Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1917)
- Date
- 1917-04-13
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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geliefertdaß außerdem in denr sehr großen Garten ein Spieluitb Turnplatz angelegt werden solle. Die zahlreiche Versammlung begrüßte mit großer Freude und regem Interesse das Angebot. Auf den Wunsch des Rabbiners meldeten sich sogleich 10 junge Damen als Helferinnen, und ebenso äußerte Frau Stadtrat Schreyer, die Leiterin des interkonfessionellen Kinderhortes, ihre Bereitwilligkeit, die Oberleitung auch des jüdischen Kinderhortes zu übernehmen. Es ist zunächst auf die Teilnahme von 100 Kindern zu rechnen. M. Hamburg, 6 April. Von der großen Beliebtheit, deren sich in den weitesten hiesigen jüdischen Kreisen der nach Berlin berufene bisherige Rabbiner an der Neuen Dammtor - Synagoge, Herr Dr. L o e w e n t h a l, erfreute, legten die ihm bei seinem Abschied dargebrachten Ehrungen ein für den Gefeierten höchst ehrenvolles Zeugnis ab. Sie bekundeten die lebhaften Sympathien, die sich der scheidende Geistliche während seiner mehr als dreizehnjährigen Amtstätigkeit erworben hat. Die Henry - Jones - Loge, deren ehemaliger Präsident Herr Dr. Loewenthal war, hatte ihm zu Ehren eine Festsitzung mit darauffolgendem Liebesmahl veranstaltet, bei welcher Gelegenheit ihm eine künstlerisch ausgestattete Adresse mit einem Ehrengeschenk überreicht wurde. Zu einer weiteren Abschiedsfeier begab sich der gesamte Vorstand und die Repräsentanten in die Wohnung des Geistlichen, um, unter Ueberreichung eines kostbaren Ehrengeschenkes, durch den Mund des Herrn Martin F r ä n k e l, des Vorsitzenden des Vorstandes, und Louis D a v i d, des Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums, die großen Verdienste Dr. Loewenthals während seiner Amtsdauer rühmend zu würdigen, den schmerzlichen Empfindungen über seinen Weggang Ausdruck zu geben und ihm zugleich die besten Wünsche für seinen ferneren Lebensweg zu überbringen. Der Jugendbund, die Gesellschaft für jüdische Volkskunde und viele andere Gemeindeinstitutionen, in deren Verwaltung Herr Dr. Loewenthal segensvoll gewirkt, ließen durch Abordnungen Dankadressen überreichen. — Magdeburg, 6. April. Ueber 35 Jahre hat Dr. M. S p a n i e r als Religionslehrer und Sekretär der hiesigen Shnagogen-Gemeinde seines Amtes gewaltet. Am 1. April d. I. ist er in den Ruhestand getreten. Am vergangenen Freitagabend schilderte Rabbiner Dr. Lange von der Kanzel in warmen, herzlichen Worten die für die Gemeinde so überaus segensreiche Tätigkeit des Scheidenden. Eine der ernsten Zeit entsprechende Abschiedsseier fand am darauffolgenden Sonntag in der Aula der Religionsschule statt. Als zeitweiliger Schulleiter würdigte Dr. Lange die unermüdliche Arbeits- und Schaffenskraft Dr. Spaniers, der auf wissenschaftlichem Gebiete sich betätigt, insbesondere in der Pädagogik Hervorragendes geleistet und durch feilte liebende, ideale Hingabe zum Lehrerberuf sich die unvergängliche Liebe und Verehrung seiner Schüler erworben hat. Der so Gefeierte verabschiedete sich in so herzlichen Worten von seinen Kollegen und Schülern, daß es ihm jeder anmerken konnte, wie schwer er sich von seinem ihm so lieb gewordenen Amte trennte, wozu er sich durch seinen leidenden Gesundheitszustand genötigt sah. Zu der wahrhaft erhebenden Feier trugen noch die musikalischen und deklamatorischen Darbietungen der Schüler bei, die Kantor de Haas in trefflicher Weise eingeübt hatte. Danach dankten der Vorstand, vertreten durch Justizrat L i ch t w i tz, und die Repräsentanten-Versamlnlung, vertreten durch Justizrat Chohke, Dr. Spanier für seine treuen Dienste, die er zum Wöhle der Gemeinde geleistet hat, sprachen ihm ihre höchste Anerkennung für seine hingebende Tätigkeit aus und wünschten ihm einen sonnigen Lebensabend. Nachdem Dr. Spanier den Körperschaften, deren Mitglieder vollzählig erschienen waren, seinen Dank für die anerkennenden Worte Ausdruck gegeben, schloß der Vorsitzende des Vorstandes, Rentner Gustav Heyne mann — nochmals die Verdienste des Scheidenden würdigend —, die allen Beteiligten unvergeßliche Feier. L. Wiesbaden, 6. April. In den Räumen der „Nassau- Loge" fand kürzlich eine Versammlung der „Vereinigung jüdischer Frauen Wiesbadens" statt, in welcher Fräulein Bertha Pappenheim aus Frankfurt a. M. einen Vortrag hielt über ..Moderne jüdische Frauenarbeit, und was von ihr zu verlangen ist". Die bekannte Redner in, die ans sozialem Gebiete bereits Hervorragendes geleistet hat, legte in warmen Worten Zweck und Ziele des Vereins dar und erntete für ihre klaren und geistvollen Ausführungen reichen Beifall. — An jedem zweiten Freitagabend wird hier in der Synagoge am Michelsberg ein Kriegsgottesdienst veranstaltet, zu dessen Besuch vom Garnisonkommando ein besonderer Befehl erlassen wird, so daß die zahlreichen jüdischen Soldaten hierzu an diesem Nachmittage von jedem anderen! Dienste befreit werden. Ebenso wird der Gottesdienst, zu dem stets ein Offizier aHgeordnet wird, auch von den Lazarettinsassen immer zahlreich besucht. Die Gottesdienste, durch Gesang und Musik besonders ausgezeichnet, erreichen -ihren. Höhepunkt durch.eine Predigt des Herrn Stadt- und Kreisrahbi'ners Dr. Kober, der es dauernd versteht, in Anlehnung an die jeweiligen Thoraabschnitte seine Hörer zu fesseln und zu erbauen. In seiner jüngsten Rede erörterte er die Pflicht eines jeden, durch Zeichnung der Kriegsanleihe zum Stege der deutschen Waffen beizutragen. 22 Mainz, 6. April. Am 1. d. M. waren es 25 Jahre, daß Herr Reallehrer Siegfried E s ch e l b a ch e r von Pfungstadt als Religionslehrer an die hiesige Religionsgemeinde berufen wurde. Auch seine spätere Ernennung zum Lehrer an der Oberrealschule hat an seinen! Verhältnis zur Israelitischen Gemeinde nichts geändert. Trotzdem der Jubilar es lieber gesehen hätte, wenn in dieser ernsten Zeit eine Feier unterblieben wäre,-wollte doch der Vorstand diesen wichtigen Tag nicht spurlos vorübergehen lassen. So erschienen denn an diesem Tage Vertreter des Vorstandes und sämtliche Beamte zur Beglückwünschung. -Herr Rabbiner Professor Dr. Salfeld feierte im Namen der Beamten, Herr Kommerzienrat K r o n e n b e r g e r im Namen des Vorstandes den Jubilar als einen äußerst fleißigen, tüchtigen und gewissenhaften Beamten, gleichzeitig prächtige Geschenke überreichend. Herr Lehrer Rothschild (Worms) sprach als alter Freund des Hauses. Allen Rednern dankte Herr Eschelbacher in herzlichster Weise. Daß auch die Gemeindemitglieder, darunter auch viele der Neligionsgesellschaft, sich zur ^Beglückwünschung im Hause, das einem Blumengarten glich, unter gleichzeitiger Ueberreichung von Geschenken, eingefunden hatten, versteht sich bei der Beliebtheit des Jubilars von selbst. Möchte der Wunsch aller, daß dem 25jährigen auch das'50jährige.Jubiläum folgen möge, in Erfüllung gehen. LnglsnL. 2. London (indirekt), im März. Die hiesige jüdische Presse bespricht lebhaft die Entscheidung eines Gerichtshofes, die einen m England geborenen Sohn eines nichtuaturalisierten Russen zu Militärdienst in England zwingt, wiewohl der Betroffene 18 Jahre alt ist und ihm bis zum 21. Jahre die Wahl seiner Staatsbürgerschaft frei steht.. Auch das Gesuch eines österreichischen Juden nur Entlassung aus dem Militärverband, in den er zwangsweise eingercitst worden war, wurde abgewiesen, obwohl er niemals die englische Staatsbürgerschaft erworben hatte und fein Vater sich erst nach seiner Geburt hatte naturalisieren lassen. In den: „House of Boards" interpellierte Lord Sheffield den Kriegsininister über die Verweigerung der Fahrterlaubnis für einen russischen Juden nach Amerika, der das amerikanische Bürgerrecht erworben hatte und kurz vor dein Kriege Geschäfte halber nach London gekommen. war. Er forderte die Handhabung der „Tefens of Reals acte" nicht in einer Art vorzunehmen, welche die bürgerliche Freiheit ernstlich gefährde. Der Kriegsininister antwortete, daß das Ministerium die Erlaubnis, das Land zu verlassen, den russischen Untertanen verweigere, da es im öffentlichen Interesse liege, daß die Russen ihre Militärpflicht erfüllten. Er erklärte, daß der von Sheffield angeführte Russe wohl um die Erteilung des amerikanischen Bürgerrechtes eingekommen sei, es aber noch nicht erworben habe. Bemerkenswert ist eine Aeußerung des Bruders des verstorbenen Königs Eduard, die er bei Verteilung von Preisen nach einem Examen in der Londoner Handelskammer tat: „Wir brauchen hier keine Ausländer. Sie haben genug in ihrer Heimat zu tun. „England für die Engländer" muß unsere Devise sein." Oslsstins. Jgj Jerusalem, im März. Nachdein es bis Ende Dezember 1916 kaum geregnet hatte, ging der erste größere Regen unter Gewitterbegleitung am 26. Dezember v. I. in einer Menge von 37,2 Millimetern nieder. In der Nacht ans den 28. Dezember v. I. fiel i a Jaffa ein Platzregen von 99,5 Millimetern. Auch landeinwärts haben in den letzten Tagen erst größere Regen eingesetzt, so daß mit der Bestellung der Ackerbaufelder endlich nach langem Warten begonnen werden kann. In Jaffa sind bis 15. Januar 187,2 Millimeter Regen niedergegangen, das macht etwa 35 Prozent der Regenmenge eines Turchschnittsjahres aus. Aus dem Lande ist bisher etwas weniger Regen gefallen. Ten Nachrichten der palästinensischen Presse zufolge scheinen die Krankheiten,