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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-06 · Heft 14 (6.4.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Ituien für eine Reform der Verhältnisse vorliegen. Eine sehr beachtenswerte Bemerkung macht hierbei Herr Oskar Tietz: in der Synagoge des Louisenstädtischen Brndervereins seien an einem Freitagabend beim Gottesdienst außer den Minjanleuten nur zwei Besucher gewesen. Das gebe doch bei der Bewilligung von Subventionen zu Bedenken Anlaß. Herr Lewinski betont, Kriegszeiten seien nicht maßgebend. Das Ergebnis des Herrn Tietz beruhe auf einer Ausnahme. Der Prozentsatz der Besucher der Synagoge sei bei den kleinen Gemeinden ebenso wie in der Hauptgemeinde. — Infolge der über die Auslosung des Louisenstädtischen Brüdervereins schwebenden Verhandlungen ist es bisher unterlassen worden, die Subvention dieses Vereins für die Zeit vom 1. April 1916 bis 61. März 1917 zu bewilligen. Trotzdem daß die Verhandlungen zu greifbaren Resultaten noch nicht geführt haben, hat der Vorstand sich veranlaßt gesehen, dem Verein die Subvention in der bisherigen Hohe von 10 000 Mark vierteljährlich in Form von Vorschüssen anszuzählen, und bittet diese Zahlung nachträglich zu genehmigen. Herr Easparh bemerkt, es sei ihm zu Ohren gekommen, daß der Verein gar nicht beabsichtige, sich aufzulösen, sogar Mittel erlangt habe, sich mit einigen anderen Vereinen neu zu organisieren. Tie Bewilligung von 10 000 Mark findet statt, ebenso von 200 Mark zur Pessachbeköstigung jüdischer Strafgefangener in Rawitsch, 300 Mark zur Pessachbeköstigung jüdischer Soldaten in Graudenz und 853 Mark Kosten der Mazzothbezngsscheine. Nach einigen kurzen Bemerkungen wird die öffentliche Sitzung geschlossen. E. M. Berlin, 3. April.?fm vorigen Freitagabend fand in der Alten Synagoge vor Beginn des Gottesdienstes die Einführung der neugewählten Gemeinderabbiner Dr. L o e w e n t h n l und Lieberm nun statt. Zu dieser Feier hatten sich in der Vorhalle die Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversammlung, des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes und Abordnungen der verschiedenen Synagogenvorstünde eingefunden, die nach einerkurzen Begrüßung beide Herren unter den Klängen des vom Chore vorgetragenen Ma tanwu in feierlichem Zuge zur Heiligen Lade geleiteten. Hier hielt namens des Gemeindevorstandes dessen Mitglied Geheimer Sanitütsrat Tr. Stern eine Ansprache, in der er die Denkwürdigkeit dieses Tages hervorhob, welcher der Gemeinde zwei neue Verkünder des Gotteswortes schenkt. Es ist das eifrige Bestreben der Gemeindebehörden, allen in der Gemeinde vertretenen religiösen Anschauungen gerecht zu werden und den religiösen Frieden in der Gemeinde zu fördern und zu erhalten. Deshalb ergeht in dieser feierlichen Stunde an die neuen Rabbiner die Bitte, im Sinne des Friedens zu wirken-und den einigenden Geist der Lehre über den starren Buchstaben zu stellen. Die Geister der großen Vorgänger, wie Michael Sachs und zuletzt Joseph Eschelbacher, mögen den Nachfolgern ein Vorbild zu umfassendem segensreichen Wirken werden. - - Als erster der beiden Rabbiner gab Dr. L o e w e n t h a l seinem dankbaren Empfinden dafür Ausdruck, heute an dieser Stätte als Lehrer der Gemeinde zu stehen, die er vor dreißig Jahren als andächtiger Schüler der Wissenschaft des Judentnuls zum ersten Male in scheuer Andacht betreten habe. Der Ausgabe, den Frieden in der Gemeinde zu fordern, die ihm anvertraute Kanzel zur Belehrung der Gemeinde, die sich um dieses ehrwürdige Gotteshaus vereine, zu benutzen, seine ganze Kraft zu widmen, gelobe er in dieser feierlichen Stunde. Hierauf dankte auch Rabbiner Tr. Liebermann für die herzlichen Begrüßungsworte des Vertreters des Gemeindevorstandes. Seine Friedensworte finden auch in seinem Herzen beredten Widerhall. Das Ueberlieferte bewahren, die Lehren des Judentums in Gotteshaus und Schule zu verkünden und Liebe zum Judentum in die Herzen der ihm anvertrauten Jugend zu pflanzen, werde die heilige Aufgabe seines Lebens sein. Nach dieser Ansprache setzte der Chor mit einem Liede ein. Tie neuen Rabbiner wurden von ihren Kollegen zu ihren Amtsplätzen geführt, dann schloß sich der Freitagabendgottesdienst an die schlichte Feier an. E. M. Berlin, 3. April. Stadtverordneter Leopold I a c o b i, der am 23. v. M. seinen 70. Geburtstag feiern konnte, ist am 28. Plötzlich verstorben. Die Beerdigung des Heimgegangenen fand letzten Sonntag auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Eine außerordentlich zahlreiche Trauergemeinde hatte sich versammelt, uin dem verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Neben Vertretern des Magistrats und der Stadtverordn etenversannn!l.llng bemerkte ui an Abordnungen des A u fsichtsrats der Städtischen Elektrizitäts- und Gaswerke, der Städtischen! Straßenbahn und anderer Deputationen, in denen der Verstorbene mitarbeitete. Die Veranlagungskommission der Jüdischen Gemeinde, welcher der Verstorbene 35 Jahre angehörte, war durch eine Anzahl von Mitgliedern dieses Kollegiums vertreten; der Wohltätigkeitsverein Gewul-Tauw war mit dem Vereinsbanner erschienen. Die Trauerfeier wurde durch Harmoninmspiel eingeleitet, dann trug ein Streichquartett ein Adagio von Beethoven vor. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Weiße die Gedächtnisrede und sprach die üblichen religiösen Gebete, worauf der stellvertretende Vorsitzende der Berliner- Stadtverordnetenversammlung, Geheimer Justizrat Cassel, dem Verewigten einen ehrenvollen Nachruf widmete. Er' würdigte den Menschen Jacobi, dessen gastliches Haus der Treffpunkt vieler bedeutender Männer war. Mit inniger Treue hing er an seiner Glaubensgemeinschaft, für deren Rechte er unermüdlich eintrat. Seine Mitarbeiter gedenken seiner in Liebe und Verehrung, sein Geist wird in der Berliner Bürgerschaft weiterlebou! - Nach der Rede sang der Chor der Synagoge Fasanenstraße ein Schlußlied, dann wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. — Allenstein, 1. April. Heilte werden es 25 Jahre, daß Dr. O l i tz k i aus Cöthen (Anhalt) kommend, wo er eine große wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet hatte, hier sein Amt als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer antrat. Er übernahm auch den jüdischen Religionsunterricht am Gymnasium, an der Luisenschule l:nd später an der Oberrealschule. Auf seine Veranlassung wurde der Verein für jüdische Geschichte und Literatur gegründet, wo Dr. Olitzki in den ersten Jahren die meisten Vortrüge hielt. Auch der Jüdische Jugendverein war sein Werk. Durch seine Sammeltätigkeit in unserer Provinz und in der Reichshauptstadt wurde die Gründung des Jüdischen Altenheims für die Provinz Ostpreußen in Allenstein ermöglicht. Als Ansschußmitglied des Ostprenßischen Synagogenverbandes nimmt er den regsten Anteil an der Hebung der religiösen Verhältnisse der kleinen Synagogengemeinden und hat eine beträchtliche Anzahl von Religionsschulen zu inspizieren. Die jüdische Militärseelsorge übt Dr. Olitzki seit einer Reihe von Jahren in der hiesigen Garnison freiwillig aus. Seit einem Jahre hält er im Aufträge des Stellvertretenden Generalkommandos in verschiedenen kleinen Garnisonen regelmäßige Militürgottesdienste ab. Durch sein ruhiges, friedliches Wesen erwarb er sich auch außerhalb seiner Gemeinde und in der Provinz große Achtling xinb Liebe. W. Posen, 30. März. Tie Beisetzung des Ehrenbürgers der Stadt Bosen Geheimrat Michael Herz fand unter Anteilnahme weiter Kreise der Posener Bürgerschaft statt. Der Neberführung nach dem Friedhofe ging eine Trauerfeier in der Synagoge voran, an der außer den das Gotteshaus bis -aus den letzten Platz füllenden Gemeindemitgtiedern die Spitzen der Behörden mrd die Vertreter des Magistrats teilnahmen. Gememderalllüner Professor Dr. B l o ch hielt in herzlichsten Worten die Trauerrede auf seinen verstorbenen Altersgenossen. Er schilderte die ausgezeichneten edlen Charaktereigenschaft^ des Verblichenen, der schon in seinem Aeußeren den liebensloürdigen, stets hilfsbereiten Menschen verriet. Seinen Bemühungen ist es gelungen, sämtliche religiösen Richtungen in der Gemeinde zu vereinigen und zu versöhnen. Edel war aitcl) sein häusliches und Familienleben. Ein begeisterter Anhänger von Kaiser und Reich hat er auf Gott stets vertraut und an denr Sieg unserer gerechten Sache niemals deu geringsten Zweifel gehegt. Leider sollte er das Ende des Krieges nicht mehr erleben. Mit einer Bitte um Trost für die schwergeprüfte Gattin, der körperliches Leid an der Trauerfeier teilznnehmen versagt hat, und -einem Gebet für den Entschlafenen schloß der Rabbiner seine Ansprache. Sodann widmete der Oberbürgermeister Geheimrat Dr. W i l m s dem verdienten Ehrenbürger der Residenzstadt einen tiefempfundenen Packenden Nachruf. Die Bürgerschaft habe dem Tahin-geschiedenen die höchste Ehrenstellung, das Ehrenbürgerrecht, verliehen; auch in der ganzen deutschen Handelswelt habe der Name des Geheinirats Herz einen hohen- Klang gehabt. Nach einem Trauergesang würde der Sarg zum Leichenwagen getragen. Städtische Diener trugen dem Wagen Kranzspenden voraus. Teil Zug erösfneten zwei Magist-ratsbcamte mit dem von der Stadt ihrem Ehrenbürger gewidmeten kostbaren Kranze. Es folgte ein Magistratsbeamter mit dem OrdeiEssen. auf bnn bk zahlreichen Orden ruhten; hinter ihm schritten weitere Nchaistratsbeamte mit kostbaren Palmen, die von verschiedenen Behörden, Korporationen it(io. gestiftet waren. Die Leiche wurde.sodann

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