Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 gehaucht haben, und schafft Sibirien ab, jenen riesengroßen Friedhof, wo Legionen von Märtyrern der Freiheit lebendig begraben sind."- Es sei nun die Meiniungsäußerung dös Fürsten Peter Kropotkin angeführt, der in seiner Jugend selbst die Peter- Pauls-Festung gekostet hat und seit einem Menschenalter als Gelehrter in England weilt. Er führt in einem schwedischen Blatte aus, daß Deutschland unbedingt zermalmt werden müsse, denn dieses Land sei nicht nur eine dauernde Bedrohung des Friedens, sondern auch ein ständiger Hinderer des europäischen Fortschrittes. Er verweist auf das Programm der liberalen Russen und verurteilt die imperialistische Form und den imperialistischen Geist, den man in Deutschland der parlamentarischen Verfassung gegeben habe. — Diese Behauptungen Kropotkins werden in dem Steffenschen Buche durch einen ukrainischen Gelehrten Punkt für Punkt widerlegt. Der russische Liberalismus nach 1905 sei immer imperialistischer und in Verbindung damit immer mehr ein Ausdruck großrussischer Herrschaft gegenüber der in Rußland lebenden nationalen Minorität geworden. „Wie steht es mit den von Juden, Tataren, Letten, Litauern, Weißrussen und Ukrainern begehrten Rechten? Nein, weder von dem jetzigen noch einem etwa siegenden Rußland ist etwas Gutes für die bislang Unterdrückten zu erwarten." Zum Schlüsse sei noch eine belgisch-russische Meinungsgegenüberstellung erwähnt. Der bekannte belgische sozialdemokratische Abgeordnete Emile Vandervelde hat in der Stockholmer Zeitung „Sozial-Demokraten" seinen russischen Gesinnungsgenossen einen offenen Brief zugestellt, in dem es heißt, die demokratisch regierten Staaten müßten in diesem fürchterlichen Kanrpfe mit der bewaffneten Hilfe Rußlands rechnen, da ein etwaiger Sieg Deutschlands ein Hindernis für den Fortschritt der europäischen Völker bilden würde. Auf dieses wunderliche Schreiben wurde sogar von seiten, der russischen Arbeiterpartei selbst in einein Gegenartikel erwidert, daß Deutschland für eine sozialistische Staatsverfassung doch reifer sei als Rußland. Ja, die russische Reaktion wüte jetzt ebenso wie früher. „Was tat denn," so heißt es u. a. wörtlich, „Rußland gleich nach der Einnahme Lembergs? Nach einigem Schwanken erklärte das offizielle Regierungsorgan „Russkj Invalid", daß Gleichheit für die Juden eine leere Phantasie sei." Dieses russisch-sozialdemokratische Schreiben, das ebenfalls in dem schwedischen Blatte „Sozial- Dcinokraten" abgedruckt war (Oktober 1914). weist sodann auf die verhängnisvolle Stärkung hin, die der Zarismus durch den Krieg erlangt habe/ und auf die Notwendigkeit, die innere russische Politik energisch zu bekämpfen. Wörtlich heißt es: „Es muß den Arbeitern Europas eine Ehrensache sein, unaufhörlich auf unmittelbare Einführung des Organisationsrechtes in Rußland, auf vollständige Amnestie für politische Gefangene, aus Gleichheit der I u d e n in staatsbürgerlicher Hinsicht zu dringen." Das Schreiben schließt mit den vielsagenden Worten, daß, falls Deutschland wirklich eine ernste Gefahr drohen sollte, die Sozialdemokraten aller Länder es als ihre Pflicht ansehen müßten, dieses Land, zu dessen Arbeiterbewegung die russische Sozialdemokratie immer „in einer besonderen Atmosphäre der Liebe" gestanden habe, vor Erniedrigungen zu bewahren. Diese wenigen Parallelen mögen beweisen, wie anregend die kriegspsychologischen Beobachtungen und Gegenüberstellungen des Buches „Krieg und Kultur" .sind. Jedenfalls hat der ebenso unerschrockene wie geistreiche Verfasser des Werkes, Professor Steffen in Stockholm, dem jetzt so viel geschmähten Deutschtum ebenso gerecht zu werden gewußt wie unseren in Rußland schmachtenden Glaubensbrüdern,! Dir Woche. Berlin, den 24. April 1917. ent furchtbaren Ansturm der Engländer ist ein nich! minder starker der Franzosen gefolgt. Auch er hat wie jener sehr schwere Opfer gekostet, wie der amtliche Be richt unserer Heeresleitung verkündet und wie noch deutlicher in den Mitteilungen der Feinde zu lesen ist. Aber er hat auch dem Gegner die schrecklichsten Verluste zugefügt und, wcn> die Hauptsache ist, der Durchbruch, auf den dir Gegner sicher rechneten, ist nicht erfolgt. Cb diese Anstürme die Anfänge noch gefährlicherer Angriffebedeuten. ob sie die letzten Anstrengungen darstellen, wer will es wissen. Trotz dieses entsetzlichen Blutvergießens wollen die Gerüchtc von Friedensbestvebungen nicht enden. Sicher sind die sozialistischen Parteien aller Länder am Werke, eine Verständi gung herbeizuführen; wahrscheinlich ist, daß bei der tiefen Friedenssehnsucht und bei dem entschiedenen Friedensbedürfnn aller Völker eine Verwirklichung dieses Verlangens nicht immöglich ist; das Vertrauen auf unserer Seite ist nach wie vor groß. Die Annektionsgelüste unserer Feinde sind völlig verstummt, und es scheint so, als wenn sie sich damit begnügen wollten, den Zustand vor dem Kriege herbeizuführen. Dm würde freilich keinen Gewinn weder für uns noch für die Gegner bedeuten, imb damit würde ein Zustand gefestigt, der keinerlei Garantien für die Zukunft bietet. In den letzten Tagen waren sehr bestimmte Gerüchte verbreitet, daß Rußland einen Waffenstillstand nachgesucht habe, bisher jedoch haben sich diese Gerüchte nicht bewahrheitet. Gegenüber solchen Meldungen, die Hoffnungen erwecken, dir sich ja leider nicht erfüllen, kann von einem glänzenden Friedenssiege berichtet werden. Dies ist der glänzende Erfolg der letzten Kriegsanleihe. Darüber ist folgendes zu melden: Das Ergebnis der sechsten Kriegsanleihe beträgt nach den bis jei;' vorliegenden Meldungen ohne die zum Umtausch angemeldeten älteren Kriegsanleihen 12 770 000 000 Mark. Kleine Teilanzeigen stehen iuxu ans. Ueberdies sind die Zeichnungen der Feldtruppen, für welche di. Zeichnungsfrist erst im Mai abläuft, in der Summe nur zum Teil enthalten. Schon jetzt steht außer Zweifel, daß durch' die Gesaun Zeichnungen auf alle sechs Kriegsanleihen die Summe von? 60 Milliarden überschritten wird. Was niemand für mönndj gehalten hätte, ist ein getroffen: das Ergebnis der bisher erfolgreichsten dritten Kriegsanleihe ist um 700 Millionen geschlagen. Diese gewaltige Kraftänßernng er bringt den klaren Beweis dafür, wie ungebrochen Deutschland auai auf wirtschaftlichen! Gebiet nach fast drei Kriegsjahren dasteht. Sie legt zugleich ein glänzendes Zeugnis ab für die unerschütterliche Em schlossenheil des deutschen Volkes, den Krieg siegreich dnrchzuführen. und für seine sichere Zuversicht auf emen vollen Erfolg. Wie wir hören, sind bei dem großartigen Ergebnis der sechsten Kriegsanleihe die Zeichnungen von Heer und Marine in weit höhere'.!, Maße wie bei früheren Anleihen beteiligt. Schon jetzt sind an nähernd 400 Millionen Zeichnungen von Heeresangehörigen gemeldei. die in der bekanntgegebenen Summe von 12,770 Milliarden enthalten sind. Mit kleinen und kleinsten Beträgen (unter 100 Mark) haben siäi bis jetzt annähernd 4 Millionen unserer Feldgrauen beteiligt. Turli die Feldzeichnungen bis zu 10 000 Mark, für die die Zeichlnmgsfrm bis zum 16. Mai läuft, wird das Endergebnis der Anleihe noch eine weitere Erhöhung erfahren. Dieser Erfolg ist der größte, der bisher bei eiltet Anleihe erreicht worden ist, wie man aus der nachstehenden Zusammen stellung ersieht: Erste Kriegsanleihe . .. 4 480 Millionen Mark .... 9106 .... 12160 .... 10768 J .... 10699 . . . . 12 770 _ olizgesamt 59 986 Millionen Mart Zweite Dritte Vierte Fünfte Sechste