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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 153

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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IßS Sahli nur Sr. Lrllgdowit? (Iküthkii). »ittjarö Slla Frandtuttkr: Shne Lottkr». nser geschätzter Mitarbeiter Rabbiner Dr. S e l i gko w i tz. der am 1. April d. I. das fünfundzwanzigjährige Jubiläum als Rabbiner der Synagogengemeinde Köthen begeht, zählt zu den wenigen jüdischen Geistlichen in Deutschland, die neben der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten noch Zeit und Muße finden, der Wissenschaft zu dienen und durch fleißiges literarisches Schaffen belehrend und anregend auf die Allgemeinheit zu wirken. Auf ihn. der nunmehr 25 Jahre in einer nur kleinen anhaltinischen Gemeinde als Rabbiner wirkt, darf das talmudische Wort angewendet werden: Nicht der Ort ehrt den Menschen, sondern der Mensch ehrt den Ort. Eine kurze Lebensbeschreibung des Jubilars mag hier folgen: Dr. Seligkowitz, im Jahre 1870 zu Jaffa geboren, kam 1884 nach Posen, wo er unter Fürsorge deS dortigen Oberrabbines Dr. V e i l - chenselb sich für den Eintritt in eine höhere Klasse eines Gymnasiums vorbereitete. Im Jahre 1886 trat er in die Prima des Königlichen Gymnasiums zu Fulda ein. Nach Absolvierung desselben studierte er an der Universität zu Berlin von 1888 an Philosophie und Naturwissenschaften und besuchte gleichzeitig mit Erfolg das.dortige Rabbinerseminar. Im Jahre 1891 erwarb er sich an der genannten Universität den ersten Königlichen Preis (Goldene Medaille) für eine philosophische Arbeit, welche von der philosophischen Fakultät ausgeschrieben war. Eine zweite philosophische Arbeit von ihm über „Die Teleologie Kants in ihrer erkenntnistheoretischen Bedeutung" wurde später von der Universität Göttingen ebenfalls mit dem ersten Preis gekrönt. Im Jahre 1892 erwarb er in Halle die Doktorwürde und erhielt) gleichzeitig von dem genannten! Rabbinerseminar seine Rabbinats-- autorisation. Seit April 1892 ist er in Köthen als Rabbiner Besprochen von Ludwig Geiger. Del) habe in diesen Blättern und sonst häufig bin Wunsch nach einem großen jüdischen Romchr ausgesprochen, der die Seele des deutschen Jüdin poetisch zu schildern vermöchte. Nach der Lektüre des vorliegenden Romans bin ich nicht abgeneigt zu glauben, daß Richard Otto Frankfurter, ein bekannter Berliner Rechtsanwalt, der schon mehrfach «ts Romanschriftsteller, aufgetreten ist, von. dessen bisherigen literarischen Arbeiten ich aber keine Kenntnis genommen habe, der Mann sei, der das Zeug hätte, einen solchen Roman zu schreiben. Liest man das ausgezeichnet geschriebene, eigenartig erfundene und dargestellte Werk, so kann man allerdickzs nicht sagen, daß es sich um cimn ausschließlich jüdischen RonHn handle, vielmehr handelt es sich, wie ja auch schon der Titel a'pdeutet, um die religiöse Entwicklung, und zwar, wie gleich gesagt werden soll, um die einer Gesellschaft junger Leute, die, da der Roman länger als ein Jahrzehnt spielt, etwa vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1914, in der Zwischenzeit zu Männern heranreifen. Sie sind irre geworden an ihrem Götterglauben, haben gemeint, als Atheisten ein glückliches Leben zu führen, leiden aber Schiffbruch an ihrer Weltanschauung und bekehren sich zu den, naiven Glauben der Vorzeit oder gewinnen die Ueberzcugung, daß der Kampf und wenn nötig der Tod fürs Vaterland die heilbringende Religion für sie sei. Diese Genossen sind mehr oder weniger Karikaturen. Ter Idealste ist ein Paul Treukhoff, der ans einem feurigen Ungläubigen ein feuriger Gläubiger wird, zuerst im fernen Westen Missionstätigkeit übt, dann, von Zweifeln genagt, in die Gefahr angestellt. Im Jahre 1964 ist er in den anhaltinischen Staatsverband ausgenommen worden. Außer den erwähnten zwei Preisarbeiten sind von ihm folgende Arbeiten erschienen: 1. „Causa sui, causa prima et causa essendi mit besonderer Berücksichtigung von Schopenhauers Kritik Spinozas", abgedruckt im „Archiv für Geschichte der Philosophie", Bd. XI. 2. „Elemente der theoretischen Psychologie im Anschluß an den neueren Monismus", abgedruckt in der „Vierteljahrsschrift für exakte Philosophie". Außerdem liefert er populär-philosophische Beiträge für die wissenschaftlichen Beilagen verschiedener Zeitungen. Er zählte zu den fleißigsten Mitarbeitern der von dem verstorbenen Klausner redigierten „Israelitischen Wochenschrift" und schreibt seit vielen Jahren inhaltsreiche Aufsätze für unsere wie verschiedene andere jüdische Zeitungen. Möge es dem gelehrten Jubilar beschieden sein, für die Folgezeit einen seinem Wissen und seiner Begabung angemessenen Wirkungskreis zu finden. A. K. Rabbiner Dr. ^elizkowitz (Röthen). . gerät, an seinem Glauben irre zu werden, schließlich infolge einer schweren Krankheit Katholik wird und ins Kloster geht. Ferner- Ludwig Mohrin, ein origineller Denker, ein Weltmann, durch und durch egoistisch, der sich mit einen, reichen, taubstummen, geistig minderwertigen Mädchen verheiratet, die Frau bei der Geburt eines Kindes verliert, in seinem Sohn auflebt, wirklich Mensch wird, -bereit, sich für den Sohn zu opfern und für das Vaterland zu sterben. Der originellste Genosse dieses Kreises ist Gottfried Beyerlein, ein vollkommener Zyniker, erfüllt von Weltbeglückungs- und hochfliegenden literarischen Plänen, arbeitsscheu, der von Stufe zu Stufe sinkt, schließlich gerettet wird durch ein resolutes Frauenzimmer, das, zusammen mit einem unehelichen Kinde lebend, den Mann einfängt, aus ihm einen äußerlich und innerlich gesunden Menschen macht, der bei der Katastrophe, die über Deutschland hereinbricht, sich seiner vaterländischen Pflicht bewußt bleibt. Der einzig Verworfene in der Gesellschaft ist Albert Freyhahn, möglicher- *) Roman. Grethlein u. Comp., Leipzig.

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