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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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Johann Kaspar Lavater den ALendMsvhllschen Kopf: „Eine leutselige, leuchtende Seele im durchdringendelr Auge, ein gute-s, väterliches vertrauliches Gesicht voll Bonhommie urtb Treuherzigkeit." diesem Qelbilde behört unbedingt die T-assaertsche Marmorbüste, die im Sitzungszimmer des Gemein'devorstandes steht. Wie muß das Meisterwerk Tassaerts mit dem Meisterwerke Frische zrlsammenzuwirken! Der Eeineindevorstand war so entgegenkommend, meinem Gesuche, die Marmorbüste eine Zeittang nach der Kunstsammlung zu leihen, stattzugeben. So thront nunmehr das wunderbare Werk, der belebte, sprechende Marmor, inmitten der Porträts, auf seinern Säutenstumps die Aufschrift Ramlers tragend: „Moses Mendelssohn, geboren in Dessau im Jahre 1729 von jüdischen Eltern. Ein Weiser wie Sokrates, den Gesetzen der Väter getreu, Unsterblichkeit Lehrend, unsterblich wie er." Professor Georg Benjamin Mendelssohn schrieb in seiner biographischen Einleitung zu Moses Mendelssohns Gesammelten Schriften, daß Tassaert diese Büste fünf oder sechs Jahre vor Mendelssohns Tod angefertigt habe; das wäre um 1780. Diese Angabe ist falsch, die Rückseite der Büste trägt das Datum 1785. Mehrere Freunde Mendelssohns taten sich ein Jahr vor seinem Tode zusammen und beauftragten den damaligen Direktor der Königlich preußischen Kunstakademie, Johann Peter Anton Tassaert, eine Büste Mendelssohns in 'Marmor auszuführen. Der Künstler erhielt für das Marmorwerk und für 80 Gipsabgüsse 80 Friedrichsdor Honorar. Die Büste, die man sogleich als „sehr ähnlich" bezeichnete, wurde der jüdischen Freischule als Eigentum übergeben. In der Mendelssohn-Büste hat Tassaert mit seinem Meißel ein von Mit- und Nachwelt anerkanntes Kunstwerk geschaffen. Was in dem edlen Gesicht des kleinen unansehnlichen Moses geschrieben stand, und was Lavater in der plastischen Darstellung lesen wollte: den forschenden Geiff, die prophetische Kraft des Sehers, die Herzensreinheit, die Gemütstiefe und demutsvolle Bescheidenheit - der letzte Vertreter der niederländischen Kunstschule in Deutschland hat es in unserer Büste allsgeprägt. Einheit, Harmonie, Lebenswahrheit blicken uns aus allen Zügen entgegen. Mendelssohn scheint den Mund zu öffnen, als wolle er uns mit seiner milden Weltweisheit, mit seiner kritischen Geistesschärfe, mit irgendeiner Perle aus seiner Seelentiefe erfreuen. Hier ist der Glanzpunkt unserer Ausstellung. Hier ist eine Stätte des Friedens, der Gesundung, des inneren Glückes im Genüsse der Kunst. Von Moses Mendelssohn sagt sein Biograph: „Alles in seinen Schriften ist Licht." Möge der Geist Mendelssohns über unserer Bibliothek llnd Kunstsammlung schweben, mögen sie beide werden eine Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis und künstlerischen Genusses, eine Quelle des Lichtes, der Aufklärung, der Belehrung für jedermann. Bf. M. Spanier in Magdeburg. Voll B r n n o L a n g e. v. Moritz Spanier tritt am 1. April 1917 nach einer 46jährigen Amtstätigkeit in den Ruhestand. Geboren am 2. Juli 1853 in Wnnstorf. bezog er 1867 die jüdische Lehrerbildungsanstalt zu Hannover, die er 1871 nach bestandener Lehrerprüfung verließ. Bis 1878 im Landesrabbinat!' Hannover als Lehrer tätig, war er von 1878 bis 1881 Religivnstehrer und Prediger in Svlingen und übersiedelte am l. September 1881 nach Magdeburg. Im Jahre 1896 promovierte Spanier in Bern als Doktor der Philosophie mit der Dissertation „Exegetische Beiträge zu Hieronymus Lnomastikon". Bon sonstigen Schriften Spaniers nennen wir: „Begriff. Wesen und Pflege in: Licht der Erziehung" (1886), „Quellenbuch für den Unterricht in jüdischer Geschichte und Literatur" (1890), 152 —- j „Moses Mendelssohn als Pädagoge" (1898), „Die jüdische , Ethik und Herbarts fünf ethische Ideen" (1901), „Tabellarische j Darstellung der Geschichte der Juden in Magdeburg" (1962). : Die Geschichte der jetzigen Gemeinde, von Spanier versaßt, j erschien im ersten von dem Vorstand der Synagogengemeinde j zu Magdeburg herausgegebenen Verwaltungsbericht (1890).! Verschiedene Beiträge über die Geschichte der Juden Mrgde-! burgs fanden sich u. a. in Geigers „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland". In Gemeinschaft mit Flanter (Berlin) erschienen von Spanier vier Hefte „Wegweiser für den jüdischen Religionsunterricht". Von April 1965 bis zu Beginn des Krieges 1914 redigierte er im Aufträge der Großloge für Deutschland U. O. B. B. den „Wegweiser für die Jugendliteratur". In dem Geschäftsbericht der Vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse für Jugendschriften 1916/12 vom Vorortsausschuß Hamburg durch H. Brunckhorst heißt es: „Der „Wegweiser für . die Jugendliteratur" wird auch heute noch in derselben feinsinnigen und weitherzigen Weise wie bei seinem ersten Erscheinen von Dr. M. Spanier in Magdeburg redigiert." Spanier zählte und zählt als Mitarbeiter von „Rahmers Wochenschrift und Literaturblatt", der „Allgemeinen Zeitung des Judentums"*), dem „Hamburger Israelitischen Familieni blatt", der „Freien Jüdischen Lehrerstimme" (Wien) usw. - I Einen hervvragenden Anteil hak Spanier an der Entwicklung! des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich: sein Referat ans dein Hamburger Verbandstage (1901) über die Vor- und Fortbildung des Lehrers hat den ersten Anstoß zu den später entstandenen Fortbildungskursen gegeben --- so urteilten seinerzeit die „Blätter für Erziehung und Unterricht". Auf dem fünften Verbandstage zu Frankfurt a. M. (1916) hielt Spanier das Hauptreferat über „Die Bedeutung der Bibel für die religiös-sittliche Bildung der Jugend", das auch im Druck erschienen ist. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1912 bespricht der bekannte Liturgiker Dr. Elbogen den Vortrag, den er als „sehr inhaltsreich, gedankenvoll und schön stilisiert" bezeichnet; „insbesondere sollten Lehrer und Erzieher sich ihn nicht entgehen lassen, auch für die Literaturvereine bietet er einen sehr geeigneten Stoff". Eine eingehende Besprechung mt§ der Feder des Schriftleiters findet sich in Nr. 31, Jahrg. 63 der „Allgemeinen Deutschen Lohrerzeitung", worin zum Schluß bemerkt wird: „Dann, wenn alle Religionen und Konfessionen so wie Dr. Spanier eben ihr Wesentliches in der Herausbildung der Menschenliebe und Menschenwürde erblicken, so sind sie sich ja eigentlich schon recht ähnlich geworden." Von 1907 bis einschließlich 1913 >var Spanier Mitarbeiter der „Pädagogischen Jahresschau" (B. G. Teubner, Leipzig); die Artikel handeln von allgemeinen und religiösen Fragen des Judentums, Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, jüdischem Schülerwesen. In dom „Repertorium der pädagogischen Literatur der Jahre 1966 bis 1911" desselben Verlegers (1913) findet sich eine Zusammenstellung aller der von Spanier besprochenen Fragen und Schriften jüdischen Inhalts. Spanier hat cs verstanden, in seinem engeren und weiteren Wirkungskreise sich unzerstörbare Sympathien zu erwerben. Er ist ein feinsinniger Literat, ein guter Gelehrter, der über große Allgemeinbildung verfügt, ein warmfühlender Mensch, ein treuer Freund. Da wir seine Lebensarbeit überschauen, die ganz im Dienste der Allgemeinheit steht, wollen wir deni Wünsche Ausdruck geben, daß viele seiner Kollegen sich ihn zum Vorbild wählen. ') Wir haben stets die Mitarbeit des unterrichteten, eifervollen und besonnenen. Mannes geschätzt und hoffen, ihm noch häufig i» diesem Blatte zu begegnen. D. Red. -

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