Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 16 Berlin,?ü. April 1917 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemelnen Leitung de^ Judentums". Lorrrlpondm?kn und Aschrichten. Deutschland. E. M. Berlin, 17. April. DerVerband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in P a l ä st i n a hielt unter der Leitung t on Frau Dr. Otto W a r b u r g seine diesjährige Generalversauunlung ab. Alls dem von der Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ging hervor, daß sich der Verein im verflossenen Jahre befriedigend entwickelt und besonders in Deutschland zahlreiche Mitglieder gewonnen hat. Der Absatz der in den Spitzenateliers hergestellten Spitzen hat über 20 700 Mark ergeben gegenüber 6000 Mark im Vorjahre und damit auch das Resultat des Jahres 1913 überholt. Die Spitzen werden in den Werkstätten des Verbandes in Jaffa und Saffed sowie von Heimarbeiterinnen in Jerusalem hergestellt. Die Zahl der Arbeiterinnen ist im ständigen Wachsen; in einzelnen Monaten sind bis 10 000 Francs an Löhnen bezahlt. Die vom Kultnrvcrband begründete und erhaltene landwirtschaftliche Farm Kinereth am Tiberiassee, die für die Ausbildung von Mädchen in Garten^r. Viehhaltung, Geflügelzucht und Haushaltung sorgt, hat sich ebenfalls während des Krieges gut bewährt. Sie zählt gegenwärtig 14 Zöglinge und umfaßt 70 Dunam bewässerbares Land. Die ausgebUdeten Mädchen finden gute " Arbeitsgelegenheit. So hat z. B. die Kolonie Petach-Tikwoh einige frühere Schülerinnen zur Versorgung der dortigen Arbeiteetüche, des Arbeitcrhauses imb zum Gemüsebau für die Küche angestellt. Trotz der schweren Bedingungen, unter denen die Mädchen dort leben mußten, loa reu ihre Leistungen w zufriedenstellend, daß das Arbeiterkomitee geneigt ist, die Zahl der angestellten Mädchen wesentlich 31t erhöhen und ihnen bessere Lebensbidingungen zu gewähren. Durch den Ausfall von Mitgliederbeiträgen, durch die großen Kursverluste, durch die allgemeine Teuerung im Lande, zu der noch allerhand Schaden auf der Farm durch Heuschrecken, Ueberschwemmung und heiße Winde hinzukommen, sind die Mittel des Verbandes sehr erschöpft, so daß eine lebhaftere Werbetätigkeit erfolgen soll. Bei den am Schluß der Versammlung vorgenommenen Wahlen lrurden Frau Professor Dr. Marburg und Frau Rabbiner Dr. Esche l b n ch e r als Vorsitzende wieder gewählt. fe jfr Berlin, 17. April. Am Sonntag, 15. d. M., fand auf dem Friedhofe in Weißensee unter außergewöhnlich großer Beteiligung die Beerdigung des im 55. Lebensjahre verstorbenen Kaufmanns und Königs. Handelsrichters Siegfried Sachs statt. Ter Heimgegangene war der Inhaber der großen Lederfirma Sachs, Brauer und Co. Er spielte in den kommunalpolitischen Kreisen des Stadtteils Moabit und im Hansabezirk eine ausschlaggebende Rolle. Die alte Gebethalle, in der die Trauerseier stattfand, vermochte die Zahl der Leidtragenden nicht zu fassen. Neben Abordnungen der kommunalen Bezirksvereine und der liberalen Wahlorganisationen des Nordwestens befanden sich in der Trauerversanunlung zahlreiche Stadtverordnete mit ihren Amtsketten und viele prominente Persönlichkeiten der Handelswelt; auch die Vertreter zahlreicher jüdischer Vereine, denen der Verstorbene angehörte, waren anwesend. Nach einem einleitenden Gesang, den der Chor der Synagoge Lindenstraße vortrug, hielt Gemeinderabbiner Tr. Bergmann die Gedächtnisrede, in der er das stille, wohltätige Wirken des Verstorbenen pries und hervorhob, wie die Liebe zum Judentum und die Sorge um das Wohl der Vaterstadt alle seine Handlungen bestimmte. Nach der Predigt sang auf testamentarische Anordnung des Toten Oberkantor Magnus Davids v h n von der Synagoge Fasanenstraße des El-mole-rachaminl-Gebet. Nach den rituellen Gebeten und einem weiteren Liede des Chores der Synagoge Lindenstraße wurde der blumenbedeckte Sarg zur Gruft getragen. M. F. Berlin, 17. April. Die Bibel hat die Maler aller Völker bis auf Raffael und Rembraudl zu wahren Perlen der Kunst an a l t b i b l i s ch e n Bildern begeistert, die in ihrer Einfachheit zu allen Zeiten groß und inhaltvoll finb, bei mancher an eine Heldenepopöe gemahnenden Episode unserer Zeit aber schon durch, die Erinnerung an die Kindheit und Jugend der Menschheit sowie durch die biblischen Zukunftshoffnungen tröstlich und erhebend wirken. In einer Zeit wie der Gegenwart, da die Söhne Jsmaels unter derselben heiligen Fahne des Völkerringens kämpfen wie viele Söhne Jakobs, darf man daran erinnern, daß die Sohne Jsmaels, so wie wir dieselben heute sehen, ihren vor mehr als 4000 Jahren die arabische Wüste durchziehenden Vorfahren in ihrer äußeren Erscheinung ebensowenig bis zur Unkenntlichkeit unähnlich geworden sind, wie dies in bezug aus viele ihrer Sitten der Fall gewesen ist. Man darf aber bezüglich der Auffassung in der Behandlung von biblischen Stoffen nicht so weit gehen, wie seinerzeit der französische Orientmaler Hvrace Vernet, der zugleich der Maler des für die Russen unglücklich verlaufenen Krimkrieges war und feine etwas kühnen Kenntnisse auf dem Felde der althebräischen Ethno» graphie in einer Schrift niedergelegt hat, welche den Titel führt: lieber die Aehnlichkeit des althebräischen Kostüms und desjenigen der Araber der Jetztzeit". In seinen nach dem Urteil der Fachkritik allzu genrehaft aufgesaßten altbiblischen Bildern „Joseph wird von seinen Brüdern verkauft", „Elieser und Rebekka am Brunnen" usw. hat Vernet nicht nur das Gewand der heutigen Beduinen und ihrer Vorväter auch den Kindern unserer Stammväter verliehen, sondern er sagt in seiner von kühner Phantasie belebten bibeleregetischen obengenarmten Schrift geradezu: „Das patriarchalisch-biblische Gewand der Juden ist mit demjenigen der Beduinen unserer Zeit geradezu/identisch" . . . Weit gefehlt! Nach dem ausdrücklichen Bericht der Bibel war das Gewand und Kostüm usw. der Juden von dem der Jsmaeliter zu Josephs Zeit verschieden. Es wird mehrfach besonders angemerkt, daß die Jsmaeliter z. B. „goldene Armspaugen" kragen, das Siegel der heidnischen Götter an ihrer Hand, also Talismane, welche den Inden verboten waren. Es wird in der Bibel auch von Turbanen gesprochen, welche die in Kedars Hütten Wohnenden (die Zeltbewohner der Wüste) um den Kopf trugen mrd die nach dem Worte des Propheten hinweggenommen werden sollten; . . Noch seltsamer als in bezrrg ans die Kleidertracht der Juden ist die Behauptung des französischen Malers, daß die Israeliten zumeist ihr Haupt rasiert hätten, gleich den heutigen islamitischen Orientalen, wobei er sich ans die Nasiräer bezieht, denen kein „Schermesser" auf das Haupt kommen durfte. Und da Schermesser von der Sorbonne durch „Rasoir" gegeben wird, so sollen alle, außer den Nasiräern, rasiert worden sein . . . Raffael war doch gewiß größer als Verrück, rmd ihm ist es auch gelungen, den geistigen rmd Gefühlsinhalt einer Reihe von biblischen Geschichten so von allen Kostümbesonderheiten frei darzustellen, daß seine sogenannte Bibel, seine Patriarchen, Kartons usw. eilt ewiges Muster einer geläuterten, idealen Behandlung biblischer Erzählungen durch die Malerei ebenso bleiben werden, wie sie es seit Jahrhunderten gewesen sind. &&& Berlin, 17. April. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kammergerichtsreferen-dar Unteroffizier Albert Eman n e l, Bizefeldwebel Kurt P 0 s n e r . Erich M a r k i e w i c z, Mitinhaber der Berliner Möbelfirma M. Markiewicz, Unteroffizier und Offiziersaspirant Kurt Adler, Arzt Dr. Walter Fröhlich, cand. jur. Carl K atzenstein , Bizefeldwebel Paul Chapp, Sohn der Witwe Frau Elfriede Chapp, Unteroffizier Siegfried S ch l e - s i n g e r , Louis Sali n g e r , Tr. med. James L i P P m a n n , Unteroffizier Hans S e g-a l l, Gefreiter Hugo Z i m m t, Sohn des Herrn A. Zimmt, Alte-naer Straße 17 (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: I. P e r l i s (Königsberg i. Pr.), Arthur P ietrk 0 w s k i (Jarotschi.n), Gefreiter Leo M 0 r a w s k i (Marienburg), Unteroffizier Franz N e u b e r g e r (Kreuznach), Unteroffizier Mar Nc i ch ael i s , Bizefeldwebel Gustav H a b erk 0 r n (Leipzig), Rechtsanwalt Dr. He.ckscher, Feldarzt Tr. Siegfried Baruch (Hamburg), Musketier Meyer Hof (Hannover), Gefreiter Sally Nt e n de l s 0 h n , Musketier Georg K a c z i. n s k i (Hohensalza), Unteroffizier Assessor Max L e n n e b erg (Attendorn i. W.), Assistenzarzt Tr. Richard Fleischer (Bayreuth), Gefreiter stuck, matll. Paul Luft (Freiberg i. S.), Veterinär Dr. Wi nd mülle r (Hamm i. W.), Landsturmmann Albert Herzog (Illingen), Landsturmmann Max Nußbaum (Neunkirchen), Zahlmeisterstellvertreter Max Weil (Mannheim), Leutnant d. N. Karl Nies (Karlsruhe), Martin G 0 l s ch i e n e r , Alfred I n lins b e r g , Tr. Hans