Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 nach dem Friedhofe in die Halle übergeführt. Hier hielt Herr Gerneinderabbiner Dr. Frei mann eine längere Gedächtnisrede, in welcher auch er die Verdienste des Verstorbenen einer Würdigung unterzog. Besonders gedachte er seiner Strenggläubigkeit und seiner segensreichen Wirksamkeit als Mitglied des Re- Präsentantenkollegiums. Darauf erfolgte die Beisetzung des Mannes, dessen Andenken im Gedächtnis der Stadt Posen lebendig bleiben wird. — Breslau, 30. März. Die hiesige Shnagogengemeinde hat für Kriegswohlfahrtspflege seit Ausbruch des Krieges insgesamt die Summe von 280 875,57 Mark verausgabt, die für die verschiedensten wohltätigen Zwecke zur Verteilung gelangte. So wurden u. a. allein für fünf Beihilfen an die Israelitische Krankenverpflegungsanstalt für die Lazarettabteilung ein Gesamtbetrag von 183 000 Mark und kür Armenpflege (Kriegsunterstützungen usw.) 43 800 Mark bewilligt. Ebenso reichhaltig waren die Zuwendungen, die ausschließlich für konfessionelle oder rituelle Zwecke im Interesse der Kriegswohlfahrtspflege zur Verteilung gebangten. ML B. Hamburg, 30. März Am 18. d. M. ist hier die erste Mitte'lsta'NdMüche eröffnet worden, die miä)\ idem Bedürfnis rituell lebender Juden entgegiM-kommt. Die beiden Hamburger Logen — Henrh-Jones-Loge und die Steinthäl-Loge — haben sich dem Verein für Kriegis>mi>ttagstische an ge schlossen und jene Vergünstigung erzielt, die besionders von all denjenigen begrüßt wird, die rhre Gewohnheit der koscheren- Verpflegung unter keinen Umständen ausgeben wollen. Etwa 16 Dämels der ersten jüdischen Kreise haben sich ehrena'mtlich deml guten Werke zur Verfügung gestellt, und unter ihrer Leitung airbeiten bif'e angestellten jüdischen -und nicht jüdischen^ Frauen in bcin Küchenbetrieb. Als- Lokal für diesen neuen, achten Mt-ttelstands-ttch! ist die im Mittelpunkte der Stadt gelegene Freimaurerloge in der Welckerstraße nahe dem Dammtorbahniho-f gewählt worden. Ter große Saa!l hat durch freundlich mit Blumen und weißen Tischtüchern gedeckte Einzeltische ein einladendes Aussehen gewonnenl. Schondie Voranmeldun-genzur Teilnah-me lassen! erkennen,, daß mindestens 600 Personen täglich von 12 bis 3 Uhr zu erwarten sind: außerdem werden auch mehr als 100 Portionen Essen täglich abgeholt werden von- Familien, die gern zu Hause ihre Mahlzeit einnehmen, sie aber nnmöglich so gut und billig, nämlich für 70 Pfennig, Herstellen können. Am ersten Tage erschienen 300 Gäste, die den gebildeten Ständen -angehören. Die Frauen unter ihnen waren besonders froh,, daß sie der Mühsal, alles, was für Küche, und Keller erforderlich ist, aufzutreiben, enthoben sind. Der Küchenzettel enthielt an: Eröffnungstalge folgendes: Grießsuppe, die mit Lunge und Knochen angefertigt war, dann Schmorbraten mit Nudeln und Kartoffeln und Steckrübengemüse. Für einen Zuschlag von 20 Pfennig ist ferner noch Nachtisch, wie Apfeltorte mit Kriegsschlagrahm, und für 10 Pfennig eine Tasse Kaffee erhältlich. Das Essen schmeckte durchweg ausgezeichnet und fand den lebhaftesten Beifall auch von Personen, die stets verwöhnt waren und es noch sind. — Leipzig, 30. März. Dieser Tage fand hier im jüdischen Gemeindehause unter dem Vorsitze des Vorstandes der Gemeinde eine Versammlung angesehener Gemeindemitglieder statt, die, sich mit dem Plane der Errichtung eines jüdischen Krankenhauses beschäftigte. Die Durchführung des Planes konnte als gesichert gelten. Es wurden in der Versammlung sofort 50 000 Mark als Grundstock für das neue gemeinnützige Unternehmen gezeichnet: außerdem wurde ein Ausschuß gebildet, dem die Aufbringung weiterer Mittel und die Erledigung der laufenden Arbeiten übertragen wurde. L. Wiesbaden, 30. März. In dem am Samstag, den 24. d. M., dahingegangenen Königlich Preußischen Kommerzienra>t Joseph Baum ist nicht nur einer unserer hervorragendsten Kaufleute aus dem Leben geschieden, sondern auch ein Mann von tiefem sozialen Empfinden, ein aufvechter, gläubiger Jude, der mit der Liebe zu seinen Mitmenschen wie zur Natur einen weiten Blick dafür verband, was dem deutschen Kaufmann bislang mangMe. Durch Begründung der Kaufmannsierholungsheirne ist Baum im ganzen Deutschen Reiche bekanntgeworden, und bei Gelegenheit der Eröffnung des Heims Im Taunus wurde ihm die Ernennung zum Kommerzienrat von: Minister persönliche überbracht. Baum entstammte einer angesehenen jüdischen Familie in Schierstein im NHeingau. In jungen Jahren bereits übernahm er mit seinem Bruder. Herm-anu gemeinsam das väterliche Geschäft in Wiesbaden, eine große Leiiuenhanöluug, die die beiden Herren durch Angliederung von Webereien! zu hoher Blüte brachten. Königen und Fürsten gegenüber bekannte der D «Hingeschiedene sich stets als ansr,echter Jude, der für die Gleichberechtigung seiner Brüder immer wieder mit voller Kraft eintrat. Daß der Heimgegangene die werktätige Liebe pflegte, wo er nur irgend konnte, bedarf wohl kaum der besonderen Erwähnung, wie er auch für allgemeine jüdische Tinge das höchste Interesse zeigte. So war er längere Jahre Präsident der Nassall-Loge und bis zu seinem Ableben Mitglied des Vorstandes des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungshoime schildert Joseph Ban in in feinen: Nachruf als einen Mann von tiefdeutschem Empfindeu, den: soziale Betätigung ziml Besten des kaufmännischen und industriellen Mittelstandes, wie überhaupt aller seiner Volksgenossen, ein Herzensbedürfnis war. Die Dankbarkeit, so heißt es in diesem Nachruf weiter, der Tausende, die alljährlich m den Heimen unserer Gesellschaft Gesundung wnb Erhollttlg fanden, die treue Liebe aller derer, die, wie lvir, ihm in Arbeit und Freundschaft verbunden waren, folgt ihn: in das Grab. Ul'.-ettdlichen Segen strömen hellte die Heime ans bei der Pflege verwlmdeter und erholungsbedürftiger Krieger. — Die Beisetzung, die gestern vormittag auf dem Israelitischen Friedhöfe stattsand, gestaltete sich zu einer eindrllcksvollen Trauerkundgebung für den so früh alls dem Leben Dahingeschiedenen. Ueberaus zahlreich war die Schar der Leidtragenden, die sich zu der letzten Ehrung des verdienstvollen Mannes eingefimden hatten, an ihrer Spitze Regierungspräsident v. Meister, ferner Polizeipräsident Kammerherr v. Schenk sowie in Vertretung des Garnisonkommaudos Oberst v. Friedebnrg. Die Trauerfeier fand in der Leichenhalle des Friedhofes statt. Die Feier wurde eingeleitet vonr Ballhausschen Toppelguartett mit dem 121. Psalm: „Hebe Deine Augen auf". Tarallf ergriff der Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Kober das Wort zu einer eindrucksvollen ltnd ergreifenden Gedächtnisrede. An der Hand des Prophetenwortes: „Der Edle erreicht Edles lind auf den: Edlen besteht er" schilderte der Redner mit bewegten Worten den Toten als Menschen und als frommen Anhänger seines Glaubens, dessen hervorstechendste Eigenschaften sein idealer Sinn und seine warmherzige Menschenliebe waren. Es sprachen dann weiter noch und legten Kränze nieder: Kommerzienrat Feh r-Flach im Namen der Wiesbadener Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Dr. W. Kalle namens der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanuserholnngsheiu:e, Stadtrat Meier namens der Stadtgemeinde Wiesbaden, Justizrat Tr. Seligsohn für die Israelitische Kllltusgenleinde, deren Vorstand der Verstorbene angehörte, Direktor Baum aus Frankfurt a. M. für den Deutschen Verband Kaufmännischer Vereine, Stadtverordneter Glücklich für die Wiesbadener Kaufmannschaft, Herr Gold mann für den Ortsausschuß Frankfurt der Deutschen Gesellschaft für Kanfmannserhvlungsheirne, Kommerzienrat Widme her für den Württembergischen Handelskammertag und die Stuttgarter Handelskammer, Herr Gold schm i dt für die Nassau-Loge, Dr. Go Idstein für das Direktoriun: der Gesellschaft für Kanfmannserholungsheinie. Gksterreich-Nngarn. z. Wien, 30. März. Am 20. d. M. starb hier der in weiten jüdischen Kreisen des In- und Allslandes geschätzte Rabbiner und Schriftsteller Dr. M. H. Friedländer im Alter von 80 Jahren. Der Verblichene hat mehr als 30 Jahre in den Gemeinden Jägerndorf, Kanitz, Goltsch-Jenikan und Pisek segensreich als Rabbiner itnb Prediger gewirkt. Seine zahlreichen geistvollen Werke haben ihm einen Ehrenplatz in der jüdischen Literatur gesichert. Erwähnt seien: „Jüdische Geschichtsbilder", „Tiseret Israel", „Die Arbeit" und „Populär-wissenschaftliche Vortrüge". Das Leichenbegängnis fand auf seinen ausdrücklichen Wunsch in aller Stille statt. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Schleifer in würdigster Weise, und Rabbiner Dr. T a g l i ch t schilderte in beredten, überzengungsvollen Worten die hervorragende Bedeutllng dieses frommen, anspruchslosen Gelehrten. Sein Andenken sei gesegnet! — In der Custozzagasse ist vorletzten Samstag spät nachmittag der Rabbi von Bojan, Israel Friedmann, im Alter von 68 Jahren gestorben. Seit Kriegsbeginn wurde der „Hof" von Bojan, eitlen: kleinen Städteben in der nördlichen Bukowina, nach Wien verschlagen, :utb hier amtierte