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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-13 · Heft 15 (13.4.1917) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 15 (13.4.1917)
Date
1917-04-13
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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- 172 - Aus dieser geschichtlichen Reminiszenz ergibt sich der Protest gegen die zweite Erklärung des amerikanischen Präsidenten. Der verschärfte U-Boot-Krieg ist keine willkürliche Maßregel der deutschen Regierung, sondern ein durch die Machinationen unserer Feinde uns ausgezwungener Beschluß. Nicht durch den verschärften U-Boot-Krieg ist die Spannung tritt Amerika hervorgerufen, sondern dieser Krieg war eine notwendige unausbleibliche Folge des völkerrechtswidrigen und gegen alle Neutralität verstoßenden Verfahrens der Vereinigten Staaten. Und endlich protestieren wir als Angehörige des deuschen Volkes gegen die Insinuation, daß die Vereinigten Staaten mit der -deutschen Regierung, nicht mit dem deutschen Volke Krieg sichren. Das deutsche Volk steht aus seiten des deutschen Herrschers, will und kann nicht von ihm getrennt werden. Wie das deutsche Volk seinem Herrscher zujubelte, da dieser sich gezwungen sah, das Schwert aus der Scheide zu ziehen, so steht es mannhaft, innerlich geeint und zu allem bereit, an seiner Seite, jetzt nach fast dreijährigem Kampfe, da die Feinde sich mehren und da die heimlichen Gegner sich 31t den offenen gesellen. Der imperialistisch gesinnte Herr Wilson, der sich als Selbstherrscher geriert, obgleich er mehr als andere Souveräne an die Bestimmungen der Verfassung gebunden sein sollte, der seinen Willen, nicht den der Nation, dem ganzen großen Gemeinwesen aufgezwungen hatte und der nun endlich, da das amerikanische Volk trotz aller Bemühungen der Friedensfreunde (Pazifisten) seinen Führer nicht verlassen will, das ganze Volk oder dessen größten Teil hinter sich zu haben scheint, ist am wenigsten berufen, eine Scheidung zwischen Volk und Herrscher in Deutschland künstlich zu konstruieren. Wir haben keinen Krieg mit Amerika gewollt, am wenigsten mit Herrn Wilson, wir nehmen ihn aus, da er uns freventlich auferlegt wird, im Bewußtsein unseres guten Rechts und unserer heiligen Sache. Die Geschichte wird einst richten, an wem die Schuld lag: wir fühlen uns frei von jeder Verantwortung. * Mit einem Ostergeschenk seltener und hocherfreulicher Art hat der Deutsche Kaiser -das preußische lind deutsche Volk erfreut: mit der Ankündigung der Aufhebung des Klassenwahlrechts, der Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts und mit einer Umgestaltung des Herrenhauses. Wir freuen lins dieser Ankündigung, wenn auch deren Verwirklichung erst nach dem Kriege eintreten wird: es ist die Anerkennling des Ernstes und des großen Charakters, den das Volk in diesem schweren Kriege bewiesen hat. * Die Verhältnisse in Rußland sind noch immer ungeklärt, nicht bloß -dadurch, daß man nicht wissen kann, wie lange die Regierung, die augenblicklich am Ruder ist, bestehen wird, sondern auch dadurch, daß es sehr unbestimmt ist, ob das neue Rußland wirklich den Krieg fortzusetzen gedenkt lind ob nicht die Friedensströmung die Oberherrschaft gewinnen wird. Manches spricht für das erstere, besonders die flehentliche Bitte des Herrn Miljukow an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, doch endlich Dclitschland den Krieg zu erklären, einiges für das letztere. Denn der Zusammenhang der russischen Sozialisten mit dänischen und deutschen scheint darauf hinzudcuten, daß Friedensbestrebungen vielleicht näher sind, als manche glauben. Wenn auch die Kämpfe mit Rußland weitergehen, zu einer Offensive seitens Rußlands ist cs bisher nicht gekommen. Bei dieser großen Verwirrung der Verhältniffe, in der sich niemand vollständig zurecht zu finden vermag, scheint nur das eine, das wir bereits in der letzten Uebersicht andeuteten, sicher, daß eine v 0 l l st ä n d i g e A e n d e r u n g in der Lage der Juden b e v 0 r st e h t. Dessen können wir uns als Deutsche, die wir nie Feinde Rußlands, sondern des Zarismus und der unerträglichen inneren Zustände des großen Reiches waren, von Herzen freuen. Darüber müssen wir als Juden jubeln. Zu den bisher mitgeteilten Nachrichten komnu nun die weitere, die wir dem „Berliner Tageblatt" entnehmen S t 0 ck h 0 l m, 2. April. Der russische Kriegsminister Gutschow veröffentlichte eine Bekannt, machung, in der alle Einschränkungen hinsichtlich der verschiedenen Nationalitäten und Religionen in der Armee aufgehoben werden: Alte Juden und die übrigen Bekenner eines fremden Glaubens, die z»m Offizierdienst genügende Vorkenntnisse besitzen, werden in die Militär, schulen ausgenommen mit Ausnahme der Dentscl>en, die vor issu naturalisiert sind, weil nach der allgemeinen Auffassung feixte of. nügenden Garantien für deren aufrichtige Loyalität bestünden. Tn vorläufige Regierung genehmigte einen Vorschlag des Handel» ministers über Aenderungen des Gesetzes betreffend die Aktiengesellschaften: unter anderem werden alle Einschränkungen für Judrii und Ausländer aufgehoben xnit Ausnahme der Untertanen der feind lichen Mächte. Was Frankreich und England, die Freunde des Zaren, die sich jetzt natürlich als begeisterte Anhänger des demokratische» Rußlands gerieren, nicht fertig bringen konnten, ja,-was sie nicht einmal zu beginnen wagten: die Milderung der fürchterlichen Lage der Juden, ja, wie es scheint ihre völlige Gleichstellung und Befreiung, das hat die Revolution zustande gebracht. Wie lange dies dauern, ob eine solche Veränderung eine endgültige sein wird, kann man freilich bei dem Gärungszustand nicht sagen, in dem sich das ungeheuere Reicl befindet, aber wir wollen ims des Sonnenstrahls freuen, der im Osten aufgeht. * Von eigentlichen K r i e g s h -a n d I u n g e ix ist nicht viel;> sprechen, um so weniger, als diese Uebersicht der christliche» Feiertage wegen weit früher fertiggestellt werden muß, als ihr Datum besagt. Nur so viel ist zu sagen, daß ein deutscher Kreuzer im Atlantischen Ozean tüchtige Arbeit geliefert hat, und d-rf die Angriffe der Feinde im Westen. Osten und Südosten nach den amtlichen Berichten der deutschen Heeresleitung abgeschlagen worden und mehrere Operationen glücklich für rinr verlaufen sind. Im einzelnen sei darauf -hingewiesen, daß der Erstürmung eines Brückenkopfes in Rußland fast 10 000 Gefangene gemacht worden und daß im Lause -des Monats Mär' 161 feindliche Flugzeuge, an einem einzigen Tage des April davon 44, vernichtet worden sind. * Was die Verhältnisse der Juden i n D eu t s ch l a 11 d betrifft, so geben wir zunächst an dieser Stelle folgender Zuschrift des Verbandes der Deutschen Juden Raum: Nachstehender Bescheid mrs eine Eingabe des Verbandes betressend die Auslegung des 8 5 Nr. 1 der Bundesratsverordnung vom 1. Mär: 1017 zrmr Hilfsdienstgesetz ist uns zugegangen: „Kriegsminlsteriiim Berlin NW 7, den 22. März 1917. Kriegsamt Nr. 230/3. 17 AZS. 4 Das Kriegsamt steht im Einvernehmen mit dem Reichsamt *>k J-nnern auf dem Standpunkt, daß uirter „Kirche" im Sinne des ä 3 Nr. 1 der Bundesratsverordnung vom 1. März 1917 alle inländischen öffentlich zugelassenen Religionsgesellschaften, also auch dir als öffentliche Körperschaften anerkannten jüdischen Gemeinden, » verstehen sind. Ein entsprechender Hinweis in den „Amtlichen Mitteilungen n»i Nachrichten des Kriegsamts" wird erfolgen. i. A. Marquard." Es ist höchlichst anzuerkennen, daß der Verband jede Ge legenheit ergreift, um den Juden das ihnen zustehende Recht wahren, und es ist erfreulich, daß die Reichsbehörden diese: Streben, wo sie können, unterstützen. * Und noch einmal in letzter Stunde, denn fast nnmittelhal nach dem Erscheinen dieser Nummer läuft der bestimmd Termin ab, ertönt der Ruf, der aller Orten laut geworde«

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