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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-20 · Heft 16 (20.4.1917) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 16 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 bisher an Männern nie gefehlt, die sich der Gemeindeverwaltung zur Verfügung gestellt haben. Schied der eine aus, so war bald ein anderer da, der seine Stelle einnahm. Aber es gibt doch noch eine große Anzahl von Glaubensgenossen, die die Teilnahme am Gottesdienst, die Mitwirkung bei der Gemeindeverwaltung und bei den allgemeinen jüdischen Angelegenheiten für nicht notwendig erachten und sich höchstens entrüsten, wenn bei einer Beerdigung nicht alles nach ihrem Wunsche geht. Diese werden ihren Sinn ändern müssen. Sie werden einsehen lernen müsien, daß nur in der Gemeinsamkeit und der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit das Heil und die Zukunft liegen. Die Zeiten sind vorbei, in denen der einzelne glauben durfte, daß es für ihn besser sei, wenn er nicht als ein Mitglied der Gemeinde erkannt wird. Man frage unsere Krieger, die mit ihrem Blute im Schützengraben das deutsche Vaterland verteidigt haben und noch verteidigen, man frage insbesondere die Feldrabbiner, wie die Stellung der Juden draußen gewesen ist, und die weit überwiegende Mehrzahl wird antworten, daß jeder Jude, der sich als solcher bekannt hat und sich nicht scheute, sein Judentum zu vertreten, daß nur dieser Anerkennung und Freundschaft gefunden, daß diejenigen aber. die sich scheuten, ihr Judentum zum Ausdruck zu bringen, bei jeder Gelegenheit unter dieser Zwiesvältigkeit zu leiden hatten. Und so wie draußen, so ist es in der Heimat. Gin jeder bekenne sich öffentlich zu seinem Judentum. Er wird dann immer Anerkennung bei den Andersgläubigen finden. Dazu gehört aber auch, daß er sich nickt selbst über sich als Juden lächerlich macht, daß er nicht teilnimmt an der Verbreitung sogenannter Scherze über Inden, die nur geeignet und, sie als Juden herabzusetzen, daß er sich fern hält von Theaterstücken und Kinoaufführungen, die unter dem Vvraeben, jüdische Sitten zu schildern, Juden und Judentum verhöhnen. Eine solche Selbstzucht kann nur die Gemeinschaft iestigen. Bedarf es so eines innigen Zusainmenhaltcns, um dem äußeren Feind in fester Abwehr standzuhalten und diejenigen liechte durchzusetzen, die den Juden nach Verfassung ilnd Gesetz Gebühren. so muß andererseits verlangt werden, daß jede echte Parteirichtung sich auf sich selbst besinnt, und das, was sie für erstrebenswert hält, auch ins Leben nmzusetzen sich bemüht, ahne Angriff auf die anderen Parteien, ohne Feindschaft gegen sie und ohne häßliche Ausartung der Gegegensätze. Aber jeder umß seiner Anschauung treu bleiben. Im ehrlichen, anständigen Vorgehen mag jede Partei das für richtig erkannte durchzusetzen suchen. Was nützt die „neutrale" Stellungnahme? Wozu dient die Mischmaschpolitik? Sie hat bisher oie merkwürdigsten Blüten getrieben. Liberale Synagogen haben konservative Vorsteher erhalten, eine orthodoxe Schule 'mit zum Teil christlichen Lehrern) hat liberale Kuratoriumsnitgliederl Glaubt man dadurch zur Einigkeit zu gelangen, daß man den Gegner unterstützt? Glaubt man dadurch die erwachsenen jungen Leute zu charakterfesten Menschen und Huden zu erziehen, daß man sie ins „neutrale" Fahrwasser 'eitet? Glaubt man, daß unsere im Felde gereiften Krieger 'ich nicht zu einer festen Ansicht auch ans dem Gebiete der Re- Hgionsübung durchgeruugen haben? Ehrliche Ansichten ehrlich vertreten, nicht aus Rücksicht auf einen faulen Frieden mit der Durchführung seiner Ansicht zögern, andere Meinungen achten, aher die eigene durchsetzen — das scheint ein notwendiges Gebot zu sein auch für die Neuorientierung. Die Woche. B e r l i n, den 17. April 1917. chwere und heiße Kämpfe im Westen hat die vergangene Berichtswoche gebracht. Das Erfreuliche daran ist, daß ein mit furchtbaren, selbst in diesem entsetzlichen Kriege ganz ungewöhnlichen Mitteln und erbittertster Hartnäckigkeit geführter Angriff der Engländer und Franzosen den geplanten und erhofften Durchbruch nicht erzwungen hat; das Betrübende ist, daß, wie aus den amtlichen deutschen Quellen hervorgeht, manche Abteilungen abgeschnitten worden sind (der englische Heeresbericht spricht wohl übertreibend von vielen tausenden Gefangenen). Jedenfalls ist bisher (denn die Schlacht, bei der die gesamte englische Armee eingesetzt worden ist, tobt noch immer weiter) das Ziel der Feinde nicht erreicht; im Gegenteil haben einzelne deutsche Vorstöße uns manche Vorteile verschafft, und große Reserven stehen uns zur Verfügung, um Gegenstöße unschädlich zu machen. Die tl-Boot-Beute, die für den März aber noch nicht ganz endgültig festgestellt ist, beträgt über 861000 Tonnen. Das ist eine ganz ungeheure Zahl, wenn man bedenkt, daß der Frachtenraum, der den englischen Verkehr des Monats Januar besorgte, kaum 9K> Millionen betrug, so daß die Verluste der Gegner während der Monate Februar und März etwa ein Siebentel dieses ganzen Umfangs bedeuten. Die Folge dieser ungeheuren Verluste machen sich in England sehr bemerkbar, wo Teuerring und Knappheit der Lebensnrittel ihren Einzug gehalten haben und zu sehr bedenklichen, für uns nur erfreulichen Folgen führen können. Die Zahl unserer Feinde hat sich wiederum vermehrt; auch Kuba, Brasilien, Panama sind zu rmseren Feinden übergegangen. Trotzdem wollen Fri^densgerttchte nicht verstummen; es verlautet, daß sogar mit England Verhandlungen begonnen worden sind, und offizielle Erklärungen der russischen Minister sprechen nicht mehr so hochmütig wie früher von einer Niederwerfung der Feinde, von einer Einnahme Konstantinopels, predigen aber weiter den heiligen Krieg und die intakte Bewahrung des eigentlichen Rußlands. So ist leider eine wirkliche Aussicht auf eineu baldigen Frieden noch nicht vorhanden. Was die Verhältnisse der Inden in Deutschland u n d a n d c r w ä r t Z betrifft, so ist folgendes zu melden. Aus Metz wird uns geschrieben: „Ein Akt größten Entgegenkommens der Militärverwaltung jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen gegenüber verdient allgemein bekannt zu werden: In der großen Garnisonstadt Metz, dort all der äußersten Grenzwacht im Westen, wurde auf Antrag des dortigen Oberrabbiners zwecks Erleichterung der rituellen Verpflegung jüdischer Patienten an den Pessachfeiertagen, die auf mehr als 20 Lazarette verteilten Israeliten in ein Lazarett zusammenzulegen, seitens des ersten Garnisonarztes Generaloberorzt Dr. Drenkhahn das Lazarett „Kriegsschule" zur Verfügung gestellt und ein besonderes Lokal bereit gehalten. Doch noch weiter ging das hochherzige Verhalten, das sicher kaum noch vorgekommen sein dürfte. Die Kriegsschule stellte eine besondere Küche bereit mit jüdischem Personal, selbst die Kosten für die erforderlichen Neuanschaffungen nicht scheuend, auf daß alle Zubereitungen streng nach Vorschrift vor sich gingen. Ein Sederabend wird veranstaltet, für den die Teilnahme von etwa 30 jüdischen Patienten zu erwarten ist. Auch das ist ein Bild aus dem Kriege, das festgehalten zu werden verdient und sich so vorteilhaft abhebt von manch betrübender Erscheinung, die während des Krieges dem deutschen Judentum nicht erspart worden ist." Ferner erhalten wir von Herrn Rabbiner Dr. Josephs o h n in Posen Mitteilllng von einer Ausführung, die der Wirkliche Geheimrat Professor Dr. Weiß in Berlin im Märzhest der „Deutschen Revue" in einem Artikel „Jesus und Paulus" veröffentlicht hat, in denen der hohe Wert der jüdischen Religion neidlos anerkannt und ihre erhabenen Lehren voll und ganz gewürdigt werden. In diesen Ausführungen heißt es: „Web

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