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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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einer am Ä). Marz zu Neustadt a. d. Hardt unter Vorsitz des Landauer Synagogenvorstandes S. Marx abgehaltenen Versammlung, die von etwa 30 Synagogenvorständen oder -Ausschußmrtgliedern aus der Pfalz besucht war, fand die Gründung eines Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz statt. Gewählt wurden als Vorstandsmitglieder die Synagogenvorstände: Kommerzienrat Moritz Wolfs (Ludwitzshasen), Emil Behr (Neustadt a. d. H.), Thalheimer (Kaiserslautern), -Albert Joseph (Landau), Leop. Klein (Speyer), Hofmann (Pirmasens), Ludwig Strauß (Bad Dürkheim), Kaufmann (Kirchheimbolanden), Julius Weil (Jngenheim) und Boden'heimer (Edesheim). Außerdem gehören dem Vorstande an: Herr Bezirksvaübiner Dr. Einstein (Landau) und der Vorsitzende des Pfälzischen israelitischen Lehrervereins Herr Lehrer Waldbott in Speyer. Der Vorstand wählte aus seiner Mitte die Heren Synagogenvorstand Albert Joseph aus Landau zum Vorsitzenden des Verbandes, Synagogenvorstand Kommerzienrat Moritz Wolfs (Ludwigs-Hasen) zum stellvertretenden Vorsitzenden und Synagogenvorstand Ludwig Strauß in Bad Dürkheim zum Schriftführer. Als juristischer Beirat des Vorstandes wurde Rechtsanwalt Dr. Rosenberg (Landau) gewonnen. Ein sehr begrüßenswertes Ereignis! * Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung": — E i n Streitinder Kant-Gesellschaft. Vor einiger Zeit hat der Professor der Philosophie in Jena, Bauch, die Redaktion der von der Kant-Gejellfchaft herausgegebenen Zeitschrift „Kant-Studien" niedergelegt. Der Grund liegt darin, daß sich jüdische Mitglieder der Kant-Gesellschaft durch schriftliche Aeußerungen Bauchs verletzt fühlten, woraus Auseinandersetzungen entstanden, in deren Verlauf er es für das Richtige hielt zurückzutreten. -Die Sache wäre nicht von Belang, wenn nicht einige Blätter die Gelegenheit benutzt hätten, die Sache in eine verkehrte Beleuchtung zu rücken, die Bauch als Opfer eines Terrorismus erscheinen läßt. Das war um so leichter, als er selber eine Erklärung veröffentlichte, di-e sich in dieser Richtung bewegt. Aber diese Oipserkrone kommt ihm nicht zu, und so Mag es sich nun doch empfehlen, zu dieser Legende etwas zu sagen. - Man könnte in einem ganz anderen Sinn von einem Opfer sprechen, nämlich daß Bauch das Opfer seiner Philosophie oder einer sehr verbreiteten Auffassung der Philosophie, der eben auch er huldigt, ge-, worden sei. Diese Auffassung besteht darin, daß Philosophie von allem möglichen, von Zeitumständen, Rasse, Persönlichkeit usw., abhängig sei. Das' kann sie allerdings sein; wenn jemand seinen Weltschmerzen in einem Buche Ausdruck gibt oder sonst irgendwie kühn konstruiert, so wird das allerdings etwas Persönliches, vielleicht auch Rassiges oder sonst was sein. Aber «es gibt auch Leute, die das gar nicht als Philosophie ansehen, sondern als „Philosophie". Wissenschaftlich-exakte Geistessorschung hat eS immer nur mit bestimmten Problemen und mit logischen Argumenten zu tun, die nicht das eine Mal wahr sein können, wenn sie ein Arier, und das andere Mal falsch, wenn sie ein Jude aMpricht. Steht man aber auf jenem zeitLich-rassig-persönlichen Standpunkt, dann kann es, wie es bei Bauch sicherlich der Fall war, in'Faller" Harmlosigkeit geschehen, von „Grenzscheiden deutschen und jüdischen Geistes", da das Judentum „frerndvölkisch" sei, vom „deutschen Denker Kant" und vom „jüdischen Denker Cohen", von den ,/durch den Unterschied der Volkscharaktere scharf gezogenen Grenzen des Verstehens" usw. zu reden. Bauch beruft sich nun auch auf „Tatsachen": er weist auf die Zionisten hin, um zu begründen, daß er nur etwas Selbstverständliches gesagt habe, als er in dieser Weise schied. Allerdings, die Zionisten hegen solche Ansichten von ihrer Seite aus, aber die anderen Juden verwerfen den Zionismus, und das ist genau so eine Tatsache wie die andere! Damit kommt man also nicht weit und jedensaM nicht darüber hinweg, daß es deutsche Juden kränkt, wenn inan ihnen deutsches Denken abspricht. Das gilt sogar für Zionisten, deren" Psychologie zumeist viel komplizierter ist, als daß man sie mit denk Schlagwort „fremdvülkisch" abtun könnte. Bauch ist da in Fragen geraden, Venen er offenbar nicht gewachsen ist, obgleich gerade er den entsHridsnden Gesichtspunkt hätte finden müssen. Es ist nur die Oberfläche,' wenn er seinen Rücktritt damit motiviert, daß er „über der Redaktion eine Art jüdischer OberzenfurLehorde nicht anerkennen konnte." Dagegen wäre nicht das geringste zu sagen, wenn es sich darum handelte. Aber die Tatsache, aus der der Streit hervorging, ist ein ganz natürlicher Mißmut jüdischer Mitglieder der Kant-Gesellschaft über die Methode, zwischen Menschen in geistigen Dingen nach Prinzipien der Schafzucht zu scheiden; wobei man es den Juden zugute halten darf, daß solche Scheidungen in der Regel Antisemitismus atmen- Wenn sich Bauch über die Berechtigung jenes Mißmuts vergewissern wollte, müßte er den Geist des Mannes befragen, dessen Sache zu führen er in den „Kant-Studien" berufen war. Aber das „berufen" und das „au ser wählt" decken sich bekanntlich nicht immer, und die geistige Grenzscheide, die Bauch errichtet und die Aergernis erregt hat, ist so unkantisch wie nur möglich. Wer das bestreitet, hat Kant nicht verstanden. So aber liegt in einer Situation, die Bauch nur den Rücktritt von „Kant-Studien" übrig ließ, eine immanente (Gerechtigkeit. Lu den Mtusloorlchnktrn des Drllülytellrs. »läßlich der durch die einander widersprechenden rabbinischen Gutachten über die Erlaubnis zum Genuß von Rers und Hülsenfrüchten am bevorsiehenden Pessachseste entsiandenen Verwirrung ist auf die folgenden Aeutzerungen des berühmten Gelehrten R. Jacob Emden (1697 bis 1776) Hinzuwelsen: „In der Zeit der Not kann man den Genuß aller Arten Hülsensrüchte gestatten, denn selbst der Verfasser der Turim, der aus Deutschland stammte, in dessen Zeit der Brauch dieser Erschwerung sich schon zu verbreiten angesangen hatte, achtete nicht daraus und schrieb: Das. ist eme übertriebene Erschwerung, die nicht angenommen ist. Darauf ergibt sich, daß unsere Voreltern in Deutschland zu jener Zerk^(l4^- Jahrhundert) die Erschwerung noch nicht angenommen hatten, und daß sie unter ihnen noch keine Verbreitung gesunden hatte. Viele Halachisten betrachten sie überhaupt als Unsinn und als irrigen Gebrauch, für den es nicht einmal einer besonderen Erlaubnis bedarf. Dasselbe ergibt sich aus dem Talmud, Pesachim 114b, wo es heißt: Es ist klar, daß niemand die entgegenstehende Ansicht des R. Jochanan ben Nuri beachtet, und Raba suchte (für die Passahmahlzeit, für die zwei Gerichte vorgeschrieben sind) Mangold und Reis. Die ganze Erschwerung in bezug auf Hülsenfrüchte ging erst aus der für Reis nach der erwähnten Meinung des R. Jochanan ben Nuri hervor, und nachdem ihr die Wurzel entzogen ist, müssen die Gewächse von selbst verdorren. Ich bezeuge, daß mein berühmter Vater (Zebi Aschkenasi, gest. 1718) wegen dieser Sache außerordentlich viel Schmerz empfand. Während des ganzen Pessachfestes pflegte er sich darüber zu kränken und zu sagen: „Wenn ich die nötige Autorität hätte, würde ich diesen minderwertigen Brauch abschaffen, denn das ist eine Erschwerung, die zur Leichtfertigkeit führt. Aus ihr ergeben sich sehr schwere Anstöße und Versuchungen zur Uebertretung des Verbotes des Genusses von Gesäuertem. Da nämlich die große Masse nicht Hülsenfrüchte benutzen kann, um sich daran satt zu essen, müssen sie viel mehr Mazzoth backen; zumal die Armen und die vielköpfigen Familien, die sich andere Nahrung in hinreichender Menge nicht beschaffen können, müssen so viel Mazzoth backen, daß sie sich daran satt essen. Infolgedessen sind sie nicht vorsichtig genug bei der Behandlung des Teiges, lassen die bezüglichen Vorschriften außer acht, machen ihn groß und dick und verzögern sich sehr lange bei seiner Herstellung, so daß sie das biblische Gebot, Chomez nicht zu essen, übertreten. Auch sind die Mazzoth ihnen zu teuer; es sind nicht alle in der Lage, sich genug zu beschaffen, denn selbst das gewöhnliche Brot haben sie das Jahr über nicht in ausreichender Menge. Hülsenfrüchte hingegen kann man ohne Mühe erhalten, sie sind auch zum Genuß gestattet. So entzieht man den Leuten ihre

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