Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Freube om Foiertag auf Grund» einer solchen Erschwerung, für die auch nicht der Schotten einer Begründung existiert. Darum Heil dem Frommen, der den rechten Weg findet, die Leute mit ausreichender Nahrung versieht und diese extravaganten Erschwerungen zerschmettert." Wenn es nun den Anschein hat, daß mein Vater, ohne die Zustimumng vieler Gelehrter derartiges nicht gestatten wollte, so . . . ging er von einem Grundsatz aus, der heute bei uns nicht Anwendung finden kann, da . . . die deutschen Juden ohnehin sich allerlei Erschwerungen anferlegen und sich in allem nach Gelehrten ricfjten. Vielmehr erscheint es, daß er das Gerede der Leute scheute, daß sie ihn nicht für leichtfertig hielten. Wenn aber die Gelehrten in Deutschland dahin Übereinkommen würden, die Fessel dieser Erschwerung fallen zrr lassen, dann läge keinerlei Grund vor, sich dagegen zu sträuben . . . Darum sage ich, wer diesen Brauch,'Hülsenfrüchte am Pessach nicht zu offen, und ähnliche minderwertige Würdigung die Tannntung der graphischen'Därstelluttgerr istid Vlünfte, soweit sie in der gegenwärtigen ' Ausstellung vorgeführt werden. In der Gruppe der illustrierten Handschriften sind Die interessanten 122 kolorierten Federzeichnungen züm Pentateuch hervorzuheben, die aus Italien, und zwar ans dem 16. Jahrhundert stammen. 1521 erteilte der Rat der Zehn in Venedig dem jüdischen Maler Mose de Eastellazzo und seinen Söhtten, welche die Holzschneidekunst erlernt hatten, das Privileg, die fünf Bücher Moses mit Bildern in Holzschnitt drucken zu lassen. Es ist möglich, daß die von Wolf erworbenen Federzeichnungen für diese Publikation, die wohl nicht zur Ausführung kam, als Vorarbeit dienten. In das Venedig des 16. Jahrhunderts gehört auch das von einer Frau geschriebene hebräische Gebetbuch, das mit farbigen Federzeichnungen geschmückt ift. In einer norditalienischen Gemeinde init'deutschem Ritus sind vier Blätter eines Machsor für den'Renjahrss" *.'+ •. e jy/sV'V ^•^1: ^auptftral der Runstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. r/,nL K ^^w^yrikriin. Bräuche aufhebt, mit dem will ich mithalten, und ich wünsche nur, daß die bedeutenden Gelehrten unseres Landes mit mir darin übereinstimlnen. Solange ich lebe, habe ich stets auf eine Gelegenheit gewartet, diese Ansicht nieines Vaters, daß derartige lästige Erschwerungen, bei denen die Gesamtheit nicht bestehen kann, aufgehoben werden müssen, durch den Truck zu veröffentlichen, damit sie endlich einmal allgemeine Norm werde!" sMor u. Keziah zu Sr. Eh. § 458.) Diese Ausführungen sprechen für sich lmd bedürfen keines Zusatzes. Jwri. Sie Austtellmis der Sunltlammlung der Iüdilchen Gemeinde m lSeriin. Aus bcm iim (ütöffnuugätiiqc erstatteten Bericht von M v ritz 2 t e r n. (schlnst.) ie flüchtige Ueberficht, die ich bisher bot, erstreckte sich ans die Altertümer und Kunstwerke aus Ton, Glas, volz, Metatl und Textilien, Es verbleibt noch zur kurzen tag mit herrlichen gvldausgelegteu farbigen Initialen mit die Mitte des 15, Jahrhunderts geschrieben, Ter Vizekönig von Aegypten hat sie seinem Leibarzt Tr, Schledehans geschenkt, und Wolf hat sie 1905 auf einer Münchener Auktion erworben. Interessant ist, daß uns jetzt vor Eröffnung der Knnstsaminlung sieben weitere Blätter dieses künstlerisch ausgestattete» Gebetbuches angebotcn werden. Es wäre ztt wünschen, daß auch diese Blätter durch Kauf oder Schenkung in unsere Sammlung gelangen. Wir würden dadurch einen Schatz erhalten, der reiche Belehrung für die Geschichte der jüdischen Handschrifteuilltlstration bietet?) Ans Italien rührt gleichfalls der kostbare Ehekontrakt her, der, 1727 in Rivarvlv bei Mantua ausgestellt, reiche Umrahmung in Farben. Silber und Gold trügt und mehrere Illustrationen zur biblischen Geschichte und zum Psalm 168 enthält. Ein imübertreffliches kalli- ') Ter oben ausgesprochene Wunsch wurde sogleich nach dein Vorträge erfüllt, Einer der Zuhörer stellte den Geldbetrag zu ist Ankauf der sieben Blätter z»r Verfügung. Tein edlen Spender, der nicht genannt sein'will, sei an dieser Stelle öffentlich gedankt.