auf allen Gebieten des Verbandes mit seltener Energie und warmem Interesse mitgeavbeitet, ja, es darf wohl heute ausgesprochen werden. Laß er Jahre hindurch den Arbeiten des Verbandes seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Krönung seiner Verbandstätigjkeit bildet die Begründung der heute finanziell glänzend fundierten „Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte Ostpreußens". Schon dadurch hat er sich ein unvergängliches Verdienst um die Gemeinden und deren Beamten erworben. Dankbaren Sinnes werden daher die Lehrer der Provinz des Jubilars an seinem heutigen Ehrentage gedenken, denen er auch stets warmen Herzens ein kluger Berater in allen Nöten des Lebens ist. Aber auch weit'über den Kreis der Provinz hinaus ist er stets bereit, die Interessen des Judentums zu fördern. Besonders hervorzuheben ist seine hervorragende Tätigkeit im „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" und in deren Hilfskasse. Auf ihn darf der rabbinische Spruch angewendet werden: Wer die Gesamtheit im Guten fördert, dem wird das Verdienst der Gesamtheit beigelegt (Sprüche der Väter 5,18). Nicht unerwähnt darf auch bleiben die publizistische Tätigkeit des Jubilars. Seine „Statistischen Arbeiten" haben an hohen Regierungsstellen Beachtung gefunden, seine „Geschichte des Israelitischen Waisenhauses für Stadt und Provinz", welche er aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums der Anstalt veröffentlicht hat, bildet einen integrierenden Bestandteil der Geschichte der Juden Königsbergs und hat ihm Dank und Anerkennung eingebracht. Überall, wo es gilt, für das Judentum einzutreten, ist unser Jubilar auch mit der Feder auf dem Platze. Ein selten glückliches Familienleben ist dem Jubilar beschioden. Die feinsinnige und liebevolle Gattin ist ihm nicht nur eine verständnisvolle Mitarbeiterin in seinem engeren Berus, sondern sie bringt auch all seinen sonstigen Bestrebungen höchstes Verständnis entgegen; so ist denn auch ein gut Teil des Erfolges des Jubilars, ahne dessen Verdienste zu schmälern, seiner Lebensgefährtin zuzuschreiben. Zwei Söhne, welche im Heeresdienst stehen, und eine Tochter sind eifrig bemüht, den Eltern Ehre und Freude zu bereiten. So steht der Jubilar heute hochverehrt und geliebt aus dem Zenite des Lebens. Möge es ihm vergönnt sein, an der Seite seiner Gattin noch viele ungezählte Jahre in Rüstigkeit des Körpers und in Frische des Geistes -seinem Berufe und der Allgemeinheit zu dienen, zur eigenen Befriedigung, zur Freude der Familie und zur Ehre des Judentums. Moritz Muds. Von I. G ü n z i g (Loschch.) 7. v. M. ist Moritz Neuda, Redakteur der »Neuen Freien Presse", unter zahlreicher Beteiligung seitens seiner Berufskollegen und aus den Kreisen der Wiener Anwaltschaft hochbetagt zu Grabe getragen -worden. Mit ihm ist eine der interessantesten und Verehrungswüvdigsten Persönlichkeiten aus dem Kreise der Wiener Journalistik von hinnen gegangen. Moritz Neuda ist am 22. November 1841 zu Loschst: in Mähren als ältester Sohn des hochgelehrten Rabbinern Abraham Neuda, des ersten deutschen Predigers in unserem engeren Vaterlande Mähren geboren worden. Nachdem er hier die Volksschule absolvierte und nachdem er von seinem Vater in dar Studium der jüdischen Wissenschaft eingeführt worden war, begab er sich, da sein Vater früh (kaum als Vierzigjähriger) verstarb, nach Wien und widmete sich dort mit großem Eifer juristischen und literargeschichtlichen Forschungen, die bald die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich lenkten. Kaum als Dreißigjähriger trat er in die Redaktion der „Neuen Freien Presse" als Gerichtssaal-Berichk erstatter ein, wo er mehr als vier Jahrzehnte diesen Dienst auf das Gewissenhafteste versah. Moritz Neuda war eine schriftstellerische Individualität. In seinen Gerichtssaal-Notizen war so viel Persönlichkeit, so viel von der Menschenkenntnis eines Mannes mit warmem Herzen, so viel juristisches Verstand nis, wie man selten auf so verhältnismäßig beschränktem Raum vereint findet. Neuda war die große Kunst eigen, ohne ungebührliche Vordrän gung des subjektiven Moments jeden einzelnen Fall, über den er zu berichten hatte, atls der verwirrenden Fülle nebensächlicher Zufallsumstände herauszuschälen und ihn in seiner allgemeinen menschlichen Bedeutung darzustellen. Seine Gerichtssaal-Berichte lasen sich wie die Resümees eine-: weisen und gütigen Richters, besten natürliche Empörung über Schuld und Frevel niemals das menschliche Verständnis und die Anteilnahme für den zu Fall gekommenen Menschenbruder auszulöschen vermochte. Alljährlich ein- oder zweimal schrieb Moritz Neuda für die „Neue Freie Presse" ein längeres Entrc silet. Es war gewöhnlich ein Gerichtsfall, der allgemeine-: Interesse erweckt hatte, oder eine neue Bestimmung des Straf gesetzes, die Neuda veranlaßte, zu ihr Stellung zu nehmen, und man bewunderte dann den feinen Stilisten und bedauerte, daß er nur so selten an anderer Stelle als in der Gerichtssaal- Rubrik die Feder führte. Aber nicht nur eine schriftstellerische Individualität war Neuda, sondern auch als Mensch eine ganz ungewöhnliche Erscheinung. Er war von einer Feinfühligkeit und Herzensgüte, von einer Leutseligkeit und Hilfsbereitschaft, wie nur wenige Menschen. Die ruhige Sicherheit, mit der er durch das Leben Direktor Adolf periy, Rönigsberg i. pr.

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