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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-13 · Heft 15 (13.4.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 15 (13.4.1917)
Date
1917-04-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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genommen. Bei der Ersatzwahl für die verstorbenen BorstandZnritglieder wurden die Herren. Justizrat Professor Alexamder- Katz, Kommerzienrat Born und Stadtverordneter Jsaac einstimmig gewählt. Th. S. Berlin, 10. April. Im Berliner Meistersaal fand kürzlich ein Vortragsabend „Jüdische Helden" von Johanna Meyer statt. Mit der ihr eigenen packenden Darstellungsgabe ließ die Künstlerin im Nahmen eines fesselnden Vortrags, unterstützt von der Gestaltungskraft erster Dichter, jüdische Helden vorüberziehen: Die Makkabäer von Otto Ludwig, die überragenden Gestalten der Bibel, Münchhausens Moses, Heines Simson und David von Gustav Schüler. Im zweiten Teil brachte sie aus unserer jüngsten, blutgetränkten Gegenwart jene, die unbekannt unter der Masse zu siegen und zu sterben wissen, darunter Arnold Zweigs „Judenerzählung vor Verdun", als vielleicht stärksten Eindruck des Monds. Auch Frauen kamen hier zu Wort: Berta Lask mit einer erschütternden Kriegsepisode und Thekla S k o r r a mit Dichtungen vom leidvollen Heldentum der Kriegermütter. Eines der volkstümlichsten Lieder dieses Krieges, das herrliche Reiterlied von Hugo Zucker mann, sowie dessen Makkabäer, die zu dem Ausgangspunkt des Abends zurückleitoten, entließen das zahlreiche Publikum in weihevollster Stimmung. Der Reinertrag der Veranstaltung war dem „Israelitischen Frauenunterstützungsverein" gewidmet. & # Berlin, 10. März. Wichtige Neuerungen im Interesse der konservativen Gemeind e Mitglieder haben die Berliner Gemeindebehörden an der Synagoge in der Pestalozzistraße eingeführt, zu denen der Rabbiner dieser Synagoge, Tr. Arthur L i e b e r m a n n, die Anregung gegeben hat. In Zukunft werden in der Pestalozzi straße am Sabbat zwischen Mincha und Maariw kurze Lehrvorträge gehalten werden, in denen Tr. Lieberrnann abwechselnd „Religionsvorschriften" und „Maimonides, Ausgewählte Kapitel über Ethik und Thorastudium" behandeln wird. Auch in der Alten Synagoge in der Heidereutergasse werden in der Sephirazeit regelmäßig Lehrvorträge abgehalten werden; Rabbiner Dr. Loewenthal wird über „Sprüche der Väter" lesen, während Rabbiner Dr. Petuchowski über „Schriftauslegung" sprechen wird. In Zukunft soll die bisher nur in den Synagogen mit Orgel übliche Schriftauslegung, welche an denjenigen Sabbaten stattfand, an denen eine Predigt vorgesehen war, culch in den orgellosen Synagogen eingeführt werden. fr Berlin, 10. Llprit. Die Reichsbekleidungsstelle in Berlin (Reichsstelle für bürgerliche Kleidung) hat beanstandet, daß sehr erhebliche Mengen von Leinwand zur Herstellung ritueller Totengewänder von den jüdischen Gemeinden angefordert werden. Um Aufklärung darüber zu erhalten, ob eine unbedingte religiöse Notwendigkeit zur Verwendung von Leinwand für diesen Zweck vorliegt, hat sich die Reichsbekleidungsstelle an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewendet und angefragt, ob es sich bei Verwendung von Leinen bei Bestattungen um einen Gebrauch handelt, dessen Außerachtlassen während der Kriegszeit schwere Gewissensbedenken Hervorrufen könnte. Gleichzeitig hat die Reichsbekleidungsstelle angeregt, an Stelle der nur schwer zu beschaffenden Leinwand oder der zur Herstellung von Wäsche und Unterkleidern dringend benötigten Baumwollweihwaren einen Ersatzstoff zu verwenden, der im Aussehen dein Leinen ähnelt, und vorgeschlagen, ein Gewebe aus reinem Papiergarn herzustellen, das zur Herstellung von Totengewändern vorzüglich geeignet wäre. Die Berliner Gemeinde hat ihre Rabbiner nur ein Gutachten hierüber ersucht, ob die Verwendung von Ersatzstoffen für Totenkleider zulässig ist. Die ungefragten Rabbiner haben in ihrer Mehrzahl die Zulässigkeit der Verwendung von Ersatzstoffen für die Dauer des Krieges bejaht. II. Danzig, 6. April. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Danzig, hatte am 25. v. M. i)N „Reichshof" unter dem Vorsitze des Herrn Justizrats Fabian eine gut besuchte Versammlung, in der zwei Vorträge gehalten wurden. Herr Rabbiner Dr. Kaelter berichtete zunächst über die Berliner Tagung des Zentralverbandes. Von besonderem Interesse war die Mitteilung von der Einführung einer Berufsberatung im ganzen Reiche mit einer Ortsgruppe in Danzig, deren Leiter Redner ist. Herr Rechtsanwalt Böhm in Berlin, der Syndikus des Zentralverbandes, wies darauf hin, wie die deutschen Juden in diesem Kriege Schulter an Schulter mit ihren übrigen deutschen Brüdern ihre Pflicht erfüllten. Das äußere Zeichen sei die Erwerbung von 10 000 Eisernen Kreuzen II. und 25 I. Klasse. Tie Behandlung der jüdischen Deutschen nicht nach ihrer Konfession, sondern lediglich nach ihrer Tüchtigkeit, sei ein Zeichen der Kultur und gereiche dem Judentum ebenso zum Vorteil wie dem Vaterlands. Redner teilte mit, wie das Ausland Deutschland von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt und freilich dabei Deutschland Unrecht tut. Weiter betonte Redner die Notwendigkeit einer Jnnenmission unter den Juden. An die Vorträge schloß sich eine Aussprache, in der die Berufsberatung behandelt wurde. W. Posen, 6. April. Hier verstarb am Herzschlag der Grvßkc.ufmann Ludwig B l e i st e i n. Der Verstorbene nahm einen Tag vorher noch an der Trauerfeier für den Geheimen Kommerzienrat Michael Herz teil und niemand ahnte, daß er 24 Stunden später selbst nicht mehr unter den Lebenden weilen würde.. Herr Bleistein war Inhaber eines Warenagenturengeschäfts und Vertreter des Annoncenbureaus von Rudolf Moste in Berlin. Unermüdlicher Fleiß, ein ehrenhafter Charakter und eine stets hilfsbereite Liebenswürdigkeit, das waren Eigenschaften, welche ihm die Achtung seiner Mitbürger verschafften, die nun den Heimgang des im Beginn der sechziger Jahre Stehenden aufrichtig bedauern. Warmes Interesse für die Wohlfahrt der Synagogengemeinde und unentwegtes Streben, sie in der Erfüllung'ihrer Aufgaben zu unterstützen und zu fördern, hat den Heimgegangenen allezeit beseelt; ganz besonders anerkannt war seine Bereitwilligkeit, unverdrossen und arbeitsfreudig die Obliegenheiten des ihm anvertrauten Ehrenamts zu erfüllen. Dreizehn Jahre gehörte der Verstorbene dem Vorstande des israelitischen Armenbilfsvereins an. Den Armen und Notleidenden war er ein liebevoller Berater. Dem Vorstande des Neuen israelitischen Vereins für Krankenpflege und Leichenbestattung gehörte er 25 Jahre an und hat während dieser Zeit durch fein starkes Interesse für die Aufgaben des Vereins und sein warmes Mitgefühl mit den Kranken und Bedürftigen die Zwecke des Vereins wesentlich gefördert. Seit 1904 war er Mitglied der Deputation des Stadtkrankenhauses und hat sich stets mit anerkennenswerter Hingabe den Aufgaben der Krankenfürsorge gewidmet und dabei das Wohl der Verwaltung wie der Kranken auf das beste zu wahren verstanden. Immer bereit, die Bestrebungen des Vereins junger Kaufleute zu fördern, stets mit Eifer bemüht, den Wünschen, die an ihn gestellt wurden, gerecht zu. werden, hat der Verewigte seit dem Jahre 1894 seines Amtes als Mitalied des Vorstandes gewaltet. Viele Jahre war er Mitglied des Vorstandes der Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und bat mit Eifer und Interesse die Bestrebungen dieses Vereins gefördert. Der Verein „Israelitische Frauenllilfe" hat durch den Heimgang des Herrn Ludwig Vleistein einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Verewigte hat eine Reihe von Jabren dem Verein als Revisor vorgestanden und in wärmstem Mitgefühl und menschenfreundlicher Gesinnung jederzeit die Vereinsbestrebungen zum Wollte der armen Kranken mit seinen klugen Ratschlägen unterstützt. Sein ernstes Streben und fein streng, gerechter Sinn sind seinen Geschäftsangestellten stets vorbildlich gewesen. — An der großen Teilnallme bei der Beerdigung war deutlich zu merken, wie der Tallingeschiedene in seinem Leben segensreich gewirkt und wie er sich in llobem Maße die Liebe und Wertschätzung in der Stadt und ganz besonders in der Gemeinde zu erwerben verstanden hat. — Liffa i. P., 6. Zlpril. Am 24. v. M. fand hier in der Aula der jüdischen Schule ein Elternabend statt, der von dem Ausschuß zur Gründung eines jüdischen Kindergartens einberusen war. Herr Rabbiner Dr. Gelles eröffnete die Versammlung und beleuchtete vom ideellen Standpunkt aus all die Vorteile, die unseren Kindern aus ihrer Beschäftigung in und mit der Natur erwachsen. Sodann sprach ein anderes Mitglied des Ausschusses, Herr Stadtrat Schrever, über die Einzellleiteu des Unternehmens. In der hiesigen Rapllael- Kosch-Loge sei der Gedanke gereift, den Caroschen Garten, der als Erbgut an die Gemeinde gefallen sei, zu pachten, ihn zu parzellieren und jedem Kinde ein Beet zur Bearbeitung zu übergeben. Eine Kommission, bestehend aus dem Rabbiner und den Herren Sigismund Goldschmidt, Stadtrat Schreher. Margoles und Kretschmer, sei zusammen-getreten, der Garten sei gepachtet, und es handle sich nur noch darum, die Helferinnen und das Interesse der Eltern zu gewinnen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Herr Golds ch m i d t, wies daraus hin, daß den Kindern alle Materialien (Gießkanne, Schaufel, Arbeitskittel, Samen usw.) von der Loge unentgeltlich

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