Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1917)
- Date
- 1917-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 15 Der Gemeindebote. Berlin, l5.*April 1917 Beilage zur „Allgemeinen Bettung de§ IudentumK". —-'»IKIIIII Auf Dich kommt es an! Gage nicht: Andere haben mehr Geld und verdienen mehr als ichdie sollen Kriegsanleihe zeichnen! Gage auch nicht: Was machen meine paar hundert oder paar lausend Mark aus, da doch Milliarden gebraucht werden! Lind sage noch weniger: Ich habe schon bei früheren Anleihen gezeichnet und damit meine Pflicht getan! Auf jede Mart kommt es au! Gs ist wie bei der Nagelung unserer Kriegswahrzeichen,- jeder einzelne der vielen tausend eisernen Nagel ist winzig. Aber in ihrer Gesamtheit umfangen sie das Gebilde mit einem ehernen Panzer. So muß auch unser deutsches Vaterland geschützt und gesichert werden durch das freudige Geldopfer der großen und der kleinen Sparer. Ieht, in der Stunde der (Entscheidung, darf keiner zögern und keiner fehlen! IHllHin«»»— Deutschland. Berlin, 10. April. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums kündigt für das Sommersemester 1917 folgende Vorlesungen an: Herr Dr. Bane th wird lesen: 1. Talmud bab., Baba Kamma K. I, sechs Stunden. 2. Talmud jer., Megilla K. III, eine Stunde. 3. Mischne Tora, 13. Buch, zwei Stunden. 4. Or-ah hajjim, Hil. Sabbat, eine Stunde. 5. Jore De'a, Hil. Trefoth, zwei Stunden. 6. Eben ha'ezer, Hil. Gittin, eine Stunde. Herr Dr. Elbogen wird lesen: 1. Ausgewählte Psalmen, Zwei Stunden. 2. Bibel mit alten Kommentaren, zwei Stunden. 3. Die ältesten Niederlassungen der Juden in Europa, zwei Stunden. 4. Erklärung historischer Quellen, zwei Stunden. 5. Gedichte Jehuda Halevis und seiner Zeitgenossen, eine Stunde. Herr Dr. Täübler wird lesen: 1. Die Anfänge des Volkes Israel, zwei Stunden. 2. Die Bücher Samuel als Geschichtsguelle, zwei Stunden. 3. Uebungen über die topographischen Angaben in den Büchern Samuel, zwei Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Die literarische Behandlung der Judenfrage und ihre Rückwirkung auf Gesetzgebung und Politik, 2. Teil (19. Jahrhundert), zwei Stunden. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: 1. Methodik des systematischen Religionsunterrichts, eine Stunde. 2. Apologetik auf höheren Schulen, eine Stunde. Das Mitglied des Kuratoriums Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen wird lesen: 1. Neuere Philosophie, eine Stunde. 2. Uebungen: a) Mairnonides, More II, zwei Stunden, b) Uebungen über Descartes, zwei Stunden. — Herr Dr. B a e ck ist zurzeit tm Felde. — In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekannt gemacht werden. Die Festsetzung der Stunden wird bei der Eröffnung des Sommersemesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Sommersemesters erfolgt Dienstag, den 24. April, 12 Uhr mittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können aus Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dein derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Dr. Tä ubler, am Dienstag, den 24. April, 12 Uhr, Donnerstag, den 26. April, und Montag, den 30. April, 11 bis 12 Uhr, im Sprechzimmer der Lehranstalt. Außerdem ist Herr Dr. Täubler stets nach seinen Vorlesungen zu sprechen. E. M. Berlin. 10. April. Der Verein „I ü d i s ch e B l i n d e nanstalt für Deutschland" in Berlin-Steglitz hielt am 1. d. M. seine Generalversammlung ab, die der Vorsitzende Professor Dr. H. R o s i n mit warm empfundenen Gedächtnisworten für die im. letzten Geschäftsjahre des Vereins verstorbenen Vorstandsmitglieder Handelsrichter und Gemeindeältester Willibald Loewenthal, Stadtverordneter Mar Sulinger, Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher und Geheimrat Theodor Potsdammer etitleitete. Die Entwicklung des Vereins und der von ihn: unterhaltenen Anstalt in Steglitz ist im Berichtsjahre befriedigend verlaufen, die Anstalt war schon vor Kriegsbeginn voll besetzt. Trotzdem wurden anläßlich des Russeneinfalls 1914 ostpreußische Flüchtlinge, unter denen sich auch eine christliche Familie befand, in den Dienstränmen der Anstalt untergebracht. Für zwei ausländische blinde Mädchen, die ihre Polnische Heimat nicht mehr erreichen konnten und für die blinde Tochter einer vor den Russen geflüchteten Czernowitzer Familie wurden in der Nähe der Anstalt Zimmer gemietet, während Unterricht und Speisung dieser Mädchen in der Anstalt selbst erfolgt. Einem anderen Flüchtling, einem vierzigjährigen blinden Mann, konnte durch die Anstaltsbuchbinderei zu einem Erwerb verholfen werden. Mit großem Eifer beteiligten sich die Anstaltsinsassen, unter ihnen besonders die weiblichen, an Arbeiten der Kriegsfürsorge für Krieger und Verwundete; die Freude im Dienste des Vaterlandes tätig zu sein, wirkte geradezu erhebend auf sie ein. Auf den Ausstellungen für Blindenarbeiten in Hamburg, Stuttgart, München und Dresden fanden die Arbeiten der Insassen der Jüdischen Blindenanstalt Anerkennung und guten Absatz. Gegenwärtig ist die Anstalt voll belegt. Ter bereits vor Ausbruch des Krieges beschlossene Erweiterungsbau soll sofort nach Friedensschluß in Angriff genommen werden, damit insbesondere auch die Möglichkeit geschaffen wird, Kriegsblinde aufzunehmen. Diese stehen zurzeit noch im Militärverhältnis und sind noch nicht nach Konfessionen geordnet, doch liegen bereits jetzt einige Aufnahlnegc suche jüdischer Kriegsblinder vor. Der Jahresbericht wurde von der Gelreralvcrsamrnlung mit Befriedig! mg zur Kenntnis 91535353534823234823232353532323482323232348