Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WSWMMM Rkcht Gebrauch und wähtte Frau Auguste R o s e n th a l - B u d w.:g zur Schriftführerin, Herrn Fritz Choyke und Herrn Rechksanwalt Heinrich Stern zu Beisitzers denen besonders die Leitmig der Propaganda übertragen wurde.' # Berlin, 27. Mürz. Frau Bertha Mau Heime r, die Gattin des im Vorjahre verstorbenen bekannten Philanthropen M o r i tz M a n h e i m e r, vollendete am 21. d. M. ihr SO. Lebensjahr. Frau Manheimer hat als verständnisvolle Mitarbeiterin das Lchenswerk ihres Gatten unterstützt; gemeinsam begründete das Ehepaar Manl>eimer die Altersversorgnngsanstatt in der Schönhauser Allee, das Siechouhaus der Jüdischen Gemeinde in der Oranienburger Straße und das Kindergenesungsheim in Bad Ebnen. Auch eine große Anzahl interkonfessioneller Wohlfahrtsinstitute verdankt dem Ehepaar ihr Entstehen. Anläßlich der goldenen Hochzeit im Jahre 1906 wurde'Frau Manheimer im Aufträge Ihrer Majestät der Kaiserin eine kostbare Schale aus der Königlichen Porzellanmanusaktur überreicht, die von einem anerkennenden Schreiben des Ministers des Innern v. Bethnmnu Hollweg, des jetzigen Reichskanzlers, begleitet war. Anläßlich des 80. Geburtstages der allgemein verehrten Frau hat der Vorstand iX'r Jüdischen Gemeinde Frau Manheimer ein Glücbvunschschrciben übersandt, das die großen Verdienste des Ehepaares Manheimer um die Wohlfahrtspflege in unserer Gemeinde hervorh-ebt. Zum ersten Todestage Moritz Manheimer s am 27. März haben die Gemeindel>ehörden am Grabe des Philanthropen, das sich auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee befindet, einen Kranz niederlegen lassen. E. M. Berlin, 27. März. Tie diesjährigen Montags- Vorlesungen an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums beschloß ein Vortrag des Geheimen Oberkorifistorialrats . Probst Profesior Dr. D. K a ui e r a u über „L u t h e r s S t e l l u n g .zu Juden und Judentum". Luther, der zu Anfang seiner öffentlichen Tätigkeit seine Zeitgenossen 'durch seine judenfreundliche .Haltung überragte, machte in seinem R^exhültnis zmn Judentum eine krasse Wandlung durch, die ihn später zu so scharfen Aeußerungen veranlaßte, daß die Antisenriten ihn noch heute gern als Kronzeugen zitieren. Die Ursachen dieser Wandlung haben den Gegenstand vieler historischen Forschungen gebildet; sie sind von jüdischer Seite in einer 1911 von Reinhold Lew in (Breslau)' herausgegebenen Arbeit behandelt worden. Martin Luther hat sich in allen Zeiten seines Lettens mit den Juden beschäftigt, doch galt sein Interesse anfänglich nur dem Volk der Bibel, und nicht den Juden seiner Tage. Seine Betauntschast mit den Juden war rein literarischer Art, es fehlten ihm alle persönlichen Erfahrungen über die Juden seiner Zeit. Nur ein einziges Mal streift er die damalige Iudenfrage: in einer Aenßenmg gegen seinen Freund Georg Spa Latin über den Renchliu- Psesserkorn-Streit, den er unwillig als „Mückenseieu und Kameleverschlucken" bezeichilek. Schon sehr früh beschäftigte sich Luther mit der hebräischen Sprache: sein Interesse für diese Disziplin veranlasse ihn, au der Wittenberger Universität hebräischen Unterricht einznführen. Die Frage nach der Zukunft der Juden beschäftigte ihn lebhaft: als ihn zur Zeit des Wormser Reichstages zwei Juden besuchten, um mit' ihm religiöse Gespräche zu führen, und einer von ihnen sich der Bekehrung nicht abgeneigt zeigte, erwachte in ihm die Hoffnung, dje Juden zum evangelischen Glaubenzu bekehren. Verschiedene Flugschriften Luthers dienten der Propagierung dieser Idee. Er hatte aber die Glaubenstrcue der Juden unterschätzt: die von ihm erwarteten Masfenübert ritte blieben aus und aus der Enttäuschung, die er empfand, erwuchsen in dem temperamentvollen Manne Abiwigung und Haß gegen die Juden. In den dreißiger Jahren erbitterte ihn besonders die Nachricht, daß in Mähren viele Christen das jüdische Gesetz an-, nahmen. So bereitet? sich eine immer stärkere Abneigung gegen die Juden in Luther vor. der nunmehr auch gegen ihre soziale Stellung ivetterte. Sein Haß entsprang der Enttäuschung, daß die Juden nicht scharenweise zum evangelischen Glauben übertraten, ivie er das in seiner Jugend erwartete. - - Das ül^erfüllte Auditorium folgte den Ausführungen des Redners mit großem Interesse. Berlin, 27. März. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Tr. med. Ba d r i a n , Kriegsfreiwilliger Kurt Rosenthal, Telephonist Hermann P r e u ß . Landsturmmann Albert N e n st a d t, Grenadier Hans D a v i d s o h n, Musketier Alfred Krön er, Beamter der Firma Rudolf Moste, Unter Offizier Max Jacoby, Augenarzt Dr. May, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier und Offiziersnspirant Eurk Nadel, Unteroffizier Sind. Phil. Fritz I s r a elf ki, Vizefeldwebel Mar B o r ch a r d , Wehrlnann Bruno Eisenstädt, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Günther L ve w e nf e l d, Landsturinmann Assessor Tr. Eurt L iebes, Gefreiter Martin Baer, Zahnarzt Alfred Dann, Referendar Dr. Hans N e u s e l d , Gefreiter Hans Sachs, Sohn des Herrn Siegfried Sachs, Grenadier Arthur Gverke, Gefreiter Tr. Walter Heilborn (Gri-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Sanitätsgefreiter Rudolf H i r s ch , Siegfried B r ü ck m a n n (Wreschen), Oberapotheker Paul I o s e p h (Wronke), Bruno I a c v b s o h n (Thvrn), Kanonier Moritz B a u m , Gefreiter Albert Schott, Stud. jur. Friedrich Tals heim (Frankfurt a. M.), Unteroffizier Georg 'li i e s e n f e t b (Breslau), Feldunterarzt Manfred T u ch l e r , Uuüroffizier Stud. jur. Kürt T n ch l e r (Stolp i. Pom.), Unteroffizier Siegfried Moses (Briefen, Westp.), Unteroffizier Hans Schlesinger, Unteroffizier Alfred Wachsner (Breslau), Grenadier Max Engel (Essen), Schütze Earl Roth stein, Ersatzreservist Paul M a n e s (zurzeit verwundet, Sohn des Herrn Oscar Manes in Düsseldorf), Einjähriger Ludwig Meyer stein (Coethen), Vizeu achtmeister Cand. ing. Arthur Herr manu (Pr.-Friedtand), Unteroffizier Erich A p p e l b a n m (Stettin), Musketier Alex P o s n e r , Sohn des Kaufmanns Louis Posner (Samter), Dr. med. Eraetzer (Görlitz), Georg Schleimer (Sohrau), Unteroffizier Fritz K a t s ch i n s k y (Gleiwitz), Siegfried 'S e r n o s (Oberhausen), Unteroffizier Arthur H i n z e l m a n n (Dresden), Vizewachtmeister Siegfried S ch n e t l. Unteroffizier Fritz G r ü n e w a l d , Landsturmmann Moritz Land an (Dortmund),. Unteroffizier Arthur Marr (Köln), Feldunterarzt Curt Z e ck e u d v r f, Gefreiter Alexander Philip, Gefreiter Leopold Bern st e i n (Hamburg), Gefreiter Otto Friedeberg (Rostock), Pionier Paul G o l d st e i n (Leipzig), Gefreiter Walter B r ü n e l l, Unteroffizier Ernst B l u m e n t h a l (Köln), Gefreiter Ernst Humberg (Dingden i. W.), Unterarzt Eugen Ostwald, Sanitäts-Bizefeldwebel Paul Katzen stein (Duisburg), Regierungsbauführer Dr.-Jng. Eh r l i ch (Dresden). Heinrich S u ß m ann, Mitinhaber' der Firma Gebr. Sußlnann (Stuttgart), Oberveterinür Dr. A. Rosenthal (Barmen), Wehrmami Emil Strauß (Bochum), Gefreiter H. Weitl (Westhofen i. E.), Sergeant David G o l d s ch m i d t (Eberstein). Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Stabsarzt Max Senator, Hauptmann der Artillerie Walter S a l i n g e r, Mitinhaber der Firma Salinger u. Leppmann (Berlin), Oberstabsarzt und Chefarzt Sanitätsrat Dr. S. Marcus (Hamburg), Feldlvebellentnant Hans Nuppel (Berlin), Stabs- und Regimentsarzt Dr. Josef Reis (Heidelberg), Oberarzt Dr. Alfred Heller (München), Oberstabsarzt Dr. Earl Israel (Spangenberg). P. Aachen, 23. März. Auf Anregung und unter Leitung des Rabbiners Dr. I a u l u s fand hier am 4. d. M. eine Versammlung statt, an der 14 prominente Vertreter des jüdischen Viehhandels aus allen größeren Ortschaften des Regierungsbezirks Aachen teilnahmen, um die Frage zu erörtern, ob es nicht angesichts der Monopolisierung des Viehhandels besonders für die wenig kapitalkräftigen und für die später aus dem Felde heimkehrenden Viehhändler geraten sei, unter möglichster Beibehaltung ihrer bisherigen Beschäftigung in größerem Umfange zum Betriebe von Landwirtschaft überzugehen, ferner welche vorbereitende Schritte zur Organisation dieser beruflichen Umschichtung schon jetzt im Kriege vorzunohmen seien. Die Versammlung wurde durch eine Ansprache des Rabbiners Dr. Jaulus eingeleitet, in der er ausführte, daß die Hauptstelle für Berufsberatung der Juden in Berlitz dem Zweck der Versammlung svmpathisch gegenüberstehe und ihn zu unterstützen bereit sei, man müsse aber zunächst über drei Vorfragen Klarheit verschaffen, ob nämlich 1. die Teilnehmer der Versammlung es für notwendig und nützlich hielten, daß gewisse Kräfte des jüdischen Biehhandels zur Weidewirtschaft übergingen; werde diese Frage bejaht, so sei 2. zu erwägen, ob Persönlichkeiten im Regierungsbezirk Aachen vorhanden seien, die für diesen llebergang in Betracht kämen und auch dazu geeignet wären, 3. müsse man feststellen, ob auch genügende und passende Objekte, d. h. zur Weidewirtschaft geeigneter Grund und Boden im Regierungsbezirk Aachen zu annehmbarem Preise gegenwärtig zu pachten oder zu erstehen sei. Erst wenn diese Fragen geklärt und in bejahendem Sinne beantlvortet seien, könne man an die Organisierung und finanzielle Fundierung dieser Angelegenheit Herangehen. In der sich anschließenden längeren Diskussion, in der von sämtlichen Teilnehmern der Versammlung alle, in