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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Nach den Berichten der Zeitungen laufen die Z e i ch n-ungen fürdieö. Kriegsanleihe sehr zahlreich in außerordentlich großen Beträgen ein. Da noch mehr als 14 Tage bis zum Abschluß der Zeichnungen vorliegen, so wollen wir nicht ermüden, wiederholt auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die für jeden darin besteht, sich, soweit es nur irgend seine Mittel erlauben, an dieser Anleihe zu beteiligen. Es ist die erste und vornehmste Pflicht eines jeden Vaterlandsfreundes, dafür zu sorgen, daß die Mittel zur Kriegführung gewährt werden. Keiner darf sich ausschließen, ein jeder muß daran denken, daß seine Sache geführt wird. * Obgleich der Frühling seit mehreren Tagen im Kalender steht, will die Kälte nicht weichen. Zwar scheint die Sonne, aber sie besitzt noch keine rechte Kraft, und während sonst um diese Zeit schon das frische Grün die Augen und Herzen erfreut, herrscht noch winterliche Temperatur. Und doch wie im Kreislauf der Zeiten alles naturgemäß sich vollzieht, muß endlich die rauhe Temperatur aushören und der Frühling kommen. Wir erflehen das endliche Erscheinen des Lenzes nicht bloß für die Natur, sondern auch für unser Vaterland und gehen in den neuen Monat, der uns das Frühlingssest bringen soll, mit dem sicheren Vertrauen und der ungebeugten Erwartung: Es muß doch Frühling werden! * Aus Bayern wird uns geschrieben: E i n i g k c i t i n d e r b a y e r i s ch c n I u d e n h e i t. So oft auch während der letzten Jahre aus dem Süden unseres Vaterlandes über unheilbare Unstimmigkeiten und daraufhin über einen unüberbrückbaren Riß innerhalb der israelitischen Gemeinden des Königreichs, Bayern, nämlich zwischen Altgläubigen und halb oder ganz „Reformierten", berichtet worden ist, immer wieder konnten eingeweihte Beurteiler versichern, daß im entscheidenden Augenblicke Orthodoxe und Neologen miteinander friedlich endlich zurechtzukommen suchen, das lange Jahre geschwungene Kriegsbeil begraben und den andersgesinnten Bekenntnisbruder „nach seiner Fasson selig werden lassen" wollen. Für die gegenseitige Duldung, die freilich die modernere Mehrheit viel nachdrücklicher übt, und den tatsächlichen Zusammenhalt der rituell abweichenden Gemeinden — beide erfreuliche Besserungen haben die ungewöhnlichen Umstände des Weltkrieges eindringlich befördert — liegen heute zwei äußere Vorgänge vor, die wir gerade in der ungeachtet ihrer Zeitgeist und Aufklärung freundlichen „Allgemeinen Zeitung des Judentums" trotz ihrer eben dafür üblichen ausgedehnten Verunglimpfung durch Fanatiker des anderen Lagers buchen wollen. Am Freitag, 23. März, war ein Vierteljahrhundert seit der Errichtung der Münchener „orthodoxen Synagoge" in der Herzog - Rudolf - Straße (früheren Kanalstraße) verflossen. Im Hinblick auf den Ernst der Zeit beschränkte sich die Jubiläumsfeier aus einen Festgottesdienst abends 6 Uhr. Rabbinatsassessor Dr. E h r e n t r e u, der bereits auf eine dreißigjährige segensreiche Wirksamkeit als Vorbeter und Seelsorger innerhalb der Münchener Orthodoxen Vereinigung zurückblicken kann, hielt, wie vor 25 Jahren, die Einweihungsrede, unter Mitwirkung des damaligen Rabbiners der Eesamtgem«nde, des berühmten Semitisten Dr. Perles senior; Ne^Weihe vollziehend, beim jetzigen Jubiläumsgottesdienst die Festpredigt. Wie Dr. Perles neben seiner geistlichen Würde eben auch ein bis tief in christliche Fachmännerkreise hinein voll anerkannter, hervorragender Orientalist war, so zählt auch Herr Dr. Heinrich Ehrentreu, der persönlich milde und liebenswürdige geistliche Führer der orthodoxen Gruppe in der bayerischen Hauptstadt^ zü den ausgezeichnetsten Talmudisten DeutfÄands. Von den Vorstandsmitgliedern, die vor einem Vierteljahrhundert in maßgebender Weise an der Errichtung jenes Gotteshauses mitwirkten, gehören Fabrikbesitzer Kommerzienrat Siegmund Fraenkel, der als bedeutender Volkswirtschaftler weitgeschätzte zweite Präsident der Oberbayerischen Handelskammer, seit zwanzig Jahren an der Spitze der orthodoxen Organisation, und Herr Joseph Spanier als Schriftführer deren Vorstand noch heute an.- Früher bekleidete das schwierige Amt des ersten Vorsitzenden der inzwischen verstorbene berühmte Numismatiker L)r. Eugen Merzbacher. Aus der Reihe ihrer Beamten hat leider sogleich nach Ausbruch des Weltkrieges, im August 1914, die Münchener orthodoxe Synagoge eine besonders bewährte Lehrkraft, Lehrer und Vorbeter Max Strauß, auf dem Felde der Ehre verloren. Dieses jetzige Jubelfest erinnert einerseits an die blühende Entwicklung, welche das innerkirchliche israelitische Gemeindeleben in München im Lauf der letzten Jahrzehnte erfahren hat. Anderseits allerdings auch an die mannigfaltigen Auseinandersetzungen auf religiös-dogmatischem Gebiete, die als Folge der seit Mitte des 19. Jahrhunderts innerhalb der ganzen reichsdeutschen Judenheit eingetretenen kirchlichen und organisatorischen Spannung entstanden. Dafür genügt es, auf die ausführlichen Darlegungen zu verweisen, die Anfang Januar 1916 anläßlich , der damaligen Jahrhundertfeier der Israelitischen > Kultusgemeinde Münchens durch die meisten jüdischen Blätter gingen und auch in der „A. Z. d. I." zu lesen waren. Diese Spaltung und die dadurch ausgelösten Gegensätze zwischen Orthodoxie und Neologie auf dem Felde der synagogalen Einrichtungen hatten schon im Jahve 1872 die orthodoxe Minderheit in München veranlaßt, sich in gemieteten Räumlichkeiten der damaligen Kanalstraße eisten Sondergottesdienst einzurichten. Mit dem zunehmenden Wachstum der Zahl Orthodoxer zeigte sich anfangs der 96er Jahre das dringliche Bedürfnis, eine eigene Synagoge einznrichten. Eine solche erstand nach den Plänen des Architekten Exter; die Baukosten von rund 250000 Mark bestritten die Mitglieder der orthodoxen Gemeinschaft völlig aus eigenen Mitteln; im März 1892 fand, wie oben bemerkt, die feierliche Eröffnung statt. Die Tatsache, daß diese Sondersynagoge jedweder rechtlichen Unterlage ermangelte, zeitigte in den Jahren 1907 und 1908 neuerlich tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen zwischen beiden religiösen Richtungen, bis in letztgenanntem Jahre es dem Geiste friedlicher Verständigung gelang, einen befriedigenden Ausgleich herbeizuführen. Dieser fand hinsichtlich der Anerkennung der rechtlichen Grundlage für die orthodoxe Synagoge auch die Zustimmung des Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelvgenheiten. Seitdem waltet der Geist einträchtigen Nebeneinander- oder sogar Zusammenwirkens unter den beiden Richtungen. Dies kommt unter anderem besonders darin zum Ausdruck, daß die Gesamt- und Hauptgemeinde zur Regie der orthodoxen Synagoge einen entsprechenden. Jahresbeitrag leistet und drei Mtglieder der orthodoxen Organisation zur Kirchenverwaltung der Gesamtgemeinde gehören. Die Zahl der Mitglieder der orthodoxen Synagoge hat sich während des abgelausenen Merteljahvhunderts beinahe verdreifacht, so daß, wenn wieder normale Verhältnisse im Deutschen Reiche emgekehrt sein werden, mit der Notwendigkeit der Erlveiterung der Synagoge oder wenigstens der Errichtung eines Hilfs-Betsaales in einem anderen Stadtteil gerechnet werden muß. Gleichzeitig kommt eine erfreuliche Kunde einer auch formellen Harmonie aus Rheinbayern, der schönen P fa l z. In

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