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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Sabbats zmrückzul-egen. 3. Soweit jüdische Mannschiaften der Feldarmee ohnedies Heimaturlaub, erhalten sollen, dessen möglichste Erteilung am Osterfeste." L. Mainz, 16. März. Die Feier des 2 5jährigen R e - gierungsju b i -l ä u m s d e s G r o h h e r z o g s Ern st Lud m i g von Hessen fand am letzten Sabbat in den beiden Mainzer Synagogen statt. Ueberaus eindrucksvoll gestaltete sich die Feier in der hiesigen Hauptsynagoge. Ter Gottesdienst, der zahlreich von den Cemeindemitgliedern, dem Militär und der Schuljugend besucht war, war in künstlerischer Weise durch Musik und Gesang ausgezeichnet. In seiner Festrede bemerkte der Großherzogliche Rabbiner Professor Tr. Salfeld, daß unser Großherzog die Hoffnungen, die seine Mutter gehegt und welchen sie in der folgenden Weise Ausdruck verliehen habe, voll und ganz erfüllt. „Er soll werden", so sagte seine erlauchte Mutter, „ein Edelmann in vollstenr Sinne, ohne Prinzendünkel, bescheiden, selbstlos, hilfreich und erfüllt mit Pflichtbewußtfein, Ehrgefühl und Wahrheitsliebe mit der Achtung vor Gott und denr Gesetz, die allein wahrhaft frei machen." Wie der von Gott berufene Bamneister der Stiftshütte, so führte der Redner aus, erfüllt war vom Geiste Gottes, so habe er das Staatsgebäude in seiner Unversehrtheit und feinem Pollbestand erhalten und weiter ausgebant. In dem Heiligtu me Israels waren drei Gegenstände mit goldenem Kranze geziert, die Bundeslade,' der Schaubrottisch und ein Altar. Gleich hochgeschätzt, gekrönt und geschirmt feien unter der Regierung hessischer Fürsten die Religion, das Bürgerglück und wahres Menschentum, die in den goldgeschmückten Tempelgeräten ihr Vorbild hätten. Von unserem Großherzog sei besonders hervorzuheben, daß er das Dichterwort zur Wahrheit gemacht: „Das menschliche Gefühl erklärt die Krone, der nur fürwahr ist der größte Fürst, der sich den Thron baut in der Menschen Herzen". Daß die Israeliten Hessens besonderen Grund zur Dankbarkeit Hütten, zeigte der Geistliche in dem ersten- Teile seiner Rede, in derer an denr Gang der Ereignisse seit der Gründung des Großherzogtums kurz darstellte: Alle Herrscher hätten vorurteilsfrei, gerecht und wohlwollend den seit der Verfassung von 1820 zu gleichberechtigten Staatsbürgern erhobenen Jsrealiten ihre Gunst erzeigt. Besonders habe sich Großherzog Ludwig IV. in schärfster, verurteilender Sprache persönlich und durch Erlaß gegen die von Kurhesseu nach Qberhesseu eindringende, judenfeindliche Strömung ausgesprochen, und Großherzog Ernst Ludwig sei bald nach seinem Regierungsantritt in gleicher Weise der gehässigen Bewegung entgegengetreten. So hätten auch besonders seine jüdischen Landeskinder allen Grund, ihn zu preisen als den Schutzherrn des Glaubens, den Schirmer lvahreu Biirgerglucks, den Mehrer nationalen Wohlstandes, den Schirmherrn von Kunst und Wissenschaft, die int Staate Blüte und wahre Größe gezeitigt habe. Ter Rede schloß sich ein Gebet für das Wohl des Landesherrn und seiner Negierung an. In ganz ähnlicher Weise verlief auch die Feier in der hiesigen Synagoge der Israelitischen Neligionsgesellschast. in der der amtierende Rabbiner Herr Tr. Jonas Bondi den Herrscher als einen weisen, milden, kunstliebenden und nicht in letzter Linie gerechten Fürsten in tiefdurchdachter, meisterhafter Rede pries. Auch hier nahm eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft mtb namentlich viele Militärpersonen mt der wohlgelungenen Feier teil. Grsterrrich-Angsrn. z. 2ötcu, 10. März. In der össentlichen Plenarsitzung des Wiener israelitischen Knltnsvorstandes vom 25. Fe.bru.ar nahm Oberingenieur Stricker Veranlassung, die Aufmerksamkeit des Vorstandes aus zwei Angelegenheiten zu lenken, die, wie ertüchtig bemerkte, in der Plenarsitzung der ersten Kultusgemeinde des Reiches zur Erörterung gelangen müßten. In erster Reihe sind dies die unerhörten Verfügungen gegen die galizischen Flüchtlinge in Prag. Redner bespricht das durch Zei-t-ungsnotizeu ' bekannte Verbot der Benutzung der Prager elektrischen Straßenbahn durch die galizischen Flüchtlinge. Diese Maßregel wird mit dem Auftreten des Flecktyphus in Prag begründet. Die Konsequenzen dieser an russische Sitten gentahn enden Maßregel machen sich nicht nur für die Flüchtlinge, sondern, auch für andere Juden in Prag inder unerträglichsten Weise fühlbar. So wurde vor wenigen Tagen Professor Dr. L i eben , ein bekannter Gelehrter, Mitglied'einer uralten Prager Fam-ilie, von einer Schaffnerin aus der Elektrischen gewiesen, indem sie einfach erklärte, Dr. Lieben sei gälizischer Flüchtling. Angesichts dieser Verfügung sowie anderer V-erationen, denen die galizischen Flüchtlinge, insbesonders auch bei Beschaffung der Lebensmittel ausgesetz-t sind, hätte der K.ultnsvorstand die Pflicht, einzu'greifen, trotzdemdie erwähnten Vorfälle sich in Prag -und nicht in Wien abgespielt haben. Von besonderer Wichtigkeit .erscheine ihm auch die Frage der Fe T d r a bb ine r. Das Ansehen des Judentumes und in gewissem Sin.ne auch das Interesse des Staateserheischen -es-, daß die legalen Vertreter des Jndentums, das heißt die Kultusgemeinden, wenigstens insofern einen Einfluß auf die Ernennung von Feldrabbinern üben, daß sie über die EiigntlN'g. derselbenin fozialwrssensch-af-tl-icher und moralischer Hinsicht befragt würden-. Er bespricht beit Fall eines Feldrabbiners mit ziem'lich einflußreicher Stellung in der k. u. k. Armee, der niemals einen Rabbinerposten bekleidet habe, und er habe Feldpostbriefe von btcfenr Feldrabbiner mt jüdische Soldaten gelesen, über deren Inhalt, Stil, und Form sich jeder ehrliche Jude, der auch nur die leiseste Ahnung von seiner Religion hat, in seinem Liessten Innern schämen muH. Er bitte das Präsidiu-m, soweit eine Mög-lichkeit hierzu gegeben ist, die Abstellung dieser Zustände, die, wenn sie unwidersprochen bleiben, vielleicht arr-ch für die Friedenszeit stabilisiert werden könnten, mit allen zulässigen DDIittein anzustreben. Präsident Tr. Stern reflektiert atls die Ansführtmgen des Vorredners. Tie vorgeb rächten Vorfälle in Prag seien ihm auch bekannt ttin-b haben ihn aufs tiefste ergriffen. Würde es sich tunirgendeine kleine hilflose Kriltusgemeinde gehandelt haben, sowäre er bereits eingeschritteu. Nim haben sich aber die geschilderten Vorfälle in Prag, einer der größten Kultusgenteiudeit des Reiches, zugetragen, u-ud da glaube er denn doch, daß vor allem die Prager Knltusgemeinde die erforderlichen. Schritte zu unternehmen habe, und er setze auch voraus!, daß der dortige Kulttlsvorstand die Angelegenheit energisch betreibe. Erst wenn der Prager Kult usvor stand sich an das Präsidium der Wiener Kultus gemein de itnt Intervention wenden würde, könnte und würde a-uch bereitw-illigst die st s Präsidium an maßgebender Stelle intervenieren, genauso wie Redner bereits in anderenböhmischon u-nd lnühri'schen Flüchtlingsangelegenheiten wiederholt kontpeleistenorls borge Pro che u hat. In der Frage der Feldrabbiner hat Redner wiederholt beim Krieqsminister, Landesverteidigungs-Minister und dem- Fachreferenten v-orgesprocheu und überdies auch Eingaben unterbreitet, welche im. g-vgon und ganzen dasselbe Petit enthalten, ans welches die diesbezüglichen Ausführungen, des Vorredners hinauslausen. Geureiuderat Dr. S ch w a r z - H i l l e r bestätigt vollinhaltlich die Ausfüllungen des Oberingenie-urs Stricker in Angelegeliheit der galizischen F'lüchtli-nge in Prag und teilt auch seine Entrüstung. Er habe sich an den Minister des Innern gewendet, doch die eigenartigen österreichischen Verhältnisse dürsten die Erklärung dafü-r stün, daß die geschilderten unerhörten- Zustände noch immer andauern. Sanitäre Gründe als Vorwand für solche Maßnahmen zu nehmen, seigeradezu unglaublich. Er spricht auch den. Wunsch aus, daß das Präsidium ln dieser Angelegenheit das Geeignete unternehme. Wie wir hören, ist es inzwischen denr Reichsratsabgeordneten Heinrich Reizes nach mehr fachen Interventionen in Prag und Wien gelungen, die Aushebung des Verbots zu erreichen. z. Budapest, 16. März. Das „Rene Poster Journal" bringt folgenden interessanten Artikel: „Ein Name taucht aus der Vergessenheit, in die er verdienterweise geraten war, empor: ein Name, der einst, vor einem Menschenalter, ein Programm bedeutete. Geza O n o d y — er ist's, den wir meinen — war in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts neben Viktor Jstoczy einer der Häuptlinge der Antisemiten; er war es, der, ein Jahr, nachdem er zum ReichstagsaMeordneten gewählt worden, im Parlament die T i s z a - E s z l a r e r A f f ä r e zur Sprache brachte, sie immer mehr aufbanschte, in Wort und Schrift hetzte, bei der Verhandlung des berüchtigten Prozesses die Richter und den Staatsanwalt terrorisierte, letzteren sogar tätlich insultierte, und vor der Verhandlung ein Buch in ungarischer und deutscher Sprache veröffentlichte, das die Juden als das blutrünstigste und verabscheuungswürdigste Volk des Erdbodens hinstellte. Aber in dem Prozesse siegte nach hartem Kampfe die Wahrheit; das besonnene ungarische Volk, das sich für kurze Zeit hatte betören lassen, kehrte den Hetzern den Rücken, mtb als der künstlich genährte Judenhaß sich verstaut hatte, erhielten weder Jstoczy noch Onodh ein Mandat. Jener übersetzte des Josephus Werke über die Juden ins Ungarische und hausierte mit seinen Büchern; dieser war froh, in einem Waisenstuhl der Provinz eine bescheidene Unterkunft zu finden. Er galt

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