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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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der-Bedeutendes geleistet hat für die Gvldfanunlungen in den! .Schulen -- aber die beigebrachten Beispiele dürsten genügen, i Si-e..dürften genügen, um das gebräuchliche Wort „Zahlen; betveisen" als ein wertloses Schlagwvrt zu erweisen. Nein!! Zahlen beweisen n i ch t s, wen» man sie nur als j mechanische, leblose Tinge betrachtet. Zu der Zahl muh das j Gewicht hinzntreten, erst dann erhält mau ein annähernd! zutrefsendes Bild. Und die Gerechtigkeit erheischt es, daß die j gegenwärtig durchgeführte Zählung der Juden inr deutschen i Heeresverbande ein klares, richtiges Bild, und kein Zerrbild j ergibt. Und darum muß die Losung bleiben: Nicht zäh-! l en » sv n d er n wie gen! Dir Woche. Berlin, den 27. März 1917. s stellt sich immer mehr heraus, daß die russische Revolution, die wir, da sie das itoub der Freiheit zngeführt, eigentlich freudig zu begrüßen hätten, für uns Deutsche ein ungünstiges Ereignis ist. Schon die Freude, die die Entente- --machte bei dem ersten Gerücht der Erhebung ausdrückten, mußte uns bedenklich erscheinen; jetzt verlautet, zuerst durch französische und italienische Blätter, daß in der Zirknlarnote, die der Minister Miljukow an die russischen Vertreter im Auslande gerichtet hat, sich ein Passus befand, der, vermutlich nur für die kriegführenden Mächte bestimmt, in dem an die Neutralen gerichteten Tert ausgelassen war; dieser Passus lautet: „Rußland Hut den .Urieg, welcher seit fast drei Jahren die Welt in Blut badet, nicht gewollt. Aber als Opfer eines vorbedachten und von langer Hand vorbereiteten Angriffs wird Rußland fortfahren, wie früher gegen den Eroberungsgeist einer räuberischeis Rasse zu kämpfen, welche sich einbildet, eine unerträgliche Hegemonie über ihre Nachbarn aufrichten zu können und dem Europa des zwanzigstel: Jahrhunderts die Schmach der Herrschaft des preußischen Militarismus aufzuerlegen. Treu dem Vertrag, welcher Rußland unlöslich mit seinen ruhmvollen Verbündeten einigt, ist Rußland gleich ihnen entschlossen, der Welt um jeden Preis eine Völkerfriedensära ans Grundlage einer stabilen nationalen Organisation, welche die Achtung des Rechts und der Gerechtigkeit gewährleistet, zu sichern. Rußland wird an ihrer Seite den gemeinsamen Feind bis ans Ende ohne Panse und Schwäche bekämpfen. Die Negierung, welcher ich angehöre, wird alle Energie auf die Vorbereitung des Sieges verwenden und schnellstens den Irrungen der Vergangenheit, welche bisher den Schwung und den Opfergeist des russischen Volkes paralysieren konnten, abzuhelfen suchen." Aus dieser Stelle, deren lügnerische Phrasen von „denr Eroberungsgeist der räuberischen Rasse" und von „der Schmach des preußischen Militarismus" sich tu dem Munde der Russen, dieses Räubervolkes, das. von dem krassesten Militarismus erfüllt ist, ganz besonders schön ausnehmen, muß man vor allen Dingen entnehmen, daß jede Hoffnung auf einen Separatfrieden mit Rußland, die in Deutschland immer wieder auftäuchte, nun endgültig verschwunden ist. So froh wir daher im Allgemeinen den Sieg freiheitlicher Ideen, wo er sich auch kundgibt, begrüßen, so müssen wir infolge der Wendung, die die Veränderung in Rußland nimmt, gerade diese Wandlung augenblicklich tief beklagen. Nur freilich leben wir der Ueberz'eug'ung, daß mit einem Regimewechsel Schäden, die seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten dauern, nicht so leicht abgetan werden können. Wir haben die Phrasen von: endgültigen Sieg aus dem Munde aller unserer Gegner genugsam gehört, wir vertrauen immer weiter auf unsere Kraft. Gewiß ist durch diese Wendung eine wirklich befriedigende Lösung wieder weiter verschoben, aber schon die Nachricht, die wir in Berichtigung des letzten Wochenberichts hier mitteilen, die nämlich, daß der Wüterich Nikolai Nikolajewitsch nicht an die j Spitze der russischen Armee tritt, weil der Oberbefehl nicht irr I den Händen eines Mitglieds der Familie Romanow ruhen ' dürfte, ist mit Freuden zu begrüßen, und wir wollen die. feste Zuversicht nicht lassen, daß uns schließlich doch der Sieg über alle unsere Feinde zuteil werden wird. Freilich wird es mit Amerika Ernst; da nun mehrere amerikanische Schiffe versenkt worden sind, so betrachten die Vereinigten Staaten dies als einen Kriegsfall auch ohne Kriegserklärung: Rüstungen werden dort fieberhaft vorbereitet, Kriegsanleihen ausgenommen; die Schar unserer Feinde hat sich aufs neue vermehrt. Auch dies erschüttert uns nicht in unserem felsenfesten Vertrauen. In diesem Vertrauen werden wir gefestigt durch die wunderbaren Taten des Hilfskreuzers „Möwe", der von seinen überaus erfolgreichen Unternehmungen glücklich heimgekehrt ist. Besondere Freude müssen wir darüber empfinden, daß der von unserer Heeresverwaltung angeordnete Rückzug im Westen in glänzender Weise erfolgt ist, daß infolgedessen die geplante große Frühjahrsofsensive der Westmächte vereitelt worden ist. 'Im Gegenteil sind einzelne Vorstöße unserer Truppen gegen die westlichen Feinde gelangen. Auch im Osten haben unsere Heere manche glückliche Unternehmung zu verzeichnen: auf dem mazedonischen Kriegsschauplätze sind die wiederholten Angriffe der Gegner zurückgewresen worden; ein Blatt meldet, daß die Angriffskraft der Franzosen linb Italiener infolge der ungeheuren Verluste gebrochen ist. * Nach mannigfachen Berichten scheint die r u s s i s ch e Re - gierung nicht gewillt, die Freiheit, die einzufnhren sie entschlossen scheint, auch den Juden zu gewähren. Darauf lenkt wenigstens folgende Notiz hin, die wir denn „Frankfurter General-Anzeiger" entnehmen: A it s s ch reitnn g e n g e g e it I u d e u i n S\ i s ch t u c w. Ans Malmö berichtet der „B. L.": Aus einem im Kischinewer „Drug" erschienenen Aufsatz geht hervor, daß dort iu den letzten Tagen größere Ausschreitungen rumänischer Offiziere und Soldaten, die der Renorgamsiernng des rumänischen Heeres imterworfen sind, gegen russische Juden stattgefunden haben. Zahlreiche Inden, die angeblich die rumänischen Soldaten übervorteilt haben sollen, wurden schwer mißhandelt, einige sogar tvtgeprngelt. Die Läden der Juden wurden von dem russischen Pöbel, der sich an den Ausschreitungen sofort beteiligte, geplündert. Die russische Polizei schritt gegen die wild gewordene rumänische Soldateska ein. Die Juden der Stadt Kischinew haben sich beschlv erdeführend an das Ministerium des Innern und an das Kriegsministerimn gewandt. Es wurde ein Ausschuß russischer und rumänischer Offiziere zur Untersuchung der Vorgänge eingesetzt. W a r s ch a n , 16. März. Das jüdische Blatt „Moment" meldet, daß der Staatsrat sich an die jüdische Gemeindeverwaltung mit der Aufforderung gewandt hat, sie solle ein Mitglied zum Staatsrat für jüdische Religionsungelegenheiten abordnen. Darauf wurde der Sekretär Kempner als ständiges Mitglied in der Abteilung für Religion und offentlidjc Bildung zu gezogen. Airs D o u t f ch taub erhalten wir folgende Mitteilung: S ch w e rin, den 16. März 1917. Das Unterzeichnete Ministerium genehmigt hierdurch, daß den israelitischen Lehrern für Reifen zu den von dem Landesrabbiner festzusetzenden, mit Probennterricht zu verbindenden Besprechungen die Kosten der Bahnfahrt dritter Klasse sowie Zehrungsgelder in Höhe von 7 Mark für den Tag ans der Kasse der Israelitischen Landesgemeinde gezahlt werden.- G r o ß h e r z o g l i ch 9.U e cf l e n b n x g i s ch e s M i u i st e r i n m, Abteilung für geistliche Angelegenheiten. Obige Verfügung ist auf Antrag des Landesrabbiners Tr. Silberstein erlassen worden. Zeichnei die sechste Kriegsanleihe!

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