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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-06 · Heft 14 (6.4.1917) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
Seite 167 (sequence 11)
Language
German
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167 Wie weit alle die Zustände und Menschen, die der Verfasser vorführt, der Wirklichkeit entnommen sind, wie weit sie bloß seiner Phantasie entstammen, kann ich nicht seststellen. Es wäre betrüblich und peinlich, diese groß angelegte Schilderung zu lesen, wenn nicht die ungemeine Geschicklichkeit des Autors blendete und festhielte. Man darf das Buch, so schlimm auch die Deutschen und die Juden darin fortkommen, nicht gerade als ein antideutsches und ein antisemitisches bezeichnen, denn nicht dieses Negative ist die Hauptsache, sondern das Positive: Tie Darstellung eines Polen, der diese polnische Stadt, die den Juden und Deutschen ausgeliefert zu sein scheint, wieder für die Polen erobern will, denen sie seiner Meinung nach gebührt. Wie man auch über diese Tendenz denken mag, als literarischem Erzeugnis muß dem Werke eine hohe Stelle eingeräumt werden. L. G. Sedrrsbend. ESI. Bon Jenny Berg m o n n (Steglitz). ie glänzt das ganze Haus so festlich blank! Noch einmal geht die Hausfrau durch die Stuben, Vom Tempel kommt der Vater, frisch und schlank, Zur Seite ihm die braungelockten Buben. Bald sitzen sie am Sedertisch vereint. Die Eltern mit den Kindern in der Runde, Der Krone Licht die Tafel hell bescheint, Und alles hängt gespannt an Vaters Munde. Der sitzt zurückgelehnt und liest die Mär, Die altvertraute, heilige Geschichte, Von unserer Väter Zug durchs Rote Meer, Von Pharaos verdientem Strafgerichte. „Dies ist das „Elends-Brot", der Hausherr spricht, „Das haben unsre Väter einst gegessen. Wer hungrig ist, der komm und säume nicht. Er soll willkommen sein und mit uns essen!" Er bricht entzwei das weiße Osterbrot, Er füllt die Gläser, teilt die bittern Kräuter. Doch als er alles dies den Seinen bot. Irrt trüb sein Aug' zum leeren Platze weiter. Dort fehlet einer, schon im zweiten Jahr, Wo weilt der Sohn? Daß Gott sich sein erbarme! Sehnsüchtig harret seiner Lieben Schar, Daß heim er kehren mög' in ihre Arme! Wohl war der Sohn noch kurze Zeit zu Haus, Nach KriegSbeginn, es war zum Abschiednehmen, Doch lange blieb nun jede Nachricht aus. Und Angst kam in der Seinen Herz und Grämen. Der Vater blickt so bange nach der Tür, Als müßte seine Sehnsucht sie erschließen. Als müßte treten sein Knab' herfür, Mit langentbehrtem Frohsinn ihn zu grüßen! Doch keiner kommt, und weiter rinnt die Zeit, Die schönen Lieder singen sie zusammen. Jedoch sie stimmen nur zur Traurigkeit, Und tief gesunken sind der Hoffnung Flammen. — Spät schellte es, es ward gebracht ein Brief, Der Vater nahm ihn ab, die Hand ihm zittert. Als er nun öffnete und jauchzend rief: „Von unserm Paul!" ist alles tief erschüttert. „Ihr Teuren", las er, „fast hätt' ich geweint, Daß ich am Pessach nicht bei Euch darf weiten. Doch geht es wieder tüchtig an den Feind, Man konnte keinen Urlaub mir erteilen. Wir stehen jetzt auf deutschem Wachtgebiet, So werdet diesen Brief Ihr rasch empfangen. Ach! Alles, was mir durch die Seele zieht, Ist in die Feder, aufs Papier gegangen. Da stand ich gestern auf der Wacht allein, Hier fern im Ost, auf schneeigem Gelände, Ich dacht an Euch beim milden Sternenschein, Wie Vater, Du, jetzt liest die Festlegende, Wie Mütterchen so treulich bei Dir sitzt, Und aus der Küche duften schon die Fische, Wie unsrer Kleinen Aug' vom Weine blitzt Und von dem Glück, mit Euch zu sein bei Tische. Da zog ich rasch mein Kommisbrot hervor, Biß recht beherzt in seine harten Rinden, Und wieder kehrten Laune und Humor, Die halsen mir, mich in mein Schicksal finden. Zog 40 Jahre durch Wüsten Israel, So dachte ich, wir halten durch noch länger, Durch dick und dünn, dem Führer zu Befehl, Umzingeln wir die Gegner immer enger. Und selbst, daß ich heut von Euch ferne bin. Scheint mir Station aus solchen Wüstenwegen, Die man mit deutschem Schneid, mit frohem Sinn Und Gottvertrauen muß znrückelegen! Doch wenn der letzte Feind sank in den Sand, Ist auch der letzte Feindeswall erstiegen; Dann, ach, dann winket der Verheißung Land: Wir kehren heim, an Euer Herz zu fliegen." Lin Olirinilpiel mit tzjnvermllrn. Humoreske von M. Pulver mann. (4. Forts.) as war das Stichwort für Uscher, einzufallen. Doch nicht Uscher fiel ein, sondern die ganze Versammlung, und zwar mit einem solchen betäubenden, brüllenden Gelächter, daß die Fensterscheiben klirrten und die Talglichter im Hängeleuchter tanzten und flackerten. Die Idee, Melle sich als Frau zu denken, die weiblichen Pflichten erfüllend- Melle, Mutter von zwei Kindern — — —! Nein, das war zu köstlich! Mittlerweile stand Uscher wütend da und konnte nicht zu Worte kommen. Verächtlich blickte er auf die Menge. Was hat es für einen Zweck, solche Menschen belehren zu wollen und ihnen etwas vorzuspielen, da sie doch von der höheren Kunst keine blasse Ahnung haben und nicht begreifen können, daß diese ganze Begebenheit dem wirklichen Leben entnommen ist? Er sah wieder auf Nachme Klinker; ja, er schien wenigstens den Sinn zu erfassen, die schöne Moral herauszusühlen; —-vor lauter Rührung sah er schon ganz bleich und angegriffen aus. Darum unverzagt! Der Ehosseu wird schon später die Narren über das schöne Stück aufklären, so daß alle, beschämt über ihre jetzige Unvernunft, sicherlich bemüht sein werden, durch eine größere Geldgabe alles wieder gut zu machen.- Als daher der Lärm einen Augenblick nachließ, fing er sofort an, seine Rolle vorzutragen, indem er den Lederriemen schwang und mit grollender Stimme ries: Man zeichnet Uriegsanleihe bei jeder vank.Uredilgenosjenschaft, Sparkasse, Lebdnsverficherungsgesellschasl.poftanftalt

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