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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-27 · Heft 17 (27.4.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 17 Allgemeine Berlin, 27. April 1917 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements«PueTs: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere verrriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 ITT. — Postscheckkonto 32*. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats profeffor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin» Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße *6-*9, zu richten. Verlag von Rudolf rNofse, Berlin. Krieg und Kultur. Von E. Gut (Frankfurt ci. M.). — Ä *"^**" » — Tie Woche. — Direktor Adolf Peritz, Königsberg i. Pr. Zu seinem 25 jährigen Arntsjubiläum. Bon Obersekretär I. Rosenthal -(Königsberg i. Pr.). — Moritz Neuda. Don I. Günzig (Loschitz). — — Notizen über Juden aus dem Briefwechsel zwischen Varnhagen und seiner Schwester sowie aus verwandten Quellen. Von Ludwig Geiger. Der deutsche Jude und die Landwirtschaft. Von Dr. W. C. — Feuilleton: Ein Purimspiel mit Hindernissen. Humoreske von M. Pulvermann. — Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna G o l d s ch m i d t. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Ter Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Magdeburg. Nürnberg, Koblenz, Marburg. Brüssel, Warschau, Moskau.— Von Nah und Fern. Krieg und Kultur. Bon Gut (Frankfurt a. M.) er so mutig seine Deutschsreundlichkeit bekennende schwedische Gelehrte G u st n v F. S t e f f e n hat in seinem Buche „Krieg und Kultur. So zi alpsy ch o - logische Dokumente und Beobachtungen zum Weltkriege" bewiesen, daß er sich im Wirrwarr der Tagesmeinungen ein besonnenes Urteil bewahrt hat. Das genannte Buch bringt zahlreiche Meinungsäußerungen uns feindlich gesinnter hervorragender Ausländer und Presseauslassungen gegnerischer Blätter. Als Parallelen dazu gibt Steffen jeweils 'eine eigenen Ansichten und seine persönliche Stellungnahme kund. Für die Leser dieses Blattes mag es von Interesse sein;u erfahren, inwieweit die Judenfrage hierbei gestreift u'ird- Wie man weiß, hat ein Teil der englischen Presse Rußland reinzuwaschen gesucht: kiu8sia is not so black as it is painted. Tie „Times" haben in zahlreichen Artikeln die moskowitische Kultur verteidigt. So schreibt Professor Mnogradofs in einem Aussatz vom 14. September 1914 in diesem Blatte: „Die Teutschen rechneten mit dem Bruderkriege zwischen Polen und Bussen, rechneten mit der feindlichen Gesinnung der Juden, mit den Sympathien der Mohammedaner für die Türkei. Sie mußten zu spät lernen, daß die Juden sich für das Land erhoben, wo ihre Heimwesen stehen, und daß die Besten unter ihnen nicht glauben wollen, daß Rußland ihnen das Maß an Gerechtigkeit verweigern werde, welche die Führer des russischen 'Geisteslebens ihnen schon lange als Recht zuerkannt haben." — Zu diesen Ausführungen des englischen Blattes meint Prozessor Steffen, man möge uns doch erst einmal die soziale und kulturelle Ordnung in Rußland erleben und beobn ch t e n lassen, ehe man von uns fordere, an sie zu g l a n b e n. >5r sagt wörtlich: „Ich hoffe aufrichtig, daß das Mündigwerden es mit sich bringen werde, daß Rußlands Gefängnisse auflivren, von politischen Gefangenen übervölkert zu sein, und daß die russischen Behörden aufhören, die Tortur gegen diese inzuwenden, sowie auch, daß Rußlands freidenkende Jugend und Intelligenz nicht länger massenweise als Zwangsarbeiter und Strafgefangene nach Sibirien geschickt und die in Wahrheit barbarischen Judenverfolgungen eingestellt werden. Hat Professor Winogradofs vielleicht vergessen nachzurechnen, wie lange das „barbarische" Deutschland von solchen Formen alter, allgemeinmenschlicher, universell-mittelalterlicher Barbarei frei ist?"- Als zweites Beispiel sei ein Artikel der „Daily Chronicle" vom 17. September angeführt, worin Rußlands kulturelle Fortschritte des letzten Jahrzehnts gewürdigt werden. Es sei zweifelhaft, heißt es da, ob in irgendeinem anderen Lande in Europa solche Reformen im öffentlichen Unterrichte, der Justiz, des Antialkoholismus durchgeführt worden seien. Zwar müsse zugegeben werden, daß viel verloren gegangener Boden zurückzugewinnen war, auch daß öfters Verschwörungen an dem einen Orte zu Pogromen an anderen Stellen geführt hätten. Aber der russische Geist sei durch und durch gut. „Ich glaube," so fährt der englische Lobredner Rußlands fort, „daß wir in der Stunde unseres Sieges die Eigenschaften werden in Rußland finden können, deren man ain meisten bedarf, nämlich eine wirklich religiöse Sanftmut und eine ungekünstelte, heroische Hochherzigkeit." Hierzu meint der schwedische Gelehrte, daß dies alles zwar schön, wünschenswert und optimistisch, aber verzweifelt weit von den Realitäten entfernt sei. Ueberhaupt wendet er sich gegen die verschwommenen Begriffe einzelner ästhetisch-religiös schwärmenden Engländer, die in der Unberührtheit der russischen Bauernseele so etwas wie echten, mittelalterlichen Mystizismus, „eine grüne Oase echter Primitivität inmitten des entsetzlich grauen Realismus des modernen Lebens" erblicken. — Als ein weiteres Beispiel ähnlicher Gedankengänge wird ein Ausfall im „Spectator" vom Oktober vorigen Jahres angeführt. Darin heißt es, „P ölen u n d I u den hätten zwar in den grauenhaften russischen Gefängnissen schwer gelitten, aber alle diese Leiden würden durch die Gutmütigkeit des russischen Volkscharakters gemildert. Oft sitze der Gefangene mit dem Wärter Zigaretten rauchend zusammen, anstatt von ihm gefoltert zu werden. Ueberhaupt würden Menschen, die ein gutes Herz hätten, schon nach und nach das Rechte tun, und man sei zu dem Glauben berechtigt, daß Förderung des russischen Geistes dasselbe sei wie Förderung der Freiheit." Zu diesen Ausführungen sagt Stessen, daß er an den Ernst solcher Auffassungen überhaupt nicht glauben könne. Wenn die Russen wirklich Idealisten und Freunde der Freiheit seien, mögen sie doch ihre Ideale in ihrem Lande erst einmal verwirklichen. Und nun reproduziert er als Gegenstück zu dem Spectatvr-Artikel einen Aufsatz, der — recht bezeichnend — in einer Novembe'rnummer der Bukarefter Zeitung „Seara" erschien. Dort heißt es u. a. „Entfernt die Knute, die in blutiger Schrift das Merkzeichen des Despotismus auf dem Rücken des russischen Volkes einzeichnet, beseitigt die Galgen, an welchen so viel denkende Köpfe ihren letzten Seufzer aus-

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