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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-06 · Heft 14 (6.4.1917) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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- 162 Der konfessionelle Charakter der Volksschule muh unter allen Umständen aufrechterhalten bleiben. Das ist um so notwendiger, weil die freigeistigen Verbände Deutschlands vor einigen Tagen mit einer Kollektiverklärung an die Oeffentlichkeit herangetreten sind. Sie ist unterzeichnet auch vom Deutschen Monistenbund, der früher einmal ein Flugblatt verbreitet hat, in dem das christliche Bekenntnis mit dem mittelalterlichen Aberglauben, verglichen wurde. * Im Gegensatz zu der Hoffnung, die am Anfang dieser Uebersicht ausgesprochen wurde, daß die Verhältnisse der Juden in Rußland sich bessern würden, sei aus einen Artikel einer Berliner Zeitung hingewiesen, in dem ausgeführt wird, daß zwei der neuen russischen Minister erklärte Judenfeinde sind: der Präsident Lwow, der sich immer gegen die Heranziehung der Juden zur Semstwoarbeit ausgesprochen hat, und der Kriegsminister Gutschkow, der Mitbesitzer und Derwaltungsrat der judenhetzerischen Zeitung „Nowoje Wremja" ist. Dann heißt es in dem Artikel weiter: Aber auch einzelne Tatsachen aus der allerjüngsten Zeit beweisen, daß die russischen Juden allen Grund zu den ernstesten Befürchtungen haben. Als Miljukow neulich von dem Petersburger Vertreter der „Central News" über seine Stellungnahme zur Judenfrage befragt wurde, wich er einer genauen Antwort aus und begnügte sich mit der allgemeinen Redensart, die russischen Juden würden „in Zukunft" alle Rechte der russischen Untertanen erhalten. Als ferner Gutschkow bald nach seiner Ernennung zum Minister von jüdischer Seite befragt wurde, ob er für die Eröffnung der Offizierslausbahn für die im Felde stehenden jüdischen Krieger eintreten werde, erwiderte er ausweichend, die Ossiziersernennungen hingen nicht von ihm ab. Des weiteren sei sestgestellt, daß die russischen Konsulate im neutralen Auslande nach wie vor die Paßvisierung nach Rußland für neutrale ausländische Juden verweigern, und daß dahingehende drahtliche Anfragen an die Petersburger Zentralinstanz unbeantwortet bleiben. Anfragen der Petersburger, Moskauer und Kiewer Juden an den neuen Nnterrichtsminister Manuilow, ob die jüdischen Abiturienten nunmehr auf die Aufhebung des bisherigen Einschränkungsgesetzes wegen der Immatrikulation jüdischer Studenten rechnen dürfen, wurden mit der gleichfalls ausweichenden Antwort bedacht: Die Negierung werde diese Frage im Auge behalten. Höchst bemerkenswert ist es, daß die neue russische Regierung in ihren bisherigen unzähligen Manifesten es sorgsam vermieden hat, über die gerade in Rußland so außerordentlich wichtige Judenfrage eine deutliche und bündige Erklärung abzugeben. Trotzdem wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Die Verhältnisse haben sich noch immer stärker erwiesen als die einzelnen Menschen; die russische Revolution, die den Kaiser aus dem Hause Romanow hinweggefegt hat und die die russischen Großfürsten dahin brachte, sich für die Revolution zu erklären, wird mit den trauriger: Resten der mittelalterlichen Judenpolitik endlich aufräumen. Der Geist der Zeit läßt sich nicht bannen, die Freiheit muß endlich triumphieren. Jene Stärkung erlangt diese Hoffnung durch folgende vom „Berliner Tageblatt" verbreitete Mitteilung: Privat-Telegramme an hiesige Zeitungen melden, daß die vorläufige Regierung den Justizminister bevollmächtigte, ein dringendes Gesetz auszufertigen, worin alle bestehenden polnischen Gesetze, die mit religiösen Fragen Zusammenhängen, sofort für ungültig zu erklären seien. Das bezweckt eine Regelung der polnischen Judenfrage. Ebenfalls wurde für Litauen ein Sonderrat gebildet zur Regelung der politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Fragen. Dieser Rat hat 34 Mitglieder, die sämtlich offiziell ernannt sind. Die Hälfte der Mitglieder sind Litauer, ferner sitzen sieben Russen, zwei Polen und drei Juden in dem Rat. * Da man über die Juden in Spanien selten etwas hört, mag folgende Nachricht aus den Mitteilungen des Kopenhagener Bureaus der Zionistischen Vereinigung willkommen sein: M ä k k a b a e r f e i er in Nt a d r i d. Nach mehr als 400 Jahren tonnten die Madrider Juden, deren Zahl durch eine große Reihe von Flüchtlingen sehr vermehrt worden ist, zum ersten Male wieder eine würdige Makkahäerfeier abhalten. Als die Menorah angezündet worden war, richtete Professor Dr. I a h u d a einige Worte an .die Versammelten, forderte sie auf, die alten jüdischen Feste zu neuem Leben zu erwecken, und sprach nn besonderen über die hohe moralische Bedeutung des „Festes der Lichter" und das Symbol der Menorah. Er schloß mit einer Aufforderung an die versammelten Juden, daß sie nun energisch und voller Hingabe sich der Neukonstituierung der alten Madrider Jndengemeinde zuwenden sollten. Darauf ergriff Herr Dr. Max.Nordau das Wort zu einer Ansprache über die Bedeutung des Makkabäerfestes. Er sprach über die Makkabäerhelden von einst und jetzt und riß die große Zuhörerschaft völlig mit sich, ganz besonders, als er von der Lösung der Jildennot, den: Zionismus, sprach. Herr Jjaach Alchech dankte den Herren Dr. Norden und Dr. Zahuda in warmen Worten und sprach die Hoffnung aus, Tr. Nordau bald von seiner heimischen Tribüne, der Tribüne der zionistischen Kongresse, sprechen zu hören. Die Arbeit zur Reorganisierung der jüdischen Madrider Gemeinde wird unter Leitung Dr. Uahudas und unter Mitarbeit der Herren Melamed, Salzedo, I. Farache, A. Kraus, A. Montias sofort in Angriff genommen werden. Es ist gewiß erfreulich, daß sich auch in Spanien jüdisches Leben regt. * Nachstehenden sehr merkwürdigen Bericht fanden wir in der „Deutschen Wochenzeitung für die Niederlande und Belgien", den wir, da wir ihn nicht nachzuprüfen vermögen, hier zunächst ohne Kommentar folgen lassen: „Mehr als 95 Prozent aller in den Niederlanden ansässigen Jllden hegen eine deutschfeindliche Gesinnung. Es gibt Leute dar unter, gleich den: überspannten Dichter des jüdischen Liedes, Israel de Haan, der Rußland in Prosa und Poesie als einen Jdealstam preist, die die Kultur dieses Landes weit höher stellen als die Deutsch lands. Den Chor dieser notorischen einheimischen Hetzer verstärken überzählreiche Juden aus den österreichischen Kronländern, zumeist Deserteure, die, um sich bei ihren hiesigen Glaubensgenossen lies Kind'zu machen und einige Groschen zugeworfen zu erhalten, über die Behandlung'der Juden in Ungarn, Galizien, Polen usw. Greuel aus tischen, die die armenischen wirklich noch übertrefsen. In jüngster Zeit macht „Das jüdische Korrespondenzbnrcau", n:it dessen den: großen Leserkreise völlig unbekannter: österreichischen Leitern nur uns demnächst etwas eingehender beschäftigen werden, ein lohnendes Geschäft daraus, den hiesigen antideutschen Blättern Berichte über die unmenschliche Behandlung der polnischen Juden durch die Deutschen zu liefern. Einer dieser natürlich auch tm „Telegraaf" und „Courant" erschienenen Berichte war das Ergebnis einer Unterredung mit aus Polen in Rotterdam eingetroffenen jü bischer: Auswanderern. Da heißt es u. a. : „ . . . Die unteren Volk.- klaffen sind entsetzlicher: Entbehrungen ausgesetzt. Die Deutschen be folgen dort ein noch weit ärgeres Deportationssystem als in Belgiern Anfänglich konnten sich die Bürger für ein paar hundert Mark lo^ kaufen. Den 45 000 ersten Bürgern gelang dies; der Rest wurde ohne Gnade deportiert. Die Bürger wurden, 20 Meilen von ihren Wohlstättm entfernt, unter militärischer Aufsicht, zur Arbeit gezwungen. In: Winter wurde von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags um unterbrochen durchgearbeitet. Dafür erhielten die Unverheirateten täglich 30 Pfennig, die Verheiratetei: 70 Pfennig und ein halbes Pfund Brot, das aus Stroh und Holz bestand. Wenn ein Arbeiter übermüdet zusannnenbrach, wurde er von den Soldaten unbarmherzig verprügelt. Die meisten der Armen sind denn auch krank und verstümmelt wieder nach Hause geschickt worden. Die Mißhandelten, die an das Sklavenjoch gewöhnt sind, klagen-nicht, usw. Der seit.einigen Jahren in Niederland ansässige, bekannte jiddiseste Dichter Salomon Dembitzer, der schon häufiger ähnliche .Schwinde!' berichte seiner hiesigen Glaubensgenossen richtiggestellt, hat mm) diesen Bericht des „Jüdischen Korrespondenzbureaus" auf seine Riw tigkeit nachgeprüft und im sozialdemokratischen Tageblatt „Het Volt"

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