Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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187 itc Delegiertenversammtung wird ferner die Frage der Einberufung « eines allgemeinen Kongresses der russischen Juden lösen. Die bevorstehende Delegiertenversammlung ist insofern von großem Interesse, als der Bund einerseits seit Anbeginn ein ausgesprochener Gegner der Kadetten und somit auch der derzeitigen kadettischen Regierung gewesen und anderseits sich aller Wahrscheinlichkeit nach gegen die Fortsetzung des Krieges aussprechen dürfte. Wie groß die derzeitige « -tnzahl der Bundisten ist, läßt sich schwer feststellen. Im Jahre 1905 j wurde die Anzahl auf weit über zwei Millionen bewertet.! * Endlich ist darauf hinzuweisen, daß auch inRurnänien! ein neuer Geist sich zu regen beginnt; wenigstens geht dies aus > >?iner Meldung der „Frankfurter Zeitung" hervor, die folgenden Wortlaut hat: Die Judenfrage in Rumänien. H trag, 7. April. (Priv.-Tel.) Die „Morning Post" meldet »us Jassy, daß sich die Judenfrage in Rumänien der Regelung zu i uähern scheine. Die Regierung in Jassy chlag-e vor, den ,'U-den vollständige s-olitische und bürgerliche Freiheit zu verleihen. Die russische Revolution und die Bewegung der Juden in Arnevifa zugunsten der vi II Hexten haben in »iumänien eine ^roße Rückwirkung gehabt. So hat der Weltkrieg doch eine erfreuliche Folge, daß die Juden auch in den Ländern, in denen sie bisher iit rechtswidriger Gleise behandelt mtb in grausamucr Art unterdrückt wurden, eure neue Epoche erleben. Hoffentlich bleibt es hier nicht bei bloßen Verheißungen, sondern es kommt zur Durchführung der gegebenen Versprechungen. Dessen würden wir uns aufrichtig freuen, «damit begänne eine neue Epoche in der beschichte der Juden. Mischt jfkldsrrlsorgk sn drr Ison?osront. U. r. Albert Schweiger, Rabbiner in Kremsier in Mähren, seit Kriegsbeginn im Felde, einer Infanteriedivision zugeteilt, als solcher VA Jahre an der russischen Uront, dekoriert mit dem goldenen Vevdienstkreuz mit der ---rone am Bande der Tapserkeitsmedaille und mit dem Ehrenzeichen zweiter Klasse, vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration, seit ungefähr einem Jahr an der italienischen Front, erhielt für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem lieinde als dritte Dekoration das Ritterkreuz des Franz-Josef- Lrdens mit der Kriegsdekoration. Feldrabbiner Dr. Majer Tauber, in Friedenszeiten Religionsprofessor in Lemberg, feit Februar 1915 im Felde, zunächst mit einer Heeresdivision an der russischen, dann an der italienischen Front, gegenwärtig organisatorisch sehr verdienstvoll tätig als Leiter der jüdischen Seelsorge der Jsonzoarmee, der außer ihm noch elf Feldrabbiner und z w e i S n b - sidiarseelsorger zugeteilt sind, im vorigen Jahre für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Haiwri. Organisation Milcher Wohltätigkeit. Von Bureauvorsteher Nathan Cohn (Charlottenburg). as ständige Organisationsbedürfnis hat auf dem Gebiete der jüdischen Wohltätigkeitspflege schon viel des Guten gezeitigt, doch ist es fraglos, daß noch gar manches der Verbesserung bedürftig ist, und daher darf man niemals rasten. Denn auch hier gilt der Grundsatz: Das Bessere ist des Guten Feind. In einer Vertreterversammlung der jüdischen Wohltätigkeitsvercine wurde neulich von autoritativer Seite als äußerstes Organisationsziel die Einrichtung eines „Wohlfahrtsamtes" unter Leitungeines Berussboamten bezeichnet. Wenn wir auch von diesem Ziele noch recht meit entfernt sind, so ist der Gedanke zweifellos ei.n großzügiger zu nennen. Es wird mit Recht darüber geklagt, daß es noch eine ganze Reihe jüdischer Wohltätigkeitsvereine in unserer Gemeinde gebe, die, ohne eigentliche Z w e ck b e - st im m u n g, nebeneinander einhergehen und somit den Bedürftigen wenig Nutzen oder doch nicht den Nutzen bringen, den. sie bei einem organisatorischen Zusammenschluß bringen könnten. Viele der kleineren Vereine gerade sträuben sich gegen diesen Zusammenschluß, weil sie fürchten, dadurch ihrer Selbstständigkeit beraubt zu werden. Auch hier werden sicher mit der Zeit noch andere Anschauungen Platz greisen. Viele, ja die meisten dieser Vereine leiden aber noch an einem anderen Mangel, den schnellstens zu beseitigen ganz im Interesse der einzelnen Vereine liegt. Diesen Vereinen wird der Blick für die Organisation dadurch getrübt, daß sie in unangebrachter Sparsamkeit die Vorarbeiten, die für die Erledigung der Gesuche nun einmal erforderlich sind, von Mitgliedern ihrer Vorstände und nicht von sachkundiger Seite berufsmäßig erledigenlassen. Nun kann allerdings nicht jeder WvhMtigkeitsverein sich sein eigenes Bureau halten, aber viele Vereine können sich, wie dies schon, seit Jahren angestrebt wird, zu einer Bureaugemeinschast vereinigen. Sie werden die drückende Last der Vorarbeiten für ein Billiges los und können sich den wirklich sozialen Ausgaben mit größerer Aufmerksamkeit und Hingabe widmen als bisher. Ein gutes Beispiel für diese Bureangemeins-chast besteht übrigens seit mehr als einem Jahrzehnt. Diese Bureaugemeinschaft ist zwar nicht GemeindeiN'stitut, übt aber dennoch im II. Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde ihre ersprießliche Tätigkeit aus. Eine Anzahl der angesehensten Vereine ist damals zu dieser Bureaugemeinschast Zusammengetreten. Ein Ausbau dieses Systems würde ganz besonders den kleineren Vereinen sehr Zugute kommen und ist daher auf das entschiedenste anzustreben. Besuch des Feldrabbiners Dr. Tauber im Schützengraben bei einem galizifchen Regiment. ML. PK*> AM?