Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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der greise Rabbiner im Kreise seiner Getreuen. Ein Schlaganfall «lachte seinem Leben ein Ende. Zu dem Leichenbegängnis, das Sonntag stattfand, hatten sich viele Anhänger des Wunderrabbis eingefunden. Der gewaltige Zug, in dessen Mitte die sterblichen Reste Friedmanns von „Chassidim" getragen wurden, machte in den Abendstunden einen eigenartigen Eindruck. Die Leichenfeier fand unter dem für die Orthodoxen vorgeschriebenen besonderen Rituale statt. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde hat ein Ehrengrab gestiftet. — Als Obmann des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens hat der Rabbiner Dr. Oppenheim (Olmütz) sowohl im Statthaltereipräsidiilm als dem Ernährungsnnb Viehverwertungsamte vorgesprochen, wo über die Beschaffung der Mazzoth, von dem dem Ritus entsprechenden Rindsfett, über die Unmöglichkeit der Abgabe von Mazzoth an Militärpersonen seitens der Kultusgemeinden, in deren Sprengel sich größere Garnisonen befinden, über die Erlaubnis des Fleischgenusses am Erew Pessach und Swi'i schel Pessach in eingehendster und entgegenkommendster Weise Besprechungen gepflogen wurden. — Der Ungarische Landes-Rabbinerverein hielt vor kurzem unter Vorsitz des Naghkanizsaer Oberrabbiners Dr. Eduard N e u m a n n im Gebäude der Pester israelitischen Religionsgemeinde seine Generalversammlung ab, die von zahlreichen Mitgliedern mi§ allen Landesteilen besucht war. Er teilte mit, daß er König Karl bei seiner Thronbesteigung namens des Vereins ehrfurchtsvoll begrüßt habe: der Verein wurde durch den -Obergesvan des Komitats Zala verständigt, daß der König die Huldigungsadresse huldvollst entgegengenommen habe. Die Generalversammlung behandelte die Frage der Alterszulagen und bevollmäcktigte den Präsidenten, beim Kultus- und Unterrichtsminister für die Erhöhung der Zulagen einzuschreiten, da der Verein im verflossenen Jahre bloß 150 000 Kr. vom Minister für diesen Zweck angewiesen erhalten hat, was sich als viel zu geringfügig erwies. Der Leiter des Volksernährungsamtes. Baron Ludwig Kürthy, hat den Verein verständigt, in allen rituellen Fragen die Wohlmeinung des Vereins einzuholen. Zum Studium der Frage der Einheitlichkeit der religiösen Zeremonien wurde ein Ausschuß entsandt und beschlossen. die Tätigkeit der Kultusgemeinden, Rabbiner und Feldrabbiner während des Krieges in einem besonderen Werke zusammenzufaffen. Dann hielt Dr. Simon Hevesi einen Vortrag über die soziale Tätigkeit der Rabbiner. _ Von Nah und Fern. — Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat auf die sechste Kriegsanleihe wiederum eine Million Mark aus Stiftungsmitteln gezeichnet. Mit dieser neuen Zeichnung erreicht der Besitz der Jüdischem Gemeinde an Kriegsanleihen des Deutschen Reiches, die aus Genreindemitteln erworben sind, eine Höhe von insgesamt 7 300 000 Mark, von denen aus die erste Kriegsanleihe zwei Millionen Mark, auf die zweite, vierte und fünfte je eine Million Mark und auf die dritte Kriegsanleihe 1 300 000 Markt entfallen. Außer diesen in runden Beträgen selbst erworbenen Kriegsanleihen besitzt die Gemeinde noch erhebliche Kapitalien in diesen Papieren, die bei der Errichtung von Stiftungen und bei ähnlichen Anlässen ihr übereignet worden sind. — Der Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Berliner Jüdischen Gemeinde, Professor Dr. James Israel, ist von seiner Stellung zurückgetreten: im übrigen behält Professor Israel die Leitung seiner Privatklinik weiter und wird sich sonst seiner praktischen Tätigkeit und wissenschaftlichen Arbeiten widmen, lieber. seine Nachfolge wird erst nach dun Kriege entschieden Werder«: 3um interimistischen Leiter der chirurgischen Abteilung ist Professor Dr. Karewski ernannt. — Professor Dr. Rudolf E b r m a n n in Berlin ist zum Direktor der inneren Abteilung des Neuköllner Städtischen Krankenhauses gewählt worden. Ehrmann, der im 38. Abensiahre steht, entstammt einer religiösen jüdischen Familie in Oberbessen: er studierte von 1898 bis 1903 Medizin und ward zunächst Assistent an der medizinischen Klinik in Greifswald und dann Assistent an der medizinischen Universitätsklinik, die er jetzt in Vertretung von Geheimrat Goldscheider leitet, nachdem er Ende 1914. mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse geschmückt, aus dem Felde zurückgekehrt. — Ter Stadtverordnete Geh. Sanitätsrat Professor Dr. I u l i u sLazarus vollendet am 6. April sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar ist Mitglied der Waiiendeputatian und anderer Verwaltungen. Seit Beginn des Krieges ist er auch als Stabsarzt in Lazaretten tätig.' — Herr Dr. Bernhard Weiß, Amtsrichter Berlin- Mitte, Sohn des Herrn Max Weiß, Kurfürstendämm 241, ist zum Rittmeister d. R. ernannt worden. — Der Hauptmann der Artillerie Walter Salinger, den wir in der vorigen Nummer unter den Empfängern des Eisernen Kreuzes erster Klaffe ausgeführt haben, ist nicht mehr Jude. — Am 5. März ist im Heim des Vereins Israelitisches Lehrerinnenhei m (Berlin-Lichterfelde) die Insassin Fräulein Luise Tobias., die SA Jahre im Heim zugebracht hatte, im Alter von 74 Jahren verschieden. Fräulein Tobias erfreute sich besonderer Schätzung seitens des Vorstandes und der Liebe ihrer Kolleginnen. Wie glücklich sie selbst sich im Heim gefühlt. läßt ihr Testament erkennen, nach dem der Rest -ihrer kleinen Ersparnisse bem Heim zufällt, ihre Kolleginnen durch Andenken erfreut werden und die Oberin aus Dankbarkeit für ihre aufopfernde Pflege 200 'Mark erhält. — Die Firma Sachs, Oel- und Firnisfabrik in Hindenburg, stiftete 20 000 Mark zur Errichtung von Säuglingsheimen, je 10 000 Mark auf Stadt- und Landkreis Hindenburg. — Aus Moschin wird uns geschrieben: Im hohen Alter von 88 Jahren verschied hier Rentier Raphael E ck m a n n. Seit 60 Jahren gehörte er dem Kranken- und Beerdigungsverein Chewra Kadischa an und hat demselben stets seine Dienste gewidmet und reges Interesse für ihn gezeigt. Das Andenken an den Verstorbenen wird stets in Ehren gehalten bleiben. An der Beerdigung beteiligten sich alle Mitglieder der Gemeinde. — Die Jüdische Gemeinde Goldberg i. Mecklenburg bestebt aus nur zwei Familien und soll aufgelöst werden. Die Verwirklichung hing nur vom Verkauf der Synagoge ab. Nun ist dieser erfolgt. Die Genehmigung des Ministeriums steht bevor. — Der kais. türkische Generalkonsul Kommerzienrat Siegfried Bach (Nürnberg) wurde vom Sultan unter Verleihung des Medjrdieordens 2. Klasse zum Großoffizier dieses Ordens ernannt. —Aus Augsburg wird geschrieben: Der Synagogenj Neubau an der Halderstraße soll demnächst.der Benutzung übergeben werden. Das Bauwerk, das in die Stadt eine besondere Note aebracht bat. ist aus einem vor fünf Jahren unter den Baukünftlern Bayerns abaebaltenen Wettbewerb bervorgegangen. wobei dem Proiekt der Arckätekten Divlomingenieur Fritz Landauer (München) und Diplomingenieur Heinrich L ö m b e l (München) die beiden ersten Preise mit 2500 Mark znerkannt wurden. Das Projekt ist mit geringen Abänderungen später auch zur Ausführung gekommen. — Dr. Alfred Grünebaum, Oberleutnant der Reserve. Rechtsanwalt in Frankfurt a. M.. wurde zum Hauptmann befördert. — Aus Mainz wird uns geschrieben: Am 1. Avril «beging Herr Reall/chrer E s ch e lb ach e r , ein Sohn des verstorbenen Rabbiners Eschelbacher. sein fünfundzwanzigjähres Jubiläum als Religionslehrer der > Israelitischen Gemeinde in Mainz. — Mitglieder des War-! schauer und Lodzer Jüdischen Theaters Haben in Schevenin gen; ein jüdisches Theater eröffnet, in dem nur jüdische Bühnenstücke zur Aufführung gelangen werden. — Die im Spätjahr 1915 in sämtlichen iüdischen Gemeinden der Schweiz vom Gemeindebund erstmals organisierte Sammlung zugunsten unserer notleidenden Glauben saenoffen int Osten und in Palästina bat den Totalbetrag von 21 498.70 Franken ergeben. Von diesem Resultat wurden 4200 Mark Palästina. 6300 Kronen Galizien, 4000 Rubel Rußland. 63000 Mark Polen und 2000 Kronen Serbien überwiesen. Die jetzt wieder zum selben Zwecke angeordnete und bereits im Gange befindliche zweite Sammlung. Heren Resultat hinter dem ersten nicht zurückstehen dürfte, wird im aleichen Sinne verwendet werden. — Der „Oesterreicknschen Wochenschrift" entnehmen wir nachstehende Notiz: Ein jüdischer U - Boot- Kämpfe r. Ludwig S ch w a r z f ch i l d aus Masienheim (Kreis Wiesbaden), Sohn des Kaufmanns M. Schwarzschild II., erhielt vom Großherzog von Oldenburg das Friedrich-August-Kreuz 1. und 2. Klaffe. Außerdem besitzt derselbe die Rote-Adler-Medaille, das Oesterreichjsche Derdienststkreuz in Silber sowie eine Einnerungmedaille der Stadt Bremen. Er erhalt diese Auszeichnungen für tapfere Dienste in einem Unterseeboot. — Aus Florenz meldet man den Tod der Präsidenten der Israelitischen Gemeinde, des Ingenieurs Eduard Philippson. dessen Ansehen in ganz Italien , ein großes war. — Der vor weniaen Tagen in Eento (Italien) verstorbene Herr Lazzaro Levi hat testamentarisch bestimmt, daß sein ganzes Vermögen zur Gründung eines Seehospizes für jüdische Kinder verwendet werden soll. Insbesondere sollen in dieser Institution alle Vorschriften der israelitischen Religion befolgt werden. Verantwortlicher Redakteure AlbertHak in Berlin-Pankow. gowraftrake 58 Verantwortlich für den Anzeioenteil: Mar ftuitne. Berlin-Arledenan. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe.