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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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"" ZHe/-lVeÜ ich WM'-'üNid'Mmb' stebe und-weil ich mein' Volk liebe, weil ich Euer bin lind Seiner bin imb weil ich meiner selbst sein will. Ich gehe, weil ich es nicht ertragen würde, in Scham vor meinem Sohn einst zu versinken, wenn er mich fragen wird: Und was tatest du, als Deutschland in diesem Kriege stand? Wie dientest du, gls seine Söhne starben? Ich gehe — weil ich ein Wanderer bin, weil ich alle Wege liebenden Weg meines Volkes aber am meisten. Ich gehe, kleine Schwester — Frau - Mutter, weil ich damit heimkomme zu dir, weil um nach erfüllter Liebe, nach kaum noch lebendig gebliebener Hoffnung unerwartet nun der Glaube auferstand. Der Glaube an meines Volkes Lieder, an seine Not, die auch mich verlangt als dienendes Glied am deutschen Körper. — Ich gehe, weil ich sonst nicht leben könnte. - Ich gehe, weil ich meine Götter fand." Ich wiederhole: Das Werk ist noch nicht der große deutschjüdischd Roman, den ich ersehne und den gewiß viele mit mir als eine Wirkung des Weltkrieges erwarten, aber es enthält manche Ansätze dazu. Ans diesem Grunde begrüßen wir es freudig lind danken dem Verfasser, daß er uns diese Prachtgestalt eines deutschen Inden geschaffen hat und daß er, obgleich er uns auch häufig in Niederungen führt -und uns manches Peinliche nicht erspart, uns den Sieg des Ideals, den Triumph einer reinen, geläuterten Weltanschauung in farbenreicher und glanzvoller Darstellung geboten hat. Ein Kurimlpiel mit tzindernillkn. 'Humoreske von M. Pulver mann. (:l. Forts.) bet ein solcher Empfang war ihnen nicht neu. sie waren daran gewöhnt, ruid weit entfernt, darüber beleidigt 311 sein, waren sie im Gegenteil dadurch vollauf befriedigt, und ihre Hoffnung stieg noch eine Stufe auf der Himmelsleiter höher, empor; je fröhlicher das Herz, desto offener die Hand, Sie.warteten geduldig, bis der Tumult sich ein wenig gelegt, und dann trat Melle vor, »in folgenden Prolog vom Stapel zu lassen: . „Rabbossai, ihr lieben Leute! Bisher haben wir euch mit gemeinen .Späßchen und-dummen Närrifchkeiten unterhalten und zum Lachen gebracht; doch von jetzt ab soll es anders werden. Wir wollen keine Marschaliks mehr sein, sondern richtige Komödianten, die euch ein gutes Stück Vorspielen wollen, inn euch zu belehren, wie ihr eure lieben Frauen behandeln sollt., Wir . können dieses ganz gut tun, gerade weil wir keine Frauen-haben und solche nur sehr selten, sehen und sprechen. Denn wie sagt doch das Sprichwort: -Ein Gast auf eine Weil!, sieht auf eine Meil'.' Und jetzt wollen wir beide vor euren Augen das seine Stück aufspielen, dem wir aber ohne ,Mischeberach' den schönen Namen gegeben: ,Die verlassene Frau!' Uscher ist der. Mann und ich bin die Frau." . Er war .mit seiner Litanei noch nicht zu Ende, als das Lachen mit verdoppelter Gewalt losbrach. Es war aber auch ein Anblick,, der dem Fwerchfell gefährlich iverden konnte. Denn,-war es schon komisch -genug, .Uscher.-anzusehen, die Haare empvrgestränbt, mit fletschenden Zähnen, einen festen -Lederriemen schwingend, um dadurch den. herrischen, tyrannischen Hausherrn zu markieren,,so war der. Anblick Melles geradezu überwältigend. Melle, mit einer - schmutzig-weißen Nachtjacke, -mit einem alten Weiberrock und dito blauer Schürze beUttdel. den llemen Kopi iw» einem dreizrpstigev roten Tuch cingerahmt, das unter dem Ziegenbärtchen znsammengeknotet war, wodurch dieses in eine horizontale Lage gedrängt war und bei jedem Wort, bei jeder Lippenbewegung förmliche Lustsprünge machte. . Melle also war die verlassene Frau. Das Publikum konnte dieses auch ohne Theaterzettel heraussinden. Die Lustigkeit stieg dabei höher und höher, und viele bekamen jetzt schon Seitenstechen vor Lachen, während andern die dicken Tränen über die Backen liefen: der grobe Kawriel mußte sein Bäuchlein mit beiden Händen festhalten, während sein Gesicht sich ganz blau zu färben begann. Na, das ivird wirklich einmal ein lustiger Purim werden! Selbst die vergrämte Braut konnte ein leises Lächeln nicht unterdrücken, wofür ihr Resoel, der alle ihre Bewegung, jede ihrer Mienen mit Argutzaugen bewachte, einen wit'divütenden Blick zuwarf. Glücklicherweise aber wurdendie Schmerzen des unglücklichen Liebhabers von keinem der Anwesenden bemerkt; denn die fröhliche Stimmung hatte sich von Minute zu Minute gesteigert, lind das Lachen und Fohlen «oollte kein Ende nehmen. Uscher wurde nun rasend, ganz außer sich. Was soll denn das heißen? Daß sie lachen, ist ja ganz in der Ordnung: aber alte schreien, gröhlen, drängen sich an die Schauspieler heran und lassen sie gar nicht erst zu Worte kommen. Der stößt ihn von hinten, dieser wieder zupft ihn von vorn. Gesottene Erbsen, Papierkugetn, Bierprvpfen fliegen ihnen von allen Seiten zu, und es ist ihnen rein unmöglich, mit dem Stück zu beginnen. Fa, was soll das bedeuten? Berstehen es denn die Dninmköpfe nicht, daß es sich hier um ernste Tinge handelt? Wie soll man denn solche Narre» belehren? Man kann sich ja ihrer kaum erwehren, so quälen sie einen mit ihren zudringlichen und alberne» Neckereien. Uscher war schier kopflos geworden, und.nur der Anblick des Bräutigams vermochte.ihm einen gewissen Trost einzuslößen. Fa. er allein - war der einzig Vernünftige unter der närrisch gewordenen Bande; .- er sitzt wenigstens still und anständig da: - mit vollem Ernst wartet er ans das, was kommen wird; ja, er war ernst' und gelassen. Wieso Uscher das wußte? Nun, wenn man mit fester Hand ein großes Glas Schnaps sich einschenken und mit einem Zug hinuntcrgießen kann, ohne sich dabei zu Verschlucken, dann ist inan auch nicht im geringsten aufgeregt. - - Uscher verstand es, Schlüsse zu ziehen, und er war stolz ans seine logischen Folgerungen. - Nein, Nachme Klinker ist kein Tölpel; er ivird bei dem ernsten Stück nicht lachen; er ivird den klinstlerischen Wert desselben zu schätzen und z» taxieren wissen — und dementsprechend die Künstler auch belohnen. Mögen daher die andern lachen, soviel sie wollen; glücklicherweise ist doch der kunstverständige Chossen heute die Hauptperson. Uscher nahm sich daher ernstlich vor, sein ganzes Können, sein ganzes Herz und seine ganze Seele in seine Rolle, hineinzulegen, um den großen Lohn, der ihm von dieser Seite zweifellos zufließen wird, auch, ehrlich zu verdienen. Ja, Nachme Klinker soll für sein Geld auch eine wirkliche Freude genießen, damit er an seine Verlobung mit Blümche das ganze Leben denken soll, um noch -Kindern und Kindeskiildern von dein schönen Pliruirstück zu erzählen! Wenn bloß diese dummen Menschen aushören ivollten, fortwährend zu brüllen, damit man doch endlich ansangen könnte! Und endlich, endlich war es so weit; durch Stoßen und Drängen war ein Plätzchen freigemacht, das als Bühne dienen sollte. Jetzt konnte die Sache losgehen. —- Man zeichnel Kriegsanleihe bei jeder vank.ttreditgenofsen schast,8parkasse,rebensverficherungrsesellschajt,postanftalt

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