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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-13 · Heft 15 (13.4.1917) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 15 (13.4.1917)
Date
1917-04-13
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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.'- 7 ':’ ' ■ -' - " ——177'- £\C.Tr Ein Kurimlpiki mit hindermllen. Humoreske von M. Pulvermann. (L. Forts.) ein, nein!" kreischte Ghanne-Melle mit übergeschnappter Stimme. „Ich nehme keinen Get! Eher sollen mir die Finger verbrennen, ehe ich einen solchen annehme! Ich werde geduldig warten,.-bis der böse Geist wieder aus deinem Gehirn gefahren ist, bis tut wieder zu mir und zu deinen lebendig verwaisten Kindern zurückkehrst!" „Ich sage dir, Ehanne, warte lieber nicht; die Zeit könnte dir doch zu lang werden! Morgen fahre ich weg, sehr weit weg, um mir ein Mädchen zu suchen, schön und mollig, mit einem geliebten Ponim, wie - wie —- Blümche — das — das —" Jetzt sollte der Hauptschlager des Abends kommen, indem beide Schauspieler abwechselnd die Braut beweihräuchern und mit einer Fülle von Komplimenten überschütten wollten. Doch sie konnten nicht weitersprechen. Die Anwesenden wälzten sich förmlich vor Lachen und die Lustigkeit hatte den höchsten Grad erreicht. Uscher versuchte immer und immer wieder, sich Gehör zu verschaffen — aber vergeblich; gegen diese zappelnde, strampelnde und quietschende Masse konnte feine Stimme nicht allfkommen; — es war wie eine niederbrausende Lawine, die alles mit sich fortreißt! Voller Verzweiflung suchte sein Blick wieder den Bräutigam, um dort neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen. — Aber, was war denn das? Uscher wäre vor Schreck beinahe auf den Rücken gefallen. Nachme Klinker faß da, den Oberkörper vorgebeugt, leichenblaß, mit stieren Blicken, als sollten ihm die Augen aus den Höhlen springen; es war der Blick eines Wahnsinnigen, und der arme Komödiant bekam Angst vor ihm. „Um Gottes willen!" schrie er mit dem Aufgebot feiner ganzen Lungenkrast, um die Menge zu überbrüllen, während ex schreckensbleich mit dem Finger nach dem plötzlich erkrankten Nachme Klinker zeigte. „Dort — dort — sehet doch nur den C-hosfen an! Er stirbt! Er ist vielleicht schon ganz tot! Schema Jisroel! Er ist mausetot!" Alle Augen wendeten sich dorthin, und alle drängten sich an den offenbar schnür leidenden Nachme Klinker. Doch dieser raffte sich bald wieder auf und stieß die Zunächststehenden brutal und rücksichtslos zurück. „Es ist nichts," sprach er zitternd, mit der Hand über die Stirn fahrend. „Die Hitze und der Lärm haben mich ein bißchen schwach gemacht; — es ist auch schon vorüber; — sehet auf, ich kann schon wieder auf den Füßen stehen. Aber ich glaube, es wird doch das beste sein, wenn ich nach Hause gehe und mich ins Bett lege." Man konnte es seinem ganzen Wesen, besonders seiner bleichen Gesichtsfarbe deutlich anmerken, daß er unwohl war. Bestürzt wichen alle von ihm, und eine große Unruhe bemächtigte sich aller Anwesenden. Nur waren sie sich selbst noch nicht klar, ob es aus Mitleid für den Kranken war oder aus Aevger, daß der Purim, der so schön und so lustig begonnen, nun gänzlich verdorben war. Inzwischen war es Nachme Klinker gelungen, sich aus dem Gedränge ins Freie zu flüchten, um bald den Weg direkt nach seiner Wohnung einzuschlagen, die nur einige hundert Schritte entfernt war. Auch die anderen Gäste schickten sich jetzt an, seinem Beispiele zu folgen. Was sollten sie denn auch noch länger hier verweilen? Ein Glück, daß man wenigstens schon gegessen und getrunken hatte, ehe diese Bescherung kam. Allerdings sollte das Trinken bei dem Masel-Tow und Lechajim erst recht beginnen -- aber damit war es wohl doch vorbei und nicht mehr daran zu denken! Denn eine Verlobung ohne Eh offen wäre ja der reinste Unsinn! Na, bas war ja eine feine Bescherung für Leiser Bäcker und für seine Tochter Blümche! Gott soll alle jüdischen Kinder vor so etwas beschützen und bewahren! Aber was mochte nur der ganze Vorfall zu bedeuten haben? Gutes gewiß nicht! Und was war denn eigentlich in Nachme Klinker gefahren? Er war doch wirklich kein schüchternes Jüngelchen, das neben einem schönen Mädchen Herzklopfen bekommt und in Krämpfe fällt! — Und das bißchen Trinken konnte ihm doch auch nicht so sehr zu Kops gestiegen sein! — Er verstand doch sonst so gut, einen „Doppelten" mit Leichtigkeit zu „heben"! — Woher, wieso und warum also diese plötzliche Ohnmacht? Kopfschüttelnd sahen die Gäste sich an und begannen auch schon allerlei Vermutungen sich heimlich zuzuflüstern, die dem Bräutigam trotz seines Sträubens gefolgt waren und mit breiter Ausführlichkeit berichteten, daß es mit der Krankheit doch nicht weither sein könne, denn Nachme Klinker habe sich in seinem Zimmer eingeschlossen, dort wie ein Wüterich hernmgetobt und alles kurz und klein geschlagen da warf man sich verständnisvolle Blicke zu, und jeder suchte — scheu und verstohlen —, sich von dannen zu schleichen. Bei der nun herrschenden Aufregung und Verwirrung im Festhause war es inzwischen Refoel gelungen, sich an Blümchen heranzupürschen. Die Braut, obwohl eine der Hauptbeteiligten, war die einzige, die von dem ganzen Wirrwarr unberührt geblieben zu sein schien — sanft lächelnd unterhielt sie sich mit Refoel, um dessen Herzklopfen zu beschwichtigen, und es hatte den Anschein, als ob sie es ganz und gar vergessen habe, daß sie beinahe die Braut eines anderen geworden wäre. Die Stube war jetzt leer geworden, und nur Melle mit Uscher standen verblüfft und bestürzt da, jedem sortgehenden oder fortschleichenden Gast verstört nachblickend, wie der berühmte Gerber, dem die Felle fortgeschwommen, oder wie die noch berühmtere Henne, deren Entenküchlein lustig im Torfteich herumplätschern. Auch sie wären ja bereits fort gewesen, da aus irgendeine Einnahme doch nicht mehr zu rechnen war; nur wußten sie nicht, auf welche Art sie sich entfernen sollten: sollten sie sich vom Gastgeber feierlich verabschieden oderlieber französisch sich empfehlen? Frau Riwke jedoch, Leiser Bäckers resolute Gattin, »lachte der Unentschlossenheit der beiden verflossenen Schauspieler ein jähes Ende. Ihr Aerger mit den Dienstboten bei den tagelangen Vorbereitungen;u der Verlobung, Blümchens Sträuben und Heulen bis zur letzten Minute, die unzeitgemäße und unheimliche Erkrankung des Bräutigams, den sie unter großen Mühen so vielen Müttern heiratsfähiger Töchter endlich vor der Nase weggeschnappt, und jetzt gar der Anblick des überstudierten und ihr darum verhaßten Refoel, der jetzt ganz ungeniert mit Blümchen koste und tändelte — nein, das hielt die arme Frau nicht länger aus, das ging schon über ihre Gefühle — und da sie gerade keinen dienstbaren Geist zur Hand hatte, der ihr als Blitzableiter hätte dienen können, schlug das Gewitter über die unglücklichen Komödianten ein; kurz entschlossen faßte sie den kleinen Melle am Zipfel seines Kopftuches, und — ehe er noch wußte, wie ihm geschah - befand er sich unsanft auf das Straßenpflaster gesetzt, wohin Uscher ihm in überhastiger Eile nachgestolpert kam. Und nun standen sie, das heißt, nur Uscher stand, während Melle noch immer auf dem Pflaster saß, nun standen sie da mit ihren Kenntnissen! Das war ein Resultat, das sie nicht Man zeichnet Kriegsanleihe bei jeder Sank, Kreditgenossenschaft, Sparkasse, Lebensverficherungsgesellschast,Postanstalt

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