Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229299--72996-3285452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
graphisches Meisterstück aus Polen ist schließlich eine Abschrift des kabbalistischen Werkes „Ez hachajjim" des Chajjim Vital mit verzierten Buchstaben und zahlreichen ganzseitigen Federzeichnungen, die im Anfänge des 19. Jahrhunderts angesertigt wurden. Es ist unglaublich, welche Zeit und Mühe, welche Sorgfalt und welche Kunst auf die Ausschmückung dieser Handschrift verwendet worden ist. Welche seltene Entsagung muß der fleißige Gesetzesrollenschreiber geübt haben, der Tag und Nacht mit der Kalligraphie des für ihn heiligen, kabbalistischen Buches verbracht hat! Und dieser aufopferungsvolle Künstler hat nicht einmal feinen Namen der staunenden und bewundernden Nachwelt hinterlassen! Aus der umfangreichen Bildersammlung Wolfs, die wertvolles Material in sich birgt, habe ich für die diesjährige Schau Porträts denkwürdiger Persönlichkeiten des Judentums vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ausgewählt. Kupferstiche, Radierungen und Schabkunstdem Verteidiger und geistigen Befreier der deutschen Juden. Seine Porträts hängen gerade in der Mitte der Bilderreihe: ein Stich von Bause nach Anton Grass, ein Stich von Müller nach Johann Christoph Frisch mit der Unterschrift „Dem Könige Friedrich Wilhelm II. untertänigst gewidmet von der Jüdischen Freischule zu Berlin 1787", ein Stich von Haas gleichfalls nach Frisch und eine Original-Rötelzeichnung von Daniel Chodowiecki. Daneben befindet sich bei all den 80 Stichen ein ungewohnter Anblick: ein Oelbildnis Mendelssohns. Es stammt nicht von Albert Wolf, sondern ist seit langem im Besitz unserer Gemeinde. Es wurde bisher als das von Grass gemalte Originalbildnis angesprochen. Das war nun nicht gut möglich, denn das Gmffsche Original hängt in der Universitätsbibliothek in Leipzig. Aber auch eine Kopie ist es nicht. Auf meine Anregung erhielt ich das Bild als vorübergehende Leihgabe nach der Kunstsammlung. Die genaue Untersuchung ergab wieder eine freudige Ueberraschung. Eine Ver- -f.vfM MU8 Zauptsaal der Runstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin . Plätter, auch Zeichnungen mit Feder, Rvtelstist und Aquarell- > färben bieten reichen Anlaß zum Kunstgenuß und durch die s dargestellten Personen einen lehrreichen Beitrag zur Kenntnis jüdischen Geisteslebens und jüdischer Kulturbetätigung. Eine zweite Ausstellung wird hervorragende Männer und Frauen des Judentums im 19. Jahrhundert, besonders in Berlin, zeigen, eine dritte Ausstellung unsere historischen Bilder vereinigen, eine vierte Synagogen und Friedhöfe, eine fünfte Typen und Trachten zur Anschauung bringen, eine sechste — und es wird sicherlich nicht die letzte sein — die Werke jüdischer Zeichner und Maler aufweisen. So verlockend es ist, ich muß es mir leider versagen, von einigen Nummern der Bildnisausstellung ausführlicher zu sprechen. Namen wie Zacutus Lusitanus, Leon Templo, Manafse beu Israel, Baruch Spinoza, David Oppenheimer, Moses Mendelssohn, Salomon Maimon, David Friedländer, Israel Jacobsohn, Anselm Maier v. Rothschild seien wenigstens genannt. Nur.bei einem wollen und können wir nicht so stumm vorübergehen: bei Moses Mendelssohn, dem deutschen Sokrates. gleichung mit den vorhandenen Stichen Graffs und Frisches zeigte sogleich, daß das Oelbildnis nicht von Grass, sondern von Frisch herrührt und daß nach diesem der Stich Johann Gotthard Müllers 1796 hergestellt worden ist; ja eine weitere Prüfung ließ in dem Oelbildnis sogar das um 1770 gefertigte, seit langein schmerzlich vermißte Original von der Hand des Berliner Akademiedirektors erkennen. So hat uns die Eröffnung der Kunstsammlung eine für die Kunstgeschichte und die Biographie Mendelssohns wichtige Entdeckung gebracht: die Wiederausfindung des Frischschen Originals, des besten Bildnisses Moses Mendelssohns. Er ist 1840 aus dem Nachlasse David Friedländers in den Besitz unserer Gemeinde gelangt. Liebe, Güte und Milde liest man in den Zügen des Originals, das Leuchtet und glänzt, als hätte erst gestern die Hand des Malers den Pinsel beiseite gelegt. Treffend charakterisierte Es gibt nichts Sichereres als die deutsche Kriegsanleihe.