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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 fr Berlin, 20. März. Unter großer Beteiligung fand am 13. d.M. auf dem Friedhof in Weißensee die Beerdigung des im Alter von 56 Jahren .am 9. d. M. verstorbenen Sanitätsrats Dr. Alexander Friedeberg statt. Unter den Leidtragenden bemerkte man besonders viele Angehörige der ärmeren Bevölkerungsschichten, deren Trauer sich in rührender Weise äußerte. Durch Abordnungen waren die Armenkommission und das Waisenkollegium unserer Gemeinde vertreten, der ärztliche Bezirksverein und andere Organisationen, denen der Verstorbene nahestand, hatten Abordnungen entsandt. Rabbiner Dr. Warschauer, der die Trauerrede hielt, sprach über den Beruf des Arztes, für den die Juden infolge ihres starken Pstichtenrpfindens besonders geeignet sind, und würdigte die soziale Liebestätigkeit des Verklärten, der eine Zierde seines Standes gewesen sei. Sodann trug Oberkantor D a v i d s o ly n von der Synagoge Fasanenstraße als Abschiedsgruß der zweiten Abteilung der Armenkommission, der auch der Entschlafene angehört hatte, das mole raevamim-Gebet vor, worauf unter dem üblichen Gebet die Beisetzung erfolgte. W. Posen, 16. März. Alls Anlaß des diesjährigen Purimfestes veranstaltete der Jüdisch-liberale I u g e n d v e r e i n eine Soldatenpurimfeier für die gesamten in Posen in Garnison stehenden jüdischen Soldaten. An die unter Leitung des Feldrabbiners Herrn Dr. Steinthal (Posen) erfolgte religiöse Feier schloß sich ein gemütliches Beisammensein an. An geschmückten Tischen nahmen die zahlreich erschienenen Gäste Platz. Vielseitige Darbietungen teils belehrenden, teils künstlerischen Charakters trugen wesentlich dazu bei, die wenigen Stunden gemütlich zu gestalten. Hiesige Künstler hatten sich der guten Sache zur Verfügung gestellt, mir die Soldaten durch Gesang-, Biolinvorträge usw. zu erfreuen. Während kurzer Zwischenpause herrschte bei solenner Bewirtung eine gehobene Stimmung, und manche Bekanntschaft wurde unter den Kameraden geschlossen. Auf diese Weise verschwand schnell die Zeit. Mit einem „Auf freudiges Wiedersehen" kehrten die Festteilnehmer in ihre Quartiere zurück. 8. Cz. Posen, 16: März. Ter N a t i o n a l e F r a u e n d i e n st hat der Israelitischen Frauenhilse zu Händen von Frau Rabbiner Tr. Fr ei mann die Mittel zur Verfügung gestellt, eine rituelle Mittelstandsküche zu gründen. Aus denbesten Kreisen haben sich Ehrendamen in den« Dienst der guten Sache gestellt. An der Eröffnungsfeier nahm der Vorstand des Nationalen Frauendienstes, unter anderen Frau Oberst Heinrichs, Frau Oberürgermeister Wilms, Frau Konsistorialrat Staenunler usw., teil. Für die jüdischen Soldaten, die rituell leben, ist die Mittelstandsküche ein wahrer Segen. Hamburg, 16. März. Im Israelitisch-humanitnren Frauenverein sprach kürzlich der derzeitige Leiter des Deutsch-Israelitischen Waiseninstituts Herr E. Schloß über ,,Jüdische Waisenpflege in Hamburg". Der Redner hob hervor, wie gerade die Vorschriften der jüdischen Religion es ihren Angehörigen zur besonderen Pflicht machen, für die Erziehung und das weitere Fortkommen der verwaisten Kinder zu sorgen, und man sich daher auch schon frühzeitig in der Hamburger Jüdischen Gemeinde mit dieser humanitären Angelegenheit befaßte. In der Regel wurden die Kinder bei Verwandten oder auch bei reichen Gemei ndem itgliedern unter gebracht. Gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts haben es dennoch namhafte Männer der Treigemeinde Halnburg-Altona-Wandsbek als Notwendigkeit empfunden, zur Erziehung von Waisenkindern eine be-- sondere Vereinigung All gründen. Im Jahre 1766 erließen die beiden angesehenen Gemeindemitglieder Bendit Scheier und Simon Knorr einen diesbezüglichen Ausruf. Im August 1766 wurde in feierlicher Sitzung das Gründungsprotokoll unterzeichnet, und damit lvar die Vereinigung des Hamburger Deutsch-Israelitischen Waiseninstituts ins Leben gerufen. In den ersten fünfzig Jahren seines Bestehens hatte der nellgegründete Verein nur wenig Waisen zu unterhalten, lvar allerdings infolge seiner schlechten finanziellen Verhältnisse auch rlicht in der Lage, große Aufwendungen zu machen. Im Jahre 1831 erhielt das Institut durch ein Legat des Elias Markus Marburg eine Zuwendung von etwa 6000 Mark: im Laufe der nächsten Jahre erfolgten so erhebliche Zuwendungen, daß daran gedacht werden konnte, die Waisenknaben in einem besonderen Heim gemeinsam zu erziehen, während bisher die Knaben einzeln untergebracht bzw. den Müttern lediglich Erziehungsbeihilsen geleistet worden lvaren. In Verwirklichung dieses Planes wllrde am 3. Juni 1838 das Jnstitlit in gelnieteten Räumen, Bei den Hütten 67, eröffnet und dem Lehrer Ph. Nathan als -erstem Warsenvater des Instituts überantwortet. Schon am 4. Mai« 1842 konnte das Institut Räume eines eigenen Hauses, Marktstraße 4, beziehen. Seit dem 27. Dezember 1883 läßt das Institut seine Waisenknaben in dem eigens für seine Zwecke erbauten Hause, Papendamrn 3, erziehen, für das der Senat seinerzeit den Grund und Boden zur Verfügung stellte. Das Waiseninstitut wird von einer Direktion, bestehend aus fünf Herren, und «einer Deputation, bestehend aus acht Mitgliedern, selbständig verwaltet. Das Mädchenwaisenhaus wurde im Jahre 1856 von den hiesigen Kaufleulen Daniel I. Jaffee und Isaak Jaffee gegründet und zum Andenken an. die Gattin des letzteren „Paulmenstift" genannt. — Köln, 16. März. Am 8. d. M. vollendete der hiesige Rentner Nathan M. L ö b sein 100. Lebensjahr. Die Nachbarn gaben an diesem Tage ihrer Freude und Anteilnahme dadurch Ausdruck, daß sie ihre Häuser mit Tannengrün und Fahnen schmückten. Rabbiner Dr. R o s e n t h a l hatte bereits am Sabbat vorher in der Synagoge an der Glockengasse, die der Jubilar seit ihrer Gründung im Jahre 1861 bis zu seinem 95. Lebensjahre regelmäßig besucht hat, von der Kanzel herab auf den seltenen Gedenktag hingewiesen und der Gottesfurcht, Arbeitsfreude und Biederkeit im ganzen Leben des Hundertjährigen mit den Worten des Psalmisten gedacht: „Wenn du von deiner Hände Werk dich redlich nährst, heil dir und wohl dir." Nachdem der noch geistesfrische Jubelgreis die Glückwünsche seiner teilweise von weit hergereisten Familienglieder entgegengenommen, erschien eine Deputation, bestehend aus den Herren C o n z e n, Hermann, Professor Dr. H u i s g e n und Schmitz, um im Namen der Nachbarschaft zu gratulieren unter Ueberreichung einer kostbaren Blumenspende, in deren unterem Teil sich ein zierliches Körbchen mit hundert Eiern befand. Im Namen der Stadt erschien der Beigeordnete Dr. Löhe, der die Glückwünsche des dienstlich von Köln abwesenden Oberbürgermeisters Wallraf und der städtischen Verwaltung überbrachte. Der Vorstand und die Repräsentanz der Synagogengemeinde überbrachten Glückwünsche mit einem kunstvollen Diplom und ebenso Deputationen des Israelitischen Frauen- und des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins. Von Oberbürgermeister Wallraf war ein Glückwunsch-Telegramm oingetrosfen. <U7> Frankfurt a. M., 16. März. Durch Verfügung vom 26. Januar 2232. 1. 17. B 2 hat das Kriegßministeriunr der Armee bekanntgegeben, daß jüdische Heeresangehörige zum bevorstehenden Osterfeste Mazzoth erhalten können. Diese Verfügung ist vielfach mißverstanden worden. Sie sollte nicht besagen, daß den jüdischen Mannschaften durch die Heeresverwaltung Mazzoth statt Brot geliefert werde. Vielmehr sind die Bedingungen der Mazzochlieserung bei der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. V." in Frankfurt a. M., der das Kriegsministeriunr die nötigen Mehlmengen gegen Bezahlung zur Verfügung stellte, zu erfragen; von da aus erfolgt auch die Sendung der Mazzoth. Denjenigen Mannschaften, die mit Mazzoth versorgt sind, wird dann auf Antrag das Brotgew für b;e Zeit vom 7. bis 14. April ausbezahlt. — Das Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. V." keilt ferner unk: „Durch Verfügung vom 3. März d. I. Nr. 1247 2. 17. C la hat das Kriegsministerimn den in Betracht kommenden Stellen nachfolgende Wünsche betreffend die jüdischen Pessachfeiertage mit dem Anheimstellen mitgeteilt, ihnen zu entsprechen, soweit eS angängig ist und sich mit den dienstlichen Interessen vereinbaren läßt: 1. Für die in den heimatlichen Garnisonen oder an festen Standorten in den Etappengebieten befindlichen Mannschaften Heimaturlaub oder Urlaub nach der nächsten jüdischen Gemeinde; wo dies aus dienstlichen Gründen unmöglich, Dienstbefreiung an den 4 Hauptfeiertagen (7., 8., 13., 14. April und deren Vorabenden), ferner für die in den Garnisonen Verbleibenden an den beiden ersten Vorabenden (6. und 7. April abends) Stadturlaub bis 12 Uhr nachts zur Teilnahme am Gottesdienst und der häuslichen Andacht (Seder). 2. Für die Mannschaften an der Front, soweit es die Kriegslage gestattet, zum mindesten die Möglichkeit, die beiden Abende, Freitag, den 6., und Samstag, den 7. As>ril, in guneinsamer gottesdienstlicher Feier gruppenweise zu begehen, soweit nicht weitevgehende Erleichterungen für sie möglich find. Die Kommandobehörden werden darauf hingewiesen, daß strenggläubige jüdische Mannschaften von eineinmit Reisen verbundenen Urlaub nur dann Gebrauch machen können, wenn ihnen die Möglichkeit gewährt wird, die Reise selbst vor Beginn und nach Ende des Feiertages bzw.

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